Sowohl die Stillberaterin als auch der KiA sagten mir, er solle 30g am Tag zunehmen. Sie relativierte es etwas und sagte 200g in der Woche. Im Gründe sagt mir mein Verstand, dass das Schwachsinn ist, da niemand stetig zunimmt, aber als ich dies bei beiden ansprach, dass ja auch mal eine Phase sein könnte, wo das Gewicht nicht steigt, sagten beide, dass dies nicht sein dürfe. Der KiA blieb bei 30g pro Tag und die Stillberaterin sagte nicht unter 170g die Woche.
Das habe ich wochenlang als Regel angesehen und das forderten beide auch noch Ende November. Du warst die Erste, die es relativiert hat.
Ist ja ulkig. Aber 1,25 g pro Stunde müssen es nicht immer unbedingt sein, was?

Nee, im Ernst, also ich würde sagen, dass ich einen ganz guten Überblick über die aktuelle Fachliteratur zum Thema Gedeihen und Gedeihstörungen habe. Die Info der Stillberaterin mit den 170 g pro Woche stammt aus dem Buch "Gewichtsverlauf und Stillen" von Marta Guoth-Gumberger aus 2011. Das war hier im SuT auch schon ausführlich
Thema - das Problem dran: bis 2011 durften Babys in den ersten Lebenswochen auch 117 g wöchentlich zunehmen und galten damit als gesund und gut genährt.

Vor Erscheinen der neuen WHO-Zahlen war alles bestens, aber sozusagen einen Tag später nach Erscheinen der neuen Zahlen hätte man diese Babys dann therapieren müssen... irgendwie ziemlicher Unsinn.
Definitiv schon immer Quatsch waren zwei Dinge:
1. dass ein Baby irgenwann in seinem Leben durchschnittlich mindestens 210 g wöchentlich (= 30 g täglich) zunehmen muss - diese Regel gab's nie - , und
2. dass bei täglichen Messungen ein täglicher Gewichtszuwachs um irgendeine bestimmte Zahl - egal ob 20, 25 oder 30 g - zu ermitteln sein muss. Diese Gewichtsunterschiede sind einfach viel zu klein, als dass man sie methodisch korrekt messen kann - ein großer Klecks Spucke ist ja bald in dieser Größenordnung!.. Also das ist definitiv Unsinn. Wir reden hier nicht von 800 g-Frühchen, bei denen es um jedes Gramm geht.
Mein Plan: entweder es klappt mit dem Softcup, oder ich gebe halt noch einmal Geld für das Brusternährungsset aus. Wenn ich dadurch wieder zum Vollstilen komme, wäre das Geld ja schnell wieder eingespart, da kein Pulver mehr gekauft werden müsste.
Da kann ich Dir zustimmen. Das BES könnte in der Tat in Eurer Situation geeignet sein - möglicherweise erleichtert es in Eurem Fall sogar den Ausstieg aus der Hütchennummer. Bitte gib Bescheid, wenn Du das BES versuchen willst; die BES-Nutzung erfordert ein bisschen Vorbereitung und Übung - wir unterstützen Dich gerne dabei!
Ich frage mich nur, wie ich seine Saugtechnik verbessern kann. Hört er von alleine auf, an der Brust wie beim Fläschchen zu saugen?
Das ist schwer vorherzusagen, aber in vielen Fällen reicht tatsächlich aus, dass das Baby konsequent KEINERLEI künstliche Sauger mehr bekommt - keine Hütchen, keine Schnuller, keine Flaschen - und die Saugtechnik an der Brust verbessert sich von allein. "Von allein" heißt: "ohne weitere (saugtherapeutische) Maßnahmen", aber "mit Unterstützung hinsichtlich korrektem Andocken und korrekt angedockt Bleiben".

