Nun hatten wir heute U5. Von unserem KiA halte ich sehr viel, weiß aber nicht, wie aktuell sein Stillwissen ist. Auf jeden Fall meinte er, das Gewicht und die Zunahme seien ja noch gerade so im Rahmen, er hätte mir nicht zu Beikost geraten, sondern empfohlen, einen Stillrhythmus einzuführen. Also seltener zu stillen, damit die Kinder hungriger trinken und dann mehr HIntermilch bekommen. Also bin quasi seiner Meinung nach ich schuld, daß sie dünn sind, weil ich zu viel stille/gestillt habe. Ansonsten war er mit der Entwicklung der beiden zufrieden.
Gibt es das wirklich, kann man zuviel stillen? Und dadurch Untergewicht beim Kind verursachen???
Ganz klare Antwort: Bei EUCH halte ich das für absolut ausgeschlossen. Und zwar aus folgenden Gründen:
Die Ausführungen Deines KiAs sind nicht komplett falsch -
unter ganz bestimmten Umständen ist es möglich, ein Baby permanent mit Muttermilch abzufüllen, die zu wenig Fett enthält. Diese Umstände beinhalten:
* ein sehr junges Baby mit sehr kleinem Magen,
* eine massive MilchÜBERproduktion der Mutter,
* ein sehr großes Speichervolumen der Brust.
Wenn mit dieser ungünstigen Kombi
sehr oft gestillt wird, ist die übliche Folge: das Baby gedeiht unauffällig, aber scheidet extrem viel aus, sehr viel Pipi und sehr viel (häufig anhaltend grünen) Stuhl.
Wenn mit dieser ungünstigen Kombi
eher selten gestillt wird (nach "Rhythmus" wie Dein Kia empfielt), ist die übliche Folge: das Baby ist immer kompett abgefüllt von der Milch, die sich ohne MSR in den Brüsten sammelt, bekommt deshalb zu wenig Kalorien und gedeiht entsprechend schlecht.
Und damit ist auch klar, dass diese Umstände auf Dich nicht zutreffen: Du hast definitiv KEINE MilchÜBERproduktion (bisherige Vermutungen betrafen ja eher das Gegenteil). Deine Babys sind auch nicht mehr "sehr jung mit sehr kleinem Magen". Und nicht, dass ich Dich sooo haargenau abgecheckt hätte als wir uns das letzte Mal sahen, aber nach übermäßig viel Speichervolumen sahst Du nicht aus

. Dies belegen auch Deine früheren Bemühungen beim Milchabpumpen (erinnere ich richtig?).
In der Äußerung "Also seltener zu stillen, damit die Kinder hungriger trinken und dann mehr HIntermilch bekommen." ist ein logischer Fehler: die Menge der fettärmeren "Vordermilch" hängt NICHT davon ab, ob ein Kind "hungrig trinkt" oder nicht (ich nehme an, damit meint er, dass beim "hungrig Trinken" der MSR schneller kommt und entsprechend schneller die Hintermilch fließt). Denn die Vordermilch muss SO ODER SO doch erstmal irgendwo hin! Wenn der MSR langsam (oder gar nicht) kommt, fließt ja nicht stattdessen weiterhin Vordermilch, sondern es fließt nach der Vordermilch einfach KEINE Milch mehr!.. Deswegen ergibt der Hinweis des KiAs keinen Sinn.
(Abgesehen davon: beim Tandemstillen setzt der MSR wegen des doppelten Saugreizes für gewöhnlich sowieso sehr früh ein)
Womit er Recht hat: "Hungrig trinken" im Sinne von "kräftig saugen" ist wichtig für die Anregung der Milchproduktion. Dies erreicht man aber nicht durch Hungern (dadurch erreicht man nur Aufregung und Hektik, und dies schlägt sich nachweislich NEGATIV auf das Trinkverhalten nieder!..) sondern durch eine gute Stilltechnik.
Und mal von allem bisherig Geschriebenen abgesehen: Du HAST bereits einen völlig normalen "Stillrhythmus", nämlich Stillen nach Bedarf, mit einer Mischung aus klar umrissenen Mahlzeiten und abends Clustern (dies ist mein letzter Stand). Dies ist völlig unauffällig und nicht zu verbessern; damit scheidet Euer Stillrhythmus als Ursache für irgendwelche Probleme aus.
Ach ja, und wie ist es mit der Vielfalt bei der Beikost, ist es zu einseitig, mehrmals am Tag das immer gleiche zu geben? Er meinte, sie bräuchten dann schon irgendwann mehr Abwechselung.
Ja klar, IRGENDWANN wäre es schön, wenn Deine Kinder noch was anderes essen würden als Getreide mit Mandelmus.

Zum JETZIGEN Zeitpunkt ist dieser Hinweis aber sinnfrei: Du fütterst nur geringe Mengen zu (3x am Tag sind "geringe Mengen"!..), die NICHT als MuttermilchERSATZ gedacht sind, sondern ausschließlich dazu dienen, ein paar mehr Kalorien ins Kind zu kriegen. Da ist es VÖLLIG WURSCHT, was genau Du da gibst. Neue Nahrungsmittel kannst Du entsprechend LANGSAM einführen, z.B. einfach mal einen Klacks irgendwas (Obst oder Gemüsemus z.B.) mit in den Brei mischen, oder weitere Getreidesorten probieren. Diese Lebensmittel sind für gewöhnlich problemlos verträglich.
Jedenfalls: in gewisser Hinsicht ist es "gut" (bitte nicht falsch verstehen!..), dass Julian immernoch unzufrieden ist. Denn: er wird nach Bedarf gestillt, hat freien Zugang zu hochkalorischer Beikost, und seine Gewichtszunahme ist im Rahmen. Heißt also: AN HUNGER liegt es NICHT!..
LG
Julia