MonaM80 hat geschrieben:Flasche schadet ja auch nicht (was bis zu einem gewissen Grad ja auch stimmt).
Sorry, ich hätte es andersherum schreiben sollen: Flasche schadet nicht, Stillen hat einfach mehr Vorteile. So wäre es richtig gewesen.
Tja, jein. Oder eigentlich doch eher klar: nein. So stimmt es auch noch nicht wirklich.
Warum nicht? Weil Deine Aussage davon ausgeht, dass der Gesundheitszustand eines flaschengefütterten Babys bzw. der flaschenfütternden Mutter der menschliche Normalzustand ist - und Stillen demgegenüber Vorteile hat. Somit wird das Stillen zu einem "Bonus", den man halt mitnehmen kann - dann ginge es einem
noch besser als normal - aber ohne ist eben "normal" und damit ganz sicher "gut genug". So mag sich das im Laufe der letzten paar Jahrzehnte dargestellt haben, wo ja tatsächlich (zumindest in unseren Breiten) Flaschefüttern die Norm (die beteiligten Personen also "normal gesund") war(en) und Stillende die gesellschaftliche und medizinische Ausnahme - der Norm gegenüber alos "gesünder", "weniger" Brustkrebs, "weniger" krankenhauswürdige Infekte beim Baby, weniger dies, mehr das. Vorteile eben.
Das Problem an dieser Sicht ist, dass es den Blick darauf verstellt, dass eigentlich STILLEN die biologische Norm ist für den Menschen. Das heißt, gestillte Kinder sind normal gesund! Wenn ich nun damit die (als Ersatz für die Muttermilch erfundene) Flaschenmilch vergleiche und deren Auswirkung auf das Kind (und die Auswirkung des Nichtstillens auf die Mutter), dann zeigt sich sorum gesehen eben doch sehr schnell: Flaschennahrung schadet. Mutter und Kind. Gesundheitlich allemal. (Emotionale Defizite durchs Nichtstillen lassen sich ganz sicher ausgleichen, wenn man sich ihrer als Defizite bewusst ist, und z.B. stillähnlich - mit viel Kontakt Babygesicht an nackter Mama-Haut etc. - füttert, viel kuschelt, Fütterperson= Hauptbezugsperson ist etc. - deshalb lass ich das mal bewusst außen vor).
Das hat nichts mit politischer Inkorrektheit zu tun oder mit Bewertung der beteiligten Personen. Es sind einfach die wissenschaftlich feststellbaren und logisch begründbaren Fakten.
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MonaM80 hat geschrieben:Ich habe das Bedürfnis, noch etwas zu relativieren, da die obere Antwort zwischen Tür und Angel entstanden ist.: Flaschenmilch und Stillen sind beides Möglichkeiten, ein Kind adäquat zu füttern. Für mich hat das Stillen aber mehr Vorteile, deswegen ist es in meinen Augen zu zu bevorzugende Variante.
Ich hoffe, das ist jetzt politisch korrekt

Selbst in Deiner zweiten Aussage - oder da noch deutlicher - steckt drin: "Stillen und Flaschenmilch sind beides gleich gut. Stillen hat nur mehr (
noch mehr als die Flasche? Wo die laut Werbung schon so viele Vorteile hat??

) Vorteile."
Das ist genau der Gargon der Babynahrungsindustrie, merkst Du es? Das sagt im Endeffekt durch die psychologische Blume den Müttern: Klar, Stillen ist toll (dazu wurden die Hersteller ja verpflichtet, das zu sagen). Aber unsere Milch ist auch echt toll! Und Stillen hat demgegenüber zwar Vorteile - aber ehrlich, ohne Vorteile geht das Leben auch.
Und dann merken hupsbadups ganz viele Mütter, dass sie so doch eigentlich auch im normalen Leben vorgehen: klar, niemand will weniger haben als "normal" - weder für sich noch seine Kinder. Weniger als normal - das wären ja "Nachteile". Nee, das geht nicht. Aber sich für "Vorteile", für "Extras", für nen "Bonus" so ins Zeug legen? Ach naja, das ist eigentlich nicht nötig. Sonst würden wir alle täglich ne Runde joggen, Beckenbodengymnastik machen, vor dem selbstgekochten vollwertigen Essen einen Salat zubereiten, ... All das hat unglaublich viele gesundheitliche "Vorteile". Machen tut es trotzdem kaum jemand. Normal reicht völlig - man muss ja auch noch Mensch bleiben - gerade als Mutter, die eh schon ein anstrengendes Leben hat...
Du verstehst das Problem an der "Flasche=normal, Stillen hat Vorteile"-Logik? Das unterschwellig bestechende an der Logik dieser Argumentation hat die Babynahrungsindustrie schon so lange kapiert, dass uns deren Argumentation (auch durch die jahrzehntelang fehlende Stillkultur) in Fleisch und Blut übergegangen ist. Selbst den Stillbefürwortern ging es lange so, bis sie vor einigen Jahren da die Kurve bekommen haben und nun endlich das Stillen wieder als das bezeichnen, was es ist: normal. Und die Flasche eben auch als das, was sie ist: eine manchmal notwendige Ersatz-Sache, die aber an das Original in vielerlei Hinsicht nicht heranreichen kann - eben mit Defiziten, die gesundheitliche Nachteile mit sich bringen.
MonaM80 hat geschrieben:
Mir liegt es fern, irgendjemanden dafür zu verurteilen, dass er mit Flasche füttert, das ist die Entscheidung der Mutter allein.
Das liegt mir ebenso fern. Eine Mutter kann sich so oder so entscheiden (und noch viel weniger würde wohl irgendwer eine Mutter verurteilen, die sich gar nicth zum Flaschefüttern "entschieden" hat, sondern es tut, obwohl sie eigentlich vorhatte zu stillen!!). Mir ist nur bei der "Entscheidungsmutter" ihre Kenntnis der Fakten wichtig, bevor sie es tut. Ich entscheide mich auch täglich in meinem Leben für die weniger gesunde Alternative in diversen Entscheidungsprozessen. Gut, vielleicht öfter, wenn es um Entscheidungen für mich selbst als wenn es um Entscheidungen für mein Kind geht... Aber doch, auch da. Und verurteilen würde ich dafür weder mich selbst noch andere
