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Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 16:51
von IdieNubren
Ganz furchtbar finde ich die Kritik vom BR, als wäre das ein Wochenend kurs in richtiger Erziehung. Hier kommt auch der Regisseur zu Wort.

Achtung trigger: da ist eine Szene mit Zwangs-Flaschen Fütterung

https://www.ardmediathek.de/tv/kinokino ... d=56808536

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 18:17
von Wiepaula
Krass, das als "ganzheitlichen" Ansatz zu bezeichnen. Wieso ganzheitlich? Weil die Eltern sich ändern müssen? Äh ja, aber nun sollen sie die Tyrannen sein?
Kennt hier jemand den Neufeld Ansatz? Es gibt einen schönen Satz, da sagt Dr. Neufeld über Kinder unter 7 "They are not like us and we should not be like them."

Die Petition haben wir hier beide unterschrieben.

Diskussion finde ich auch wichtig. Ich interessiere mich für Psychotherapie und habe auch eine entsprechende Ausbildung zumindest begonnen. Eine tiefenpsychologische, keine verhaltensorientierte. Genau aus diesem Grund, Verhalten kann man konditionieren und Verhalten ist für mich nur die Spitze des Eisbergs.
Am Ende schauen sich aber hunderte von Eltern den Film an ohne jegliche psychologische oder psychotherapeutische Vorbildung und denken sich " also wenn die moderne Psychotherapie so geht, dann muss das wohl gut sein".
Sehr traurig..

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 18:23
von cebe
Ich bin auch ganz geschockt und betroffen.

Leider glaub ich auch nicht das diese Klinik so "einzigartig" ist, sondern das leider in vielen Kinder - und Jugendpsychiatrien oder -Somatiken diese Haltung ggü Kindern/ Familien üblich oder zumindest weit verbreitet ist...

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 18:49
von Seifenblasenfrau
IdieNubren hat geschrieben: 17.10.2018, 16:51 Ganz furchtbar finde ich die Kritik vom BR, als wäre das ein Wochenend kurs in richtiger Erziehung. Hier kommt auch der Regisseur zu Wort.

Achtung trigger: da ist eine Szene mit Zwangs-Flaschen Fütterung

https://www.ardmediathek.de/tv/kinokino ... d=56808536
Schlimm!!!! Es ist die Rede von “Erziehungsfehler der Eltern führen zum Fehlverhalten der Kinder“ und “Die Klinik hilft den Kindern beim Gesund werden“ (Gesund von falschem Verhalten??????) und “Der Film zeigt den Weg zu einer guten Erziehung“. Und ich dachte vorher, dass ich Arme fest halten beim Füttern legitim finde, aber doch nur so lange, bis das Kind signalisiert, dass es das nicht mehr möchte?! Das was ich da als Festhalten sehe, ist ja brutal! (Ich umarme vorsichtig beim Baby auch beim Füttern die Arme, damit er nicht in den Brei greift, ich dachte das ist gemeint! Es geht ja anscheinend auch grausam mit festklammern und gewaltsam füttern 😳)

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 20:17
von sanilii
IdieNubren hat geschrieben: 17.10.2018, 16:51 Ganz furchtbar finde ich die Kritik vom BR, als wäre das ein Wochenend kurs in richtiger Erziehung. Hier kommt auch der Regisseur zu Wort.

Achtung trigger: da ist eine Szene mit Zwangs-Flaschen Fütterung

https://www.ardmediathek.de/tv/kinokino ... d=56808536
Wenn ich das richtig verstanden habe, hat der BR den Film ja mit produziert. Klar, dass die dann allen erzählen wollen, wie toll der doch ist...

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 20:47
von Cocolin
Puh, ich habe mir gerade den BR Beitrag angesehen, und das ist ja echt gruselig wie säuselig das als nette Erziehungshilfe verkauft wird.

Ich weiß gar nicht, wo ich jetzt weitermachen soll mit schreiben. Ich habe die letzten Tage hier weiter mitgelesen aber bin nicht mehr zum Schreiben gekommen und jetzt grad krieg ich meine Gedanken auch nicht ganz klar auf die Reihe, zu viel im Hirn los momentan.

Nach wie vor habe ich meine Schwierigkeiten mit "Film verbieten". Das so eine Petition etwas bringt, glaube ich sowieso nicht. Wenn ein Verleih so ein Projekt angenommen hat, wollen die ja auch die Einnahmen aus den Kinobesuchen und die werden sich nicht um eine Petition kümmern. Was ich verstehe ist die Sorge, dass sich die Ansichten so ohne Erklärung, dass das nun gerade NICHT mehr den ethischen und wissenschaftlichen Standards entspricht - wenn auch wahrscheinlich, leider viel zu oft, der Realität in Kliniken und Beratungsstellen.
Und als selbst Filmemacherin: ständig wollen einem Leute irgendwelche Themen oder Drehs verbieten und das ist seit einigen Jahren (Stichwort: Lügenpresse) echt krass geworden. Deshalb, auch wenn ich das
Leila hat geschrieben: 17.10.2018, 16:44Es geht im ersten Schritt darum, diesen Film aus der Öffentlichkeit zu bekommen, da er diese Methoden wieder gesellschaftsfähig machen kann. Und natürlich in erster Linie um den Schutz der betroffenen Kinder.
Im zweiten Schritt müssen die Methoden hinterfragt und geändert werden. Das diese bereits öffentlich diskutiert werden, ist schon ein Erfolg.
durchaus ähnlich sehe, kriege ich beim "Verbietenwollen" immer etwas Bauchschmerzen.

