Stillen -antifeministisch?!

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Gaby
Profi-SuTler
Beiträge: 3277
Registriert: 11.01.2005, 16:49

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von Gaby »

Johana hat geschrieben:
LaLeMi hat geschrieben:Ist ein Kind benachteiligt, dem der liebende Papa zuhause abgepumpte MuMi füttert?

Ja, ich finde schon.

Dennoch finde es toll, wenn die abeitende Frau sich die Mühe macht Muttermilch abzupumpen :D !

LG
Finde ich nicht.

Ich habe bei der ersten und bei der jüngsten Tochter direkt nach dem Mutterschutz weiter gearbeitet, bei der Großen Vollzeit, bei der Kleinen Teilzeit, mein Mann war jeweils zu Hause. Als meine Älteste ein Jahr alt war, haben wir "getauscht", ich war dann komplett zu Hause und mein Mann hat Vollzeit gearbeitet. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass wir beide mit der Situation unzufrieden waren, wir hatten die Frage der Elternzeit rein vom Kopf her entschieden, und objektiv betrachtet, war es so herum viel besser (ich hatte bessere Arbeitszeiten, besseren Verdienst, Arbeit ganz in der Nähe). Aber ich hatte nicht mit meinen Muttergefühlen gerechnet und damit, dass ich bei meinem Baby sein wollte. Als ich dann in Elternzeit war, habe ich die viele Zeit mit Kind zunächst sehr genossen.

Bei den beiden mittleren war ich also weiterhin in Elternzeit, und bereits nach dem zweiten Kind merkte ich, dass ich immer unzufriedener wurde und mich nicht ausgefüllt fühlte. Mein Mann war kaum da (nur am WE) und ich kümmerte mich tagein, tagaus 24 Stunden pro Tag um die Kinder. Mir fehlte die Arbeit sehr. Als mein drittes Kind 2 war, bin ich wieder Teilzeit angefangen zu arbeiten und hab dies auch nach der Geburt der Jüngsten fortgeführt. Da war es für mich ok, weil ich auf keinen Fall wieder "nur" zu Hause sein wollte.

Heute bin ich unendlich froh darüber, dass ich meine Kinder habe, aber auch, dass ich meine Arbeit habe. Ich weiß, dass ich ohne meinen Beruf unzufrieden und meinen Kindern keine bessere Mutter wäre, auch wenn ich mehr Zeit hätte.

Wir haben also die verschiedensten Familienmodelle "durch", ich habe alle vier Kinder mindestens 6 Monate voll gestillt, und ich bin überzeugt, dass die beiden, die im ersten Lebensjahr vom Papa betreut und abgepumpte Milch bekommen haben, keinesfalls benachteiligt gegenüber den anderen beiden waren. Im Gegenteil, ich glaube manchmal, sie hatten es besser, weil sie als Baby zwei enge liebende Bezugspersonen hatten, während die anderen beiden mit dem ständig arbeitsabwesenden Papa nur mich als Bezugsperson hatten.

Ich finde kein Modell besser oder schlechter, für MICH PERSÖNLICH ist es so, dass ich als Ideallösung FÜR UNS ansehe, dass beide Elternteile Teilzeit arbeiten und sich bei der Kinderbetreuung abwechseln, leider möchte mein Mann das nicht :( . Es muss halt für beide Elternteile und für die Familie passen.

Zum Ausgangsthema: Ich finde das Interview interessant, und ich fühle mich dadurch nicht angegriffen. Ich kann mit Feminismus nichts anfangen, deshalb kann ich auch nicht sagen, ob ich Stillen feministisch oder antifeministisch finde. Stillen ist für mich kein Mittel, um irgendwelche gesellschaftspolitischen Ziele zu erreichen oder um irgendeiner Gesinnung Ausdruck zu verleihen.
mit 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Häng dein Herz an eine wackelnde Welt und dann wunderst du dich dass es runterfällt (Judith Holofernes).
Benutzeravatar
klimaforscherin
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7128
Registriert: 06.05.2010, 19:22
Wohnort: bei der Pyramide

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von klimaforscherin »

Gaby, ich stimme dir voll und ganz zu, insbesondere diese beiden Punkte:
Gaby hat geschrieben:
Johana hat geschrieben:
LaLeMi hat geschrieben:Ist ein Kind benachteiligt, dem der liebende Papa zuhause abgepumpte MuMi füttert?
Ja, ich finde schon.

Dennoch finde es toll, wenn die abeitende Frau sich die Mühe macht Muttermilch abzupumpen :D !

