Seite 8 von 9
Re: Stillende Männer
Verfasst: 31.03.2014, 23:51
von Pupu
Sandküste hat geschrieben:Ich habe Beine - ebenso wie ein Mann. Also kann ich laufen udn einen Ball treten.
Mann hat aber weder eine vorhergehende Schwangerschaft erlebt noch hat er Brüste - das kann man eben nicht vergleichen.
Natürlich hat ein Mann Brüste! Manche flachere, manche ausgeprägtere. So mancher Mann hat einen größeren Busen als so manche Frau. Drüsengewebe ist ebenfalls vorhanden. Alle körperlichen Anlagen sind da. Und wenn du den ersten Link durchliest, dann stehen dort auch historische Überlieferungen von vollstillenden (!) Männern drin.
Warum also nicht? Gerade für z.B. schwule Paare finde ich das eine sehr schöne Vorstellung, wenn es bekannter würde. Auch bei manchen Paaren könnte ich mir vorstellen, dass es die Arbeitsteilung erleichtern könnte. Wenn z.B. die Frau der Hauptbrotverdiener ist, der Mann als Hausmann zuhause bleibt und Frau arbeitet, wäre es doch nett, nicht mit Fläschchen hantieren zu müssen. Oder bei Situationen, in denen die Frau nicht stillen kann oder will, der Mann dies aber gern tun würde. Warum nicht?
Für DICH PERSÖNLICH und eure Situation muss es ja nicht zwingend stimmig sein. Ihr müsst es ja nicht so machen

Auch in unserer Familie wäre es undenkbar, mein Mann wäre absolut dagegen und auch ich genieße ein wenig das Privileg, die "Alleinherrschaft" über die Milch zu haben und meine Kinder zu stillen. Aber nur weil es für mich persönlich nicht in Frage käme und ich mir ein Baby an einer Männerbrust auch nicht so richtig vorstellen kann, muss ich das ja nicht auf alle anderen übertragen. Von mir aus dürften ruhig auch Männer stillen. Es wird ja keiner gezwungen, etwas zu tun, was er nicht will!
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 05:29
von Zwiebelchen
Sandküste hat geschrieben:
Aber stillend will ich keinen Mann sehen. Es gibt ja nun genug andere Wege, seinem Kind nah zu sein.
Mal eine konstruierte Situation: Du sitzt im Cafe, neben dir ein schwules Päarchen mit Säugling. Der Säugling schreit, einer der beiden nimmt ihn raus und legt ihn an. Was würdest du machen?
Grundsätzlich finde ich leben und leben lassen. Ich urteile niemand ab, der sein Kind mit nem Fläschchen füttert, genauso wie ich niemand ablehnen würde der stillt. Oder wo die Mutter nur zu Hause ist Vollblut-Hausfrau ist. Man muss nicht mit jeder Einstellung konform gehen, aber jeder darf sein leben so bestimmen wie er mag.
Ich finde die Tatsache dass Männer Babys anlegen, ob nun laktierend oder nur zum beruhigen, sehr spannend.
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 07:05
von Millefiori
Ich würde nichts "machen"... Aber ich würde es widernatürlich finden.
mobil
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 14:00
von Blümchen84
Heute hab ich mir beim Kochen zu dem Thema nochmal Gedanken gemacht.
Fest steht, dass es weder heute noch in der Geschichte stillenden Männer gab. Die kann man an einer Hand abzählen. Und das unabhängig davon ob Männer die Anlagen dazu haben.
Den Blick in die Tierwelt finde ich auch immer interessant, aber auch sehr begrenzt. Ein Tier ist ein Tier, ein Mensch ein Mensch.Insofern kann man nicht alles vergleichen oder übertragen.
Die meisten Männchen im Tierreich kümmern sich nicht um den Nachwuchs. Auch wenn in der Menschheitsgeschichte die Pflege und Erziehung doch in Frauenhand lag, waren die Männer trotzdem für den Nachwuchs präsent und haben sich eingebracht: Je nach Zeit und Kultur, mal mehr, mal weniger. Bitte korrigiert mich, aber ist ein Wolfsrudel nicht ein ganz guter Vergleich? Alle leben im Familienverband und alle erziehen die Jungen - auch der Rüde.
Seit einigen Jahrzehnten ist es nun Trend, dass sich die Männer immer mehr in Pflege und Erziehung einbringen. Es bleibt abzuwarten ob dies ein Trend bleibt oder ob es sich etabliert.
Und an der Stelle würde ich noch den Blick auf die Evolution wagen: Laut Evolution setzt sich der Erfolgreichste durch. Auch wir Menschen stehen unter der Evolution. Wenn es sich für die menschliche Spezies als Vorteil erweist, dass das Männchen stark in die Aufzucht der Jungen eingebunden ist, dann wird sich das immer mehr durchsetzen. Hier tun dann auch die Weibchen ihr Übriges: Sie wählen dann bevorzugt fürsorgliche Männchen aus. Und so setzt sich das fürsorgliche Männchen gegenüber dem unfürsorglichen durch.
Denkt man diese Entwicklung weiter, dann KÖNNTE an ihrem Ende tatsächlich evolutionsbedingt der laktierende Mann stehen - sofern dies der Spezies einen Vorteil bringt.
Allerdings geht die Evolution ihre eigenen Wege und so kann man eh nur mutmaßen....
Re: AW: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 18:51
von mey11
Tatsächlich ist es so, dass Menschen auf Grund der hohen Aufzuchtskosten ihrer Jungen ein kooperatives Aufzuchtmodell haben, d.h. es nicht vorgesehen ist, dass die Mutter den Nachwuchs alleine aufzieht. Dieses Modell kommt in der Natur eher seltener vor. Laut Renz-Polster ("Kinder verstehen") liegt der Anteil kooperativ aufziehender Säugetierarten etwa nur bei 3% (falls ich das richtig in Erinnerung habe - bin beim Einschlafstillen und komm grad nicht zum Buch).
Menscheb sind also unter anderem deshalb evolutiv gesehen erfolgreich, WEIL vergangene Generationen die Kinder im Verbund groß gezogen haben. WIE das konkret passiert ist und welche Ausformungen sich in der Geschichte des Menschen dabei ergeben haben - darüber werden wir wohl über weite Strecken nur spekulieren können. Das Beispiel des Pygmäenstamms(?), bei dem die Kinder von den Männern zum Nuckeln angelegt werden, legt aber eher nahe, dass die Bandbreite wirklich riesig ist. Stillende Männer? Unter Umständen nicht so ungewöhnlich in der menschlichen Geschichte, wie es uns jetzt vielleicht vorkommen mag.
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 19:53
von MamaSunshine
Hm, sehr interessant! Mein mann und mein bruder haben beide zu den jeweiligen frauen

