Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohlen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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jusl
Jusl Almighty
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von jusl »

:lol: Selbstverständlich bist Du hier weiter willkommen. :lol:

Wenn Du Dich bei der Hebamme vor Ort besser aufgehoben fühlst, ist das selbstverständlich VÖLLIG OK. Bitte richte Dich dann weiterhin nach IHREN Vorschlägen.

Was allerdings in der Tat wenig Sinn ergibt ist, wenn wir Dich BEIDE beraten, denn einige Details, von denen Du berichtest, sehe ich in der Tat fachlich anders. Zum Beispiel:

Die erste Wahl zum Zufüttern größerer Mengen Muttermilch ist der Softcup, nicht die Saugflasche. Der Softcup ist eine Flasche mit Ventil, so dass keine Milch verloren gehen kann, aber es ist kein Sauger vorne dran, der das Stillen beeinträchtigt, sondern ein stillfreundliches Mundstück.
Sie meinte, er ist eigentlich runtergefahren auf die Überlebensfunktionen und würde kaum mehr reagieren.
Hier spricht die Hebamme wohl vom sogenannten Hungerstoffwechsel... Der ist allerdings AUSGESCHLOSSEN bei 7x Stuhl und 10x Pipi in 24 Stunden.
Am Dienstag will ich in die Stillambulanz nach Bensberg und erörtern, ob die Akupunktur/Low-Level-Lasertherapie Sinn macht für uns.
Darf ich (nur interessehalber) fragen, wofür bei Dir eine Lasertherapie gut sein soll?!?..
Wir denken über ein BES nach, aber dafür brauchen wir dann wohl auch die Anleitung, die wir wohl nur in Bensberg bekommen können.
Keinesfalls ist dafür eine Reise nach Bensberg oder sonstwohin nötig. Das Stillforum hier ist VOLL VON FÄLLEN, in denen die Mütter im Umgang mit dem BES erfolgreich übers Forum angeleitet und begleitet werden konnten.
Was das Wiegen anbelangt, so haben wir die Apotheken-Waage wieder zurückgetragen. Sie hat mich fast wahnsinnig gemacht. Immer wenn ich sie ansah - und sie stand im Wohnzimmer auf dem Tisch, dachte ich daran, dass ich mein Kind fast verhungern habe lassen
Was für eine unsinnige Sichtweise (sorry, das muss ich jetzt mal so deutlich sagen). Du hast vor 6 Tagen ein Baby geboren, währenddessen wurdest Du von (zu vielen...) Hebammen begleitet, und Du hast Dir umgehend Hilfe in einem ziemlich guten Stillforum geholt. 8)
Dein Baby trinkt und scheidet reichlich aus - schon in Kürze wird es auch zunehmen. Von "Kind fast verhungern lassen" kann also NICHT ANSATZWEISE DIE REDE sein.
Eine Hebamme sagte ja (leider etwas unsensibel), früher wären Kinder von Müttern wie mir eben gestorben. Sie hat das nicht so gemeint und wollte mich trösten, aber es hallte immer nach in mir.
ähm... ja. Ich drücke Dir von Herzen die Daumen, dass Du diesen bescheuerten Spruch irgendwann wieder vergessen kannst. :?
Die neue Hebamme will auch nur alle 2 Tage wiegen, wenn morgen feststeht, dass er tatsächlich zunimmt.
Ja, das ist auch genau richtig so.

Wie gesagt, damit Du Dich nicht "entscheiden" musst, wie Du jetzt vorgehen willst (denn das kann recht belastend sein):
Bitte richte Dich künftig nach den Hinweisen Deiner betreuenden Hebamme.

LG und alles Gute weiterhin!
Julia
Weltenbummlerin
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von Weltenbummlerin »

Hallo Julia,

vielen Dank für die Beratung und auch die klaren Worte. Ich bin schon immer dankbar für eine zweite Meinung und versuche zusammen mit dem Wirbelwindpapa - gerade nach dem Betreuungschaos - selbst die Fäden in der Hand zu behalten. So bin ich z.B. auch sehr, sehr skeptisch was die Flasche anbelangt und eben auf der Suche nach Alternativen, egal was die Hebamme dazu sagt.

