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Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 19:08
von MonaM80
Flasche schadet ja auch nicht (was bis zu einem gewissen Grad ja auch stimmt).


Sorry, ich hätte es andersherum schreiben sollen: Flasche schadet nicht, Stillen hat einfach mehr Vorteile. So wäre es richtig gewesen.

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 19:21
von MonaM80
Ich habe das Bedürfnis, noch etwas zu relativieren, da die obere Antwort zwischen Tür und Angel entstanden ist.: Flaschenmilch und Stillen sind beides Möglichkeiten, ein Kind adäquat zu füttern. Für mich hat das Stillen aber mehr Vorteile, deswegen ist es in meinen Augen zu zu bevorzugende Variante.
Ich hoffe, das ist jetzt politisch korrekt ;-)

Mir liegt es fern, irgendjemanden dafür zu verurteilen, dass er mit Flasche füttert, das ist die Entscheidung der Mutter allein.

(Und weil das Thema darauf kam, oute ich mich mal: Ich wollte nach 17 Monaten nicht mehr stillen, da das Stillen für mich und die Kleine zu dem Zeitpunkt sehr stressbelastet war. Ich habe sehr lange gebraucht, mir das ehrlich einzugestehen, gerade weil ich eigentlich sehr lange stillen wollte. Als ich es dann realisiert hatte, habe ich das Einschlafstillen, die letzte verbliebene Stillmahlzeit des Tages, langsam ausschleichen lassen. Flaschennahrung gab es bei uns aber dennoch nicht und meine Tochter hat das Abstillen auch problemlos akzeptiert. Ich stehe auch sehr ehrlich zu diesem Ende unserer Stillzeit)

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 21:49
von blueberry
MonaM80 hat geschrieben:
Flasche schadet ja auch nicht (was bis zu einem gewissen Grad ja auch stimmt).


Sorry, ich hätte es andersherum schreiben sollen: Flasche schadet nicht, Stillen hat einfach mehr Vorteile. So wäre es richtig gewesen.
Tja, jein. Oder eigentlich doch eher klar: nein. So stimmt es auch noch nicht wirklich.

Warum nicht? Weil Deine Aussage davon ausgeht, dass der Gesundheitszustand eines flaschengefütterten Babys bzw. der flaschenfütternden Mutter der menschliche Normalzustand ist - und Stillen demgegenüber Vorteile hat. Somit wird das Stillen zu einem "Bonus", den man halt mitnehmen kann - dann ginge es einem noch besser als normal - aber ohne ist eben "normal" und damit ganz sicher "gut genug". So mag sich das im Laufe der letzten paar Jahrzehnte dargestellt haben, wo ja tatsächlich (zumindest in unseren Breiten) Flaschefüttern die Norm (die beteiligten Personen also "normal gesund") war(en) und Stillende die gesellschaftliche und medizinische Ausnahme - der Norm gegenüber alos "gesünder", "weniger" Brustkrebs, "weniger" krankenhauswürdige Infekte beim Baby, weniger dies, mehr das. Vorteile eben.

Das Problem an dieser Sicht ist, dass es den Blick darauf verstellt, dass eigentlich STILLEN die biologische Norm ist für den Menschen. Das heißt, gestillte Kinder sind normal gesund! Wenn ich nun damit die (als Ersatz für die Muttermilch erfundene) Flaschenmilch vergleiche und deren Auswirkung auf das Kind (und die Auswirkung des Nichtstillens auf die Mutter), dann zeigt sich sorum gesehen eben doch sehr schnell: Flaschennahrung schadet. Mutter und Kind. Gesundheitlich allemal. (Emotionale Defizite durchs Nichtstillen lassen sich ganz sicher ausgleichen, wenn man sich ihrer als Defizite bewusst ist, und z.B. stillähnlich - mit viel Kontakt Babygesicht an nackter Mama-Haut etc. - füttert, viel kuschelt, Fütterperson= Hauptbezugsperson ist etc. - deshalb lass ich das mal bewusst außen vor).

Das hat nichts mit politischer Inkorrektheit zu tun oder mit Bewertung der beteiligten Personen. Es sind einfach die wissenschaftlich feststellbaren und logisch begründbaren Fakten.


