Och, ich glaube, mein Mann findet die verrückte Amerikanerin viel schlimmer, seit er mal einen Blick auf die überladene lila Flylady-Website geworfen hat...
Grundsätzlich ist ihm aber egal, was ich da treibe, solange es seinen Alltag nicht stört und alles funktioniert. Er hat akzeptiert, dass der Haushalt momentan mein Job ist, und hilft am WE mit, wo es nötig ist, lässt mich aber sonst machen. Solange ich beim Entrümpeln seine privaten Dinge in Ruhe lasse (etwa Kleidung oder seine Löwensammlung), blockiert er auch nicht. Wenn ich ihn gezielt frage, ob ein Gegenstand weg kann, weil wir ihn seit Jahren nicht mehr benutzt haben, stimmt er mir in 90% der Fälle zu. Und beim Rest (bspw. eben bei der Löwensammlung) hilft es, wenn ich seinen Sachen ihren Bereich zuordne. Er hat dafür nun ein Regal im Wohnzimmer, was ich zwar nicht besonders schön finde, aber ich kann mit dem Kompromis leben und das Zeug hat einen fixen Platz. Aber es hilft sicher, dass er oberflächlich betrachtet der Ordentlichere von uns beiden ist, ich musste nie gegen umherfliegende Socken kämpfen. Und wenn in seinen Schrank oder seine Hälfte des Schuhregals nix mehr reinpasst (weil da bereits 5 Paare schwarze Halbschuhe stehen, die alle nicht mehr wirklich gut sind, aber noch "zu schade zum Wegwerfen"), sortiert er dann schon von alleine aus. Ich würde das zwar häufiger tun, aber eben: ist sein Zeug, muss er selber wissen, solange er es nicht in der Wohnung verteilt.
Ich denke, der Unterschied ist schon, dass er aus einem sehr ordentlichen, durchstrukturierten Elternhaus kommt. Ihm ist der Druck zum Ausmisten nicht so präsent, aber er ist gewohnt, dass alles seinen Platz hat. Bei meinen Eltern dagegen herrschte schon immer eher kreatives Chaos. Zwar war/ist grundsätzlich alles einigermassen sauber, aber das Haus ist bis unters Dach vollgestopft mit allem Möglichen. Das war auch toll, wir Kinder hatten für jede noch so ausgefallene Spiel- oder Bastelidee sofort das passende Material, aber ich musste mir Ordnung halten und Ausmisten erst mühsam als junge Erwachsene angewöhnen. Da mein Mann das aber auch mitbekommen hat, ist er auch durchaus verständnisvoll, wenn ich in seinen Augen übers Ziel hinaus schiesse. Er betrachtet das wohl als Aufarbeitung eines Kindheitstraumas...
