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Beikostverwirrung

Verfasst: 06.12.2010, 13:59
von Emmi2007
Hallo zusammen,

ich brauche gerade mal ein bisschen Input, bitte! Mein Sohn ist jetzt fast 7 Monate alt, vor ca. 3 oder 4 Wochen haben wir langsam mit Blw angefangen, weil er sehr an unserem Essen interessiert war und mir sonst einfach alles vom Teller gerissen hätte. Am Anfang war er auch ganz zufrieden damit, nun ist es aber seit einiger Zeit so, dass ihm das Essen so meistens nicht schnell genug geht. Er fängt dann irgendwann ganz bitterlich an zu weinen und ist ganz enttäuscht, dass er nicht so viel Essen abbekommt, wie er gerne möchte. Jetzt habe ich ihm am Wochenende nachmittags 2 Mal Obstbrei angeboten, als wir auch gegessen haben, und den hat er mit Begeisterung gegessen... Heute habe ich für ihn Möhren-Kartoffelbrei gekocht, das fand er so mäßig, hat es aber insgesamt auch ganz anständig gegessen, allerdings hat er den Brei erst bekommen, als meine Große und ich schon zu Mittag gegessen hatten, vorher hat er nämlich noch geschlafen. Ich hatte den Eindruck, dass seine fehlende Begeisterung heute auch ein wenig daher kam, dass er halt alleine essen musste.
Jetzt bin ich irgendwie ratlos, wie ich weitervorgehen soll. Ihm nur etwas von unserem Essen anzubieten, wenn wir essen und er zufällig gerade wach ist, scheint ihm nicht zu reichen. Also parallel Brei und Fingerfood? Und wenn ja, welchen Brei? Er hat ja schon einiges an Brot, Reiswaffel, Banane, Apfel etc. gegessen, da kann ich doch jetzt nicht zurückrudern und einen klassischen Beikoststart mit 4 Löffeln Möhrenbrei machen :?:
Ich finde es auch so schwierig, da einen Rhythmus reinzubekommen, der Kleine schläft noch so unregelmäßig, das hängt halt davon ab, ob wir unterwegs oder zu Hause sind, ob die Große ihn schlafen lässt oder hier Krach macht etc. Mit den Familienmahlzeiten immer auf ihn warten, bis er ausgeschlafen hat, geht wegen der Großen nicht. Sie ist eine wirklich schlechte Esserin und wenn ich nicht darauf achte, dass wir regelmäßig und zu halbwegs festen Zeiten essen, gibt es hier nur Streit und Stress.
Ach mensch, das ist alles doof, der Beikoststart bei der Großen war so anstrengend, weil sie nicht essen wollte, und ich wollte es dieses Mal nun ganz entspannt angehen und ich merke jetzt schon, dass mich das schon wieder stresst.
Wie würdet ihr jetzt an meiner Stelle weitervorgehen?

Re: Beikostverwirrung

Verfasst: 07.12.2010, 08:43
von jusl
Wie würdet ihr jetzt an meiner Stelle weitervorgehen?
Ich würde

1. es keineswegs als "Rückschritt" betrachten, wenn Du statt Stückigem auch mal Brei gibst. Das was Ihr esst/das was Deinem Baby schmeckt kannst Du einfach pürieren und per Löffel anbieten. Wenn Dein Baby so zufriedener ist, wo ist das Problem? :D Einen "Rhythmus" braucht Dein Baby doch eigentlich nicht; Du kannst Essen einfach anbieten, wenn's gerade passt. "Fehlende Begeisterung" würd ich auch nicht unbedingt als Maßstab nehmen; die Erwartung dass Kinder (womöglich immer) vom Essen "begeistert" sein sollten, ist wohl etwas überzogen. Reicht doch eigentlich, wenn das Baby einfach so viel isst, wie es eben braucht ;-)

2. mir Hilfe beim Essverhalten der Tochter holen. Wenn Kinder von ihren Eltern als "schlechte Esser" bezeichnet werden, dann ist dies oft ein Hinweis darauf, dass in Punkto Essen bereits irgendwas schiefläuft (denn eigentlich sollten sich Leute um die Essensmengen anderer Leute gar nicht kümmern (müssen)!..). Ich habe schon oft gesehen, wie Eltern mit ihren Kindern "stellvertretend übers Essen" Macht- und Kontrollkämpfe ausfechten, Erziehungsideen durchzusetzen versuchen oder an unrealistischen Erwartungen schlicht scheitern. Dies kann Beziehungen dauerhaft schädlich belasten, vom fehlenden Spaß am Essen ganz zu schweigen. Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr noch nicht so weit seid. Als Einstieg finde ich das Buch "Mein Kind will nicht essen" ganz hervorragend und sehr hilfreich; aber wenn "Streit und Stress" auch damit nicht überwunden werden können, würde ich therapeutische Hilfe suchen; einfach um schlimmere Folgen abzuwenden.

