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Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 04.04.2012, 13:58
von Elena
Versteht mich bitte nicht falsch - ich finde es völlig okay, wenn die Familien das für sich so entscheiden. Mir geht nur das Gejammere "wir hatten ja auch keine andere Wahl" auf die Nerven. Wahrscheinlich auch, weil es unter anderem unser Modell so darstellt, als bekämen wir ein laues Leben vom Himmel geschenkt. Der Himmel hat mir eigentlich nur geschenkt, dass ich nicht so viel Schlaf brauche. :mrgreen: Dass ich oft nachts oder am Wochenende arbeite, als Selbständige ein viel größeres Risiko habe als Arbeitnehmer, im Grunde seit meinem Schulabschluss vor 14 Jahren an meiner Aus- und Weiterbildung arbeite und immer wieder Prüfungen gemacht habe, wird da nicht mit in die Waagschale geworfen. Man hat (fast) immer die Wahl. Wer sich ein Reihenhaus im Stadtgebiet München leisten kann, kann sich für 100 000 weniger auch ein Reihenhaus am Stadtrand leisten und dafür auf ein bisschen Gehalt verzichten - wenn er will. Das ist eine Frage der Prioritäten. Und nochmal: Ich finds ja okay, wenn man das Reihenhaus im Stadtgebiet wählt.

@Minchen: Ja, das Problem mit dem mehr Verdienen sehe ich ja auch. Aber: Seit einigen Jahren gibts Elterngeld. Vorher gab es nix, trotzdem haben Frauen ausgesetzt. Jetzt würden die Väter Elterngeld bekommen, setzen aber nicht aus. Dabei ginge es den Familien damit finanziell nicht schlechter als vor ein paar Jahren, als es das Elterngeld nicht gab. Und: Ich sehe im Bekanntenkreis immer wieder, dass nur die Frauen aussetzen und damit einen Karriereknick selbstverständlich hinnehmen. Wenigstens 4 Monate könnten die Väter jeweils auch locker aussetzen. Ich finde es einfach in vielen Fällen wesentlich sinnvoller, die Last des Karriereknicks auf beide Schultern zu verteilen.

Um auf deine Fragen zu antworten: Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten 15 Jahren jemals beide wieder klassisch voll arbeiten werden. Zur Zeit ist mein Mann noch in Elternzeit, bis die Kleine mit 15 Monaten in die Krippe geht. Ich arbeite vormittags und gegebenenfalls abends oder am Wochenende. Ich bin selbständig und kann viel von zuhause aus machen. Wenn mein Mann wieder anfängt, wird er ca. 70% arbeiten, d.h. mindestens 3 Nachmittage frei haben. Die Kinder gehen bis 15 Uhr in die Krippe/den Kindergarten. Wenn sie krank sind, bleibe eher ich zuhause, schon weil wir dann nicht extra zum Arzt rennen müssen für die Bescheinigung für den Arbeitgeber. Aber letztendlich machen wir das davon abhängig, wer wichtige Termine hat.

Und was wir machen, wenn wir mal drei Kinder haben und alle drei haben nacheinander wochenlang irgendwelche Krankheiten, das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. :lol:

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 04.04.2012, 14:59
von Katha
Uff, das ist ja viel Input - danke dafür.
Versuch mal einen Zeil der Antwort, solange der Kleine schläft.

Die Fortbildung wäre schon richtig klasse.
Bezahlbare Ferienwohnung mitten in München fällt leider aus.
Und da ich Freiberufler bin, muss ich die Unterkunft auch selber bezahlen.
Minimum doppelte Kosten also.

Das Emotionale wollte ich explizit ausklammern, gerade finde ich es schwer mir vorzustellen auch nur 8 h ohne ihn zu sein.
Ich sehe das vom Ansatz ähnlich wie Elena - das war auch der Grund, warum ich mich überhaupt zum Ende der Schwangerschaft noch um die Fortbildung beworben habe.
Nun hofft mein Herz mehr, dass sie mich einfach nicht nehmen!
Und falls ich in die Vorauswahl komme, überlege ich von mir aus abzusagen (gibt dann nämlich weitere Blöcke).

