asujakin hat geschrieben:Natürlich bin ich auch bei dir: Waldorf ist nicht gleich Waldorf. Aber mal ganz ehrlich: Die wenigen wirklich guten, respektvollen und freien Einrichtungen stellen leider (!) die Ausnahme dar... UND was noch viel wichtiger ist: Diese sind am weitesten entfernt von der eigentlichen Waldorfpädagogik sondern lassen viele neue Erkenntnisse und den momentanen Blick der Gesellschaft auf's Kind mit einfließen
Da möchte ich entschieden widersprechen! Mein Waldorfkiga damals war nach allem, was ich mir mittlerweile aus Erwachsenenperspektive an Waldorf-Wissen angeeignet habe, SEHR nah am klassischen Waldorf, nur eben gut umgesetzt. Bis halt auf die Kochkiste

Ich denke, das ist in der Praxis ein bisschen wie mit dem Katholizismus. Die Priester, die nix aufm Kasten haben, müssen sich Gehör verschaffen, indem sie vom Teufel predigen, weil sie die Grundlagen ihres Glaubens falsch verstanden haben. Andere Priester haben die Liebe Gottes Begriffen und brauchen daher nicht mit dem Teufel drohen. Weißt du, wie ich meine? Es ist alles eine Verständnisfrage, wie man die selben Grundlagen in der Praxis lebt. Und da ist der alteingefahrene, schikanierende KiGa oder die engstirnige Schulleitung der konservativen Waldorfeinrichtung mitunter weiter weg von der Waldorf-Idee als die liebevolle Erzieherin, die die Gedanken verstanden hat und die Kinder gut beobachten kann. (Denn auch der Priester, der vom Teufel predigt hat NICHTS verstanden und ist ganz weit weg

).
Das hat nicht unbedingt was mit konservativ und progressiv zu tun, sondern ist ne schlichte Verständnisfrage.
Und was ist verkehrt daran, allem seine Zeit zu geben? Ich konnte z. B. vor der Schule schon lesen (wie eine enge KiGa-Freundin von mir auch!). Dennoch wurden wir beide gleichzeitig eingeschult, wobei ich zurück gestellt worden war (sie ist 10 Tage jünger als ich gewesen, ich glaube, sie ist also regulär eingeschult worden). Wir sind also BEIDE mit 7 engeschult worden. Nur weil wir schon lesen konnten und intellektuell in der Lage waren, schulisch mit zu kommen, bzw dorthingehende Interssen hatten, hieß das noch lange nicht, dass unsere Seele bereit war, das wir "reif" waren. Für mich wäre es für meine emotionale Entwicklung katastrophal gewesen, mich ein Jahr früher gehen zu lassen, meinem "Wissensdurst" nachzugeben (ok, ich hatte emotional noch eine wesentlich größere Belastung als andere Kinder in dem Alter, weil meine Eltern gerade auf die Scheidung zusteuerten, aber auch für meine Freundin OHNE diese Extraprobleme war das ganz richtig so, "erst" mit 7 eingeschult zu werden)
Und Wissensdrang muss sich nicht unbedingt auf die intellektuellen Bereiche beschränken. Ich habe an "Grundwissen", meiner Basis, so viel im KiGa gelernt, das hätte auch an Theorie keine Schule in dieser Form bieten können. Unsere Umwelt bietet soooooo viel, was es zu erforschen gilt - wieso nicht da mal die Nase hinhalten? Denn das ist es doch auch im ersten Jahrsiebt: Sich selbst in der Welt einfinden, es geht doch um den Leib, wie steht der zur Welt, die uns umgibt?