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Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 14:17
von Fredda
Ja, ich möchte gerne ohne Hütchen stillen und ich möchte voll stillen. Ich möchte einfach, dass es ihm gut geht und es geht ihm mit der Flasche nicht gut, allerdings habe ich Angst, dass je mehr er zugefüttert wird, desto weniger er sich an der Brust anstrengt. Im Moment schläft er häufig an der Brust ein. Erst trinkt er, dann kuschelt er sich an mich an und um mich herum und schläft. Er findet tagsüber so schwer in den Schlaf, dass ich ihn dann nicht wecke. Sollte ich das tun?

Vielleicht bin ich heute einfach frustriert. Vielleicht schaffe ich es auch nicht, mich gedanklich von 30g pro Tag zu lösen.

Manchmal denke ich: nun gib ihm einfach nur noch Pre und ein Fläschchen, dann hast Du weniger Stress und er hat mehr Zeit zum wach sein, spielen und lernen. Ich habe Angst, dass ich seine Entwicklung durch meinen Wunsch behindere, weil er ja immer so lange zum stillen braucht und dadurch wenig seiner wachen Phase fürs Spielen und bewegen nutzt.
Wenn andere über Gleichaltrige sprechen, sind sie viel mehr wach und spielen viel. Er kann gezielt greifen, aber nur nach meinem BH Träger. Ist das nicht absurd? Greiflinge etc. interessieren ihn nicht, aber meinen BH Träger hält er immer fest beim Stillen.

Definitiv hätte er mehr Zeit zum Spielen, wenn ich den Plan aufgeben würde und ich fühle mich egoistisch, weil es ihm doch leichter fällt, aus der Flasche zu trinken. Aber: Er hätte dann doch wieder mehr Bauchschmerzen, würde trinken ohne aufzuhören und ohne die Menge kontrollieren zu können. Dadurch wäre er ja aucherschöpft und könnte nicht spielen.

Ich glaube, er liebt die Nähe und braucht sie auch. Wenn er großen Hunger hätte, würde er nicht dabei einschlafen.

Heute Nacht hat er nur stundenlang nicht in den Schlaf gefunden, bzw. ist dauernd sofort wieder aufgewacht. Er weint heute ständig und ich bin einfach fertig. Ohne Schlaf, ohne Idee, was ihm fehlt.

Liebe Grüße

Fredda

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 14:28
von Katha
Liebe Fredda,
Hach, das mit den Vorwürfen kenne ich aus anderen Bereichen gut genug. Gestern zB ging es mir nicht gut, hatte schon Stillgruppe ausfallen lassen, Nachmittags überlege ich dann doch Musikkurs zu machen. Ist mir aber immer noch zuviel, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil den Kl. etw. langweilt war. Aber weißtDu was? Dieses schlechte Gewissen ist völliger Blödsinn. Bei so kleinen Sachen erst recht. Bei großen wie Deinem Stillwunsch nochmal dazu.
Stillen ist nachweislich gut für die Gehirn- und Sprachentwicklung. Da ist es nicht schlimm, wenn er ein wenig weniger Zeit zum Spielen hätte. Und ich verwende den Konjunktiv, weil fraglich ist, ob das Flaschenkinder haben. Auf alle Fälle sind die Mamas immer gut mit Fläschchen machen und auskochen beschäftigt.
Dein Sohn profitiert auf alle Fälle vom Stillen, wenn Du das auch willst :)
Also: Vorwürfe abstellen!
Und Baby genießen, wie Julia immer so schön schreibt :)
Liebe Grüße

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 14:49
von Sakura
Hi Fredda,

wieviel ein Baby schläft und wieviel es wach ist, ist besonders in dem Alter Deines Kindes seeeeehr individuell. Es gibt Vielschläferbabys, die den ganzen Tag verpennen, und die berüchtigten Wenigschläferbabys, die ihre Eltern in den Wahnsinn treiben, weil sie gefühlt weniger Schlaf brauchen als die Eltern. Das, was Dein Sohn zu lernen hat, das wird er lernen, in seinem Tempo, ganz sicher.