Mir geht es mehr darum, ob das jemand schon hingekriegt hat.
Und bisher lesen sich Eure Erfahrungen, dass Mann und Kind mit müssen.

Mein Freund und ich sind gleich qualifiziert: nur kann er die Zahlen und ich den
Inhalt plus meine Berufserfahrung ist noch nicht so groß wie seine - erberdient also deutlich mehr. Deswegen ist es schon wichtig, dass ich auch irgendwann vorankomme (Stichwort Rente). Und selbst dann wird ein deutlicher Unterschied bleiben, so dassmein Freund vermutlich Blockweise viel arbeiten wird und dann auch längere Pausen hat.

Aktuell teilen wir uns die Zeit seit der Geburt - der Kleine ist aber mehr bei mir, weil er viel clustert, mein Freund macht den Haushalt und sieht zu, dass ich auf der Couch nicht verhungere. Mein Freund kümmert sich aber auch rührend und die beiden Jungs kamen die mittlerweile 4 Mal mit Fläschen gut zurecht.

Den Luxus, dass mein Freund im ersten Jahr so viel hier ist, gönnen wir uns für uns 3.
Aber es ist auch ein Luxus,
er leider nicht ewig weitergehen kann.
Nächstes Jahr sollte ich dann was verdienen, weil mein Freund dann mehr blockweise arbeitet und wir 3 und dann kaum sehen. Und das will ich nicht - weder für mich, noch für ihn, noch vor allem für unseren Sohn.
Und dafür, dass ich mehr Chancen habe, hilft die Fortbildung vermutlich...
Aber mein Freund und ich überlegen aktuell, ob es nicht was gibt, dass mich ähnlich voranbringen könnte und dass ich eher "nebenbei" machen kann.
Eure Erfahrungen helfen mir, mich besser zu sortieren.

Und ja, ich liebe meinen Beruf.
Und ja, mittlerweile kann ich mir vorstellen sogar 3 Jahre Zuhause zu bleiben.

Und Misato / Katrin, danke für den Rat, mit nicht so viel Gedanken aktuell zu machen. Hab versucht das zu beherzigen - und dann ging auch das Abpumpen für Termin heute, das zuvor wieder ne Qual.

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 04.04.2012, 17:44
von Lösche Benutzer 1828
weeka hat geschrieben: ich finde es übrigens sehr anstregend, dass wieder über die notwendigkeiten etc. diskutiert wird. die TS wird selber entscheiden müssen, ob sie die fortbildung machen möchte bzw. muss, ob es IHR kind und IHR mann schaffen, alleine zurecht zu kommen. schlechtes gewissen a la "das kind ist nur einmal so klein" finde ich echt unpassend .(und wieder mal sieht man, dass wenn der mann mal für 3 monate weg muss, ist es einfach so. natürlich schwer für die kinder, aber so ist es.Punkt! ich will mir gar nicht vorstellen, wie man zerfleischt werden würde, wenn man das als frau schreiben würde, dass man für solange wegfährt (auch wenn die kinder dann auch schon älter sind).
Damit war ja wohl ich gemeint.
ICH würde das auch nie tun, für keinen Job der Welt, da würde mir meine Familie viel zu sehr fehlen.
Aber ich bin nicht mein Mann und wir hatten schon etliche Diskussionen deshalb.
Letztendlich ist es auch - mal wieder - eine finanzielle Überlegung gewesen.
Aber OT.

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 04.04.2012, 23:28
von marykate
Meine Tochter war auch etwa 6 Monate alt als ich eine Woche auf einer Fortbildung war. Für mich bzw. uns stand von vornherein ohne Diskussion fest, dass mein Mann mitkommt. Da wäre nichts anderes in Frage gekommen.