schon gesagt, sie würden auch gerne stillen und dass das ungerecht sei usw. Allerdings in dem glauben, über erwas unmögliches zu sprechen. Werde mal rausfinden, in wie weit eine tatsächliche möglichkeit dazu die ansichten vllt ändert.
Ich persönlich will allerdings mein baby selber stillen! Ich komme mir grad unglaublich egoistisch vor, aber ich würde die stillbeziehung nicht teilen wollen... ! Nachts fluche ich manchmal bei dauerstillen, aber ansonsten stille ich wirklich gerne, und bin gluckig genug, dass sogar die beikosteinführung mir kurz zu schaffen genacht hat...
Selbst wenn ich eine rolle leben sollte, die mir von außen irgendwie zugefügt wurde, bin ich damit eigentlich recht glücklich, und ich halte es mit denen unter meinen vorschreiberinnen, die darauf hinweisen, dass männer und frauen nunmal verschieden sind - auf welcher ebene, finde ich nicht wichtig. Nichtsdestotrotz finde ich die möglichkeit toll, wenn es für die familie passt! Wenn die mutter zb gar nicht stillen kann oder gar krank oder tot ist, ist das sicher das beste, was man dem baby tun kann! Und auch in nicht so krassen situationen - why not?
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 21:03
von jusl
bissl OT, aber nur kurz:
Das hier ist sachlich nicht ganz richtig:
Und an der Stelle würde ich noch den Blick auf die Evolution wagen: Laut Evolution setzt sich der Erfolgreichste durch. Auch wir Menschen stehen unter der Evolution.
Die Spezies Mensch unterliegt keinem speziellen Evolutionsdruck mehr. Evolutionsdruck heißt, dass sich an irgendeinen Selektionsfaktor besser angepasste Individuen
erfolgreicher fortpflanzen als andere Individuen dieser Population.
Wie erfolgreich sich "unsere Jungen" später mal fortpflanzen werden, ist vollständig unabhängig davon, ob sich heutige Väter brav an der Aufzucht beteiligen oder nicht.
(Soziographisch ist übrigens das Gegenteil der Fall: Junge Menschen, die ohne Vater aufwachsen, bekommen statistisch gesehen früher(!) eigene Kinder, als diejenigen, die mit Vater aufwachsen. Teeny-Schwangerschaften und so.

Das heißt sozusagen, wenn überhaupt, dann sind fortpflanzungstechnisch die früh schwangeren, vaterlosen Teenys erfolgreicher.