LG
Finde ich nicht.
[....]
Stillen ist für mich kein Mittel, um irgendwelche gesellschaftspolitischen Ziele zu erreichen oder um irgendeiner Gesinnung Ausdruck zu verleihen.
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

Bild Bild
Benutzeravatar
Johana
Power-SuTler
Beiträge: 5973
Registriert: 11.02.2008, 10:00

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von Johana »

Gaby, ich habe dabei jetzt nicht an die Bezugsperson Mama /Papa gedacht. Sondern habe im Geiste nur Stillen mit anderen Fütterungsmethoden verglichen.
Und da stillen mehr als "nur" Nahrungsaufnahme ist, scheint ein Kind was Mumi aus einem anderen Behälter bekommt, schon benachteiligt (Mundmuskulatur, Zähne etc.).

Liebe Grüße
Benutzeravatar
linomama
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 311
Registriert: 03.12.2009, 09:13

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von linomama »

ich finde es schade, dass frau badinter diese naturalismus-schiene verdammt....ich bin sehr dankbar, dass wir wieder diesen natürlichen und intuitiven zugang zu uns selbst und zu unseren kindern haben können, im gegensatz zu den 30er bis 60er jahren. ich sage nicht, dass frauen, die ihrem kind die flasche geben, nicht stillen, nicht tragen, nicht familienbetten, aus ihren kindern psychische krüppel machen. da sind wir zum glück ebenfalls drüber hinweg, grundsätzlich jedenfalls. aber ich habe irgendwie das gefühl, dass ich die welt ein wenig verbessern kann, wenn ich meinem kind diese liebe und aufmerksamkeit gebe...aufgeschlossene und selbstbewusste menschen in die welt zu entlassen kann doch eigentlich nur in frau badinters sinne sein...sicherlich ist das ein weitere punkt der mal wieder eine ganze grundsatzdiskussion nach sich zieht... ich bin der meinung (sicherlich auch einige in diesem forum), dass frühkindliche erfahrungen enorme auswirkungen auf die spätere psychische verfassung haben...ich denke, viele frauen machen sich darüber keine gedanken und frau badinter bestärkt sie darin, sich auch keine weiteren gedanken darüber zu machen. das finde ich traurig. für mich hat die psyche meines kindes priorität, vor karriere, geld, unabhängigkeit, dass ich damit jedoch nicht gleichzeitig negiere. naja, das führt mal wieder alles ganz schön weit. soweit erst mal von mir
liebe grüße von linomama mit kleinem sausemann (06/09) und der milchraupe (05/13)
clauwi-trageberaterin (gk 02/2011 und ak 11/11)
IBCLC Regina
Herzlich Willkommen
Beiträge: 6
Registriert: 01.09.2010, 19:47
Wohnort: sizilien
Kontaktdaten:

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von IBCLC Regina »

Hallo,

hier auch noch ein SEHR "interessanter" Artikel, wo ich die Augen zum Himmel rolle!
http://www.emma.de/index.php?id=muttermilch_2009_6

Liebe Grüße,
Regina
Still-und Laktationsberaterin IBCLC
http://www.stillenbeispalte.org
u.a. Autorin: *** “Gestillte Bedürfnisse“, Oesch Verlag
Der umfassende Still-Trage-und Schlafratgeber
mit vielen Prominentenkommentaren und einem Vorwort von Prof. Rita Süßmuth! ***
http://www.editionriedenburg.at/buecher ... index.html
Benutzeravatar
Drachenblut
alter SuT-Hase
Beiträge: 2602
Registriert: 03.08.2007, 08:52

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von Drachenblut »

Was findest Du an dem Artikel so schlimm?

Bis auf den Absatz, in dem steht, dass Stillen das alte Rollenmodell unterstützt (dem ich nicht zustimmen kann, wegen eigener, anderer Erfahrungen), finde ich den Artikel gar nicht schlecht.

Was nützt es dem Kind, gestillt zu werden, aber mit Widerwillen?

Wenn alle zufrieden sind, ist das doch ihre Sache.

Und gemobbt zu werden, weil man nicht stillt, finde ich genauso fürchterlich, wie blöd angemacht zu werden, weil man noch stillt.

Mich nervt es, dass man sich immerzu, für jede Entscheidung, die man für sein Leben mit Kind trifft, vor irgendwelchen Leuten rechtfertigen muss :evil: .
LG Drachenblut mit ihrer 3köpfigen Brut :-)

Erfahrungen sind wie Apfelkuchen:
am besten selbstgemacht!


