Paleo Anybody? ;)

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Lotti
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Lotti »

Nuala, Du sprichst mir (wie immer) aus der Seele!
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avalanche
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Re: AW: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von avalanche »

Es gibt einiges an Kochbüchern in deutsch auf dem Markt, zum Beispiel:

Paleo Küche für Geniesser (Danielle Walker)

Paleo Power for live (Nico Richter)
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Nuala
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Nuala »

Lotti, danke!

Den Richter hab ich seit kurzen hier, finde ich ok, guter Einstieg und noch relativ zurückhaltend mit Nachbauten.
Das andere Buch habe ich nur durchgeblättert, da ist mir schon ein bisschen der Gedanke des Geldmachens gekommen: viele Nachbauten (extrem viele Rezepte mit Kokosmilch, Kokosmehl, Mandelmehl, geriebenen Mandeln...).
MMn hat Paleo auch sehr viel mit bewussten Essen zu tun und auch mit WANN esse ich was?
Echtes Paleo geht für mich auch stark mit Formen des intermittierenden Fasten einher.
Dh. also alleine wenn ich lese, dass beim Richter (angeblich, ich finds nämlich gar nicht!) zu wenig Frühstücksideen drin sind (so auf Amazon gelesen), dann denke ich spontan und unwillkürlich: oh je, der hat's nicht verstanden.
Je mehr Frühstücks- und Dessertrezepte in einem angeblichen Paleo-Kochbuch umso mehr Skepsis ist angebracht.
Und umso mehr Rezepte, die Richtung Brot, Pasta oder Pizza gehen, auch.
Deshalb hab ich mir die Walker nicht gekauft. Genau da fangt es für mich an, dass Paleo nicht mehr Paleo ist.
...und ich bin nicht sehr streng!!!! Ein bissl Ausnahmen müssen sein! Aber leider werden Ausnahmen zu schnell Alltag.
Es wird dann transportiert, egal ob bei vegan oder Paleo: du musst auf NICHTS verzichten!!!! Einfach nur Mehl durch Mandeln ersetzen und alles ist gut, juhu!!!
:shock:
Paleo. Ist. Verzicht. VIEL Verzicht. Verzicht von dem, was in unserer Gesellschaft normal ist.
Und anfangs kann das durchaus schwer sein.
Aber der Verzicht lohnt sich!
Und erst wenn die Sichtweise ist: Essen bedeutet: wenig. Hochwertiges. Naturbelassenes. Selbstgemachtes. Hauptsächlich Gemüse und Salat. Dazu etwas echtes Fleisch/Fisch aus NACHHALTIGER ARTGERECHTER Haltung (!!!!!!), und ein wenig Obst. Sonst. Nichts.
...dann sind wir am richtigen Weg. Und dann kann's auch mal ein selbstgemachtes (!) Bananenbrot sein.
Aber ich merke an mir: wir sind anders geprägt. Und ich muss mir obiges immer und immer wieder neu vor Augen halten. Weil erst ist es NUR ein Obsttag. Dann NUR ein Bananenbrot. Dann AUSNAHMSWEISE noch eines. Und dann verringert sich plötzlich der Salatverzehr... Und dann muss man sich schleunigst wieder zusammenreißen.
Ja, ECHTER Umstieg ist schwer. Und genau das wird teilweise zu wenig oder falsch transportiert. Da hört man dann: kein Verzicht! Total einfach und schnell! - Weil eben Geld gemacht werden soll. Konsumiert werden muss.
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Nuala
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Nuala »

Ups, war noch nicht fertig.
Paleo hat für mich viel mit Experimenten und Hinhören zu tun: was bekommt mir? Wann bekommt es mir? Was vertrage ich? Was nicht? Wie fühlt sich Hunger an? Was macht der Hunger mit mir? Bis zu welchen Pubkt macht er mich fit, klar und wach? Ab wann macht er mich müde und grantig? Welche Bewegung passt zu mir? Wie steht es um meinen Schlaf? Wie reduziere ich Stress? Wann brauche ich Kohlenhydrate und wann nicht? Wie esse ich an welchen Tagen (aktiven, passiven)?
Das alles ist voll spannend und es braucht Monate um es FÜR SICH (!!!) herauszufinden.
Umstellung geht nicht von heute auf morgen.
Aber dieses Neu-Kennenlernen ist sooooo spannend!
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novembersonne
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von novembersonne »

Weiter vorne gab es einfach die Bedenken, dass ein hiher Fleischkonsum ohne Hülsenfrüchte schlicht ein Welternährungsproblem darstellt.

