Betreuungsnotfallplan Kindergarten

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Brianna
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Brianna »

Larizza, diese Regelung bei euch empfinde ich als am fairsten bei nur schlechten Lösungen. Klar müsste politisch mit so viel Personal geplant sein und dieses vernünftig bezahlt werden, dass es einfach nicht nötig ist zu schließen. Aber wenn es nicht anders geht, empfinde ich es so am gerechtesten allen gegenüber.
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klecksauge
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von klecksauge »

Feuerkind hat geschrieben: 04.06.2023, 20:57 (Und bei einer vernünftigen Vergütung der Fachkräfte: bei mir im Masterstudiengang sind echt viele die bisher in einer Kita gearbeitet haben- mich eingeschlossen. Und alle sehen es nicht ein als Akademikerinnen das selbe zu verdienen wie nach einer Ausbildung. Wozu genau hat man dann studiert? Dann macht man halt lieber nochmal was anderes mit der Aussicht auf besser bezahlte Jobs, die dazu meist auch körperlich nicht so anstrengend sind.
Viele der Leute hätte man mit ner ordentlichen Bezahlung halten können wahrscheinlich.)
Und da frage ich mich ehrlich gesagt, warum soll bitte ein Studium zu mehr Gehalt führen als eine 5 jährige Ausbildung (so ist es bisher in SH geregelt), die ebenfalls komplett alleine finanziert werden muss?
Und fragt man dann mal dir Leute, die im System arbeiten, die bevorzugen sogar diejenigen ohne Studium, weil praxisnäher.



Ich muss sagen, ich bin froh, dass es mich nicht mehr betrifft.
Das heißt nicht, daß es mich nicht mehr interessiert.

Was würde passieren, wenn nicht das Personal streikt, sondern alle erwerbstätigen nicht zur Arbeit gingen?
Joah, dagegen wäre der letzte Streik bei der Bahn ja nix.....
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Feuerkind »

In welchem anderen Bereich ist es denn so, dass Akademiker:innen nicht mehr verdienen? Mir fällt da ehrlich gesagt kein vergleichbarer Bereich ein, wo das so wäre.

Man kann nicht einerseits nach Akademisierung rufen (was total sinnvoll ist!Praxisnähe schön und gut, aber als Pädagogin ist meine Erfahrung leider dass es vielen Erzieher:innen an Grundlagen der Pädagogik und Entwicklungspsychologie mangelt und dann eben leider nur mit Praxiserfahrung und „haben wir immer schon so gemacht“ argumentiert wird, statt auf fachlicher Ebene. Deshalb sind gemischte Teams einfach meist die wertvollsten) und dann die Fachkräfte nicht bezahlen wollen 🤷‍♀️

Und man kann es halt auch niemanden verdenken dass er dann abwandert in Bereiche wo er/sie dem Abschluss entsprechend bezahlt wird.
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Brombeere153 »

Hier gibt's auch die Idee mit den spanischen Fachkräften.... Dumm das die eigentlich überqualifiziert sind und meistens so schnell wie möglich den Absprung zur Grundschullehrkraft vollziehen.
Das scheint mir auch nicht die Lösung.

Wir hatten lange auch die Variante der Bitte das Kind zu Hause zu betreuen. Das haben dann immer dieselben Leute gemacht. Jetzt ist immer der erste Weg die Öffnungszeiten zu reduzieren.
Dann gibt's A und B Kinder (auf Freundschaften und Geschwisterkinder wurde geachtet) und alle Kinder dürfen bei Kinderreduzierung jeden zweiten Tag kommen. Notfallkinder (Alleinerziehend ohne Home-Office) auch täglich.
So haben wir zwar keine festen Tage, könnten uns aber untereinander sehr gut organisieren. Und Kinder und Eltern profitieren von einem gewissen Rythmus.
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von klecksauge »

Feuerkind hat geschrieben: 05.06.2023, 12:17 In welchem anderen Bereich ist es denn so, dass Akademiker:innen nicht mehr verdienen? Mir fällt da ehrlich gesagt kein vergleichbarer Bereich ein, wo das so wäre.

Man kann nicht einerseits nach Akademisierung rufen (was total sinnvoll ist!Praxisnähe schön und gut, aber als Pädagogin ist meine Erfahrung leider dass es vielen Erzieher:innen an Grundlagen der Pädagogik und Entwicklungspsychologie mangelt und dann eben leider nur mit Praxiserfahrung und „haben wir immer schon so gemacht“ argumentiert wird, statt auf fachlicher Ebene. Deshalb sind gemischte Teams einfach meist die wertvollsten) und dann die Fachkräfte nicht bezahlen wollen 🤷‍♀️

Und man kann es halt auch niemanden verdenken dass er dann abwandert in Bereiche wo er/sie dem Abschluss entsprechend bezahlt wird.
Gibt es nirgends.

