Liebe Merci,
so, da es so spät ist, geh mal die letzten Sachen durch und konzentrier mich dann auf den hohen Gaumen.
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Gedeihen:
Zunächst mal: Stillhäufigkeit und Ausscheidungen Deines Babys sind völlig normal und der KiA mit dem Gedeihen zufrieden - das ist alles super! Das heißt, dass trotz der negativen Aspekte des Stillens
für Dich Dein Baby damit dennoch genug Milch bekommt, sich toll entwickelt und ein zufriedenes, fröhliches Baby ist. Wunderbar!
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Soorverdacht:
merci32 hat geschrieben:Falls es wider Erwarten doch Soor ist (die Kinderärztin hat ihm heute nochmal in den Mund geguckt, kein Soor): Wann würde denn Besserung eintreten? Es ist ja nur der Strohhalm, nach dem ich greife. Wann kann ich aufhören zu cremen (ihn und mich), und sagen: ok, wenn es jetzt immer noch weh tut, kanns Soor nicht gewesen sein, denn dann hätte die Therapie was bringen müssen?
Wenn behandelt wird, dann richtig. Heißt: lang genug und so konsequent, als seist Du sicher, dass es Soor ist

. Man sagt "mehrere Tage" behandeln bis zur Besserung und dann eine Woche nach dem Verschwinden der Symptome weitermachen. Wichtig: auch alle Begleitmaßnahmen wie sie im obigen Link beschrieben werden, mit machen:
[quote]Nach jedem Stillen sollte die Brust der Mutter mit der Creme sowie der Mund des Kindes mit dem entsprechenden Gel behandelt werden.
Zusätzliche Maßnahmen sind sinnvoll: gute Handhygiene, alle Gegenstände auskochen, die im Mund des Kindes waren (Schnuller etc.), Wäsche von Mutter und Kind möglichst heiß waschen/ auskochen/ mit Hygienespüler behandeln, Einmalstilleinlagen verwenden, eventuell Ernährungsumstellung (weniger Zucker).[/quote]
In unserer
LINKSAMMLUNG STILLWISSEN findest Du auch noch den Thread "Vorgehen bei Soor".
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Hoher Gaumen allgemein:
Wie gesagt: allgemein kann das zu Schwierigkeiten mit dem Saugschluss und in dessen Folge zu Kneifen führen.
Du hast das verlinkte Video zum Anlegen gesehen, richtig? Dann weißt Du, wo der harte Gaumen liegt.
Dessen Form (normalerweise wie eine sanft gerundete flache Schüssel, die nach hinten, zum weichen Gaumen offen ist) bildet sich anhand der Zungenbewegung des Babys. Schon im Mutterleib, aber auch nach der Geburt ist der Gaumen also noch "plastisch" und formt sich weiter aufgrund des Zungenmuskels, der dagegendrückt.
Ungewöhnliche Gaumenformen deuten darum in aller Regel auf ungewöhnliche Zungenbewegung hin:
eingeschränkte Beweglichkeit aufgrund von zu starkem oder zu kurzem Zungenbändchen
oder einen zu starken oder zu schwachen Muskeltonus der Zunge
oder Probleme mit der richtigen Bewegungsabfolge der Zunge beim Saugen u.ä.
Je schmaler und höher der Gaumen, desto schwieriger kann es für das Baby sein, die BW an den Punkt am Gaumen zu saugen, wo der Saugreflex ausgelöst wird. Das kann der Grund für das häufige Abdocken sein und macht besonders anfällig für Saugverwirrung.
Der harte Gaumen ist so formbar, dass künstliche Sauger, aber auch Fingerfeeding und Fingernuckeln das Problem verschärfen oder sogar (mit)verursachen können, vor allem bei jungen Babys. Prima also, dass Ihr von Flasche und Schnuller inzwischen komplett weg seid!
merci32 hat geschrieben:Neulich war Ausnahmesituation, er wurde von Oma und Opa betreut, da hat er abgepumpte Milch mit dem Finger/Spritze bekommen. Das wird nächste Woche noch zweimal der Fall sein. (Vorstellungsgespräche, sehr aufregend.

