Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Und nochmal: kommt drauf an, mit wem man redet. Das Forum hier als Gesellschaftsspiegel zu nehmen haut nicht hin...

Eine liebe Freundin von mir hatte übrigens einen Kaiserschnitt nach langen Wehen und beim zweiten Kind gleich von vornerein einen - nicht einen Moment habe ich ihre Entscheidung bezweifelt oder kritisiert, auch nicht innerlich. Deswegen frag ich mich, warum man mir als Befürworter einer selbstbestimmten Geburt nicht zu gesteht, auch andere Formen und Entscheidungen akzeptieren zu können, das kann ich nämlich durchaus.

Es ist wie die verquere Sichtweise der LZS Artikel Frau: Nur weil sie in ihrer Entscheidung von einer einzelnen Frau nicht angenommen wurde, muss sie alle anderen länger stillenden Frauen über einen Kamm scheren? Ähnlich sehe ich das bei der Thematik hier. Kann mich natürlich auch irren, kenne das Buch ja nicht.

Ich finde es allerdings bedenklich, dass viele Frauen zwar eine natürliche Geburt wollen und auch stillen und die Routinen im Krankenhaus und danach aber zu anderen Zuständen führen. Das ist sehr schade und hat nichts mit, die "hätten mal die Zähne zusammen beißen" sollen zu tun. Im übrigen hab ich nicht selten von Krankenhausgeburten eine sehr unschöne Einstellung zum Thema Schmerzen gehört: "stellen sie sich nicht so an", "schreien sie nicht so rum", "andere haben das auch geschafft", "sie sind doch gerade am Anfang, was soll das werden" usw. und ja heutzutage in den Krankenhäusern. Außerklinische Hebammen dagegen nehmen den Schmerz ernst und erwarten nicht, dass man ihn wegsteckt. Meiner Erfahrung nach jedenfalls.
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

PS: Oh, noch Beiträge dazwischen, das war eine Antwort zu ingognito.
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Ja, Talgaro, da hast Du recht. Und ich denke, viele können auch mit allen Arten des Gebärens ganz gut umgehen hier ;-)

Ich finde weder eine Glorifizierung -in welcher Form auch immer- noch ein Herabreden von Schmerz irgendwie gut.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von jusl »

An Julias Sportvergleich stört mich auch, dass man ihn in der Hinsicht missverstehen kann, als wäre eine Geburt eine LEISTUNG, die man, wenn man sich nur genügend anstrengt, auch erbringen kann. Aber ich weiß auch, dass sie es nicht so gemeint hat. :wink:
Ja klar, natürlich hängt es eben nicht nur an einem selbst, ob etwas geht oder nicht - versteht sich von selbst, würde ich sagen. Aber der Körper (und die Seele ;-)) erbringt in diesem Zusammenhang doch definitiv eine "Leistung" - eine sehr hohe sogar, und zwar sowohl wenn man spontan gebiert als auch, wenn man Schwangerschaft, Kaiserschnitt, Genesung von der OP bewältigen muss. Diese eigenen "Leistungen" sollten alle Mütter würdigen, finde ich.

LG;
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von inkognito »

Iris hat geschrieben: Wenn eine Frau Angst vor den Schmerzen hat, dann ist es für sie sicher gut zu wissen, dass Linderung möglich ist. Aber daraus dann wieder ein Evangelium zu machen, halte ich für falsch, denn das weckt falsche Erwartungen. Eine völlig schmerzfreie Geburt gibt es einfach nicht. Es gibt aber mehr Methoden der Schmerzbewältigung als Chemie.
Zu der KS-Frage: Ich hatte ja leider zwei KS. Mir ist schleierhaft, was daran besser sein soll als an einer Spontangeburt. Die Entbindung selbst tut natürlich wirklich nicht weh. Aber dafür kann man am ersten Tag fast nichts machen - selbst das Schmusen mit dem Baby fällt vielfach schwer. DAS ist m. E. die Hauptursache für die Erfahrung vieler Frauen, die per KS entbunden haben, dass das Stillen oder der Bindungsaufbau anfänglich gestört waren.
schmerzangst, abklärung, alternative angebote betrachten zum augen zu und durch - wichtig. nicht einfach blind ks als das allheilmittel. in jedem falle. aufklärung- unbedingt.

nach meiner ersten spontangeburt hatte ich das gleiche gefühl wie du: nichts machen können, ich konnte mein babay nicht halten, jede aufrechte postion war begleitet von schwarz werden, nciht hören können, hilflosigkeit ohne ende. baby hatte hunger, ich nicht die kraft in ruhe zu stillen...

