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Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 10.11.2012, 10:05
von 4tiere
Fra hat geschrieben:Wenn es dir tatsächlich ein Anliegen ist, dieser Frau eine andere Sicht aufs eigene Kind zu vermitteln , brauchst du wohl sehr langen atmen. Und musst zuhören können. Denn hinter dieser Fassade stecken ja manchmal viele kleine Beweggründe, die nur so von Hilflosigkeit sprießen.Nur wenn du es schaffst eine Beziehung zur Frau aufzubauen, kannst du besser in sie hineinhorchen und Änderungen vorschlagen..Ist der Mann der Druckpunkt,Fühlt sie sich generell überfordert?
Aber dann kannste dich auch gleich zum Therapeuten weiterbilden lassen
Schön geschrieben und wohl der einzige richtige Weg ...
Ich sende dir viel Kraft und Zuversicht!
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 10.11.2012, 10:27
von samsara
sutnahpele hat geschrieben:Ich habe jetzt erst den Beitrag von samsara gelesen. Ich bin empört. Es kann doch nicht sein, dass bei Kindern mit einem anderen Maß gemessen wird.

Mein Vertrauen in staatliche Institutionen scheint etwas zu groß zu sein.
Strafgesetzbuch, § 239:
(1) Wer einen Menschen einsperrt oder auf andere Weise der Freiheit beraubt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Das ist ja der Punkt, tatbestandlich IST es eine Freiheitsberaubung, aber die ist im Falle der elterlichen Erziehung nach deutscher Rechtsansicht gerechtfertigt und damit straffrei. So wie die Spritze vom Arzt tatbestandlich eine Körperverletzung sein könnte, die aber zumindest wegen der Einwilligung gerechtfertigt und straffrei ist. Mir will aber so eine Wertung im Umgang mit Babys einfach nicht in den Kopf. Klar, im BGB gibt's auch Normen, die entwürdigende Methoden sanktionieren, aber strafbar ist es nicht. Und was nützt dem Kind ein Schadensersatzanspruch gegen die Eltern, ähm... Die Mühlen laufen da sehr langsam, auch die Gesetze zugunsten der Kinder gibt's noch nicht so lange. Arme Gesellschaft eigentlich...
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 10.11.2012, 11:29
von weeka
bevor du das jugendamt informierst würde ich das mit der frau nochmals besprechen. jugendamt einzuschalten ist schon so eine sache, und hinter dem rücken finde ich das sehr unfair. das würde nur noch mehr zu einer abwehrhaltung bei den eltern führen. leider ist es realitität, dass viele eltern ihre kinder einsperren. ich war selbst au pair und meine erste familie (die ich dann schnell gewechselt habe), hat genau das mit ihrem sohn gemacht.... zimmer abgedunkelt und dann verschlossen, und es war übrigens keine deutsche familie.
es wird noch eine zeit dauern, bis diese art von umgang mit kindern sich ändert. ich fürchte aber, dass solange sie sich selbst keine hilfe holen wollen, man da nicht viel tun kann. leider gibt es noch genügend ratgeber und fehlinformationen, die die eltern in ihren handeln bestärken.
ich weiss nicht, was ich als nachbarin machen würde. ich kenne einige eltern, die unglaublich hart zu ihren kindern sind. wenn bestimmte situationen dann zur sprache kommen, erläutere ich meist unsere persönliche situation und versuche zu zeigen, warum es z.B. bei uns ohne schreien und einsperren funktioniert. manche eltern hören zu und lassen den austausch zu, andere lassen das ganze an sich abprallen. vll. kannst du nochmals mit ihr sprechen und sagen, dass das abendliche schreien euch einfach stört, oder du und deine kinder dann nicht einschlafen können und fragen, ob sie sich nicht eine andere lösung überlegen könnten. vll. kannst du dann das jugendamt mal als ansprechpartner vorschlagen, die dann weitere ansprechpartner nennen können.
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 10.11.2012, 18:00
von Stankade
Wenn es Dich abends so stark belastet würde ich dort klingeln und genau das zum Ausdruck bringen. Also mit ihr darüber sprechen wie es Dir damit geht. Je nachdem wie sie darauf reagiert würde ich beim nächstem mal die Polizei rufen. Einfach um ein Zeichen zu setzen und wie schon geschrieben, nicht dass dann wirklich mal was noch schlimmeres dahinter steckt und keiner hat reagiert.
Ich finde das grausam und kann absolut nicht nachvollziehen wie Frau so handeln kann.
Das Mädchen tut mir wahnsinnig leid.
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 10.11.2012, 19:20
von MaareMum
Ich finde auch, dass vor einem Behörden-Informieren ein Gespräch angebracht ist.
Ich würde es auf jeden Fall nochmal gütlich versuchen. Es ist doch wirklich oft so, dass Eltern einfach überfordert sind und dann keinen anderen Weg als "Gewalt" mehr kennen, weil sie es selber vermutlich auch nicht anders erlebt haben.
Mal als ganz krasses Beispiel diese "Supernanny" aus dem TV. Das sind doch auch meist (?) Eltern, die glauben, dass ihr Erziehungsstil angemessen ist, weil das Kind so schwierig ist. Dabei ist das Kind nur schwierig WEGEN dem Erziehungsstil und die Eltern einfach überfordert oder kennen es nicht anders.
Ich würde schon meinen, dass Eltern ein liebevolles Verhältnis zu ihren Kindern grundsätzlich bevorzugen würden, und dass Eltern grundsätzlich von einem Terror-Abend"ritual" sehr gestresst sind und die Bettzeit dann täglich auch ein Horror für die Eltern ist. Diesen Eltern dann einen Weg aufzuzeigen, der friedlich ist, ist doch eigentlich der richtigste Weg - wenn man Zugang findet.
Klar, wie man die Frau dazu bekommt, dass sie gewillt ist, einem zuzuhören, weiss ich auch nicht. Hier wurden ja schon gute Gesprächs-Ansätze geschrieben. Aber ich finde, das ist allemal einen Versuch wert, bevor man sie mit Polizei und Jugendamt völlig gegen sich aufbringt. Denn dann hört sie dir sicher nicht mehr zu.
Wenn ein Gespräch null fruchtet, kannst du immernoch die Behörden informieren.
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 10.11.2012, 20:52
von Minchen
Ich befürchte irgendwie auch, dass die "Keule" kein Weg ist, der sie in ihren Grundansichten verändern wird. Gut, sie hat die Polizei vor der Tür oder das Jungenamt wird sich mal melden, aber das wird für sie nicht mehr als eine nervige Angelegenheit sein, meint Ihr nicht? Wenn jemand solche Ansichten hat, dann werden die sich nicht dadurch ändern bzw selbst wenn sie an der Stelle dann vielleicht "einsichtig" wird bzw sich "anpasst", dann wird es noch andere Bereiche geben, in denen das Kind leiden muss.
Ich bin ja ansonsten ein großer Freund von Recht und Gesetz und Gerechtigkeit, aber in solchen Fällen führt das sicher nicht zum gewünschten Ergebnis. Ich befürchte auch, wenn Du WIRKLICH helfen willst, dann musst Du Dich da tiefer einschalten, Hintergründe erfahren und dort ansetzen. Das muss aber so schwer sein, ich glaub, ich könnte das nicht. Ich habe eine gute Freundin, bei der ich das mal ansatzweise versucht habe, weil sie ihr Kind mit 7 Monaten im Bett brüllen ließ (vor dem Bett gesungen hat, eine Stunde lang!