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 05.04.2012, 08:43
von weeka
@sandküste:

das ist übrigens mein größtes problem mit dem klassischen model, weil ich meinen partner sehen möchte und auch möchte, dass er für die kinder genauso ein elternteil ist wie ich (und nur 2 stunden abends papazeit ist für mich dafür nicht ausreichend. außerdem mache ich nicht gerne den haushalt und teile diese aufgabe lieber). deshalb leben wir das auch nicht bzw. nur phasenweise und streben langfristig beide teilzeit an.

wer und warum und wie sein leben gestaltet ist aber eigentlich nicht meine sache und wenn's jemand klassisch mag, so what?! ich bin's nur leid, dass vor allem frauen sich immer für ihre (oft auch eher geringe) abwesenheit von familie ständig rechtfertigen müssen. beim mann ist es meistens ok und niemand wird ihn jemals fragen, warum er denn überhaupt vater geworden ist. das geldverdienen reicht dann aus als erklärung (oft reicht es aber auch zu sagen: ja, die kinderbetreuung ist nicht so seins...), bei der frau folgt dann eher der ganze ratenschwanz: wieso ist denn erwerbsarbeit so erstebenswert? kinderbetreuung und hausarbeit ist doch auch schön, man kann das doch alles auf später verschieben...die kinder sind doch nur einmal klein.--> da muss man sich die ganze betreuungsgelddebatte nur anschauen und was die leute so dazu schreiben...)
Elena hat geschrieben:Versteht mich bitte nicht falsch - ich finde es völlig okay, wenn die Familien das für sich so entscheiden. Mir geht nur das Gejammere "wir hatten ja auch keine andere Wahl" auf die Nerven. :lol:

und dem schliesse ich mich auch an.

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 05.04.2012, 10:05
von Lösche Benutzer 1828
Naja, aber noch nie auf die Idee gekommen, dass das keine Ausreden sind?
Ich wollte mit so kleinen Kindern nie arbeiten gehen. Dafuer war mir die yzeit zu kostbar.
Und mich hat der Job auch nie erfuellt. So fremdgesteuert, das bin doch nicht ich.
Jedes Leben ist halt anders. Aber klein sind die ykinder in der Tat nur sehr kurze Zeit.
Warum die Eile? Das habe ich nie verstanden. Arbeiten kan. Man den Rest des Lebens.
Und wenn sich die Sicht auf Muetter in der Gesellschaft aendern wuerde, muessten Frauen nicht um den Job bangen. Aber wenn Frauen immer so wie Maenner sein wollen, frage ich mich, ob sich da was aendert. Aber das ist woh, Wunschdenken.

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 05.04.2012, 10:50
von Lea97
Sandküste hat geschrieben:Naja, aber noch nie auf die Idee gekommen, dass das keine Ausreden sind?
Ich wollte mit so kleinen Kindern nie arbeiten gehen. Dafuer war mir die yzeit zu kostbar.
Und mich hat der Job auch nie erfuellt. So fremdgesteuert, das bin doch nicht ich.
Jedes Leben ist halt anders. Aber klein sind die ykinder in der Tat nur sehr kurze Zeit.
Warum die Eile? Das habe ich nie verstanden. Arbeiten kan. Man den Rest des Lebens.
Und wenn sich die Sicht auf Muetter in der Gesellschaft aendern wuerde, muessten Frauen nicht um den Job bangen. Aber wenn Frauen immer so wie Maenner sein wollen, frage ich mich, ob sich da was aendert. Aber das ist woh, Wunschdenken.

Danke dafür! Ich unterschreibe riesig fett!