Auch die Lasertherapie ist auf meinen eigenen Mist gewachsen. Wenn ich es richtig verstanden habe, kann sie auch bei zu geringer Milchbildung angewandt werden. Ich wollte aber erstmal nachfragen, ob das überhaupt Sinn macht.

Bezüglich des "fast verhungern lassen" bin ich mir eben sehr unsicher. Es ist mit Sicherheit sehr übertrieben und eine emotional geprägte Wochenbett-Sichtweise einer übermüdeten und emotional noch immer recht gestressten Erstlings-Mama. aber ich sehe, dass mein Baby wie ausgewechselt ist und endlich wieder an der Brust trinkt. Mit jeder Mahlzeit besser. Ich sehe auch, dass er mal eben beide Brüste, 20 ml Muttermilch plus dann aber nochmal 78 ml Pre-Nahrung "weghaut" (weil er immer nach mehr schrie) und ich weiß, dass sonst nach den Brüsten oder den 20 ml Schluss gewesen wäre, weil das eben alles ist, was ich ihm geben hätte können.

Aber ja, ich habe Angst und die wird auch nicht weggehen, wenn ich mich stur nach den Vorschlägen der neuen Nachsorge-Hebamme richte. Das könnte ich auch gar nicht, weil ich eben mit dem Wissen von hier meinem Baby nicht die Flasche geben kann. Trotzdem sehe ich ein, dass ich a) nicht verlangen kann, dass du mich ehrenamtlich berätst, wenn ich mich dann völlig kontraproduktiv verhalte aus deiner Sicht und b) dass ich mich zwei Sichtweisen verwirren könnten. Aber die habe ich ja so oder so im Kopf - und ich finde das auch gut so. Ich bin kein Mensch, der leichtfertig etwas entscheidet oder blind vertrauen kann.

Gerade deshalb vielen vielen Dank nochmals für alles. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich da auch nicht 100% fallen lassen konnte und vertrauen konnte darauf, dass schon alles gut sein wird. Ich musste heute, als ich meinen ersten Trageausflug einmal um das Haus machte, über mich selbst lachen und weinen zugleich: Als Geburtshaus-/letztlich Hausgeburtsmama habe ich das Sicherheitsbedürfnis der Krankenhaus-mit-Neointensiv-Gebärenden nur begrenzt nachvollziehen können. Es war für mich immer klar, dass es für mich richtig ist, außerklinisch zu gebären und ich den Mut habe, da unorthodox zu sein. Beim Stillen/Zufüttern hingegen scheine ich eben nicht stark genug zu sein, sondern genau die Sicherheit zu brauchen, zu wissen, dass mein Kind im Notfall wirklich wirklich genug bekommt - selbst wenn ich rational total verstehen kann, dass du argumentierst, dass er mit den Ausscheidungen nicht im Hungerstoffwechsel gewesen sein konnte. Wir sind nicht immer alle stark :(.

Vielen vielen Dank nochmals und es tut mir leid!
Weltenbummlerin mit dem Wirbelwind (gestillt und getragen seit 8/13) und dem Sternengeschwisterchen (5/16)
Wortgewitter
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von Wortgewitter »

Liebe Weltenbummlerin,

bitte mache Dir gar keine Vorwürfe! Hier ist Dir mit Sicherheit niemand böse und Du bist weiterhin ganz herzlich Willkommen, egal, wie Du Dich entscheidest mit den verschiedenen Sichtweisen und Ratschlägen umzugehen. Denn im Endeffekt bist DU DIE MAMA und niemand außer Dir (und dem Papa) muss die Verantwortung tragen.

Hier im Forum kommt es andauernd vor, dass Frauen im Frühwochenbett mehr oder weniger direkt gesagt wird, dass ihre Kinder in irgend einer Weise leiden würden ('Verhungern lassen' ist das - unsensible - Stichwort), wenn ihre Kinder nicht SOFORT zugefüttert würden... Ich finde das persönlich sehr sehr schade, wenn Personen, die beratend tätig sein sollten, nicht bestärken sondern die ohnehin vorhandenen Selbstzweifel noch weiter 'füttern'. Zumal es meistens schlicht nicht stimmt (wie bei Dir).