), weil er das ja langsam mal lernen muss. Aber ich bin da überhaupt nicht durchgekommen...

Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 11.11.2012, 09:10
von Sakura
Minchen hat geschrieben:Ich habe eine gute Freundin, bei der ich das mal ansatzweise versucht habe, weil sie ihr Kind mit 7 Monaten im Bett brüllen ließ (vor dem Bett gesungen hat, eine Stunde lang!
Also Deine Freundinn saß dabei? Finde ich ehrlich gesagt nicht so schlimm wie komplett allein lassen.
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 11.11.2012, 10:32
von MaareMum
Sakura hat geschrieben:Minchen hat geschrieben:Ich habe eine gute Freundin, bei der ich das mal ansatzweise versucht habe, weil sie ihr Kind mit 7 Monaten im Bett brüllen ließ (vor dem Bett gesungen hat, eine Stunde lang!
Also Deine Freundinn saß dabei? Finde ich ehrlich gesagt nicht so schlimm wie komplett allein lassen.
Ne ich auch nicht. Ich finde das einen himmelweiten Unterschied. Denn mal ehrlich, welches Kind hat noch nicht im Bett geweint (egal ob eigenes oder familienbett). Wenn dann aber Mama da ist und tröstet aber trotzdem dabei bleibt, dass jetzt Schlafenszeit ist, dann ist das doch was völlig anderes als das Kind einfach alleine schreien zu lassen. Es gibt ja schon auch andere Wege als nur Einschlafstillen.
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 11.11.2012, 10:49
von 4tiere
MaareMum hat geschrieben:Sakura hat geschrieben:Minchen hat geschrieben:Ich habe eine gute Freundin, bei der ich das mal ansatzweise versucht habe, weil sie ihr Kind mit 7 Monaten im Bett brüllen ließ (vor dem Bett gesungen hat, eine Stunde lang!
Also Deine Freundinn saß dabei? Finde ich ehrlich gesagt nicht so schlimm wie komplett allein lassen.
Ne ich auch nicht. Ich finde das einen himmelweiten Unterschied. Denn mal ehrlich, welches Kind hat noch nicht im Bett geweint (egal ob eigenes oder familienbett). Wenn dann aber Mama da ist und tröstet aber trotzdem dabei bleibt, dass jetzt Schlafenszeit ist, dann ist das doch was völlig anderes als das Kind einfach alleine schreien zu lassen. Es gibt ja schon auch andere Wege als nur Einschlafstillen.
Es mag andere Wege als einschlafstillen geben, aber Schreien bleibt Schreien.
Also ehrlich ihr sprecht hier von einem
sieben Monate alten Baby, dem damit klar gemacht werden soll, dass jetzt Schlafenszeit ist. Meint ihr das wirklich ernst?!
Re: Nachbarskind wird eingeschloßen im dunklen Zimmer
Verfasst: 11.11.2012, 11:08
von EhMiws
Gerade im Netz unter Neurobiologie der Bindung gefunden:
[...]
Beispiel zur Aktivierung des Selbsterhaltungssystems (Kampf oder Flucht) in unangemessener Situation
Folgendes Beispiel betrachtet den Ablauf zwischen Mutter und Kind. Bei der Mutter hat sich durch eigene belastende Kindheitserfahrungen ein negativ besetztes inneres Modell zur Interaktion ausgebildet. Durch frühen chronischen Stress hat sich eine Dominanz des Selbsterhaltungssystems gegenüber dem Arterhaltungssystem herausgebildet was bedeutet, es wird bevorzugt aktiviert.
Flucht der Bezugsperson:
Das Kind weint oder schreit, die Mutter schließt die Tür vom Kinderzimmer und geht fort, um das Schreien nicht zu hören (flüchtet).
[...]
Da wird sich die mutter des kindes selbst mitbefassen müssen und du kannst einen empathischen anstoss versuchen. Aber mehr würd ich mir auch nicht aufladen wollen..
Liebe Grüße
Fra