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MonaM80 hat geschrieben:Ich habe das Bedürfnis, noch etwas zu relativieren, da die obere Antwort zwischen Tür und Angel entstanden ist.: Flaschenmilch und Stillen sind beides Möglichkeiten, ein Kind adäquat zu füttern. Für mich hat das Stillen aber mehr Vorteile, deswegen ist es in meinen Augen zu zu bevorzugende Variante.
Ich hoffe, das ist jetzt politisch korrekt ;-)
Selbst in Deiner zweiten Aussage - oder da noch deutlicher - steckt drin: "Stillen und Flaschenmilch sind beides gleich gut. Stillen hat nur mehr (noch mehr als die Flasche? Wo die laut Werbung schon so viele Vorteile hat?? :wink: 8) ) Vorteile."

Das ist genau der Gargon der Babynahrungsindustrie, merkst Du es? Das sagt im Endeffekt durch die psychologische Blume den Müttern: Klar, Stillen ist toll (dazu wurden die Hersteller ja verpflichtet, das zu sagen). Aber unsere Milch ist auch echt toll! Und Stillen hat demgegenüber zwar Vorteile - aber ehrlich, ohne Vorteile geht das Leben auch.

Und dann merken hupsbadups ganz viele Mütter, dass sie so doch eigentlich auch im normalen Leben vorgehen: klar, niemand will weniger haben als "normal" - weder für sich noch seine Kinder. Weniger als normal - das wären ja "Nachteile". Nee, das geht nicht. Aber sich für "Vorteile", für "Extras", für nen "Bonus" so ins Zeug legen? Ach naja, das ist eigentlich nicht nötig. Sonst würden wir alle täglich ne Runde joggen, Beckenbodengymnastik machen, vor dem selbstgekochten vollwertigen Essen einen Salat zubereiten, ... All das hat unglaublich viele gesundheitliche "Vorteile". Machen tut es trotzdem kaum jemand. Normal reicht völlig - man muss ja auch noch Mensch bleiben - gerade als Mutter, die eh schon ein anstrengendes Leben hat...

Du verstehst das Problem an der "Flasche=normal, Stillen hat Vorteile"-Logik? Das unterschwellig bestechende an der Logik dieser Argumentation hat die Babynahrungsindustrie schon so lange kapiert, dass uns deren Argumentation (auch durch die jahrzehntelang fehlende Stillkultur) in Fleisch und Blut übergegangen ist. Selbst den Stillbefürwortern ging es lange so, bis sie vor einigen Jahren da die Kurve bekommen haben und nun endlich das Stillen wieder als das bezeichnen, was es ist: normal. Und die Flasche eben auch als das, was sie ist: eine manchmal notwendige Ersatz-Sache, die aber an das Original in vielerlei Hinsicht nicht heranreichen kann - eben mit Defiziten, die gesundheitliche Nachteile mit sich bringen.

MonaM80 hat geschrieben: Mir liegt es fern, irgendjemanden dafür zu verurteilen, dass er mit Flasche füttert, das ist die Entscheidung der Mutter allein.
Das liegt mir ebenso fern. Eine Mutter kann sich so oder so entscheiden (und noch viel weniger würde wohl irgendwer eine Mutter verurteilen, die sich gar nicth zum Flaschefüttern "entschieden" hat, sondern es tut, obwohl sie eigentlich vorhatte zu stillen!!). Mir ist nur bei der "Entscheidungsmutter" ihre Kenntnis der Fakten wichtig, bevor sie es tut. Ich entscheide mich auch täglich in meinem Leben für die weniger gesunde Alternative in diversen Entscheidungsprozessen. Gut, vielleicht öfter, wenn es um Entscheidungen für mich selbst als wenn es um Entscheidungen für mein Kind geht... Aber doch, auch da. Und verurteilen würde ich dafür weder mich selbst noch andere :wink:

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 22:03
von Lucccy
Darf ich mal feststellen, dass mir Deine Postings immer sehr gut gefallen, blueberry?
blueberry hat geschrieben:Das Problem an dieser Sicht ist, dass es den Blick darauf verstellt, dass eigentlich STILLEN die biologische Norm ist für den Menschen. Das heißt, gestillte Kinder sind normal gesund! Wenn ich nun damit die (als Ersatz für die Muttermilch erfundene) Flaschenmilch vergleiche und deren Auswirkung auf das Kind (und die Auswirkung des Nichtstillens auf die Mutter), dann zeigt sich sorum gesehen eben doch sehr schnell: Flaschennahrung schadet. Mutter und Kind. Gesundheitlich allemal.
Leider kann man das als normal-lang stillende Mutter ja kaum laut aussprechen. :(

