blueberry hat geschrieben:Liebe Olle,
nein, Du bist nicht kompliziert! Es ist eine ganz tolle Sache, wenn man so genau spürt, was einen verunsichert, und das auch noch benennen kann! Das bekommen viele Menschen nicht so reflektiert hin! Und Du hast auch nichts falsch gemacht, sondern im Gegenteil, unglaublich viel richtig! Du hast Dich informiert, hast änderungswillig Dein eigenes Vorgehen immer wieder hinterfragt, hast Deine Hebamme um Rat gefragt, eine IBCLC kontaktiert, vier Monate lang trotz Schmerzen immer wechselnde Pilztherapien durchgezogen und dabei weitergestillt

, Du hast es geschafft, mehrfach Fluconazol verschrieben zu bekommen (das braucht einige Energie!), letztlich hast Du noch eine DRITTE Instanz (uns hier) angefragt, weil Du Eure Stillbeziehung nicht aufgeben möchtest - und Du stillst jetzt schon länger als viele viele Mütter mit gleichalten Babys hier in Deutschland.
Du bist eine wundervolle Mutter und Dein Baby hat Glück, Dich zu haben! Das darfst Du Dir bitte jeden Tag mehrmals sagen. Im Zweifelsfall: schreib es auf und häng es Dir an den Kühlschrank und den Badspiegel

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Wow, vielen, vielen Dank! Da liefen mir heute morgen direkt mal die Tränen! Mein Mann sagt mir das auch regelmäßig, aber ich selbst kann das nicht so gut. Vielleicht häng ich mir gleich wirklich ein paar Zettel in die Wohnung

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Mit dem Stillen ist das so eine Sache: die Babys können es überwiegend intuitiv (und wow, was die da alles steuern können - bis hin zum jeweils individuellen Fettgehalt der Milch, den sie grad brauchen!

), aber für Mütter ist es Beobachtungswissen. Eigentlich lernen wir das von klein auf in unserem Clan - einfach durch zuschauen. Leider fehlt uns seit einigen Generationen in Deutschland dieser selbstverständliche Kontakt mit vielen problemlos stillenden Müttern um uns herum - einfach weil viel Stillwissen verloren gegangen ist, Ammenmärchen wie Mindestmahlzeitenabstände sich hartnäckig in den Köpfen halten und die ein, zwei Generationen vor uns eben meist NICHT problemlos gestillt haben. Kein Wunder also, wenn wir unsicher und unentspannt werden und statt "da muss ich gar nicht nachdenken - ich hab das schon tausendmal gesehen" eher abzuhakende To-Do-Listen durch unseren Kopf ratteln bei jedem Anlegen (wie sollte das noch aussehen? Was mach ich mit dem Stillkissen? ...)
Und dass Schnuller und Fläschchen in unseren Kulturkreisen nahezu untrennbar mit Babys verbunden sind, verstellt uns ganz automatisch den Blick darauf, dass es diese (menschheitsgeschichtlich gesehen) erst ganz kurz gibt, ein Baby ihre Existenz nicht erwartet, wenn es auf die Welt kommt - und dass sie eben Probleme mit sich bringen können. Es ist aber nicht der Fehler der schnullergebenden Mutter, wenn es dann zu Problemen kommt. Nochmal: Du hast da nichts falsch gemacht!
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blueberry hat geschrieben:
Jetzt wollen wir halt schauen, wie wir es schaffen können, dass Dein Baby nicht nur die weltbeste Mama hat, die es sich wünschen kann, sondern dass es dieser weltbesten Mama auch noch gut geht dabei. (Ich war davon ausgegangen, dass Ihr am Anfang acht Wochen schmerzfrei gestillt hattet - das ist nicht so, nein?)
Ehrlich gesagt kriege ich das alles nicht mehr so nachvollzogen, weil es einfach schon so lange her ist. Ich weiß nur, dass ich von Anfang an unsicher war und immer dachte, ich oder wir machen was falsch, weil es zum einen nicht bequem und zum anderen eben zumindest unanagnehm war. Ich weiß noch, dass ich irgendwann zu Beginn mal zu meiner Hebamme sagte "heute hatte ich das erste mal das Gefühl, dass sich so wohl gutes Stillen anfühlt". Und da war der kleine schon ein paar Wochen alt, aber nicht älter als 8.
Olle1982 hat geschrieben:Ich habe nun tagsüber auch öfter versucht, ihn machen zu lassen und auch kein Kissen oder ähnliches zu verwenden (was eh mit der Zeit ja wegrutscht, zumindest bei mir) mit dem Ergebnis, dass es angenehmer ist. Vorher habe ich es immer so gemacht, wie es mir beigebracht wurde (Kopf schnell zur Brust führen wenn Mund auf). Außer wenn ich im Stillcafe war, da hab ich das nicht so gemacht, weil ich das auch irgendwie immer befremdlich find und meist tat das Stillen da nicht so weh.
blueberry hat geschrieben:
Ich glaube, Du hast ein ganz wunderbares Bauchgefühl für das, was Euch guttun könnte. Diese Probleme mit Stillkissen hast nicht nur Du - die haben ganz viele Mütter! (Wir bekommen eben nunmal überall vermittelt, dass man zum Stillen ein Stillkissen braucht...) In diesem Artikel wird darauf eingegangen, was man dagegen tun kann:
http://www.stillkinder.de/das-beste-sti ... -der-welt/
Wenn sich die Mutter zurücklehnt, statt das Baby halten (und im richtigen Moment heranziehen) zu müssen sind übrigens beide entspannter: Mutter
und Baby. Babyreflexe sind eigentlich darauf eingerichtet, dass die Schwerkraft das Baby ZUR Brust hinzieht, das Baby also tendenziell in Bauchlage ist und lückenlos Kontakt zur Mama hat. Ist es andersrum (Baby in Rückenlage oder von der Mama wegrutschender Seitenlage), kann es passieren, dass das Baby befürchtet, den Halt zu verlieren und dann mit Kiefern und/oder Zunge mehr Druck auf die BW ausübt als nötig - um sie "festzuhalten" sozusagen.
Probier also ruhig mal herum mit
zurückgelehntem Stillen ohne Stillkissen ("laid back breastfeeding"), ob Euch das gut tut. Hier findest Du
Videos zur Veranschaulichung und hier ein paar
Bilder mit möglichen Positionen.
Beim Stillen in Seitenlage (z.B. nachts) das Baby im Rücken immer gut abstützen - z.B. mit einem fest gerollten Handtuch - so dass es sicher in Seitenlage liegen bleibt und nicht wegrollen kann. Im Liegen kannst Du auch gern auf Dein Baby zurutschen. "Baby zur Brust, nicht umgekehrt" gilt im Liegen so nicht, weil Du ja an JEDER Stelle im Bett liegenbleiben kannst, und wenn es notfalls quer wäre

.
Danke für die Links. So richtig entspannt kriege ich es noch nicht hin, weil mein Arm mein Baby noch ziemlich doll stützen muss und der dann irgendwann lahm wird, aber vielleicht klappt es mit ein bisschen Übung besser.
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Zu den künstlichen Saugern:
Olle1982 hat geschrieben:Also, wie wahrscheinlich ist es tatsächlich, dass es eine Saugverwirrung [...] ist?!
Das kann ich Dir nicht beantworten. Da ist jedes Baby anders. Manche können monatelang einigermaßen problemlos zwischen Flasche, Schnuller und Brust hin- und herwechseln und werden dennoch erfolgreich zwei Jahre gestillt, andere bekommen ein einziges Mal die Flasche und entwickeln sofort riesige Probleme schon beim Andocken, geschweige denn beim Stillen, die nur mühsam wieder behoben werden können; bei wieder anderen entwickeln sich Probleme schleichend und nicht so extrem, sondern äußern sich "nur" in Schmerzen...
Ich kann Dir nur sagen: wenn es Stillprobleme wie Schmerzen oder Andockprobleme, mangelnde Mundöffnung, o.ä. gibt, lohnt es sich meiner Erfahrung nach in den allermeisten Fällen, künstliche Sauger wegzulassen und zu schauen, ob sich die Stilltechnik dann erholt. Einfach, weil sie immer ein potentieller Störfaktor einer Stillbeziehung sind.
Es ist ein bisschen als ob man ständig zwischen zwei Autos hin und herwechselt: das eine Auto hat ein Schaltgetriebe, das andere ein Automatikgetriebe. Wenn man sich nach dem Automatikfahren ständig mit der Kupplung vertut oder wenn man nach dem Schaltgetriebefahren im Automatikauto am Parkhebel rumzerrt, muss man schauen, ob beides auf Dauer parallel geht oder man sich nicht lieber für eines entscheidet, damit das ungestört in Fleisch und Blut übergehen darf, und man sich wieder auf die Straße konzentrieren kann, ohne das Getriebe zu beschädigen.
Also:
Bitte keine Flaschen geben. Wenn (z.B. weil Du einen Termin hast) das Baby von jemand anderem etwas bekommen muss, dann entweder in Deiner Abwesenheit Beikost versuchen oder Milch mit einem ganz normalen kleinen Becher (kein Saugaufsatz/Schnabel) anbieten.
Und: Mein Vorschlag wäre aus den genannten Gründen, den Schnuller auf ein Minimum zu reduzieren.
Olle1982 hat geschrieben:Also tagsüber auf den Schnuller zu verzichten wäre schon möglich aber nachts nicht.
Magst Du erzählen, wie Eure Nächte ablaufen?
Vielleicht können wir eine Lösung finden, mit der sich der Schnuller reduzieren ließe?
LG blueberry (StillMod a.D.)[/quote][/quote]
Also generell hat sich mein Kleiner ans Einschlafnuckeln gewöhnt, was ich erstmal nicht schlimm finde. Er kann auch im Tuch oder im KiWa oder im Auto ohne Schnuller einschlafen. Aber Mittagsschlaf im Bett ohne Nucki geht nicht. Ich hab grundsätzlich ein Problem ob Tags oder nachts: ich stille ihn, er schläft ein, fällt aber nicht ab von der Brust sondern ich mache ihn irgendwann ab, weil es eben nur noch nuckeln ist und irgendwann unangenehm wird, evtl. Auch, weil die Mundöffnung immer kleiner wird... entweder wird er von meinem Abdocken wieder wach so dass er wieder dran will, nuckelt dann dreimal und schläft wieder ein oder er schläft direkt weiter. So weit so gut. Doof ist dann nur, dass er oft wieder wach wird, wenn ich ihn in sein Bettchen Hebe. Ich versuche seine Lage so wenig wie möglich zu verändern und lege ihn auch wieder in die Seitenlage wenn wir im Liegen gestillt haben, aber trotzdem fängt er dann oftmals an zu suchen und dann kommt der Nucki ins Spiel. Neben mir liegen lassen kann ich hin nicht. Ich schlafe mit ihm im Kinderzimmer auf einem Schlafsofa, welches leider zur Hälfte aus Kunstleder besteht und darauf möchte ich weder ihn noch mich legen. Im Elternbett zu schlafen geht leider nicht, weil es ein Wasserbett ist... es ist ok für uns, weil wir wissen, dass das ja nur eine begrenzte Zeit so ist, aber es zerrt trotzdem an den Nerven, nicht mehr im eigenen Bett, neben seinem Partner zu liegen...
Naja, und die Nächte an sich sehen im unterschiedlich aus. mal wird er kurz wach, ich geb ihm den Nucki und er schläft weiter so dass wir eine mehrstündige Stillpause haben. Dann gibt es aber auch Nächte, wo er direkt weint, wenn er wach wird und ich ihn dann schnell anlege (tragen oder so mache ich nachts nicht, bin so schön kaputt genug). Danach ist dann wieder das gleiche Spiel wie oben beschrieben. Ich weiß, dass der Nuxki nachts auch meine Hilfe ist, denn so komm ich zu ein paar Stunden am Stück Schlaf, aber er ist eben auch kein Garant und wenn meine Maus meine Nähe möchte, kriegt er sie natürlich auch.
Heute Nacht habe ich direkt mal versucht, den Nucki weg zu lassen mit dem Ergebnis, dass wir stündlich gestillt haben, er beim Rüberheben wach wurde, gespielt oder genörgelt hat und ich ihn dann wieder gestillt habe. Das Ergebnis bei mir neben totaler Müdigkeit (was ich ja eigentlich gar nicht erwähnen brauche, denn so geht es wohl allen;-)), meine Brüste sind total verknotet, vermutlich, weil er immer nur kurz getrunken und sofort wieder eingeschlafen ist und somit meine Brust gar nicht richtig geleert hat. Die Brüste fühlen sich auf jeden Fsll besser an, wenn er nachts seltener (1-2 Mal in 10 Stunden) stillt.
Tja... vielleicht ist es etwas, was wir jetzt ein paar Tage "durchziehen" müssten, damit er sich an ohne Nucki gewöhnt? Ab nächster Woche hat mein Mann Elternzeit, da krieg ich hoffentlich sowieso mal wieder ein paar Stunden Schlaf. Tagsüber kann ich mich hinlegen wie ich will, ich komm nicht in den Schlaf. Und das wird auch nachts immer schwieriger, schnell wieder einzuschlafen. Hast Du dafür vielleicht auch noch einen Tipp? Hab mir heute Nacht schon ein Tuch mit einem Tropfen Lavendelöl neben das Kissen gelegt...
Danke!