Solina hat geschrieben: 12.11.2022, 13:26
blueberry hat geschrieben: 12.11.2022, 08:36
andallthatjazz hat geschrieben: 11.11.2022, 21:46
Blueberry, die Forumdiskussion nervt ja maximal

Ja, Ich ertrage sowas auch nicht an allen Tagen.
(Der Grund, warum ich in meiner Gegend so gut wie keine Stillberatung gemacht habe: da trifft man bei den meisten Menschen grundsätzlich auf "ob Stillen oder Flasche ist doch völlig egal! Sei doch nicht so ideologisch!" wenn man was pro Stillen sagt.)
Man muss die Schwangeren schon überzeugen und aufklären. Wenns schon gelaufen ist, dann bringts ja nur fürs vielleicht nächste Kind was. Und da sollte man die junge Mutter auch nicht in einer vulnerablen Lage zu überzeugen versuchen wollen.
Ich ertrage es nicht, wenn man Mütter nicht mit Respekt behandelt.
Sorry, kam missverständlich rüber: ich rede hier nicht von Erstmüttern in vulnerabler Lage,
sondern von Kontakten mit kinderlosen Frauen im Umfeld, (Wieder-)Schwangeren im Geburtsvorbereitungskurs, noch Stillenden (also meist nur erste sechs Monate) einerseits,
vor allem aber auch von Hebammen und Schwestern im Geburtsvorbereitungskurs und bei der Kreissaalführung in meinem Landkreis, als ich zur anstehenden Geburt meiner Tochter die nächstgelegene Klinik zum Infotermin besucht habe (in die man aus dem Geburtshaus verlegt worden wäre, wenn nötig).
Das war schon das progressivste der drei Geburtskrankenhäuser mit dem besten Ruf im Kreis (das einzige z.B., in dem es Beleghebammen gibt), und selbst DORT hatten am Infotermin auf Wochenstation ALLE Babys einen Schnuller im Mund und das auf der Website und in den Hochglanzbroschüren angepriesene "Rooming in" war de facto nur tagsüber

.
Stillen nachts, wenn die Babys im Säuglingszimmer abzugeben sind(!) [O-Ton auf Nachfrage: "damit auch die Zimmernachbarin schlafen kann - der gegenüber haben Sie schließlich auch eine Verantwortung, es geht nicht nur um Sie selbst!"] war ganz offensichtlich nicht vorgesehen. Als ich beharrte, ich möchte mein Kind auch nachts bei mir haben, wurde mit aufgerissenen Augen in die Runde der überwiegend Erstgebärenden hinein mit Fruchtwasseraspiration und unbemerktem Ersticken der Babys gedroht, wenn man nachts sein Kind auf dem Zimmer behielte, so lange man "von der Geburt noch so erschöpft sei, dass man davon gar nichts mitbekomme" im Gegensatz zur achtsamen Nachtschwester.
Auf meine Nachfrage, wo ich denn dann stillen solle, wenn ich nachts stillen möchte und das im Zimmer nicht erwünscht sei, kam ein genervtes "na, wenn sie UNBEDINGT auch NACHTS stillen wollen, können Sie ja mit der Nachtschwester ausmachen, dass die sie weckt, wenn Ihr Baby weint, und dann können wir Ihnen hier einen Stuhl reinstellen *in eine Ecke des Säuglingszimmers zeig*"
Das war nicht in den 80er Jahren sondern nur neun Jahre her. Es war mein zweites Kind, ich hatte schon beim ersten Kind die Stillberaterinnenausbildung in einer anderen Gegend hinter mir, und habe es dann aber aufgegeben mit den kritischen Rückfragen gegenüber Fachleuten in der neuen Gegend, und mich über die Einstellung der meisten Mütter nicht mehr gewundert, wenn das Baby im Normalfall halt schon mit Schnuller und Nachtfläschchen aus der Klinik kommt - es sei denn, die vorinformierte Mutter hat die Kraft, da in der Klinik gegen den Strom zu schwimmen und ist stillwissenstechnish sattelfest.
Ich habe mich aber mental/emotional nicht in der Lage gesehen, bei so viel tiefsitzender gesellschaftlicher Indifferenz gegenüber dem Stillen gegen Windmühlen zu kämpfen.
Wenn mich jemand privat kannte und sowieso pro Stillen war, hab ich gern beraten. Ansonsten habe ich lieb gelächelt und höchstens mal allzu haarsträubende "Fakten" korrigiert in Gesprächen.