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 22:39
von blueberry
Danke Luccy :)
Lucccy hat geschrieben:Leider kann man das als normal-lang stillende Mutter ja kaum laut aussprechen. :(
Wie meinst Du das genau? (Und was heißt für Dich "normal-lang stillend" ? :wink: )

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 22:51
von 4tiere
@blueberry: Aber wie reagiere ich denn, wenn eben solche Aussagen kommen.
blueberry hat geschrieben:Wenn sie das nämlich nicht offen sagen können (und ja, da muss ich glaub auch noch an meiner spontan-Reaktion im RL arbeiten, dass ich das auch genauso rüberbringe :oops: ), dann sind das eben wieder soundsoviele Mütter, die dazu beitragen, Halbwahrheiten oder schlicht Falsches über das Stillen zu erzählen - als Ausrede eben. Und das ist total kontraproduktiv und verbreitet eben weiter Stillmythen. Dann kommen weiter solche "ab 12 Wochen hatte ich plötzlich von einem auf den anderen Tag kaum noch Milch, aber zwei Wochen später hatte er sich dann eh selbst abgestillt" oder "ich musste ein Antibiotikum nehmen/ne Narkose bekommen/... - und darum ganz dringend von heute auf morgen abstillen"-Geschichten nämlich als halbwegs plausible Ausrede in Umlauf und setzen sich in den Köpfen weiter fest...
Mir persönlich klopft das herz bis zum Hals, so aufgeregt bin ich über den Unsinn und dann rede ich vor lauter Emotionalität nur dogmatisches Zeug. (Sorry ist etwas OT.)
Also was kann frau sagen, wenn sie solche Ammenmärchen hört, damit diese weniger werden, aber die betreffende Mutter nicht blossgestellt wird?

Re: AW: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben

Verfasst: 07.01.2013, 23:04
von honigtopf2010
MonaM80 hat geschrieben:
Flasche schadet ja auch nicht (was bis zu einem gewissen Grad ja auch stimmt).


Sorry, ich hätte es andersherum schreiben sollen: Flasche schadet nicht, Stillen hat einfach mehr Vorteile. So wäre es richtig gewesen.
Oh blueberry hat das so schön und ausführlich widerlegt. Trotzdem noch mein Senf dazu, weil kürzer:

Einzig richtig, und das einfach aus der Logik nicht der persönlichen Ansicht heraus, ist dieser Zusammenhang: Stillen ist die normale Ernährung für Säuglinge. Alle anderen Ernährungsformen haben Nachteile.

Re: AW: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben

Verfasst: 07.01.2013, 23:09
von honigtopf2010
4tiere hat geschrieben:@blueberry: Aber wie reagiere ich denn, wenn eben solche Aussagen kommen.
blueberry hat geschrieben:Wenn sie das nämlich nicht offen sagen können (und ja, da muss ich glaub auch noch an meiner spontan-Reaktion im RL arbeiten, dass ich das auch genauso rüberbringe :oops: ), dann sind das eben wieder soundsoviele Mütter, die dazu beitragen, Halbwahrheiten oder schlicht Falsches über das Stillen zu erzählen - als Ausrede eben. Und das ist total kontraproduktiv und verbreitet eben weiter Stillmythen. Dann kommen weiter solche "ab 12 Wochen hatte ich plötzlich von einem auf den anderen Tag kaum noch Milch, aber zwei Wochen später hatte er sich dann eh selbst abgestillt" oder "ich musste ein Antibiotikum nehmen/ne Narkose bekommen/... - und darum ganz dringend von heute auf morgen abstillen"-Geschichten nämlich als halbwegs plausible Ausrede in Umlauf und setzen sich in den Köpfen weiter fest...
Mir persönlich klopft das herz bis zum Hals, so aufgeregt bin ich über den Unsinn und dann rede ich vor lauter Emotionalität nur dogmatisches Zeug. (Sorry ist etwas OT.)
Also was kann frau sagen, wenn sie solche Ammenmärchen hört, damit diese weniger werden, aber die betreffende Mutter nicht blossgestellt wird?
Vielleicht kannst du einfach ganz neutral sagen, dass es dir leid tut, dass die betreffende Frau so unzureichend beraten wurde. Dass deine Informationen zum betreffenden Thema andere sind, du aber immer den Kontakt zu Stillberatern empfiehlst?