Studium bedeutet mehr Verdienst, weil das Studium selbst finanziert werden muss. Das ist doch so oft das Argument, warum dort die Gehälter höher sind. Darauf beziehe ich mich. Das ist nämlich vielfach in dem Bereich nicht so, es gibt immer noch kaum eine Vergütung in der normalen Ausbildung.
Es sollte nach Leistung gezahlt werden.

Und das Fachliche wird doch gerade auch verwässert, weil eben nicht mehr in 5 Jahren ausgebildet wird, sondern 2+2, der Seiten/Quereinstieg viel leichter gemacht wird und das dann in recht kurzer Zeit usw. Deswegen gehen dann doch alle, die ein Abi haben und es dürfen, an die Uni. Das bekomme ich auch in vielen Gesprächen mit. Und das ist dann doch auch nicht so toll, oder? Die jetzigen erfahrenen Fachkräfte sind darüber nicht glücklich. Andererseits gibt es einen so krassen Fachkräftemangel.... es ist schwierig!
Wie gesagt, SH und HH.

Wir können es drehen und wenden wir wollen, Serafin schrieb es irgendwo. Das Thema ist einfach MEGA ignoriert worden. Auf Bundesebene, genau so wie auf Landesebene. Die Politik hinkt immer den gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher.

(Ich finde es im übrigen eh einen riesen Fehler, dass so viele Ausbildungsberufe so mies bezahlt werden und wir auch deswegen in so vielen Bereichen einen krassen Mangel haben. Und wenn dann noch die Komponente sozialer/medizinischer Bereich dazu kommt, dann gute Nacht.)
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lalelu2
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von lalelu2 »

Als Sozialpädagogin, die irgendwann in die Kita abgewandert ist, muss ich die Sache mit dem Verdienst mal relativieren: Einer Erzieherin in der Kita, die nach Tarif bezahlt wird, verdient nach einigen Dienstjahren besser, oder zumindest gleich gut wie ein Sozialpädagoge, der beim freien Träger arbeitet ( um d zumindest in meiner Gegend sind das die meisten, es gibt wenige Stellen, die nach Tarif bezahlt werden.. Die Arbeitsbereiche, die das Groß an Stellen für Sozpaed. bieten, wie z.B. SPFH, Erziehungsbeistandschaft o.a. Werden auch vom Jugendamt und den Städten gerne an freie Träger abgeben, wo wirklich zu noch kathastophaleren Bedingungen gearbeitet wird: zB. nur Face-tiFace -Zeiten mit Klienten bezahlen, die Fahrzeit zwischen zwei Terminen nicht zu bezahlen, die administrativen Dinge müssen zu Hause erledigt werden, weil es keine Büroräume gibt, werden aber nicht bezahlt, weil: ist ja nicht face to FACE…wo ein Großteil des Tagesgeschäftes darin besteht, organisatorisches für die Familien zu regeln. Die psychische Belastung dieser Jobs ist auch nicht zu verachten, die Arbeitszeiten nicht geregelt, Überstunden sind selbstverstündlich, es fehlt aber die Gelegenheit sie abzufeiern, bezahlt werden sie nicht, Supervisionen und Teambesprwchungen waren z.B. bei meinem AG ein privates Vergnügen, ich wurde dafür nicht bezahlt, ebenso Fortbildungen, Urlaubsvertretung gab es nicht, die Familien wurden dann einfach nicht betreut, was dazu geführt hat, dass sie in Notsituation versuchen ihren SA im Urlaub anzurufen, weswegen der immer ein schlechtes Gewissen hat)

Und, wenn man sich die Führungspositionen anschaut: eine Leitung im einer Kita verdient wesentlich besser, als eine Sozialpädagogin, selbst wenn diese als Teamleitung angestellt wird,(Ausnahme vielleicht im Jugendamt), geht sie noch eine Stufe höher, vielleicht Leitung von Standorten oder Gesamtleitung, kann in der Sozialen Arbeit höchstens noch die Keitung des JA mithalten.
Auch Stellen, die nach Ausschreibung von SozialpädagogInnen besetzt werden sollen, wie z.B. offene Jugendarbeit o.a. Sind in der Regel nur S9 eingruppiert, ein/e ErzieherIn S8a oder S8b, der finanzielle Gewinn ist sehr gering

Und, ich erlebe das in den Kia’s ständig: es gibt die Masse an Stellen gar nicht, für all die ErzieherInnen, die sich mit einem Studium nach qualifizieren. In der Regel kehren sie nach einigen Jahren Verheizung in der freien Jugendhilfe zurück in die Kita, wo es immerhin Überstunden-, Urlaubs-und Arbwitszeitenreglungen gibt.

Ich denke, die Bedingungen sind einfach im gesamten sozialen Bereich katastrophal, es ist nur gesellschaftlich noch weniger interessant, wie die Mitarbeitenden der Familienhilfe verheizt werden, denn ihre Klienten haben keine Lobby.
Das Kitathema betrifft halt alle, und gewinnt damit (hoffentlich ) zunehmend an Öffentlichkeit.