(Tochter 1997, Sohn 1998, Sohn 2007)
IBCLC Regina
Herzlich Willkommen
Beiträge: 6
Registriert: 01.09.2010, 19:47
Wohnort: sizilien
Kontaktdaten:

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von IBCLC Regina »

Ich finde ihn nicht schlimm, ihre Argumente schließen jedoch eindeutig auf unzureichende Still-Infos.
Wichtig ist, dass sich Frauen GUT schon vor der Geburt zum Thema Ernährung auseinandersetzen und sich auch möglichst Unterstützung von einer kompetenten Fachpersonl holen, um die Für und Wider abzuwägen und dann eine informierte Entscheidung zu treffen. Dieser Artikel scheint informiert, ist er aber leider nicht, denn was das Kind evtl. wollen würde, was IHM guttut steht nirgends und es ist leicht zu sagen "wenn es mir gut geht, geht es auch dem Kind gut", aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus. Von gesunder, natürlicher, antikörperreicher Nahrung, kiefergerechter Entwicklung, vom Unterschied eine weiche, warme, gutriechende Mamabrust im Mund zu haben oder Gummi oder Silikon steht nichts. Frauen die nicht Stillen brauchen sich nicht rechtfertigen und dieser Artikel ist eine einzige Rechtfertigung, ihre Argumente fadenscheinig. Schade.

LG, regina
http://www.stillenbeispalte.org
u.a. Autorin: *** “Gestillte Bedürfnisse“, Oesch Verlag
Der umfassende Still-Trage-und Schlafratgeber
mit vielen Prominentenkommentaren und einem Vorwort von Prof. Rita Süßmuth! ***
http://www.editionriedenburg.at/buecher ... index.html
Benutzeravatar
LaLeMi
Miss SuTiversum
Beiträge: 13541
Registriert: 18.06.2007, 15:25
Wohnort: Rhein-Main

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von LaLeMi »

Zum Thema Stillen und Pumpen (bei uns war es nicht notwendig; auch wenn meine Tochter noch in meiner Anwesenheit fast voll stillte, als ich an ihrem 1. Geburtstag wieder arbeiten ging): in der Regel sind stillende/pumpende/arbeitende Mamas ja nicht 24 Std. am Tag abwesend und pumpstillen nicht ausschließlich. Ebenso wie es ja auch Mamas gibt, die nur pumpstillen können; da finde ich es schon heftig, da von Benachteiligung zu sprechen.

Puh, was den Emma-Artikel betrifft, den finde ich auch eher rückschrittig und sehr uninformiert.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

Bild
Bild
Bild
***ClauWi-Trageberaterin (Grundkurs 2007, Aufbaukurs 2008)***[/i]
Mitglied im TRAGENETZWERK e.V.
Benutzeravatar
Johana
Power-SuTler
Beiträge: 5973
Registriert: 11.02.2008, 10:00

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von Johana »

LaLeMi hat geschrieben:Zum Thema Stillen und Pumpen (bei uns war es nicht notwendig; auch wenn meine Tochter noch in meiner Anwesenheit fast voll stillte, als ich an ihrem 1. Geburtstag wieder arbeiten ging): in der Regel sind stillende/pumpende/arbeitende Mamas ja nicht 24 Std. am Tag abwesend und pumpstillen nicht ausschließlich. Ebenso wie es ja auch Mamas gibt, die nur pumpstillen können; da finde ich es schon heftig, da von Benachteiligung zu sprechen.

Puh, was den Emma-Artikel betrifft, den finde ich auch eher rückschrittig und sehr uninformiert.

Ich konnte deinen Satz in einem Forum das STILLEN und tragen heißt nicht unkommentiert stehen lassen :wink: ! An der Disskussion zum Thema Feminismus, und Frauen und Beruf möchte ich mich nicht wirklich beteiligen.
Aber das ein Kind was jederzeit und immer komplett nach Bedarf gestillt wird, im Vorteil ist, das empfinde ich einfach so. Ich war selbst bei drei meiner Kindern eine Zeitlang gezwungen abzupumpen und die Milch anders zu füttern (füttern zu lassen), und es war nicht 100% möglich, das nach Bedarf zu machen.
Wenn man nämlich alle halbe Stunde mal ein Schlückchen Milch warm macht, hat man schnell keine mehr. Es gab aber Tage, an denen meine Kindern halbstündlich an der Brust waren.

Desweiteren setzt man ein Kind dem Risiko einer Saugverwirrung aus, denke ich, oder?
Kann man da nicht von Benachteiligung sprechen?

Und was ist daran heftig, wenn man einfach seine Empfindung aufschreibt? Zum Thema stillen, in einem Stillforum...

Liebe Grüße
Benutzeravatar
Altraia
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8383
Registriert: 25.01.2006, 12:22
Wohnort: Limburg

Re: Stillen -antifeministisch?!

Beitrag von Altraia »

Das sehe ich genauso, Johana.

Es heißt ja auch sonst immer, dass bei der Ernährung die "Rangfolge" lautet:
- Muttermilch direkt aus der Brust
- abgepumpte Muttermilch der eigenen Mutter
- abgepumpte Muttermilch einer anderen Mutter
- Kunstmilch
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
Antworten

Zurück zu „Stillforum“