Abgesehen davon ist Muttermilch das beste, was Du für die Gehirnentwicklung Deines Kindes tun kannst!!! Muttermilch enthält z.b. mehr als doppelt soviel Cholesterin wie Kuhmilch. Es wird angenommen, dass das cholesterin sehr wichtig für die Gehirnentwicklung ist. Aber dank des schlechten Rufes, den Cholesterin in unserer Gesellschaft hat, traut sich kein Hersteller, Pre-Nahrung mit Cholesterin anzureichern.
Definitiv hätte er mehr Zeit zum Spielen, wenn ich den Plan aufgeben würde
Und wenn er nach Deinem BH-Träger greift, dann ist das doch wunderbar. Muss ja kein Greifling sein. Greiflinge wurden hier übrigens auch nur ignoriert, wie auch sonst sämtliches (geschenkte) Babyspielzeug bis weit nach dem 1. Geburtstag. Spannend war nur Mama, und alles was Mama gemacht hat. Warum müssen Babys in einem Paralleluniversum existieren und sich mit weltfremden Plüsch- und Plastikzeugs etc. abgeben, während sie allein auf dem Rücken irgendwo liegen, während Mama im realen Leben unterwegs ist?
weil er ja immer so lange zum stillen braucht und dadurch wenig seiner wachen Phase fürs Spielen und bewegen nutzt.
Dafür lernt er in dieser Zeit, dass Mama ihn lieb hat, gut für ihn sorgt, immer da ist für ihn.... Die wichtigste Lektion, die ein Baby lernen kann, finde ich.
Heute Nacht hat er nur stundenlang nicht in den Schlaf gefunden, bzw. ist dauernd sofort wieder aufgewacht. Er weint heute ständig
Manche Babys kriegen sehr zeitig Zähne. Bei einigen geht das unbemerkt, andere sind schlaflos vor Zahnschmerzen.

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 15:25
von Phönix
Huhu Fredda!

Ich möchte dir erstmal meinen vollen Respekt für deinen bisherigen Weg aussprechen. Die meisten hätten wohl schon lange das Handtuch geworfen und du kämpfst immernoch ums vollstillen! Hut ab.
Deine Geschichte erinnert mich gerade sehr an unsere Stillgeschichte, nur das auch wir nie richtige Gewichtsprobleme hatten. Allerdings habe ich mir ab der U5 für einige Tage immer Gedanken gemacht, ob sie genug zunimmt, da mich die KiÄ total verunsichert hat. Esther ist ein sehr zartes, zierliches Kind, das erst sehr viel und mit Entdeckung der Mobilität auf einmal sehr viel langsamer zunahm.
Den Faktor Stress habe ich anfangs auch sehr unterschätzt, der mich in mehrere Milchstaus und immer wieder Milchengpässe getrieben hat. Und auch heute ist es so, wenn ich mir zuviel Gedanken um alles (vor allem ums stillen) mache, versiegt die Milch fast.

Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass Babyspielzeug völlig uninteressant ist. Greiflinge, Rasseln und Co wurden hier nicht angeschaut. Mamas Halstuch, ein Waschlappen mit Knöpfen dran, leere Papprollen und Flaschen, Töpfe, Schuhe usw. hingegen werden ausdauernd bespielt. Ist doch auch logisch. Dein Kind sieht, mit was du tagtäglich hantierst und will genau das auch ausprobieren. Du beschäftigst dich selbst doch auch nicht mit Greiflingen, oder? :wink:

Was mir beim lesen deines Threads immerwieder mal aufgefallen ist und was mir nicht aus dem Kopf will: Habt ihr euer Kind mal auf KISS untersuchen lassen? So einiges was du beschreibst, erscheint mir doch sehr passend und es könnte vielleicht einen Teil eurer Probleme erklären. Auf dieser Seite gbt es sehr gute Informationen dazu.

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 16:11
von Fredda
Liebe Katha, liebe Sakura,

Danke, dass ihr mich immer wieder aufbaut. Ihr habt ja recht, nur manchmal ist einfach der Wurm drin. Vielleicht schießen ja wirklich gerade die Zähnchen ein. Jedenfalls tropft er im Fliegergriff sehr stark aus dem Mund. :)

Jetzt schläft er hier schon fast zwei Stunden eng an mich gekuschelt. Es ist unglaublich, wie sehr es einen berührt und wie sehr man ihn liebt. Ich dachte, er habe in der ersten Nachthälfte gut geschlafen, aber mein Mann sagte mir gerade, dass er ihn bis 1Uhr tragen musste. Nach nur 4 Stunden Schlaf ist es ja klar, dass er heute so quengelig ist.

