Nicht erziehen - wie funktioniert das?

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MaareMum
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von MaareMum »

Tutti hat geschrieben:Lest euch diesen Text mal durch. Der fasst perfekt zusammen, was das Problem am Loben ist :
http://www.mit-kindern-wachsen.de/fuenf ... ut-gemacht
Ich finde den Artikel nicht sonderlich gut, denn ich finde, das eine schließt das andere nicht aus (also Loben und das Kind in sich selbst bestärken).
Das ist mir einfach zu Schwarz-Weiss. Es ist wie bei allem, man muss die goldene Mitte finden. Denn überhaupt nicht loben ist nämlich auch Mist. Und Anerkennung ist Lob, sch***egal, wie man das jetzt genau ausformuliert. Ob man "gut gemacht" sagt oder lachend einmal mit dem Kind um den Tisch tanzst oder was auch immer.
Gruß, MaareMum
mit dem Großkind (2011) an der Hand und dem Kleinkind (2014) im Tuch
ehUrt2

Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von ehUrt2 »

MaareMum hat geschrieben:
Tutti hat geschrieben:Lest euch diesen Text mal durch. Der fasst perfekt zusammen, was das Problem am Loben ist :
http://www.mit-kindern-wachsen.de/fuenf ... ut-gemacht
Ich finde den Artikel nicht sonderlich gut, denn ich finde, das eine schließt das andere nicht aus (also Loben und das Kind in sich selbst bestärken).
Das ist mir einfach zu Schwarz-Weiss. Es ist wie bei allem, man muss die goldene Mitte finden. Denn überhaupt nicht loben ist nämlich auch Mist. Und Anerkennung ist Lob, sch***egal, wie man das jetzt genau ausformuliert. Ob man "gut gemacht" sagt oder lachend einmal mit dem Kind um den Tisch tanzst oder was auch immer.
Seh ich genauso. Wir sind soziale Wesen und reagieren z.B. auf Mimik. Die allein reicht doch schon, um sozusagen zu loben oder zu zeigen, dass ich etwas doof finde.
zilpzalp
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von zilpzalp »

Hier ist noch mal ein Link, der gerade in einem anderen Thread gepostet wurde: http://www.familylab.de/files/Artikel_P ... _damit.pdf

Auf Seite 5 ist das nochmal mit dem Lob erklärt. Vielleicht hilft das für das Verständnis, was gemeint ist mit nicht loben (wenn es halt dazu dient, dass Kind zu manipulieren)...
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Lacrima
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von Lacrima »

Erstmal muss ich loswerden, dass ich jetzt den ganzen Thread gelesen habe und es richtig gut tut. Es ist echt sehr bereichernd!

Beim Thema "Loben" steig ich jetzt mal ein:
Ich finde, man muss unterscheiden zwischen "Lob" und "Ermutigung". Ein Lob an falscher Stelle (bei etwas, das vom Kind bis dato als selbstverständlich angesehen wurde z.B.) bewirkt nämlich das Gegenteil und ist ENTmutigend.
Ermutigung bezieht sich nicht auf das WAS , sondern auf das WIE (wurde etwas gemacht bspw).

Puh, das klingt jetzt vielleicht nach Wortklauberei, aber ich tu mir schwer, es in geschriebene Worte zu fassen
Liebe Grüße von Lina mit ihrem Pünktchen (07/13)
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MaareMum
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Re: AW: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von MaareMum »

Lacrima hat geschrieben:Erstmal muss ich loswerden, dass ich jetzt den ganzen Thread gelesen habe und es richtig gut tut. Es ist echt sehr bereichernd!

Beim Thema "Loben" steig ich jetzt mal ein:
Ich finde, man muss unterscheiden zwischen "Lob" und "Ermutigung". Ein Lob an falscher Stelle (bei etwas, das vom Kind bis dato als selbstverständlich angesehen wurde z.B.) bewirkt nämlich das Gegenteil und ist ENTmutigend.
Ermutigung bezieht sich nicht auf das WAS , sondern auf das WIE (wurde etwas gemacht bspw).

Puh, das klingt jetzt vielleicht nach Wortklauberei, aber ich tu mir schwer, es in geschriebene Worte zu fassen
Und das steht: "Lob soll herzlich und spontan sein". Kein Wort von NICHT loben. Das ist ein ziemlich großer Unterschied und so meine ich das auch.

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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von matah »

LOBEN - Wie ist es, wenn ich jemandem sage, dass ich finde er ist ein bescheidener, ruecksichtsvoller Mensch, der sich nicht in den Vordergrund stellt, Zeit und Geduld für andere aufbringt etc. Ist das nicht Lob? Wenn ich am Wende aufwache und die Jungs haben den Tisch gedeckt, Kaffee gekocht, sogar Brötchen geholt - da bin ich Happy und WILL DAS AUCH ZEIGEN. Das bekommt ich nicht durch ein gekuensteltes Umschreiben der Situation hin. Weil ich mich ehrlich freue, und da möchte ich auch authentisch bleiben dürfen. "O das finde ich so toll hier heute morgen. "
Erkläre mir einer wen das manipuliert oder verbiegt . Oder, wenn ich es nächste Woche wieder erlebe , hab ich jetzt dazu manipuliert mich zu bedienen?......
Liebe Grüße von M.H. mit J. 02/03 und P. 04/05
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Mirimama
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von Mirimama »

