Ich finde den Artikel nicht wirklich überzeugend. In vielen Punkten vereinfacht er, damit die Argumentation so schön aufgeht. Es scheint, als sieht er in Besitz wirklich immer nur eine Belastung statt der Möglichkeit, Freude zu bereiten. Gerade bei den Erinnerungsstücken beispielsweise. Ich habe keine Angst, die dahinterstehenden Erinnerungen oder gar die Beziehungen, die sie symbolisieren, zu verlieren. Aber der Alltag ist stressig, da finde ich es hilfreich, wenn ich Dinge um mich habe, die schöne Erinnerungen wieder wachrufen, auch wenn es nur für einen kurzen Moment, ein flüchtiges Lächeln ist. Warum soll ich mir diese Gelegenheiten nehmen?EvaE hat geschrieben:Wow. Was Ihr so schafft. Klasse. Und beängstigend. Da passt dieser Artikel von Leo Babauta ganz gut:
http://zenhabits.net/stuff/
Oder der volle Kleiderschrank als Möglichkeit, sich selbst auszudrücken: basiert das wirklich immer nur auf Angst? Oder hat der Autor einfach nie erlebt, wie spannend es sein kann, durch unterschiedliche Outfits verschiedene Facetten der eigenen Persönlichkeit zu zeigen, die aktuelle Laune zu betonen oder mit den Reaktionen der Umwelt zu spielen? Klar kann eine minimalistische Uniform den Alltag vereinfachen und es legen auch nicht alle Leute gleich viel Wert auf eine abwechslungsreiche Garderobe. Aber deshalb die anderen Aspekte einfach zu negieren bzw. grundsätzlich einer diffusen Angst zuzuschreiben finde ich arg simplizistisch. Letztlich kommt es (um es mit Konmari zu sagen) doch darauf an, dass man seine Kleidung mag, egal ob es dann nur 20 oder 2000 Kleidungsstücke sind!
Als Archäologin weiss ich, dass Menschen schon seit zehntausenden von Jahren ihren Besitz dazu nutzen, sich zu definieren. Besonders störend fand ich deshalb die Aussage: "I could go on, but nearly all our possessions that aren’t absolute necessities (shelter, a bed, very minimal clothing, food, personal hygiene stuff, etc.) are bought and kept because of fears."
Gerade Kleidung ist und war schon immer viel mehr als nur ein Schutz des Körpers vor Wind und Wetter, da geht es um Selbstdarstellung, um Zugehörigkeit und Abgrenzung von sozialen Gruppen, letztlich um Kultur. Das hat nicht zwingend etwas mit Angst zu tun, sondern primär mit Mensch-Sein an sich. Ob dazu wirklich die Massen nötig sind, die wir haben, ist eine berechtigte Frage, aber alles aufs Überlebensnotwendige zu beschränken und den Rest zu verteufeln, verkennt das soziale Wesen und den Spieltrieb der meisten Leute. Denn Angst ist zweifellos eine der Grundlagen unseres Handelns, aber längst nicht die einzige!