So ähnlich, wie man als erfahrene (oder auch frischgebackene) Stillmutter automatisch bei einem Neugeborenen darauf achtet, ganz sorgfältig und korrekt anzulegen, so wie's im Stillbuch steht, also nicht irgendwie hingeklatscht in der Sofaecke, sondern richtig "ordentlich". Das reicht oft schon als Unterstützungsmaßnahme.
Mich verwirrt total, dass sowohl Stillberaterin als auch Hebamme sagten, er sauge gut und docke sich perfekt an.
Ich kann Deine Verwirrung sehr gut nachvollziehen. Beraterin und Hebamme vor Ort haben Dein Baby gesehen, ich nicht. Auf der anderen Seite: wenn Dein Baby mit Hütchen "perfekt andockt", d.h. mit HÜTCHEN-Technik trinkt, ist dies automatisch NICHT die ideale Technik fürs Stillen ohne Hütchen. Zungen- und Kieferstellung, außerdem Fließverhalten und v.a. das Mundgefühl unterscheiden sich da erheblich.
Okay, ich präzisiere: Ohne Brust findet er kaum in den Schlaf. Mir wurde gesagt, dass ich ihn wecken soll, falls er beim stillen einschläft. Das mache ich aber nicht, weil ich denke, dass er müde ist und schon wieder aufwachen wird, wenn er Hunger verspürt. Ich glaube, die Stillberaterin meinte, ich solle ihn abdicken, damit er nicht nuckelt. Meine Hebamme ging sogar so weit zu sagen: "Lassen Sie ihn nicht permanent trinken und schlafen. Sie wollen doch nicht, dass er später permanent was ißt und übergewichtig wird." Ich war so blöd ihr zu glauben. Allerdings müssten dann ja alle Kinder, die mal clustern, später permanent essen und dick sein.
Ich dachte, dass er auch ohne Brust einschlafen können sollte. Seit ich mich mit Dir berate, habe ich es aber zugelassen und seitdem ist alles viel friedlicher und er weint nicht mehr vorm Einschlafen. Ich habe nur Angst, dass er von mir abhängig ist und dann immer schlimm weint, wenn er ohne mich schlafen muss. Was ist, wenn ich mal abends weggehen möchte?
In diese Überlegungen - die vermutlich alle jungen Mütter haben - spielen ZWEI Dinge mit rein: Zum Einen ist da ein stillberaterischer Aspekt, also die Frage: Welche Verhaltensweisen fördern erfolgreiches Stillen? Das zufriedene Einschlafen an der Brust gehört da definitiv dazu (man mache sich bewusst, dass das Wort "STILLEN" von "STILL" kommt, das hat schon seine Richtigkeit so!

). Klar muss man schauen, dass ein Baby nicht wegen Saugschwäche oder nach anderen technisch erfolglosen Bemühungen lediglich vor Erschöpfung einschläft - so ist das natürlich nicht gedacht. Aber das Einschlafen nach einer ganz normalen Stillmahlzeit an der Brust ist der Normalfall. Ich habe viele Jahre lang meine Kinder (die heute übrigens gertenschlank sind!..) dabei beobachten dürfen, wie sie nach dem Stillen an der Brust friedlich ins "Suppenkoma" fielen. Zum Anderen ist da der Aspekt des Betreuungsstils oder auch: die Identitätsfindung als Mutter, welche "Sorte" Mutter man sein will, wie man sich das Zusammenleben mit Baby vorgestellt hat usw.. Viele junge Mütter fragen sich: "Mache ich mein Kind mit dem Stillen von mir abhängig?" oder "Was, wenn mein Kind gar nicht mehr ohne mich einschlafen will?" und ähnliche Fragen. Die Antwort wirst Du mit der Zeit für Dich und Deine Familie selbst herausfinden, ganz bestimmt, aber vielleicht hilft Dir vorab schonmal folgender Hinweis: ALLE kleinen Kinder möchten viel Zeit mit ihrer Mutter verbringen, auch die, die nicht gestillt werden. Alle kleine Kinder mögen gern in den Schlaf begleitet werden - wie auch immer das im Einzelfall aussieht. Wenn Dir das Weggehen abends wichtig ist, so lange Dein Baby noch klein ist, werden sich dafür Wege finden, auch wenn Du vollstillst.
Nachts ist es mir manchmal einfach unangenehm, wenn er so lange braucht, um sich in den Schlaf zu nuckeln. Wenn er dann noch aufwacht, wenn ich ihn abdocke (von alleine läßt er nicht los) kann ich wieder von vorne loslegen.
Hast Du mal versucht, ein wenig zu tricksen? Manchmal hilft es, gaaaaanz langsam das Saugvakuum zu lösen (einfach ein bisschen seine Unterlippe zur Seite/nach unten ziehen, dass ganz langsam Luft in den Mund strömt), dann kann man die BW rausziehen. Manchmal hilft auch, das Vakuum relativ schnell zu lösen (z.B. kräftig von oben oder seitlich hinter der BW aufs Brustgewebe drücken, so dass schnell Luft einströmt und die BW fast direkt draußen ist) und dann schnell von unten mit dem Finger den Unterkiefer des Babys nach oben schieben, um so den Mund schnell wieder zu schließen. Dann merken die Babys oft nicht, das was fehlt.

Und viele Babys lieben es auch, an Mamas kleinem Finger zu nuckeln (kurzer Fingernagel, Kuppe nach oben). Vielleicht kannst Du was davon ausprobieren.
LG
Julia