doch wie denken wir/ihr/irgendwer von frauen, die sagen, sie wollen ihren körper so behalten, wie er ist, zumindest weitestgehend. keine vaginale geburt, nicht stillen, damit die brüste nicht ausleihern...
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Iris
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Iris »

inkognito hat geschrieben:doch wie denken wir/ihr/irgendwer von frauen, die sagen, sie wollen ihren körper so behalten, wie er ist, zumindest weitestgehend. keine vaginale geburt, nicht stillen, damit die brüste nicht ausleihern...
Na ja, die sind wohl falsch informiert, oder? Die Brüste leiden ja nicht unter dem Stillen, sondern unter der Schwangerschaft und dem Altern. Tja, zu dieser "Save your love channel"-Sache habe ich keine Meinung - mir ist das nie als Problem erschienen. Ich finde die Vorstellung, dass mein Bauch aufgeschnitten wird, schlimmer als die Dehnung meiner Vagina.
Iris mit Großer -10/05- und Kleiner -02/08- , erzogen und geimpft
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Muschelsucherin »

Nunja, EINE Sache fand ich am KS dann doch ganz OK. Ich bin sehr froh, dass ich keinen Dammriss oder -schnitt hatte, wenn ich die Berichte und Probleme von Frauen höre oder lesen, die einen Riss oder Schnitt hatten.
Meine KS-Narbe ist super verheilt, ich hatte schnell keine Schmerzen mehr und die Taubheit des Gewebes ließ nach ein paar Monaten nach.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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ClauWi-Trageberaterin GK
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cocotte
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von cocotte »

Sehr, sehr interessante Diskussion hier!
jusl hat geschrieben:Soweit ich das verstanden habe, geht es der Autorin ja wesentlich um die SCHMERZEN dabei. Genau das ist allerdings ein Punkt, den ich persönlich nur schwer nachvollziehen kann. Das Wort "Schmerzen" ist bei uns einfach zu 99% negativ besetzt - allerdings ist genau dies zu hinterfragen, finde ich. Ich frage mich: war die Frau wohl schonmal bergwandern? Sich die letzten Meter zur Hütte raufkämpfen, die Waden brennen wie 1000 Nadelstiche, aber dann kommt eben das saugeile Gefühl, wenn man oben ist? Schmerzen ohne Ende, aber tauscht man dieses wunderbare Erlebnis (nach dem man wirklich stolz auf sich sein kann!..) ein gegen ein "Ach, warum gehste denn zu Fuß?... Hättest doch auch mit dem Auto rauffahren können!".
Oder der Endorphin-Kick bei intensivem Sport, wo Schmerzen und Highsein einander abwechseln - klar mag sich manche Couch-Potatoe fragen "warum tut sie sich das an?!? Ist doch sooo anstrengend..." (Sport-Junkies antworten Bewegungsmuffeln dann ja gerne sowas wie "Du hast ja keeeiiiine Ahnung!.." :lol: - würde sagen, das stimmt auch. :lol: )

Der Ansatz ist da einfach unterschiedlich. Für die einen sind Schmerzen ein nicht zu akzeptierendes Übel, welches möglichst immer ausgeschaltet sein sollte - diese Leute erleben Schmerzen mit peinigender, erniedrigender, schwächender psychologischer Wirkung. Für die anderen sind Schmerzen erstmal einfach Teil der menschlichen Gefühlspalette, die durchaus auch erlebt und erfahren sein wollen (auch wenn es sicher angenehmere, bequemere Gefühle gibt) - hier ist nach Erleben die psychologische Wirkung eben eher stärkend und stolz machend.

Dass jemand nach einer schmerzhaften, aber eben überstandenen Aufgabe STOLZ empfindet, scheint mir übrigends HÖCHST natürlich zu sein. Gibt es das nicht seit Beginn der Menschheit?? Prüfungen bestehen, Riten durchlaufen, an Grenzen herantasten und überschreiten, Narben davontragen, aber aus alldem eben GESTÄRKT wieder hervorkommmen..? Das scheint mir einer der Ur-Antriebsfedern der Menschheit überhaupt zu sein!