Nochdazu gibt es einfach keine eindeutigen Aussagen (ausser euren eigenen Erfahrungen), wie gut die Steinzeiternährung tatsächlich ist, wie fleischhaltig sie nun wirklich war (wie bei den Naturvölkern heute die noch Jäger und Sammler sind gubt es vom sehr fleischlatigem bis hin zum vegetarischen auch wohl alle Vertreter),.
Dazu kommt, dass Aussagen über die evolotionäre Anpassung bzw Nichtanpassung einfach nicht stimmen:
Seid dem Getredeanbau und der Viehzucht gab es Genänderungen.

Siehe paleo bei wiki.

Ähnliche positive Erfahrungen beschreiben auch Rohköstler und reine Fruchtesser.

Wenn es ein Spleen weniger bleibt ists mir wurst, aber Nahrungsmittel quasi zu verteufeln die die meisste Weltbevölkeung vor dem Hungertod bewahrt empfinde ich als menschenunwürdig.

Sowie Nuala es sagt: sie verträgt dieses oder jenes besser oder schlechter, finde ich gut, noch dazu wo sie sehr reflektiert darüber nachdenkt.

Aber vielleicht kann man ja doch auch Weltretter-Gedanken mit in seine Ernährung einbeziehen?
Ich mag gern Fleisch, trotzdem liegt mir da vegan viel näher.
Oder Rohkost.
Oder die Sonnendiät ;-)
Liebe Grüße
kado

Bub 07/2005; Bub 01/2008; lütte Deern 2/2012
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Nuala
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Nuala »

Über das Welternährungsproblem denke ich auch viel nach.
Ich war ja früher hauptsächlich aus Umwelt- und Welthungergründen vegetarisch/vegan.
Es ist teilweise echt schwer abzuschätzen.
Vollkommen logisch ist, dass Getreide und Hülsenfrüchte viele Menschen ernährt.
Trotzdem gibt es Hunger - dass es ein massives Umveilungsproblem gibt ist bekannt. Dass teilweise mit Essen spekuliert und Rohstoffe ins Meer geschüttet wird macht mich sprachlos vor Wut und Entsetzen.
Ich esse gerne und viel - dass es Menschen gibt, die sich zu Tode essen mit billigen Schrott, macht mich traurig - wobei ich die Schuld weder auf diese Menschen, noch auf die Wirtschaft schieben will - es sind IMMER zwei Seiten.

Ich bin Idealist. Hm. Eher Fantast. Ich träume mir eine perfekte Welt. Ohne Not, ohne Hunger, ohne Krieg.
Und eine Welt in der sich jeder mit Genuss gesund ernährt. Ohne Ideologien, ohne Trend, ohne Schrottprodukte (die machen mich so wütend! Dieser Billig-Industriefraß! Wertvolle Rohstoffe, verwandelt in kleine Giftbomben. Grrrrrr!), so wie es ihm entspricht. Seiner Gesinnung. Seinem Körper.
Ich träume von einem Umgang mit der Natur wie man es den Indianern nachsagt: Ehrfurcht und Respekt vor der Natur, vor dem Tier. Alles wird verwendet. Dem Tier wird gedankt. Zu Lebzeiten durfte es glücklich und frei sein.
So ein Umgang mit Natur heute... keine Ahnung wohin das führen würde. Aber ich glaube dass man alle satt bekommen würde. Ich glaube nicht, dass wir zu viele sind. Ich glaube dass es möglich sein muss friedlich und mit Respekt vor der Schöpfung hier auf dieser Welt zu Leben.
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Nuala
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Nuala »

Von Paleoseiten interessant:
In den Mastbetrieben wird den Tieren Soja und Getreide gefüttert (irgendwie interessant sich das mal vorzustellen: mit Soja und Getreide wird gemästet, was bedeutet das für uns Menschen?).
Das Problem ist, dass das artgerecht ist. Dh die Tiere werden mangelernährt. Dh auch ihr Fleisch ist dadurch "mangelhaft" = ungesund. Lebewesen, die nicht artgerecht ernährt sind, sind oder werden krank. Es ist NICHT NATÜRLICH kranke Tiere zu essen.
Paleo bedeutet reines gesundes Essen. Es bedeutet nicht Unmengen Fleisch essen, es bedeutet schon gar nicht krankes Fleisch zu essen. Denn genau DAS ist der Grund warum Fleisch heute nicht ganz zu Unrecht verteufelt wird. Es IST nicht gesund. Weil die Tiere nicht gesund sind. Weil sie sich zu wenig bewegen, sich falsch ernähren.
Und zusätzlich bekommen sie durch dieses falsche Essen starke Blähungen (hatte ich zu meinen Vollkorn-Hülsenfrüchtenzeiten auch massiv, jetzt nur noch ab und zu wenn ich Kohlartiges esse oder zu viel Zwiebel) und verpesten die Umwelt.
Wiederkäuer fressen Gras. Und ANGEBLICH war ja die Prärie wegen all der Bisons so fruchtbar und es gab in Afrika geglückte Versuche unfruchtbare Steppen mithilfe von Herden in Grasland zurück zu verwandeln. Dh. man kann dort kein Getreide anbauen, aber es können dort Rinder leben.