Liebe Phönix,

Wir waren beim Osteopathen und er sagt, der Kleine sei kerngesund und ein sehr starkes Baby. Er ist motorisch auch eigentlich recht weit, bevorzugt keine Seite, hat keine Blockarden etc. KISS ist es also nicht.

Ich denke. Julia hat es schon richtig erkannt: er hat so viele verschiedene Sauger und Hütchen durch, dass er verwirrt ist. Damals nach der Geburt hätte die Kinderschwester nicht nach 3 missglückten Andock-Versuchen am ersten Tag nach Wochen des Präeklampsiestresses und dem Entreißen aus dem Bauch sofort das Stillhütchen holen dürfen. Er war und ist halt sehr zart und kann die Temperatur schlecht halten. Der Heilpraktiker/Osteopath behandelt ihn nun mit Tropfen, die den Darm stärken und dadurch auch bei der Temperaturregulierung helfen. Er meint, wenn er sich nicht mehr so um Darm und Wärme kümmern müsse, würde er (mit Julias Maßnahmen) wieder von der Pre Nahrung wegkommen.

Zu den Greiflingen: Danke! Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich spiele eher nicht mit Greiflingen, nein. :wink:

So, er schläft und schläft und schläft. Leider kann ich dadurch nicht abpumpen, denn er krallt sich an mir fest. Dann gibt es heute mehr Pre...

Danke! :knutsch

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 16:54
von jusl
Vielleicht schaffe ich es auch nicht, mich gedanklich von 30g pro Tag zu lösen.
Was für 30 g?!?
Definitiv hätte er mehr Zeit zum Spielen, wenn ich den Plan aufgeben würde und ich fühle mich egoistisch, weil es ihm doch leichter fällt, aus der Flasche zu trinken.
Naja, also es fällt ihm vielleicht leichter, aber dafür ist der Trinkvorgang aus der Flasche ja nun mal eindeutig mit dem Risiko gesundheitlicher Nachteile fürs Kind verbunden. Also ein schlechtes Gewissen deswegen, weil Du ihn teilstillst anstatt komplett aus der Flasche zu füttern, brauchst Du keinesfalls zu haben, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Teilgestillte Babys sind gesundheits- und entwicklungsmäßig auf gar keinen Fall schlechter dran als künstlich ernährte Babys, definitiv nicht.
Ich möchte einfach, dass es ihm gut geht und es geht ihm mit der Flasche nicht gut, allerdings habe ich Angst, dass je mehr er zugefüttert wird, desto weniger er sich an der Brust anstrengt.
Hast Du mal über das Zufüttern WÄHREND des Stillens nachgedacht? Mit dem Brusternährungsset?
Im Moment schläft er häufig an der Brust ein. Erst trinkt er, dann kuschelt er sich an mich an und um mich herum und schläft. Er findet tagsüber so schwer in den Schlaf, dass ich ihn dann nicht wecke. Sollte ich das tun?
Klingt gar nicht nach "findet so schwer in den Schlaf"!.. :lol: Sondern es klingt, als würde er wunderbar an der Brust einschlafen - so ist es doch gedacht!..
Die Frage mit dem Wecken hab ich nicht ganz verstanden. Kannst Du das nochmal genauer erklären, warum wecken?

Er weint heute ständig und ich bin einfach fertig. Ohne Schlaf, ohne Idee, was ihm fehlt.
Tag abhaken. ;-) Morgen wird's wieder besser.

LG
Julia

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 19:24
von Fredda
Sowohl die Stillberaterin als auch der KiA sagten mir, er solle 30g am Tag zunehmen. Sie relativierte es etwas und sagte 200g in der Woche. Im Gründe sagt mir mein Verstand, dass das Schwachsinn ist, da niemand stetig zunimmt, aber als ich dies bei beiden ansprach, dass ja auch mal eine Phase sein könnte, wo das Gewicht nicht steigt, sagten beide, dass dies nicht sein dürfe. Der KiA blieb bei 30g pro Tag und die Stillberaterin sagte nicht unter 170g die Woche.