LG;
Julia
Das hier kann ich (als leidenschaftliche Bergwanderin und - vor dem Kind jedenfalls - ausgiebige Ausdauersportlerin) nur aus vollem Herzen unterschreiben! Vor allem den letzten Absatz. Und aus dem Grund finde ich Knäckes Vergleich mit der "Kruppstahl-Härte" irgendwie ziemlich (natürlich ganz bewusst) provokant aber einfach auch falsch. Denn das hier
inkognito hat geschrieben:vielleicht ist aber auch unser schmerz-, leistungs-, bewältigungsprinzip und härte zu sich selbst, prüfungen bestehen, gestärkt aus erfahrungen hervorgehen, auch unter anderem geprägt, erlernt und weitergegeben usw.
sehe ich ganz und gar anders. Warum muss den bei allem und jedem immer eine Verbindung zum Nazitum und dessen "Kulturverständnis" hergestellt werden? Ich seh das genauso wie Jule - die Überwindung, das Aushalten von Schmerzen ist doch eine ganz alte Geschichte und sicher in allen Kulturen schon immer ein zentrales Thema gewesen. Nicht umsonst drehten sich schon früher und drehen sich doch heute noch sehr viele Initiationsriten bei allen möglichen "Naturvölkern" genau darum. Und Hitler hat sich für die Schaffung seiner Ideologie einfach nur gerne aus solchen Schubladen oder wie auch immer ich es nennen soll, bedient, halt bei den alten Germanen. Die Verherrlichung solcher archaischer Lebensweisen war ja bei ihm teilweise echt Programm - wohingegen andererseits bestimmte Kulturen, "N-Wort", etc. als dumm und den Ariern unterlegen abgeurteilt wurden. Das ist ja gerade das widersinnige. Jedenfalls regt es mich ziemlich auf, wenn solche Diskussionen immer wieder irgendwann auf die Nazischiene kommen - und zwar bei wirklich ALLEN Themen...

Ich könnte zu dem ganzen Thema noch seitenweise schreiben - hatte nämlich auch einen KS - aber dazu hab ich nun leider keine Zeit. Heut mittag oder abend mehr.
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
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wie einem Vogel
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Hilde Domin
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darkdragonsoule
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von darkdragonsoule »

für mich war dass eher so dass ich bei der zweiten geburt die schmerzen minimieren wollte indem ich mir die geburt einfacher und natürlicher mache,bzw alles dafür tuhe dass mein kind und ich keinen stress haben und ich mich wohl fühlen kann,denn so kann man schmerzen besser ertragen oder auch ganz anderst wahrnehmen.

bei der ersten geburt lag ich nur dran ans bett gefesselt.ich hatte viele stunden ganz ekelige wehen die nicht viel brachten.ich bekam den tropf,einmal steigern,einmal wehen stoppen..immer hin und her.ich lag nur noch da und krümmte mich und es war garkeine geburt mehr. es waren viele menschen um mich herum die an mir rummachten,käbel verlegten und irgendwo was einspritzten (nachdem ich eine normale geburt hinter mir habe kann ich auch sagen dass ich nicht übertreibe).
die hausgeburt (bei der ich ja ganz um schluss im kkh war,sie aber dennoch sehr gut verlief im gegensatz zur etsten)war was völlig anderes.ich hatte schon starke schmerzen,aber erst zum schluss war ich soweit dass ich mich fragte ob das so richtig ist und wie lange ich das noch so aushalten kann.aber trotzdem nicht so dass ich sage dass ich es niemehr aushalten könnte wenn es wieder so kommt.
ich war den ganzen tag zuhause und machte sachen die mir spaß machten,ich trank was ich wollte,ging aufs klo wann ich wollte.nur mein mann hielt mich fest wann ich es wollte und keiner piekste mich oder drängte mich zum hinliegen damit ich eine halbe stunde ctg aushalte (liegen war echt pfui).es roch zuhause toll (duftöl udn einfach nach sicher zuhause).so war das ganz anderst auszuhalten.jede geburt ist anderst,aber auch wenn die schmerzen ganz genaugleich wären bei meinen beiden geburten,ist die zweite viel angenehmer gewesen.
genauso die austreibungsphase.ein schnitt und ziehen und plopp bei der ersten geburt.aber bei der zweiten wars ein "raus da ich muss das rausbekommen" und ein unbeschreibliches gefühl,so ein starker druck (der schon auch schmerzte) aber gleichzeitig doch so begfriedigend war.und als sie dann rausglitt war es so erleichternd.aber nicht erleichternd weil der schmerz aufhört,das ist auch garkein "fieser unnötiger schmerz",sondern so eine erleichterung wie zb bei julias beispiel mit dem erklimmen.vielleicht auch wie in einer extase?
Liebe Grüße von Jessi mit Y. 06,D. 08 und M. 010
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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Baba hat geschrieben:Nunja, EINE Sache fand ich am KS dann doch ganz OK. Ich bin sehr froh, dass ich keinen Dammriss oder -schnitt hatte, wenn ich die Berichte und Probleme von Frauen höre oder lesen, die einen Riss oder Schnitt hatten.
Meine KS-Narbe ist super verheilt, ich hatte schnell keine Schmerzen mehr und die Taubheit des Gewebes ließ nach ein paar Monaten nach.
Im Geburtshaus/bei Hausgeburten wird äußerst selten geschnitten und auch Risse sind sehr selten, frag mal deine Habamme. :)
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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