Insofern mag ich Dich bestärken, weiter EUREN Weg zu gehen - und da seid ihr ja gerade fleißig dabei :wink:
Wortgewitter mit Groß (5/09) und Klein (11/11) und Winzigklein (8/15)
und zwei **

ClauWi Trageberaterin (GK 5/2012, MK 6/2013)

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte Dich wiegen und kleinsingen,
und Dich begleiten, schlafaus und schlafein...
R.M. Rilke
jusl
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von jusl »

Auch die Lasertherapie ist auf meinen eigenen Mist gewachsen. Wenn ich es richtig verstanden habe, kann sie auch bei zu geringer Milchbildung angewandt werden.
Hab ich noch nie gehört. Lasertherapie kenne ich nur im Zusammenhang mit Wundheilung (Wirkmechanismus: Bestrahlte Zellen teilen sich schneller, dadurch kann die Wundheilung beschleunigt werden).
Trotzdem sehe ich ein, dass ich a) nicht verlangen kann, dass du mich ehrenamtlich berätst, wenn ich mich dann völlig kontraproduktiv verhalte aus deiner Sicht
ähm - also meine Beratung ist ganz sicher nicht daran gekoppelt, dass jemand es dann auch genau so machen muss wie ich sage. :lol:

Ich kann Informationen geben über Sachzusammenhänge. Hab ich gemacht.
Ich kann aus meiner Erfahrung berichten, als Mutter und als Stillberaterin, die tagtäglich Frauen mit Stillproblemen berät. Hab ich gemacht.
Ich kann Dich ermutigen, Deinen EIGENEN Weg zu gehen. Tue ich hiermit ausdrücklich. ;-)
Vielen vielen Dank nochmals und es tut mir leid!
Hör bitte auf, mir gegenüber Bedauern zu bekunden. Genieß Dein Baby! :D

Alles Gute und
LG
Julia
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KänguruEmelie
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von KänguruEmelie »

Liebe Weltenbummlerin!

Deine Erfahrung berührt mich sehr. Ich wünsch dir alles Gute und finde es bewundernswert wie selbstreflektiert du mit der Situation umgehst!

Liebe Grüße
KänguruEmelie
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deidamaus
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von deidamaus »

Hallo Weltenbummlerin,

ich wünsche dir viel Spaß mit deinem Baby und möchte dir ans Herz legen, dich zu entspannen. Ich kann nur bei Julia unterschreiben. Dein Kind bekommt sicherlich genug, da es wirklich reichlich ausscheidet.

Du kannst dir ja überlegen, ob du stllfreundlich zufütterst, bis er deutlich zunimmt und dann die Zufüttermenge langsam runterfährst. Das hat mir meine Hebi bei meinem ersten Kind empfohlenen. Nach 20 Tagen habe ich sie voll gestillt und im Nachhinein betrachtet, hatte sie die PRE-Milch nicht nötig gehabt. Ich war halt auch total verunsichert, weil im Krankenhaus jefde Schwester was anderes gesagt hat. Und die Frau bei mir auf dem Zimmer auch. Also ähnlich wie bei dir.

Tue das, was für dein Gefühl richtig ist.

Liebe Grüße
Deidamaus
Liebe Grüße von deidamaus, ModTeam-Stillberatung
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08u11
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von 08u11 »

Weltenbummlerin hat geschrieben: früher wären Kinder von Müttern wie mir eben gestorben
Sorry, aber das ist Quatsch, bzw. einfach nichtssagend. Früher sind die Kinder an allem Möglichen und Unmöglichen gestorben - oft jedes 2 (in Kirchenbüchern sind zum Teil die ganz Kleinen nicht einmal in den Sterbelisten aufgeführt oder nur noch als Zahl - zu viele). Ohne moderne Medizin wären meine Jungs beide längst tot (und ich selbst sowieso). Wir leben aber nicht früher, sondern heute :D . Du hast einen gesunden kleinen Jungen, den Du vor allem genießen sollst.