Das habe ich wochenlang als Regel angesehen und das forderten beide auch noch Ende November. Du warst die Erste, die es relativiert hat.

Über das Brusternährungsset habe ich nachgedacht, aber zu dem Zeitpunkt habe ich nicht so viel zugefüttert und dachte, der Becher reicht, da es ja mein Ziel war, noch weniger zuzufüttern. Jetzt bereue ich es etwas, weil 300ml per Becher sicherlich ewig dauern. Mein Plan: entweder es klappt mit dem Softcup, oder ich gebe halt noch einmal Geld für das Brusternährungsset aus. Wenn ich dadurch wieder zum Vollstilen komme, wäre das Geld ja schnell wieder eingespart, da kein Pulver mehr gekauft werden müsste.

Ich frage mich nur, wie ich seine Saugtechnik verbessern kann. Hört er von alleine auf, an der Brust wie beim Fläschchen zu saugen? Mich verwirrt total, dass sowohl Stillberaterin als auch Hebamme sagten, er sauge gut und docke sich perfekt an. Jetzt, wo ich das Gänze mit Dir betrachte, denke ich, dass er zwar feste saugt, aber nicht genügend viel raus kriegt. Den Gewichtsstillstand nach Impfungen kann man so auch sehr leicht erklären. Er ist ja geschwächt und schlapp, also kriegt er noch weniger aus der Brust heraus, oder?

Okay, ich präzisiere: Ohne Brust findet er kaum in den Schlaf. Mir wurde gesagt, dass ich ihn wecken soll, falls er beim stillen einschläft. Das mache ich aber nicht, weil ich denke, dass er müde ist und schon wieder aufwachen wird, wenn er Hunger verspürt. Ich glaube, die Stillberaterin meinte, ich solle ihn abdicken, damit er nicht nuckelt. Meine Hebamme ging sogar so weit zu sagen: "Lassen Sie ihn nicht permanent trinken und schlafen. Sie wollen doch nicht, dass er später permanent was ißt und übergewichtig wird." Ich war so blöd ihr zu glauben. Allerdings müssten dann ja alle Kinder, die mal clustern, später permanent essen und dick sein.

Ich dachte, dass er auch ohne Brust einschlafen können sollte. Seit ich mich mit Dir berate, habe ich es aber zugelassen und seitdem ist alles viel friedlicher und er weint nicht mehr vorm Einschlafen. Ich habe nur Angst, dass er von mir abhängig ist und dann immer schlimm weint, wenn er ohne mich schlafen muss. Was ist, wenn ich mal abends weggehen möchte?
Nachts ist es mir manchmal einfach unangenehm, wenn er so lange braucht, um sich in den Schlaf zu nuckeln. Wenn er dann noch aufwacht, wenn ich ihn abdocke (von alleine läßt er nicht los) kann ich wieder von vorne loslegen.

Ja, morgen wird besser.

LG Fredda

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 20:06
von Sakura
Hi Fredda,

zu den Stillfragen wird sich jusl noch melden, aber zu den anderen Sachen (einschlafen nur mit Brust, allein einschlafen): das regelt sich von allein! Ein Baby ist ein Baby ist ein Baby. Wenn sie könnten, würden die meisten Babys nur mit Brust einschlafen. Das ist der Ort der Welt, wo sie spüren, dass sie sicher sind, dass Mama sie beschützt... Babys haben noch keine Objektpermanenz, d.h. ein Objekt, das sie nicht sehen, existiert für sie nicht. Ein Baby, das abends allein in einem Bettchen in einem menschenleeren Zimmer liegt, ist in seiner Wahrnehmung völlig allein im Universum. Stell Dir vor, Du schwebst allein im Raumanzug durch den Weltraum, weil Dein Seil zur Raumstation gekappt wurde. So fühlt sich ein Baby wahrscheinlich, wenn es allein ist.