Die Bezahlung/Arbeitsbedingungen von ErzieherInnen/SozialpädagogInnen sind einfach ein generell heftiges Thema, das viel zu wenig Beachtung findet, ich denke, dass vielen Eltern die Bedingungen unter denen in Kitas teilweise betreut wird, nicht klar sind, sind, sonst wäre der Aufschrei nicht: unsere Kita ist immer zu sondern: unter diesen Umständen möchten wir unsere Kinder lieber nicht betreuen lassen.
Ich weiß, dass wir als Eltern keine Wahl haben, da wir ja auch unter Druck stehen, täglich arbeiten zu müssen-
Wir als Paedagoischw Fachkräfte einer Kita haben aber auch keine Wahl: wenn wir die Sicherheit der Kinder nicht mehr gewähren können, müssen wir schließen und ehrlicherweise müsste man sagen, dass der Punkt, an dem eine pädagogisch sinnvolle Betreuung mit individuellem Blick auf jedes Kind und sinnvollen pädagogischen Angeboten schon lange vor dem Greifen des Maßnahmepalns nicht mehr möglich ist und wir viele Tage damit verbringe Kinder an der Grenze dessen was wichtig und sinnvoll ist, zu betreuen
Sorry schon wieder so ein langer Text, ich setze mich jetzt auf meine Finger und halte mich raus
Missie
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Missie »

Ich arbeite in der Behinderungshilfe und im Tarif meines Arbeitgebers wird man nach Tätigkeit und Jahreszugehörigkeit bezahlt und nicht nach Berufsabschluss. Es gibt bei uns viele viele viele studierte Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, die das gleiche verdienen wie Heilerziehungspfleger*innen oder Erzieher*innen und tlw. sich Krankenpfleger*innen.
Ich bin Heilerziehungspflegerin und arbeite in einer Führungsposition und verdiene dementsprechend auch mehr als die studierten Menschen in meinem Team.
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Cecily
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Cecily »

Bin keine Kindergärtnerin, vertrete aber viele Arbeitnehmerinnen (alles Frauen) in sozialen Berufen.

Da werden die Kindergärtnerinnen noch am besten bezahlt.

Altenpflegerinnen ist deutlich schlechter, trotz Schichten und (zumindest körperlich) schwererer Arbeitsbedingungen.

Sozialarbeiterinnnen ebenfalls Katastrophe.

Aber irgendwie hat ja die ganze Mittelschicht zu leiden.
"Normale" Polizisten, Tätigkeiten im Service (zB Sicherheit Bahn) etc. Mit 2500 - 3000 brutto für eine Vollzeitstelle kann man bei den (besonders Miet-) Preisen eh keine Familie wie früher (mit Sommerurlaub, Ausflügen etc.) mehr unterhalten.

Ich rede hier nicht von ernähren, ich rede von der Mittelschicht mit klassischen Rollen Modell, die früher finanziell gut funktioniert hat.
Feuerkind
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Feuerkind »

Missie hat geschrieben: 10.06.2023, 08:53 Ich arbeite in der Behinderungshilfe und im Tarif meines Arbeitgebers wird man nach Tätigkeit und Jahreszugehörigkeit bezahlt und nicht nach Berufsabschluss. Es gibt bei uns viele viele viele studierte Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, die das gleiche verdienen wie Heilerziehungspfleger*innen oder Erzieher*innen und tlw. sich Krankenpfleger*innen.
Ich bin Heilerziehungspflegerin und arbeite in einer Führungsposition und verdiene dementsprechend auch mehr als die studierten Menschen in meinem Team.
lass mich raten:
Und natürlich verdienen alle gleich schlecht in der geringsten Gehaltsstufe und nicht alle s11 ? 😅

Klar zahlen sie gerne dann tätigkeitsbezogen, wenn sie dabei Geld sparen können.
Aber nochmal: nenn mir eine andere Branche wo das so ist- mein Mann als Informatiker lacht da schallend bei der Idee dass ein studierter Informatiker nur das bekommt, was einer nach ner Ausbildung bekommt.
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Re: Betreuungsnotfallplan Kindergarten

Beitrag von Feuerkind »

Altenpflege ist da auch ein gutes Beispiel, komischerweise werden die ja auch nicht bezahlt wie Krankenschwestern, selbst auf der gleichen Station(weiß Ich durch meine Mutter, die als ausgebildete MfA auf Station weniger verdient als die Krankenpflege, obwohl sie exakt das gleich macht)Aber warum nicht? Ist doch ebenso die gleiche Arbeit -liegt dann eben doch an der Ausbildung/dem Abschluss

Aber natürlich immer nur in die Richtung wo der AG Geld sparen kann…
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