Keine Ahnung ob das stimmt. Ich glaube, dass unsere Ideologien und fixen Ideen uns viel zu oft das Gehirn ausschalten lassen. Offenheit und Kreativität würde uns da vermutlich mehr weiterhelfen.
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Nuala »

Nuala hat geschrieben:Von Paleoseiten interessant:
In den Mastbetrieben wird den Tieren Soja und Getreide gefüttert (irgendwie interessant sich das mal vorzustellen: mit Soja und Getreide wird gemästet, was bedeutet das für uns Menschen?).
Das Problem ist, dass das artgerecht ist.
...NICHT artgerecht, sorry! Wo ist denn das NICHT hin?
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Lotti
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Re: AW: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Lotti »

Danke nuala! Ich kann leider nur knapp vom Handy antworten, aber ich denke das gesamte Ernährungssystem müsste so dermaßen komplett und radikal umgekrempelt werden dass es wohl leider eine Utopie bleiben wird. Auf jeden Fall halte ich Veganismus nicht für das Allheilmittel. Wie nuala schrieb, es gibt sehr viele Böden auf der Erde, auf denen kein Getreide Anbau, wohl aber Viehzucht möglich ist. Getreide und Soja gehören nicht an Widerkäuer verfüttert. Die Exkremente der Tiere sind als Dünger Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft... es gibt kein schwarz und weiß und paleo bedeutet nicht, jeden Tag ein halbes Kilo Fleisch zu essen.
Überhaupt das Argument, dass wir ja nicht wissen können, was der Steinzeit Mensch gegessen hat bzw dass die Ernährung extrem unterschdlich war. Korrekt. Es gibt aber gesicherte Erkenntnisse darüber, was NICHT gegessen wurde (z. B. Weizen) und das gilt für sämtliche Steinzeit Kulturen. Auch hat Loren Cordain sehr schön dargelegt, dass nicht eine der von ihm untersuchten prähistorischen Kulturen (und es waren Dutzende!) sich rein vegetarisch ernährt hat, geschweige denn vegan. Seinen Vortrag kann man bei YouTube angucken, ich kann es grad nicht verlinkten.
Mein Fazit: Artgerechte Ernährung für alle! Das gilt auch für uns Menschen, und der Mensch ist kein Herbivor sondern ein Omnivor [emoji6]
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Re: Paleo Anybody? ;)

Beitrag von Nuala »

Lotti, ICH persönlich seh das auch so.
Aber es sei jeden von Herzen unbenommen wenn er sich vegetarisch oder vegan ernähren WILL.
Ich glaube nicht daran, dass das unbedingt artgerecht ist, jedoch sind Kinderwägen auch nicht unbedingt artgerecht :wink: und trotzdem gibt es sie und sie können sogar praktisch sein. :P

Mir gefällt der wissenschaftliche Paleo-Ansatz (wie wirkt Nahrung auf die Hormone? Wie wirken Hormone auf den Schlaf? usw usf) ja auch irgendwie besser als dieses Steinzeit-Gedöns. Wenn ich keine Ahnung von Paleo hab und dann kommt einer mit: ich ernähre mich wie die Steinzeitmenschen, dann würde ich mir ganz vorsichtig an die Stirn tippen. :oops: :lol:
Denn genau da geht die Ideologie und Schwammigkeiten los.

Für mich gibt es nur Fakten, und die auf zweierlei Art:
1. Wissenschaftlich (die jedoch falsch sein können!)
2. Persönliche (die sich jedoch ändern können)

Die persönlichen Fakten halte ich für unantastbar (so wie die persönliche Freiheit, die allerdings dort endet wo anderer zu Schaden kommen - in dem Sinn ist man aus veganer Sicht allerdings durchaus angreifbar, und ja, erstmal auch zurecht. Nur hört die Argumentation da nicht auf. Aber das ist ein anderes Pflaster.).

Persönliche Fakten sollten aber auf Hintergrundwissen, Experimenten (mind. 2 Wochen strikt) und EHRLICHER Reflexion basieren. Zumindest wäre das mein Wunsch.
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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