Bisher haben noch alle irgendwann mal gelernt, ohne Mamas Busen einzuschlafen, spätestens zur Abschlussfahrt vorm Abi wird es den letzten peinlich :wink:

Ja, die Zeit mag nervig sein, wenn Mama abends nie weg kann. Aber sie ist sooooo kurz. Und Du gibst Deinem Baby das wertvollste der Welt: Urvertrauen, Nähe und Mamamilch. Das ist ein Fundament, was Dein Kind den Rest des Lebens tragen wird. Ich habe auch monatelang ein bisschen gehadert mit der Tatsache, dass nur ich das Mäusel ins Bett bringen konnte. Und auf einmal ist sie groß, und übernachtet bei der Oma, und ich sitze hier, und bin ein bisschen wehmütig. Sie werden soooo schnell groß!

Falls Du Zeit zu lesen hast, kann ich dir allerwärmstens empfehlen: Herbert Renz-Polster: Kinder verstehen. Born to be wild - wie die Evolution unsere Kinder prägt. Vielleicht als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für Dich?

Liebe Grüße
S. :-)

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 20:13
von Lucccy
Fredda hat geschrieben:Ich frage mich nur, wie ich seine Saugtechnik verbessern kann. Hört er von alleine auf, an der Brust wie beim Fläschchen zu saugen?
ich würde spontan sagen, durch den Verzicht auf künstliche Sauger und mit viel Durchhaltevermögen Deinerseits (und das hast Du, das beweist Du hier im Thread oft genug) wird die Saugtechnik von alleine besser.
Aber fachlich korrekt wird jusl da sicher noch antworten.

[quote="Fredda]Okay, ich präzisiere: Ohne Brust findet er kaum in den Schlaf. Mir wurde gesagt, dass ich ihn wecken soll, falls er beim stillen einschläft. Das mache ich aber nicht, weil ich denke, dass er müde ist und schon wieder aufwachen wird, wenn er Hunger verspürt.

[...]

Ich dachte, dass er auch ohne Brust einschlafen können sollte. Seit ich mich mit Dir berate, habe ich es aber zugelassen und seitdem ist alles viel friedlicher und er weint nicht mehr vorm Einschlafen. Ich habe nur Angst, dass er von mir abhängig ist und dann immer schlimm weint, wenn er ohne mich schlafen muss. Was ist, wenn ich mal abends weggehen möchte?[/quote]

Von Dir abhängig ist Dein Kind immer, ob mit oder ohne Einschlafstillen.
Meine persönliche Erfahrung ist, dass sich das Einschlafszenario über die Zeit regelmäßig ändert: mal mit Einschlafstillen, eine Phase lang ging wach hinlegen und jetzt kann Papa problemlos zu Bett bringen, aber bei Mama wird einschlafgestillt.

Ich möchte Dich bestärken, auf Dein Bauchgefühl zu hören und Dein Baby schlafen zu lassen, wenn es an der Brust einschläft. Er tankt da so viel Nähe, das tut Euch beiden gut.

Und ich hätte Dir als Lesetipp auch Renz-Polster mitgegeben. Da kam Sakura mir zuvor.
Zum Einlesen gibt es auf der Homepage zum Buch ein paar Downloads: http://www.kinderverstehen.de/home.html

Gruß Lucccy

Re: Stillchaos- möchte gerne wieder voll stillen

Verfasst: 20.12.2012, 22:04
von jusl
Sowohl die Stillberaterin als auch der KiA sagten mir, er solle 30g am Tag zunehmen. Sie relativierte es etwas und sagte 200g in der Woche. Im Gründe sagt mir mein Verstand, dass das Schwachsinn ist, da niemand stetig zunimmt, aber als ich dies bei beiden ansprach, dass ja auch mal eine Phase sein könnte, wo das Gewicht nicht steigt, sagten beide, dass dies nicht sein dürfe. Der KiA blieb bei 30g pro Tag und die Stillberaterin sagte nicht unter 170g die Woche.