)
(Hui, in der Tat aufregend

ich drück die Daumen!). Ich möchte Dir ans Herz legen, kein Fingerfeeding mehr zu betreiben. Wenn Du nicht da bist, können Oma und Opa stattdessen auf Becherfütterung (oder Softcup) umsteigen. Wer Fingerfüttern kann, bekommt auch das gut hin

(und bald ist Dein Kind im Beikostalter und kann in Mamas Abwesenheit auch Essen und Wasser bekommen).
In unserer
Grundinfo zu Stillfreundlichen Zufüttermethoden findest Du Details dazu.
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Meine Fachbücher schweigen sich zum konkreten Handling beim Stillen leider aus. Ich warte noch auf die Rückmeldung einer Kollegin und vielleicht weiß Deine IBCLC vor Ort ja auch noch Rat.
Ich habe mich heute aber durch
englische Erfahrungsberichte im Netz gelesen und fasse Dir das Wichtigste mal zusammen:
1. so gut
Asymmetrisches Anlegen bei so ziemlich jedem anderen Stillproblem ist: bei hohem Gaumen ist es
oft schmerzhafter für die Mutter, weil es diesen Babys so NOCH schwerer fällt, die BW weit genug nach hinten an den weichen Gaumen zu saugen. Auf den Gaumen gezielt, kann die BW bei Deinem Baby wohl noch eher im harten Gaumen "hängenbleiben" und reiben als sonst schon. Von außen kann das wunderbar angelegt aussehen, und sich dennoch fürchterlich anfühlen!
2. der beste Kompromiss scheint zu sein: mit der
BW gerade auf die Mitte des Babymundes zielen und dennoch versuchen, so viel wie möglich Brust in den Babymund zu bekommen:
"Sandwich statt Apfel" ist wohl ideal.
3. die beste Nachricht

:
Babys wachsen aus der Sache mit der Zeit quasi heraus - je größer das Baby desto weniger werden die Schmerzen. Nach der Geburt ist es am schlimmsten und nach vier/fünf Monaten ist wohl das Schlimmste geschafft! (Eine Mutter hatte von der Beraterin gesagt bekommen, so um 13 Pfund Babygewicht rum, werde sowas oft besser - ist natürlich ein auf Einzelfällen beruhender grober Schätzwert, aber den habt Ihr doch quasi erreicht!

)
4. diejenigen, die auf
Stillpositionen eingehen, berichten, dass sie in den ersten Monaten besonders gute Erfahrungen mit der
Footballhaltung/Seitenhaltung gemacht haben und danach dann mit
Cross-Cradle Hold auf Stillkissen und
Stillen im Liegen in Seitenlage. Und dass es bis fünf/sechs Monate SEHR genau aufs Anlegen und die Position ankam - DAS eine Stillkissen, DER eine Platz auf dem Sofa usw. - und dass das dann mit zunehmenden Alter besser wurde (gestillt wurde teils bis weit über den ersten Geburtstag hinaus!

). Klassische Wiegenhaltung in der Armbeuge im aufrechten Sitzen ging wohl meist gar nicht.
5. Viele berichten zusätzlich von Zungenbändchenproblemen/eingeschränkter Zungebeweglichkeit/falschen Bewegungsmustern der Zunge beim Saugen
6. oft wird von (heftiger) Saugverwirrung bei Verwendung künstlicher Sauger oder Fingerfeeding berichtet.
7. Vasospasmus hab ich auch mehrfach in den Berichten gefunden, der ist ja auch oft schmerzausgelöst.
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Fazit also:
* Soor mehrere Tage lang auf Verdacht behandeln
* Vasospasmus gut behandeln (weiterhin Mg und Ca einnehmen, gute Pflege z.B. mit Lanolin, Verdunstungskälte vermeiden: feuchte BW möglichst schnell mit der warmen Hand bedecken und dann ab in den BH, usw. ...). Schau mal in unserer Linksammlung
* auf Becherfütterung umsteigen (Kein Fingernuckeln, kein Fingerfeeding, keine künstlichen Sauger)
Beim Anlegen:
* weiterhin auf gut abgestützte, unwackelige Position fürs Baby achten (gern leichte Tendenz zur Bauchlage)
* "Sandwich statt Apfel" parallel zum Babymund
* Babys MUND vor der BW beim Andocken
* Babys Kopf nicht zu stark in den Nacken, eher grade (aber auch nicht nach vorne auf Babys Brust geneigt)
Und vor allem:
* zuversichtlich sein, dass das Schlimmste vermutlich schon überstanden ist und es bergauf gehen wird, je mehr Dein Baby wächst!
* bis dahin Geduld mit Dir und Deinem Baby haben: ihr werdet die passende Position bestimmt finden! So viel wie möglich von der Brust in den Babymund und dann: auf Dein Gefühl vertrauen. Was sich am besten anfühlt, wird das beste sein!
Was meinst Du dazu?
Ich bin gespannt, was Deine IBCLC vorschlägt - lass mich das gern wissen.
LG, blueberry