Alles Gute für Euch - und viel Erfolg dabei, den für Euch richtigen Weg zu finden.
Nina mit A. (11/2008), J. (03/2011), Minimaus (28/01/15), Babyzwerg (15/02/2019) und Weihnachtsengel im Herzen (Januar 2018, 10. Woche)
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von Regenbogen82 »

Auch von mir weiterhin alles Gute für Euch!

Und auch, wenn Du jetzt nicht mehr von Jusl beraten wirst, würde ich mich freuen, weiterhin zu lesen, wie es bei Euch läuft. :)
Brüderchen (09/11) und Schwesterchen (04/13) und kleines Schwesterchen (08/16)
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Re: AW: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empf

Beitrag von honigtopf2010 »

Liebe Weltenbummlerin,

das hier wäre doch nicht das weltbeste Stillforum, wenn hier alle verbohrt und verblendet nur einen Weg kennen würden. Hier gibt es übrigens auch die Möglichkeit sich über das Stillen hinaus auszutauschen. Schau dich doch in Ruhe um!

Und dann: Ich finde es sehr schade, dass du so einen häufigen Wechsel erleben musstest. So hat dir niemand gesagt, dass die anfängliche Trinkmenge sehr geribg ist und schon wenige Tropfen genügen. Niemand hat dir erklärt, dass 20 ml Abpumpergebnis in den ersten Tagen super sind und manche Mütter mit gut gedeihenden Babys nie richtig Pumpen können. Und sorry, aber eine Hebamme, die dir zur Zufütterung per Flasche rät ist nicht stillfreundlich. Trinken an der Flasche erfordert eine andere Technik. Der Sauger löst den Saugreflex anders als die Brust azs. Manches Baby trinkt dann ohne Notwendigkeit. Mama aber denkt: Aha, Hunger! Ihr habt einfach ne rasante Geburt hinter euch und braucht Ruhe und Kraft - nicht die Xte Hebamme. Denen ist nämlich auch klar, dass sie da kräftig was versemmelt haben.

Ich wünsche euch viel Kraft euren Weg zu gehen. Bleibt kritisch und informiert euch!
die Große 03/10 und der Lütte 03/13 - Breast in Peace!
Weltenbummlerin
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Re: Zufütterung ab sofort für 5-Tage-alten Abnehmer empfohle

Beitrag von Weltenbummlerin »

Vielen lieben Dank für Eure aufmunternden Worte. Sie retten mich gerade ein wenig.. aber ehrlich gesagt nur ein wenig. Ich sitze hier und heule seit fast einer Stunde wie ein Schlosshund - zuerst sogar in eine Ecke gekauert. Ich habe das Gefühl, wirklich nicht mehr zu können. Dabei lief alles so gut.

Der kleine Weltenbummler hat erstmal kräftig zugelegt - gleich 60 Gramm an einem Tag. Er wurde immer kräftiger und das tat vor allem dem Stillen gut. Plötzlich flutschte es einfach. Wir saßen da, völlig ohne Terror und er trank einfach. Ich lernte dazu. Dass es ihn rasend macht, wenn ich ihm die Brust anbiete oder gar versuche ihn vom Nuckeln zum Saugen zu bringen. Dass er beim Nuckeln sehr wohl trinkt. Dass er Licht zum trinken braucht und dass es am besten klappt, wenn wir beide möglichst nackt sind. Gleichzeitig pumpte ich ab.. in aller Regel rund um die 30 ml, manchmal sogar 40. Die bekam er dann auch noch. Pre brauchte er nur noch 20 ml, was okay war.

Auch so wurden wir beide kräftiger. Vorgestern waren wir im Tragetuch einmal um die Häuserblock laufen, gestern haben wir es schon die 400 Meter bis in den Park geschafft und uns da unter einen Baum gesetzt. Das Leben kehrte zurück und wir waren seelig - und stillten.