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 05.04.2012, 10:54
von Elena
Sandküste hat geschrieben: Aber klein sind die ykinder in der Tat nur sehr kurze Zeit.
Warum die Eile? Das habe ich nie verstanden. Arbeiten kan. Man den Rest des Lebens.
Ich habe es aber noch nie erlebt im Bekanntenkreis (da beziehe ich mich jetzt auf die Generation meiner Eltern), dass eine Frau nach langer Pause (mehr als 5 Jahre) wieder in ihren Job eingestiegen ist und es ihr von Herzen Spaß gemacht hat. Ich kenne dafür ganz viele Geschichten von Frauen, die einige Jahre ausgesetzt haben und danach nicht mehr in den Job zurückkonnten. Die technische Zeichnerin, in deren Beruf unterdessen der Computer Einzug gehalten hatte, zum Beispiel. Die Orchestermusikerin, die den Anschluss in ihrem ohnehin ständig gefährdeten Job verloren hatte. Und die dann irgendwann beide nach einer Scheidung ganz ohne was dastanden und ganz von vorne anfangen mussten. Ich frage mich, ob es für sie und ihre Familien nicht viel einfacher gewesen wäre, wenn die Familienarbeit von vornherein mehr verteilt worden wäre.
Und wenn sich die Sicht auf Muetter in der Gesellschaft aendern wuerde, muessten Frauen nicht um den Job bangen. Aber wenn Frauen immer so wie Maenner sein wollen, frage ich mich, ob sich da was aendert. Aber das ist woh, Wunschdenken.
Ich würde es andersrum sehen: Wenn Männer in Familien mehr Verantwortung übernehmen würden, gäbe es für Arbeitgeber in Zukunft keinen Grund mehr, Männer besser zu bezahlen oder bevorzugt einzustellen. Denn auch die können dann familienbedingt länger ausfallen.

Für mich gibts noch einen ganz persönlichen Grund, warum ich es gut für die Familie finde, wenn auch der Vater Elternzeit nimmt: Wir kennen alle diese Tage, an denen irgendwie nichts richtig klappt, das Kind nicht zur richtigen Zeit schläft, man nichts geschafft kriegt, obwohl man ja den ganzen Tag Zeit gehabt hätte, und abends trotzdem kaputt ist - und dazu noch frustriert, weil die Bude schlimmer aussieht als morgens. Und dann kommt der Mann nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause... :mrgreen: Bei uns ist das jetzt, nachdem wir beide zweimal mehrere Monate Elternzeit hatten, so: Der, der zuhause war, seufzt: "Heute war so ein Tag... ich habe echt nichts geschafft." Und der andere nimmt ihn in den Arm, sagt: "Ich weiß... setz dich in den Sessel, ich mache dir einen Tee. Ich kümmere mich ums Abendbrot", schnallt sich das Baby auf den Rücken und legt los. Das Verständnis für den anderen und die Wertschätzung der Familienarbeit steigen enorm, wenn man es mal am eigenen Leib erfahren hat. Das tut der Beziehung gut. :mrgreen:

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 05.04.2012, 11:08
von Maja
Ich habe Mann und Kind(er) auch immer mitgenommen solange sie so klein waren. Wir waren entweder in Jugendherbergen oder in günstigen Hotels, wo ein Doppelzimmer meist kaum mehr kostet als ein Einzelzimmer.
Und solange einer von beiden sowieso freiberufliche Einnahmen hat, kann er die Hotelrechnung auf sich ausstellen lassen und immerhin problemlos als betriebsbedingte Ausgabe deklarieren :mrgreen: Dann ist das steuerbereinigt noch mal billiger.

Re: 5 Tage Abwesenheit im 6 Monat möglich?

Verfasst: 05.04.2012, 11:49
von Lösche Benutzer 1828
Elena: mit dem letzten Satz hast Du nAtuerlich Recht. Das stoert mich schon auch sehr.

Ich haette in den Job zurueck gekonnt - Fortbilden kann ich mich auch in der Elternzeit. Leider wird das von den Betrieben aber gar nicht gefoerdert.

(ich tippe vom vom IPad aus mit 10 Fingen bzw versuche es - daher die Fehler)