LG,
Julia

Re: Beikostverwirrung

Verfasst: 07.12.2010, 12:10
von Emmi2007
Liebe Julia, vielen Dank für deine Antwort.
Brei zu füttern sehe ich eigentlich auch nicht als Rückschritt, da habe ich mich wahrscheinlich schlecht ausgedrückt. Ich bin mir einfach nur gerade so unsicher, welchen Brei ich ihm jetzt anbieten soll, nachdem er hier eigentlich schon sehr vieles als fingerfood probieren durfte bzw auch vieles schon in nenneswerten Mengen zu sich genommen hat. Es käme mir halt jetzt komisch vor, ihm gar kein Fingerfood mehr zu geben (gestern abend hat er fast ne halbe Scheibe Brot gefuttert) und stattdessen ganz klassisch mit 4 Löffel Möhrenbrei zu beginnen, die langsam zu steigern und erst nach 2 Wochen oder so mal Kartoffel als zweites Lebensmittel einzuführen, obwohl er das ja alles hier schon gegessen hat, nur eben nicht als Brei.
Könnte ich ihm wirklich einfach was von unserem Essen pürieren, wenn ich erst später würze bzw. salze? Ist es dann egal, wenn es oft neue Sachen gibt und nicht erst nach 1 oder 2 Wochen wieder? Bei Blw heißt es ja oft, dass die Kinder am Anfang eh nur an den Sachen lutschen oder nur ganz kleine Mengen davon essen, aber der Mini haut sich hier echt richtige Portionen rein, wenn ich ihn fütter.
Ich habe halt irgendwie Hemmungen, ihn einfach alles durcheinander essen zu lassen, muss sich sein Bauch nicht irgendwie erst ein wenig daran gewöhnen? Andrerseits will er auch essen, wenn er uns essen sieht, sonst gibt es hier echt Geschrei :mrgreen:

Mit der Großen und dem Essen ist es zum Glück fast nur noch problematisch, wenn ich nicht darauf achte, dass sie regelmäßig was isst. Sie spielt halt lieber und ist dann oft so vertieft, dass sie gar nicht merkt, dass sie Hunger hat. Irgendwann fällt sie dann aber in so ein "Hungerloch" und ist total müde und weint eigentlich nur noch wegen jeder Kleinigkeit. Wenn wir aber regelmäßig essen, isst sie normalerweise auch ohne großes Theater. Zwar auch nur wenig und wahnsinnig langsam, aber ihr scheint es zu reichen....
Als schlechte Esserin habe ich sie vor allem deshalb bezeichnet, weil sie fast gar nichts mag und halt so wenig und so langsam isst, aber ich war als Kind genauso, daher habe ich noch die Hoffnung, dass sich das irgendwann auswächst.
Gonzales habe ich nach dem Beikostbeginn oder eher Beikostverweigerung der Großen gelesen, das hat mir in vielen Punkten auch geholfen, das Essensthema entspannter zu sehen. trotzdem noch mal danke für den Tipp!

Re: Beikostverwirrung

Verfasst: 08.12.2010, 09:29
von tania
stillst du nach bedarf? wenn ja - alles easy! wir hatten phasen, wo er ganz viel linsen und reis aß mit acht monaten und jetzt, mit fast zwei, gibt es immer noch tage, wo er - ohne krank zu sein - fast ausschließlich stillt und nur an nem kanten brot nagt. wenn er den brei mahg - super. es schließt sich ja auch nu gar nicht gegenseitig aus. wenn es dich allerdings nervt, für dein kind was extra zu kochen, was er dann doch nicht isst (obwohl er es doch gestern gegessen hat :roll: ), dann würde ich einfach mal ne woche pause machen mit dem extra kochen und ihm "nur" vom allgemeinen essen was anbieten. das buch von gonzales "mein kind will nicht essen" finde ich auch unabhängig von eigener unsicherheit richtig klasse und würde ich eh lesen.