Gestern war dann die neue Nachsorge-Hebamme wieder da: 10 Minuten. Sie hat ihn eben gewogen und dann noch kurz auf meine Naht geguckt und weg war sie wieder. Sie sagte, sie komme frühestens am Dienstag wieder, aber nur wenn wir da nicht die U2 hätten. Ach nein, das wichtigste hatte ich vergessen. Ich hatte gerade 1,5 Stunden gestillt und dann noch 33 ml Muttermilch gegeben und wir (Papa und ich) waren der Meinung, er sei satt. Die Hebamme hat ihm dann einfach das Fläschchen mit der Pre ins Maul gestopft, die wir sicherheitshalber angerührt hatten - vor dem langen Stillen. Nachtisch meinte sie, das muss sein. Er hat vorher NIE Pre aus dem Fläschchen bekommen, sondern nur mit dem Löffel im Spuck & Go-Modus. Aber er trank alles brav.. und dann gab sie ihm nochmal was. 60 ml waren es nochmal. Wir hatten 30 angerührt, sicherheitshalber - den Rest kippen wir einfach weg. Sie ordnete Nachschlag an.
Wir kippen dann den Rest einfach weg, ehrlich gesagt.. meine Hochachtung für Pre ist sehr gering. Ich hasse das Zeug. Wir hassen das Zeug. Es mag Leben retten, aber es stinkt für mich und es scheint meinem Baby zwar keine enormen Schmerzen zu bereiten, aber es nicht schön, zuzusehen, wie er plötzlich pressen muss beim Stuhlgang, wie er plötzlich spuckt und naja - die schlimmste Erfahrung hatten wir ja noch vor uns. Bis gestern Nachmittag hasste ich Pre vielleicht noch nicht so sehr.

Die ganze Prozedur dauerte dann aber halt schon wieder 2 Stunden und wir hatten ja die Regel bekommen, spätestens 3 Stunden nach Mahlzeiten-Beginn wieder anzulegen. Also weckte ich ihn nach einer Stunde wieder - oder besser gesagt, wir versuchten es. Es war der blanke Horror. Wir haben das Kind nicht wach bekommen. Zum ersten Mal kam er uns wirklich apathisch vor. Wir haben ihm Dinge angetan, die mir jetzt noch die Tränen in die Augen treiben. Es fing sanft an mit ausziehen, Ohren und Füße massieren, die üblichen Tricks hier aus dem Forum sowieso. Aber nichts half, nichts. Augen auf, Augen zu. Kein quäken, keine Reaktion. Ich bließ ihm ins Gesicht, der Papa bließ hohe Kreischtöne auf der Mundharmonika, spritzte ihm Wasser ins Gesicht (er ist nicht der größte Fan des Waschlappens.. untertrieben ausgedrückt.), am Ende hielt der Papa die Füße sogar in eiskaltes Wasser und ich kniff ihn in die Fußsohlen wie beim Neugeborenen Screening. Er schrie nicht, er wachte nicht auf. Ich sagte nach gut 50 Minuten dieser Versuche: Gut, noch 10 Minuten dann müssen wir ins Krankenhaus fahren. Irgendwas stimmt hier nicht. Ich hätte gerne eine Nachsorge-Hebamme angerufen, aber die neue war nicht gerade anruffreundlich. (Im Morgengrauen schien die Pumpe kaputt gegangen zu sein und meine Brüste schmerzten schon höllisch, der Kleine war aber wirklich satt, satt, satt und saugte nur noch kurz - wir riefen sie an und sie sagte nur: "Macht nix, morgen bestellen wir Medela."). Wir fühlten uns so alleine.

Der Papa sagte: Vielleicht ist er einfach überfressen. Ich sagte: Ich habe solche Angst. Er sagte: Wenn er wirklich etwas ernsthaftes hätte, wären wir schon längst im Krankenhaus bei allem, was er bisher durchgemacht hatte.

