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Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 23.03.2012, 13:57
von jusl
Liebe Lamama,

nur weil DEINE 3 Kinder keine Probleme mit Saugverwirrung hatten, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Ich bin Stillberaterin seit 2005 und habe Hunderte Mütter und Kinder bei der Überwindung schwerer, eindeutig durch künstliche Sauger (mit-)verursachte Saugstörungen begleitet. Deshalb ist MIR wichtig, dass der Gedanke in den Köpfen landet, dass für das notwendige Zufüttern ANDERE Methoden gewählt werden sollten, falls den Müttern am Stillen liegt.

ALLE Maßnahmen können Nutzen bringen, haben aber jeweils auch Risiken und Nebenwirkungen. EUCH brachte die Flaschenverwendung Nutzen; das ist schön. Alle Stillfachleute sind sich aber einig, dass bei der Flaschenverwendung bei jungen Säuglingen, insb. wenn schon Stillprobleme vorliegen(!), die möglichen Risiken den möglichen Nutzen deutlich überwiegen. Soll heißen: In einigen wenigen Fällen geht es gut (so wie Deinem), in viiiiielen anderen gibt's dann erst recht massive Probleme. Da nützt dann auch alle innere Lockerheit leider gar nichts mehr.
Ich kenne viele Mütter, für die mit der Flasche nur deshalb das Anfang vom Ende kam, weil sie von Anfang am diesen fiesen Gedanken im Kopf hatten, dass sie bloß nicht die Flasche geben dürfen,dadurch in Stress gerieten und letztlich gewissermaßen innerlich aufgegeben haben.
Diese Aussage verstehe ich nicht. Du schreibst, Du kennst viele Mütter "für die mit der Flasche [...] das Anfang vom Ende kam" - das heißt, diese Mütter wollten eigentlich gerne stillen? Haben aber angefangen Flasche zu geben? Und Du meinst, dass der Stress oder die Gedanken der Mütter währenddessen dazu führten, dass sie dann komplett mit Stillen aufgehört haben, oder wie?!? Vielleicht kannst Du das noch mal etwas präzisieren? :)

LG
Julia

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 23.03.2012, 14:04
von Lamama
Ich habe garnicht nicht gesagt, dass es die Saugverwirrung nicht gibt, sondern nur, dass meine Kinder sie nicht hatten.

LG

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 23.03.2012, 14:11
von jusl
Ja, das habe ich verstanden. :wink: Mein Bemühen hier in diesem Forum gilt aber dem Anspruch, dass das möglichst ALLE interessierten Leserinnen verstehen. ;-)

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 23.03.2012, 16:08
von hennnamae
jusl hat geschrieben:nur weil DEINE 3 Kinder keine Probleme mit Saugverwirrung hatten, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Ich bin Stillberaterin seit 2005 und habe Hunderte Mütter und Kinder bei der Überwindung schwerer, eindeutig durch künstliche Sauger (mit-)verursachte Saugstörungen begleitet. Deshalb ist MIR wichtig, dass der Gedanke in den Köpfen landet, dass für das notwendige Zufüttern ANDERE Methoden gewählt werden sollten, falls den Müttern am Stillen liegt.
Danke dafür! (ich find deine Beiträge hier immer wieder ganz toll)

Lamama, ich muss gestehen, wenn ich deine Beiträge mit meiner Erfahrungs-Brille lese, komme ich mir etwas angegriffen vor. Ich glaub, das möchtest du nicht, aber es kommt so an... Ich habe ein wirklich riesen großes Problem damit, dass ich bei meiner Tochter nicht mehr gemacht. Mehr Hilfe gefordert habe, mehr Selbstvertrauen gehabt habe, mehr Wissen gehabt habe, mehr gekämpft habe. Das ist ein wirklich wirklich großes Problem. Zum einen hab ich da dieses "halb verhungerte" Kind, das "dank" der Flasche endlich auch etwas zu Essen bekommen hat - auf der anderen Seite habe ich mein persönliches Scheitern. Mein Scheitern bezieht sich nicht auf die Tatsache, dass es mit dem Stillen nicht so geklappt hat, wie es für mein Empfinden normal gewesen wäre (nämlich so, wie es dann bei meinem zweiten gelaufen ist - total unspäktakulär und unglorifizierend), sondern dass ich "aufgegeben" habe, nicht für mein Kind gekämpft habe. Da hab ich richtig einen Weg und würde am liebsten jedes Mal heulen, wenn ich daran denke. Aber nein, ich bin groß, mein Kind ist gesund und glücklich.... Es geht ja "nur" ums Stillen...
Jetzt klingen deine Beträge für mich sehr.... hmmm..... drüberbürstend. Als wär das alles lockerleicht und null problemo. Es WAR ein RIESEN Problem. Sie nahm von Anfang an die Brust, wenn überhaupt, nur mit Stillhütchen "richtig" (=kaute auf dem Nippel rum, Vorhof war komplett draußen). Ohne Hütchen wars ein Drama (ich hätte mir die keinesfalls aufschätzen lassen sollen von der $%&/()= Hebamme), nichts ging. 3 Monate lang habe ich die Maus praktisch tagsüber den kompletten Tag gestillt. Bis 16:00 hier und da mal mit ner Pause, dann durchgehend bis um 21:00 oder so. 900g in drei Monaten... Da ist es LOGISCH, wenn das Kind zum ersten mal fließende Nahrung im Mund spürt, dass es die Brust komplett ablehnt. Das ist dann keine Frage eines guten Stillmanagements mehr. Dass ist dann ein Überlebenskampf des Kindes! In so einem Fall bedeutet die Flasche dann das aus. (meistens) Eine gute, einfühlsame und fachkundige Hilfe hätten sicher die Stillbeziehung eher retten können als die Flasche.