Ich lobe auch sehr selten. Ich bin zwar nicht generell gegen Lob und finde es auch schon, wenn Eltern anerkennend an Tätigkeiten teilnehmen, aber ich lobe sehr selten, weil ich nicht Wertungs-Instanz für mein Kind sein will. Wenn ich sage: Das hat du gut gemacht/schön gemalt/...“, bewerte ich mein Kind. Wenn ich sage: Da hast du dich aber angestrengt!/ dir viel Mühe gegeben/...“ oder auch frage: “Freust du dich über dein Bild? “ , bewerte ich nicht, sondern beschreibe eher. Da Kind fühlt sich zwar wahrgenommen oder anerkannt, aber vielleicht weniger bewertet. Ok finde ich auch in Ich-Botschaften zu sprechen: “Mir gefällt das Bild sehr gut. Ich mag die Farben!“ Wobei das schon grenzwertig ist, falls das Kind schon sehr auf Lob eingestellt ist. Manche Kinder versuchen dann, dies immer wieder zu machen oder zu erreichen, um eben diese Form der Anerkennung wieder zu bekommen. Ich wünsche mir, dass mein Kind die Freude am eigenen Tun aus sich selbst heraus findet und füttert. Weil intrinsische Motivation eben die wahre (Lern-) Motivation ist und ganz bestimmt dem Kind eine gute Basis für lebenslangen Spaß am Lernen und der eigenen Kreativität/ Fähigkeit gibt. Das ist meine Motivation für das seltene Loben. Mein Kind soll nicht bewertet werden. So lange es geht. Und das fühlt sich im Alltag übrigens auch überhaupt nicht unnatürlich an, da wir das ja total penetrant so machen, sondern unserer natürlichen Freude an unserem Kind ständig lebendigen Ausdruck verleihen (durch Lachen, Umarmen, vor Glück küssen, etc.). Das kann man ja gar nicht abschalten, zum Glück!
Ich und my little lovers of life (07/11, 07/14, 07/17 und 02/22)
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von matah »

NEIN sagen, hab ich immer ganz unaufgeregt gemacht. Nicht ins Klo fassen, Steckdose ist tabu, auf die Stuhllehne klettern etc. Viele Erfahrungen werden allein gemacht, damit ja oft auch die Erfahrung dass das Nein der Mutter begründet ist. Von Anfang an. Ich versteh nicht die Frage ob es zu früh sein kann für ein Nein-Sagen. Es gibt ein ja und es gibt ein Nein.
Dass das Nein der Kinder immer oder oft übergangen wird insbesondere was deren Körper betrifft glaub ich so in der Pauschalitaet nicht.
Liebe Grüße von M.H. mit J. 02/03 und P. 04/05
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von matah »

Mirimama bewertest du nicht auch mit einer Umarmung?
Liebe Grüße von M.H. mit J. 02/03 und P. 04/05
Lösche Benutzer 14500

Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Ich nehme an, die Idee, Lob könne schaden kommt von dem sog. "Korrumpierungseffekt" (bei Wikipedia gibt es einen guten Eintrag dazu, inkl. kleinem Abschnitt zur Pädagogik). Im wesentlichen ist es so: Intrinsische Motivation (=etwas tun, weil es einem Freude/Spaß macht) kann durch extrinsische Motivation (=etwas tun, weil man belohnt wird) quasi überschreiben werden, d.h. wenn man eine extrinische Belohnung (Lob, Geld, Süßkram...) für etwas bekommt, was man eigentlich intrinsisch motiviert tut (=schlicht gerne mag), dann sinkt die intrinsische Motivation: Es macht keinen Spaß mehr.

Das wirkt aber nur, wenn man (fast) immer extrinisch motiviert, also z.B. jedes Mal in helle Freude ausbricht, wenn das Kind ein selbstgemaltes Bild bringt und wenn das Kind vorher weiß, dass es diese Belohung eben immer bekommen wird. M.E. spricht überhaupt gar nichts dagegen, sich ehrlich und authentisch zu freuen, wenn das Kind etwas getan hat, auf dass es selbst stolz ist oder wenn es einem Frühstück macht. :-)

Ich halte es mit dem Lob hier so, dass ich es wirklich schlicht nach Gefühl tue - manchmal zeigt das Kletterkind mir etwas und ich merke, sie will eigentlich bloß, dass ich gucke, mich mit ihr beschäftige - es wäre komplett unsinnig, dann ihr selbstgemaltes Bild zu loben. Manchmal bekommt sie aber Sachen hin und freut sich unwahrscheinlich - heute war es ein in der Kita gebastelter Drache. Es war total ersichtlich, dass SIE ihn toll fand und sie kam damit auf mich zugerannt und wollte sofort, dass ich ihn begutachte - da fand ich es angebracht, ihre Freude zu teilen und ihr zu bestätigen, dass ich ihn auch toll finde. Klar, damit bewerte ich das Ergebnis, nicht die Tat. Aber das ist, denke ich ok - solange man eben nicht immer NUR die Resultate bewertet. "Da hast du dir aber Mühe gegeben" oder "Das war aber sicher schwierig" o.ä. hört das Kletterkind hier vermutlich ebenso oft wie "Oh, das finde ich auch hübsch!" oder eben gar kein Lob, wenn es eher um den Kontakt geht. Ich folge da wirklich einfach meinem Gefühl - und das sagt mir, dass intrinische und extrinsische Motivation sich nicht gegenseitig ausschließen. (Ich erzähle euch dann in 16 Jahren, ob das geklappt hat.... :-))
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