Plötzlich wachte er doch noch auf, ganz friedlich und schnappte sich die Brust und saugte wie ein Weltmeister - nur kurz, aber so kräftig wie seit Tagen nicht mehr. Damals folgten wir noch der Regel, ihm mindestens 15 Minuten ausschließlich die eine Brust anzubieten. Immer wenn er schrie, gab ich ihm kurz dem Papa und der gab ihm den Finger mit ein bisschen Muttermilch. Danach kam er wieder zurück und saugte weiter. Das ging 1 1/4 Stunden so und irgendwann fingen wir einfach an, die Brust immer zu wechseln. Es klappte super. Wir beschlossen ihm zu dieser Brustmahlzeit und den 30 ml abgepumpter Muttermilch keine Pre mehr zu geben.

Drei Stunden ab Beginn der Mahlzeit (und damit 4 ab Beginn des Weckversuches) weckten wir ihn wieder. Er schnappte sofort zu und ich stillte ihn 2 Stunden und 25 Minuten - durchgehend im Wechselstillen. Ich dachte, wir hätten es geschafft. Danach pumpte ich nochmal ab, magere 5 ml - aber wen wundert das. Das Problem war allerdings, dass es mittlerweile schon 0.05 Uhr war und wir alle sehr erschöpft waren. Bis zur nächsten Mahlzeit nach der 3 Stunden ab Beginn-Regel wären es nur noch 25 Minuten gewesen. Ich konnte aber echt nicht mehr. Also sagten wir: okay, wir machen jetzt bis 2.30 Uhr Pause, es geht nicht sonst. Es sei denn er meldet sich vorher.

Um 2.30 Uhr wiederholte sich die Prozedur: 1 1/4 Stunden Wechselstillen bis er anfing sie anzuschrien. Wäre die Uhrzeit nicht gewesen, hätten wir ihn rumgetragen und wieder angelegt. So pumpte ich die letzten 20 ml ab und die bekam er dann. Wir hatten vorher beschlossen, dass wir es in solchen Fällen ohne Pre versuchen würden. Die Bedingung des Weltenbummler-Papas war allerdings, dass er ihn vor und nach dem Trinken wiegen wollte. (Die doofe Waage ist noch immer da und wieder ausgepackt vom Papa.) Ich warnte ihn und sagte, das geht nicht gut. Er meinte, ich sag dir die Ergebnisse ja nicht und war nicht abzuhalten von dem Plan.

Zunächst funktionierte es dann auch. Er war nach dem Stillen und Mumi zufüttern 50 g schwerer als vorher. Um 5.30 Uhr klingelte wieder der Wecker. Ich war fix und fertig, kam kaum hoch, alles drehte sich. Traubensaft und der Wille halfen aber dann doch und um 5.45 Uhr stillten wir wieder. Es lief nicht ganz so gut, aber völlig zufrieden stellend. Er quäkte, trank an einer Brust, quäkte, wir wechselten, er trank, er quäkte. Bis 7:30 Uhr. Dann schrie er nur noch - so wie uns die Hebammen gezeigt hatten, wenn er Hunger hatte, und ich sagte: Ich kann nicht mehr, ich kann wirklich nicht mehr. Ich pumpe jetzt den Rest ab und du fütterst ihn. Ich kann einfach nicht mehr. Ich kam mir so schäbig vor, aber ich hatte das Gefühl, wirklich nicht mehr zu können.

Der Papa wog ihn und er wog weniger als vor der Mahlzeit. Der Papa sagte: Das geht nicht, wir müssen ihm wieder Pre geben. Du schaffst das noch nicht, Liebste. Es nützt uns dreien nichts, wenn du dich ruinierst. Er hat Hunger, ich will nicht, dass er leidet. Ich sagte: Ich will auch nicht, dass er leidet. Aber was, wenn er wieder so apathisch wird? Ich kann da nicht nochmal durch.