Irgendwie schweifen wir arg vom Thema ab...? Ich will definitiv keine Angst vorm Stillen machen. Aber sowas gehört auch dazu. Das ist die Realität - aber das sind alles Probleme, die gelöst werden können. Zum Glück gibt es so tolle Stillvereinigungen, die einem ganz ganz GANZ viel Rat geben können - der auch auf jeden Fall abgeschöpft werden sollte. Denn so gut wie jede Frau kann Stillen - nur sie muss es manchmal erst auch ein bisschen lernen. Das ist garnicht schlimm. Und dann ist es das wunderbarste, unkomplizierteste, natürlichste, simpelste, nein, nicht beste, sondern schlicht normalste der Welt. Das grandioseste an meiner zweiten Stillbeziehung war diese sagenhafte Normalität. Es hat sich noch nie im Leben etwas zu gleich so richtig wie auch simpel für mich angefühlt. Es war emotional intensiv, aber dennoch leicht. Das ist es, was ich in der ersten Stillbeziehung vermisse. Nicht die himmelhochjauchzenden Gefühle, wenn ich mein Kindlein verliebt anschaue. Sondern dieses normale. Das selbstverständliche. Keinen Stress, keine unnötigen Vorkehrungen, kein Hantieren mit Wasserkochern, keine Vorratshaltung, kein Planen und kein Schleppen. Einfach T-Shirt hoch, Kind ran. Und fertig. So wies sein soll.

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 23.03.2012, 19:33
von tania
ich kenne eher, dass die flasche verharmlost wird. ich kenne kaum frauen die stillen und die wissen, dass flasche geben zu massiven stillschwierigkeiten führen kann. ich red mir den mund fusselig und es kommt "ach, er nimmt beides ohne probleme" und wenn ich sie nach nem monat treffe, stillen sie nicht mehr (dann doch schlecht gesaugt, milch zurückgegangen, aus). die panik, dass die flasche der anfang vom ende ist, kenne ich eigentlich nur von frauen, die dann eben mit becher oder BES oder weißdergeier zufüttern. weil wenn ich eben diese panik (lass es uns berechtigte sorge nennen) vor der flasche haben, kann ich trotzdem wenn nötig mein kind mit kunstmilch oder abgepumpter milch füttern. denn es gibt ja alternativen.

Stillen Kontra flasche

Verfasst: 23.03.2012, 19:43
von greenie bird
hier auch so- ich wusste auch nichts von Saugverwirrung bis ich irgendwann mal zur stillberatung gegangen bin mit meiner 3 Monate alten Tochter. Im KH gab es wegen der Gelbsucht die Milch abgepumpt aus der Flasche, obwohl mein MSR eher Turbobetankung ist( das hat sich aber niemand angesehen und ich dachte, das ist bei allen Frauen so) -naja so ganz korrekt Trank meine Tochter nicht, aber sie war immer satt. es fiel mir nur mal beim lesen eines Flyers auf, wo richtig angedockte Kinder zu sehen waren.
sie bekam natürlich auch am 2. oder 3. Tag einen Schnuller ...wir hatten zum Glück trotzdem eine erfüllende stillbeziehung.


$3n7 ƒr0m m0b1£3

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 24.03.2012, 12:59
von Lamama
Liebe Hennamae,

nein natürlich habe ich dich nicht angegriffen und runtergespielt auch nicht. Ich habe wie du eine harte Zeit hinter mir, mit vielen Tränen, Selbstvorwürfen, Verzweiflung. Meine Tochter war fix und fertig und ich war es, weil ich mein Kind "hatte Hungern lassen". Hinzu kam, dass mein 1. Kind nur kurz gestillt wurde und ich es sehr sehr sehr vermisste. Es war also alles andere als leicht, aber wir haben es geschafft und da bin ich froh drum und auch stolz drauf.

Re: Stillen Kontra flasche

Verfasst: 24.03.2012, 19:29
von hennnamae
Lamama hat geschrieben:Liebe Hennamae,

nein natürlich habe ich dich nicht angegriffen und runtergespielt auch nicht. Ich habe wie du eine harte Zeit hinter mir, mit vielen Tränen, Selbstvorwürfen, Verzweiflung. Meine Tochter war fix und fertig und ich war es, weil ich mein Kind "hatte Hungern lassen". Hinzu kam, dass mein 1. Kind nur kurz gestillt wurde und ich es sehr sehr sehr vermisste. Es war also alles andere als leicht, aber wir haben es geschafft und da bin ich froh drum und auch stolz drauf.
Da kannst du auch stolz auf dich sein. Es kam nur so locker flockig rüber... Aber wie ich schon sagte, kann das durchaus ein Empfangsproblem sein, weil ich da noch nen riesen unbearbeiteten Berg an Problemen bei dem Thema hab, und muss kein Sendungsproblem sein :wink: