Boar, dieser Thread hat mich jetzt so fasziniert, dass ich ihn in einem Zug durchgelesen habe - währenddessen ist mein 3-Jähriger auf meinem Arm eingeschlafen und ich habe ihn gerade mal ohne Zähne putzen ins Bett getragen.
Zuallererst: Zum Thema "früher" fielen mir als erstes die Erzählung meiner Großtante (70) ein. Ihre Mutter ist noch so groß geworden, dass die Kinder morgens alle ans Tischbein gefesselt wurden (egal wie alt); dann sind die Mütter mit aufs Feld gegangen und erst zum Mittag wiedergekommen. Ich habe manches Mal versucht, mir das bildlich vorzustellen; es war aber jedes Mal zu fürchterlich. Dort gab es nur einzelne Höfe und die Not war groß; es musste wohl sein. Trotzdem: HORROR!! Übrigens ist die Mutter meiner Großtante zu einer sehr kaltherzigen, lieblosen Frau geworden. Wie meine Großtante es unter diesen Umständen geschafft hat, so ein herzlicher, liebevoller, empathischer Mensch zu werden, ist mir ein Rätsel!
Andere Geschichte aus unserer Familie: Ein Cousin meiner Mutter ist mit 2 Jahren schwer erkrankt und musste für einige Wochen ins Krankenhaus. Besuchszeit für die Eltern waren einmal die Woche für einige Stunden. Der Junge muss wohl danach nicht mehr wieder zu erkennen gewesen sein. Das war 1962 in Hamburg.
Wenn ich diese ganzen fürchterlichen "DDR-Geschichten" hier lese, wird mir ganz anders. Gerade heute habe ich noch einen NIDO-Artikel zum Thema "Ost-West-Vergleich" gelesen, wo die DDR mal wieder hochgelobt wird, für die hohe Rate an Doppel-Vollverdiener-Paaren und früher Fremdbetreuung. Ich kann einfach nicht verstehen, warum das so gepusht wird. Was ist toll daran, einen Einjährigen Vollzeit in eine KiTa abzugeben und von seinen Fortschritten kaum was mitzukriegen? Was ist toll daran, wenn beide Vollzeit arbeiten müssen und dann in der Restzeit noch der Haushalt anfällt - wo bleibt da denn noch die Zeit für die Kinder und warum habe ich dann überhaupt welche? Ich weiß, ich bin wieder sehr retro; ich kann's nicht ändern, aber für mich fühlt sich das völlig falsch an. Ich arbeite selbst 30h/Woche und das reicht mir völlig aus bzw. ist mir schon oft zu viel, weil ich nicht finde, dass die Zeit im KiTa meinem Sohn soooo wahnsinnig gut tut. Ich erlebe die Tage als unendlich getaktet, häufig zu stressig und mich abends zu erschöpft, um dann noch auf mein tolles Kind eingehen zu können. Ich erlebe, wie sehr mein Sohn aufblüht, wenn ich Urlaub habe und in dieser Zeit fast gar nicht anstrengend ist, während er im Alltag ziemlich klammert und mich natürlich massiv einfordert, wenn ich von der Arbeit komme (Teufelskreis: Ich total kaputt; er will immer mehr). Will nicht für jahrelanges Zuhausebleiben propagieren; finde nur, dass dieser ganze "Emanzipationskram" uns Mütter jetzt in die andere Richtung drängt. Wo bleibt die eingeforderte Selbstbestimmung und wo der Blick aufs Kind? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es für einen Einjährigen besser ist, 9h in einer KiTa mit zuwenig Personal und ständigem Lärm zu sein, wo wenig Zeit für seine Bedürfnisse und Kuscheleinheiten bleibt, als wenigstens die Hälfte des Tages mit seinen Eltern zu Hause.
So, aber jetzt mal zum eigentlichen Thema:
Ich hatte bis vor einem Jahr mit AP nichts am Hut; ich habe mehr aus praktischen Gründen getragen und aus Intuition mein Kind in meinem Bett schlafen lassen (die ersten 6 Monate). Dann habe ich quasi lehrbuchmäßig versucht, ihn in sein eigenes Zimmer umzuquartieren. Nora beschreibt oben "ferbern light"; genau das habe ich probiert. Am Gitterbettchen sitzen, meinem Sohn die Hand halten und versuchen, irgendwann das Zimmer zu verlassen. Es klappte NULL. Mein Sohn schlief und schlief nicht ein. Ich war am Ende so frustriert, wütend und hilflos, dass ich dann schreiend das Zimmer verlassen habe und meinen Sohn dann doch alleine habe brüllen lassen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Das ging dann so weit, dass ich schon nachmittags Angst vor abends hatte, wenn wieder Schlafenszeit war. Ich hab mich dann mit mir selbst mal an einen Tisch gesetzt (bin alleinerziehend) und das mal analysiert und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass Annette Kast-Zahn und die Meinung meiner Mama mir einfach mal gestohlen bleiben können und habe Jonael wieder auf meinem Arm einschlafen lassen und dabei viele Bücher gelesen. Er schläft seither wieder in meinem Bett und immer noch nur mit mir ein (das allerdings problemlos). In letzter Zeit beobachte ich mehrfach folgendes: Wenn er mittags eine Pause braucht, legt er sich freiwillig auf sein Bett in seinem Zimmer. Wenn ich abends Besuch habe, darf er bei uns im Wohnzimmer auf seinem Schaffell liegen und dort einschlafen. Das hat er letztens versucht und dann doch entschieden, dass er alleine ins Bett geht... er wird immer öfter selbstständig und ich erlebe das so, als völlig komplikationsfrei und schön. Bis heute trage ich ihn auf dem Rücken (also natürlich nur noch manchmal, denn er läuft viel oder nimmt eines seiner vielen Fahrzeuge *lol*), aber wenn er Kuschelbedarf hat, bringt er mir heute noch die Trage - für ihn ist es nach wie vor wunderschön.
Ich habe also das Gefühl, dass wir einen guten Weg FÜR UNS BEIDE gefunden haben und die paar stressigen Schrei-Abende, die uns da eingebrockt habe, tun mir heute noch Leid.
So, jetzt habe ich euch aber genug zugetextet *lol*