Ich setzte mich an die Pumpe, obwohl ich am Ende war und der Papa sagte: geh ins Bett. Aber ich wollte, dass er wenigstens wieder Muttermilch hat zum zufüttern und nicht dieses sch.. Pre nehmen muss. Die Pumpe saugte nur an einer Brust (es ist eine beidseitige und angeblich soll das ja die Milchmenge erhöhen). Ich setzte tapfer wieder an. Es floss ganz ganz wenig. Ich saß da und musste warten, qualvolle 15 Minuten lang. Ich dachte nur: sch.., in weniger als 60 Minuten musst du wieder Milch haben, musst du wieder aus dem Bett. Wie soll das nur funktionieren? Der Papa und der Wirbelwind waren längst im Bett. Irgendwann kamen sie nochmal kurz und die Pumpe rutschte erneut ab. Da drehte ich durch, pfefferte die Pumpe neben mich. Es waren ohnehin kaum (aber kostbare 10 ml) drin. Ich rannte auf den Balkon und sagte: Lass mich in Ruhe, lass mich in Ruhe, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr. Naja.. und da weinte ich, heulte eher und sagte, wenn der Papa versuchte, mich zur Vernunft zu bewegen, Dinge wie: Der Weltenbummler soll sich halt eine andere Mama suchen, eine die genug Milch für ihn hat.

Gleichzeitig kam und komme ich mir so verloren vor. Ich brauche Hilfe. Ich überlege Hebamme X anzurufen, die ab heute wieder Dienst hat. Aber das ist die mit dem Spruch, dass Kinder wie meiner früher gestorben wären. Die neue Nachsorge-Hebamme hat relativ klar gemacht, dass sie Notfall-Anrufe nicht schätzt. Die Stillberaterin vor Ort hat bis heute nicht zurückgerufen. Die Stillambulanz ist heute geschlossen. Es gibt eine Notfall-Telefonnummer, aber bin ich wirklich ein Notfall? Oder dramatisiere ich einfach nur unnötig? Brauche ich noch eine Meinung? Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Eigentlich wollte ich bei all der Hilfe, die ich hier bekommen habe, meinen Fall erst wieder schildern, wenn wir es geschafft haben.. um anderen Mut zu machen.

Aber dadurch, dass ich das hier getippt habe (während ich eigentlich schon wieder seit 20 Minuten stillen sollte), habe ich wenigstens aufgehört zu heulen und kann jetzt mein Kind holen und an die Brust legen. Ich weiß nur nicht, wie lange ich das durchhalten kann und ob das, was ich tue überhaupt richtig ist. Ich weiß aber genau, dass das es wenig sinnvoll ist, mich so fertig zu machen. Ich tue, was ich kann.. vermutlich liegt sogar der größte Fehler darin, dass ich mehr tue, als ich kann. Aber wo ist die Grenze?

Irgendwann hoffe ich, dass ich mich auch mal in den anderen Forumsteilen beteiligen kann.. aber ich habe neben dem Stillen und dem Versuch, mich selbst zu erhalten durch Essen trinken und schlafen kaum Zeit für irgendwas. (Wir sind hier allerdings auch ganz alleine, der Papa und ich. Der Papa ist Vollwaise, meine Eltern stecken in Peru fest, der Rest der Familie ist weit weg, die nahen Freunde sind gewollt kinderlos oder verwaiste Eltern und dementsprechend zwar verständnisvoll, aber nur bedingt unterstützend. Da heißt es dann schon mal: Spiel nicht die Heldin, sondern fahr endlich ins Krankenhaus. Oder noch besser: "Ruf den Notarzt, wenn es dir zu schlecht geht (6 Tage nach der Hausgeburt) um 50 km einfach per ÖPNV in die Stillambulanz zu fahren." Immer wieder: "Spiel nicht die Heldin." Ich gehe schon nicht mehr ans Telefon, außer die (Ur)oma ruft an, die sagt immer nur, wie tapfer ich bin, dass ich es versuche und dass ich es schon schaffen werde.)

Aber ich hole jetzt wirklich mein Kind, das mit Papa kuschelt. Ich bin jetzt ruhig genug. Danke fürs Lesen und Mitfühlen.
Weltenbummlerin mit dem Wirbelwind (gestillt und getragen seit 8/13) und dem Sternengeschwisterchen (5/16)
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