Mein Ansatz wäre, laut aber unaufgeregt sachliche Kritik anbringen. So wie es Renz-Polster gemacht hat. Geht zu den Veranstaltungen und stellt die unbequemen Fragen! Und schreibt die Sender an, die Geld gegeben haben und weist auch da auf die Problematiken hin. Zum Beispiel auch bei dem BR Beitrag: schreibt! Am besten direkt an den Intendanten, also nicht Zuschauerservice oder so. Dann muss er beantwortet werden und geht den höchstoffiziellsten Dienstweg. (Intendant wendet sich dann an die Redaktion mit Bitte um Stellungnahme).

Dazu will ich den Film nach wie vor sehen, auch um meine Kriik dann gezielter aussprechen zu können.

Ich schau mir grad das Filmposter an, um zu sehen wer eigentlich noch Geld dazu gegeben hat. Ich seh's nur online und kann nicht weiter reinzoomen, aber irgendeine Bundesbehörde scheint auch dabei zu sein? Muss morgen mal beim Kino vorbeifahren und schauen.

Wir wollen außerdem einen eigenen Film drüber vorschlagen. Wir hatten das schon länger vor, weil wir mal ein Projekt zur Gesundheitsförderung von Kindern porträtiert haben. Da war eine Hochschule mit im Boot, und auch das Jugendamt, Schulen, etc. Und es ging eben viel drum, wie man Familien so unterstützen kann, dass sie erst garnicht so in Not geraten und sich im "Erziehungsdschungel" besser zurecht finden und ihre eigenen Wege finden. Nach der Elternzeit war ich noch nicht dazu gekommen, weil zu viel anderes zu tun war - aber jetzt ist ja eine gute Gelegenheit...

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 20:54
von Leila
Es geht nicht darum, das Thema zu verbieten, im Gegenteil. Aber hier werden massiv Rechte von schutzbedürftigen Kindern verletzt, und ganz viele Zuschauer finden das auch noch gut. Es geht um die fehlende kritische Auseinandersetzung in dem Film. Um den Mangel an Respekt und Privatsphäre den Kindern gegenüber.

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 21:39
von sanilii
Ah, es war nicht der BR sorry!
(Bild ist ein Screenshot von Facebook)

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 21:51
von Himbeere78
Ich würde bei so einem Film echt aktiv mithelfen und finanzieren usw.

Re: Film Elternschule im Kino

Verfasst: 17.10.2018, 22:21
von Mutterhenne
Wiepaula hat geschrieben: 17.10.2018, 18:17 Krass, das als "ganzheitlichen" Ansatz zu bezeichnen. Wieso ganzheitlich? Weil die Eltern sich ändern müssen? Äh ja, aber nun sollen sie die Tyrannen sein?
Kennt hier jemand den Neufeld Ansatz? Es gibt einen schönen Satz, da sagt Dr. Neufeld über Kinder unter 7 "They are not like us and we should not be like them."

Die Petition haben wir hier beide unterschrieben.

Diskussion finde ich auch wichtig. Ich interessiere mich für Psychotherapie und habe auch eine entsprechende Ausbildung zumindest begonnen. Eine tiefenpsychologische, keine verhaltensorientierte. Genau aus diesem Grund, Verhalten kann man konditionieren und Verhalten ist für mich nur die Spitze des Eisbergs.
Am Ende schauen sich aber hunderte von Eltern den Film an ohne jegliche psychologische oder psychotherapeutische Vorbildung und denken sich " also wenn die moderne Psychotherapie so geht, dann muss das wohl gut sein".
Sehr traurig..
Ich habe die Formulierung 'ganzheitlich gesundheitsorientiert' auf die psychosomatische Grundausrichtung bezogen – es gehe also darum, körperliche und seelische 'Störungen' im Zusammenhang miteinander zu begreifen... Wie das dort zu geschehen scheint - nunja... Aber selbst wenn man das alles in Ordnung findet (und das tue ich nicht): Ich finde es mindestens beunruhigend, wie (zumindest in den Kritiken/Trailern/Selbstaussagen an der Produktion Beteiligter) suggeriert wird, ein therapeutischer Ansatz sei geeignet für den ganz gewöhnlichen Familienalltag (exemplarisch dafür ist dieses unsägliche Zitat aus der SZ, mit der der Film beworben wird)
Inzwischen bin ich zu der Entscheidung gekommen, den Film anschauen zu müssen - das Thema lässt mich nicht los, und ich spreche ungern über Dinge, die ich mangels eigener Anschauung nicht wirklich beurteilen kann :? Er ist übrigens schon auf dem Münchner Dok.Fest 2018 gezeigt worden, also schon länger in der Öffentlichkeit: https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/13240...
(k)VT ist ein sehr weites Feld, und es geht dort nicht immer nur um Konditionierung. Mittlerweile gibt es ja auch integrative Ausbildungsgänge, die tiefenpsychologische und VT-Ansätze zusammenbringen ;-)...