)
LG
Julia
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 23:18
von Blümchen84
Hast du Biologie studiert? Stimmt, meine Formulierung war stark verkürzt. Evolutionsdruck wie Tieren unterliegen wir nicht mehr. Aber ob und wie stark wir der Evolution unterliegen ist unter Wissenschaftlern auch umstritten. Hoffe ich darf das verlinken, ansonsten einfach google bemühen.
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/05/Evolution.xml
http://www.sueddeutsche.de/wissen/evolu ... t-1.207299
Jedenfalls war mein Betrag Nicht so gemeint, dass ich davon ausgehe unsere Jungen pflanzen sich erfolgreicher fort, wenn der Vater fürsorglich war. Das ergibt keinen Sinn.
Mein Gedanke war so gemeint: Wenn Frauen nur noch fürsorgliche Männer wollen, dann ist das ein Selektionsfaktor. Diese Männer pflanzen sich dann erfolgreicher fort und nach Jahrtausenden der Entwicklung könnte dann ein Mann stehen, der Milch gibt. Allerdings muss man sich fragen ob man starke Fürsorglichkeit wirklich "anevolotionieren" kann. Andererseits brachte die Evolution auch hervor, dass sich der Mensch seiner Vergänglichkeit bewusst ist.
Anderes Beispiel: Wenn Männer die stark behaart sind, bei Frauen beliebter wären, dann wäre ihr Paarungserfolg höher und die Zahl der behaarten Männer würde steigen.
Re: Stillende Männer
Verfasst: 01.04.2014, 23:30
von Blümchen84
Blümchen84 hat geschrieben:
Mein Gedanke war so gemeint: Wenn Frauen nur noch fürsorgliche Männer wollen, dann ist das ein Selektionsfaktor. Diese Männer pflanzen sich dann erfolgreicher fort und nach Jahrtausenden der Entwicklung könnte dann ein Mann stehen, der Milch gibt. Allerdings muss man sich fragen ob man starke Fürsorglichkeit wirklich "anevolotionieren" kann. Andererseits brachte die Evolution auch hervor, dass sich der Mensch seiner Vergänglichkeit bewusst ist.
Anderes Beispiel: Wenn Männer die stark behaart sind, bei Frauen beliebter wären, dann wäre ihr Paarungserfolg höher und die Zahl der behaarten Männer würde steigen.
Sorry, jetzt zitier ich mich schon selbst.
Also die Frage bzw Vermutung, die ich stelle ist, ob Fürsorglichkeit vererbbar ist. Wenn sich ein fürsorglicher Mann erfolgreicher paart, weil das die Weibchen wollen UND Fürsorglichkeit vererbbar ist, dann würde der männliche Nachkomme dieses Mannes auch fürsorglich sein und sich auch erfolgreich paaren.
Allerdings scheint Fürsorglichkeit anerzogen zu sein und gerade diejenigen, die wenig davon erfahren haben, pflanzen sich oftmals schneller und mehr fort - wo wir wieder bei die sind Jusl.
Ach ist auch ein spannendes Thema, aber OT. Ich bin jetzt ruhig.

Re: Stillende Männer
Verfasst: 02.04.2014, 14:00
von Elena
Millefiori hat geschrieben:Ich würde nichts "machen"... Aber ich würde es widernatürlich finden.
mobil
Ich würde wohl erstmal sehr groß gucken und etwas befremdlich fände ich es auch - aber wohl nicht mehr als das ältere Ehepaar am Nachbartisch es vielleicht fände, das blöd guckt, wenn ICH mein Baby stille. In der ÖFFENTLICHKEIT! Das muss ja nun nicht sein heutzutage. Wir sind ja nicht in Afrika.
Ich finde "widernatürlich" da auch ein ganz falsches Wort - weil die Brust (und auch die männnliche) ja nun deutlich natürlicher ist als z.B. ein Schnuller. Wenn der Mann zur Beruhigung den Schnuller geben darf - darf er auch den kleinen Finger geben? Oder sein Ohrläppchen? Aber nicht die Brust? Wenn nein, warum nicht? Wir beschweren uns hier immer über die Sexualisierung der weiblichen Brust. Machen wir es mit der männlichen nicht vielleicht selbst so?
Letztendlich würde ich das Wohl des Kinder in den Mittelpunkt stellen wollen und fände es großartig, wenn z.B. das Kind eines schwulen Paares gestillt würde. Oder wenn ein Kind, dessen Mutter zuwenig Milch hat oder nicht stillen kann, (auch) vom Vater gestillt würde. Für mich wäre der Vater in jedem Fall besser als die Flasche oder der Schnuller.