Das habe ich wochenlang als Regel angesehen und das forderten beide auch noch Ende November. Du warst die Erste, die es relativiert hat.
Ist ja ulkig. Aber 1,25 g pro Stunde müssen es nicht immer unbedingt sein, was? :lol: Nee, im Ernst, also ich würde sagen, dass ich einen ganz guten Überblick über die aktuelle Fachliteratur zum Thema Gedeihen und Gedeihstörungen habe. Die Info der Stillberaterin mit den 170 g pro Woche stammt aus dem Buch "Gewichtsverlauf und Stillen" von Marta Guoth-Gumberger aus 2011. Das war hier im SuT auch schon ausführlich Thema - das Problem dran: bis 2011 durften Babys in den ersten Lebenswochen auch 117 g wöchentlich zunehmen und galten damit als gesund und gut genährt. :mrgreen: Vor Erscheinen der neuen WHO-Zahlen war alles bestens, aber sozusagen einen Tag später nach Erscheinen der neuen Zahlen hätte man diese Babys dann therapieren müssen... irgendwie ziemlicher Unsinn. ;-)


Definitiv schon immer Quatsch waren zwei Dinge:
1. dass ein Baby irgenwann in seinem Leben durchschnittlich mindestens 210 g wöchentlich (= 30 g täglich) zunehmen muss - diese Regel gab's nie - , und
2. dass bei täglichen Messungen ein täglicher Gewichtszuwachs um irgendeine bestimmte Zahl - egal ob 20, 25 oder 30 g - zu ermitteln sein muss. Diese Gewichtsunterschiede sind einfach viel zu klein, als dass man sie methodisch korrekt messen kann - ein großer Klecks Spucke ist ja bald in dieser Größenordnung!.. Also das ist definitiv Unsinn. Wir reden hier nicht von 800 g-Frühchen, bei denen es um jedes Gramm geht.
Mein Plan: entweder es klappt mit dem Softcup, oder ich gebe halt noch einmal Geld für das Brusternährungsset aus. Wenn ich dadurch wieder zum Vollstilen komme, wäre das Geld ja schnell wieder eingespart, da kein Pulver mehr gekauft werden müsste.
Da kann ich Dir zustimmen. Das BES könnte in der Tat in Eurer Situation geeignet sein - möglicherweise erleichtert es in Eurem Fall sogar den Ausstieg aus der Hütchennummer. Bitte gib Bescheid, wenn Du das BES versuchen willst; die BES-Nutzung erfordert ein bisschen Vorbereitung und Übung - wir unterstützen Dich gerne dabei!
Ich frage mich nur, wie ich seine Saugtechnik verbessern kann. Hört er von alleine auf, an der Brust wie beim Fläschchen zu saugen?
Das ist schwer vorherzusagen, aber in vielen Fällen reicht tatsächlich aus, dass das Baby konsequent KEINERLEI künstliche Sauger mehr bekommt - keine Hütchen, keine Schnuller, keine Flaschen - und die Saugtechnik an der Brust verbessert sich von allein. "Von allein" heißt: "ohne weitere (saugtherapeutische) Maßnahmen", aber "mit Unterstützung hinsichtlich korrektem Andocken und korrekt angedockt Bleiben". ;-) So ähnlich, wie man als erfahrene (oder auch frischgebackene) Stillmutter automatisch bei einem Neugeborenen darauf achtet, ganz sorgfältig und korrekt anzulegen, so wie's im Stillbuch steht, also nicht irgendwie hingeklatscht in der Sofaecke, sondern richtig "ordentlich". Das reicht oft schon als Unterstützungsmaßnahme.
Mich verwirrt total, dass sowohl Stillberaterin als auch Hebamme sagten, er sauge gut und docke sich perfekt an.
Ich kann Deine Verwirrung sehr gut nachvollziehen. Beraterin und Hebamme vor Ort haben Dein Baby gesehen, ich nicht. Auf der anderen Seite: wenn Dein Baby mit Hütchen "perfekt andockt", d.h. mit HÜTCHEN-Technik trinkt, ist dies automatisch NICHT die ideale Technik fürs Stillen ohne Hütchen. Zungen- und Kieferstellung, außerdem Fließverhalten und v.a. das Mundgefühl unterscheiden sich da erheblich.