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 07.01.2013, 23:14
von Sycorax
Lucccy hat geschrieben:Darf ich mal feststellen, dass mir Deine Postings immer sehr gut gefallen, blueberry?
blueberry hat geschrieben:Das Problem an dieser Sicht ist, dass es den Blick darauf verstellt, dass eigentlich STILLEN die biologische Norm ist für den Menschen. Das heißt, gestillte Kinder sind normal gesund! Wenn ich nun damit die (als Ersatz für die Muttermilch erfundene) Flaschenmilch vergleiche und deren Auswirkung auf das Kind (und die Auswirkung des Nichtstillens auf die Mutter), dann zeigt sich sorum gesehen eben doch sehr schnell: Flaschennahrung schadet. Mutter und Kind. Gesundheitlich allemal.
Leider kann man das als normal-lang stillende Mutter ja kaum laut aussprechen. :(
Das möchte ich komplett unterschreiben!
Die Minimissy ist gerade ein Jahr alt geworden und ich empfinde es für mich als normal, dass wir noch viel stillen. Ich möchte bis zu ihrem 2. Geburstag stillen (wenn sie es auch möchte) und dann weitersehen.
Alle meine Verwandten und viele meiner Freunde empfinden das als viel zu lang und können es nicht verstehn, obwohl ich es ihnen mehrfach erklärt habe. Dennoch höre ich immer wieder solche blöden Aussagen wie: "Warum gibst du ihr nicht einfach ein Fläschchen?" "Still sie einfach weniger!" "Biete ihr die Brust nicht auch noch an!" "Nach dem Essen braucht sie doch keine Muttermilch mehr!" :roll:
Es macht mich absolut krank! Ich möchte einfach in Ruhe gelassen werden und nicht als Exotin betrachtet, weil ich etwas vollkommen Normales mache.

Re: Eigentlich müsste die Menschheit schon ausgestorben sein

Verfasst: 08.01.2013, 00:24
von MonaM80
Blueberry, du machst es einem schon etwas schwer muss ich sagen. Ist es hier immer so kompliziert? Was ist denn jetzt genau dein Problem: dass ich Flaschennahrung verharmlose oder dass ich sie schlecht mache-das habe ich immer noch nicht heraus, ehrlich gesagt
Da versucht man, niemandem (Flasche oder Stillen) auf den Fuss zu treten und macht es dann doch wieder nicht Recht. Ich denke, meine ehrliche Meinung zum Stillen interessiert hier nicht es geht in erster Linie um nitpicking, sehe ich das richtig? Nachdem ich deinen Beitrag zum zweiten Mal durchgelesen habe, bin ich ehrlich gesagt auch ziemlich sauer.
Ich halte Flaschennahrung für den letzten Mist und mir zerreisst es das Herz wenn ich mitbekomme, dass Frauen aufgrund von schlechter Informationen und falschem EInfluss aus der Familie das Stillen beim kleinsten Problem aufgeben. Aber ich bin mir sicher, dass hier auch Frauen mitlesen, die ab und an (aus welchem Grund auch immer) die Flasche in die Hand nehmen müssen, und denen werde ich bestimmt NICHT sagen, dass die Flasche ein minderwertiger Ersatz ist-auch wenn ich persönlich das so empfinde. Denn die Wahrheit ist nun einmal (so sehr ich das Stillen liebe und so sehr ich es für die EINZIG korrekte Art halte, ein Baby/Kind zu ernähren solange die Stillbeziehung funktioniert)-mit Flaschennahrung werden Kinder auch groß. Und das ist das einzige, was mein leicht dahingesagter Satz in meinem ersten Posting aussagen sollte. Hätte ich gewusst, dass dieser etwas gedankenlose Satz eine derartige Lawine lostritt hätte ich es wohl gelassen.