Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang
Verfasst: 06.09.2013, 11:11
Seit wann gibt es Muttermilchersatz?
"Die künstliche Kinderernährung im engeren Sinne, d.h. der vollständige Ersatz der Ernährung der Neugeborenen an der Mutterbrust durch Zufuhr von Nahrungsstoffen, die man dem Tier- und Pflanzenreiche entnimmt und einer entsprechenden Zubereitung unterwirft, ist noch verhältnismäßig jungen Datums. Wo von der Ernährung der Kinder mit Brei, Honig etc. bei den Römern und Griechen die Rede war, galt dies immer für die Zeit nach der Entwöhnung oder als Beikost, als Unterstützung bei der Ernährung an der Brust, falls die Mutermilch bezw. die Ammenmilch nicht ausreichend war. Der gänzliche Ersatz der Frauenmilch durch andere Nährmittel ist im Altertum wie gesagt, völlig unbekannt. Nirgend findet man, nach der Aussage von Biedert (l.c.), bei den alten Schriftstellern bis zu den Arabern einschliessliche die Möglichkeit erwähnt, die Neugeborgenen vor der Entwöhnungszeit anders als an der Brust aufzuziehen. Auch in den neueren Werken von Meyer, Niluport, Wachsmuth, Friedländer, Fustel de Coulanges, Guhl und Koner, wo die Sittengeschichte des Altertums auf das genaueste geschildert, fehlt jegliche Mitteilung über künstliche Ernährung des Neugeborenen. Erst im 15.Jahrhundert Metlinger (1473) und später im 16. Jahrhundert Rösslin (1522) weisen auf die Ernährung der Säuglinge mit anderer Nahrung als Muttermilch hin.
Die künstliche Ernährung der Säuglinge wurde zunächst rein empirisch betrieben. Tiermilch und insbesondere Kuhmilch galt seit altersher als die einzige für das Kind im 1. Lebensjahre angemessene Nahrung und wurde daher als die berufene Vertreterin der Muttermilch angesehen. Durch Aehnlichkeit des Aussehens sowie des Zweckes, zu dem die Tiermilch von der Natur geschaffen worden ist. wurde man von Anfang an darauf hingewiesen, dieselbe als Ersatzmittel für Frauenmilch zu verwerten.Von einer zielbewussten, mehr oder weniger wissenschaftlich begründeten Methode der künstlichen ernährung der Säuglinge konnte aber bis zum 18. Jahrhundert gar keine Rede sein."
"Zur Entwicklung der Lehre von der Säuglingsernährung", Inaugural-Dissertation, Movscha Leibsohn, 1903, S.8f
"Die künstliche Kinderernährung im engeren Sinne, d.h. der vollständige Ersatz der Ernährung der Neugeborenen an der Mutterbrust durch Zufuhr von Nahrungsstoffen, die man dem Tier- und Pflanzenreiche entnimmt und einer entsprechenden Zubereitung unterwirft, ist noch verhältnismäßig jungen Datums. Wo von der Ernährung der Kinder mit Brei, Honig etc. bei den Römern und Griechen die Rede war, galt dies immer für die Zeit nach der Entwöhnung oder als Beikost, als Unterstützung bei der Ernährung an der Brust, falls die Mutermilch bezw. die Ammenmilch nicht ausreichend war. Der gänzliche Ersatz der Frauenmilch durch andere Nährmittel ist im Altertum wie gesagt, völlig unbekannt. Nirgend findet man, nach der Aussage von Biedert (l.c.), bei den alten Schriftstellern bis zu den Arabern einschliessliche die Möglichkeit erwähnt, die Neugeborgenen vor der Entwöhnungszeit anders als an der Brust aufzuziehen. Auch in den neueren Werken von Meyer, Niluport, Wachsmuth, Friedländer, Fustel de Coulanges, Guhl und Koner, wo die Sittengeschichte des Altertums auf das genaueste geschildert, fehlt jegliche Mitteilung über künstliche Ernährung des Neugeborenen. Erst im 15.Jahrhundert Metlinger (1473) und später im 16. Jahrhundert Rösslin (1522) weisen auf die Ernährung der Säuglinge mit anderer Nahrung als Muttermilch hin.
Die künstliche Ernährung der Säuglinge wurde zunächst rein empirisch betrieben. Tiermilch und insbesondere Kuhmilch galt seit altersher als die einzige für das Kind im 1. Lebensjahre angemessene Nahrung und wurde daher als die berufene Vertreterin der Muttermilch angesehen. Durch Aehnlichkeit des Aussehens sowie des Zweckes, zu dem die Tiermilch von der Natur geschaffen worden ist. wurde man von Anfang an darauf hingewiesen, dieselbe als Ersatzmittel für Frauenmilch zu verwerten.Von einer zielbewussten, mehr oder weniger wissenschaftlich begründeten Methode der künstlichen ernährung der Säuglinge konnte aber bis zum 18. Jahrhundert gar keine Rede sein."
"Zur Entwicklung der Lehre von der Säuglingsernährung", Inaugural-Dissertation, Movscha Leibsohn, 1903, S.8f