Okay, ich präzisiere: Ohne Brust findet er kaum in den Schlaf. Mir wurde gesagt, dass ich ihn wecken soll, falls er beim stillen einschläft. Das mache ich aber nicht, weil ich denke, dass er müde ist und schon wieder aufwachen wird, wenn er Hunger verspürt. Ich glaube, die Stillberaterin meinte, ich solle ihn abdicken, damit er nicht nuckelt. Meine Hebamme ging sogar so weit zu sagen: "Lassen Sie ihn nicht permanent trinken und schlafen. Sie wollen doch nicht, dass er später permanent was ißt und übergewichtig wird." Ich war so blöd ihr zu glauben. Allerdings müssten dann ja alle Kinder, die mal clustern, später permanent essen und dick sein.

Ich dachte, dass er auch ohne Brust einschlafen können sollte. Seit ich mich mit Dir berate, habe ich es aber zugelassen und seitdem ist alles viel friedlicher und er weint nicht mehr vorm Einschlafen. Ich habe nur Angst, dass er von mir abhängig ist und dann immer schlimm weint, wenn er ohne mich schlafen muss. Was ist, wenn ich mal abends weggehen möchte?
In diese Überlegungen - die vermutlich alle jungen Mütter haben - spielen ZWEI Dinge mit rein: Zum Einen ist da ein stillberaterischer Aspekt, also die Frage: Welche Verhaltensweisen fördern erfolgreiches Stillen? Das zufriedene Einschlafen an der Brust gehört da definitiv dazu (man mache sich bewusst, dass das Wort "STILLEN" von "STILL" kommt, das hat schon seine Richtigkeit so! ;-)). Klar muss man schauen, dass ein Baby nicht wegen Saugschwäche oder nach anderen technisch erfolglosen Bemühungen lediglich vor Erschöpfung einschläft - so ist das natürlich nicht gedacht. Aber das Einschlafen nach einer ganz normalen Stillmahlzeit an der Brust ist der Normalfall. Ich habe viele Jahre lang meine Kinder (die heute übrigens gertenschlank sind!..) dabei beobachten dürfen, wie sie nach dem Stillen an der Brust friedlich ins "Suppenkoma" fielen. Zum Anderen ist da der Aspekt des Betreuungsstils oder auch: die Identitätsfindung als Mutter, welche "Sorte" Mutter man sein will, wie man sich das Zusammenleben mit Baby vorgestellt hat usw.. Viele junge Mütter fragen sich: "Mache ich mein Kind mit dem Stillen von mir abhängig?" oder "Was, wenn mein Kind gar nicht mehr ohne mich einschlafen will?" und ähnliche Fragen. Die Antwort wirst Du mit der Zeit für Dich und Deine Familie selbst herausfinden, ganz bestimmt, aber vielleicht hilft Dir vorab schonmal folgender Hinweis: ALLE kleinen Kinder möchten viel Zeit mit ihrer Mutter verbringen, auch die, die nicht gestillt werden. Alle kleine Kinder mögen gern in den Schlaf begleitet werden - wie auch immer das im Einzelfall aussieht. Wenn Dir das Weggehen abends wichtig ist, so lange Dein Baby noch klein ist, werden sich dafür Wege finden, auch wenn Du vollstillst.
Nachts ist es mir manchmal einfach unangenehm, wenn er so lange braucht, um sich in den Schlaf zu nuckeln. Wenn er dann noch aufwacht, wenn ich ihn abdocke (von alleine läßt er nicht los) kann ich wieder von vorne loslegen.
Hast Du mal versucht, ein wenig zu tricksen? Manchmal hilft es, gaaaaanz langsam das Saugvakuum zu lösen (einfach ein bisschen seine Unterlippe zur Seite/nach unten ziehen, dass ganz langsam Luft in den Mund strömt), dann kann man die BW rausziehen. Manchmal hilft auch, das Vakuum relativ schnell zu lösen (z.B. kräftig von oben oder seitlich hinter der BW aufs Brustgewebe drücken, so dass schnell Luft einströmt und die BW fast direkt draußen ist) und dann schnell von unten mit dem Finger den Unterkiefer des Babys nach oben schieben, um so den Mund schnell wieder zu schließen. Dann merken die Babys oft nicht, das was fehlt. ;-) Und viele Babys lieben es auch, an Mamas kleinem Finger zu nuckeln (kurzer Fingernagel, Kuppe nach oben). Vielleicht kannst Du was davon ausprobieren.

LG
Julia