Der Waldorfthread

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asujakin
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von asujakin »

Ich sag ja... :mrgreen: Wir sind uns in vielerlei Hinsicht ähnlicher als du denkst :mrgreen: Oft sieht man das selbst halt einfach später, wenn man drauf gestoßen wird. (oder versucht noch eine Weile erstmal abzulehnen, was die eigenen Eltern so vorleben, bis man sich darin doch erkennt).

Zu deinen Fragen: Die Waldorfbeiträge sind gestaffelt. Nicht jede Familie zahlt 400 Euro, manche weniger als 200. Es richtet sich nach dem eigenen Einkommen und ist zudem von Einrichtung zu Einrichtung verschieden. Unsere Beiträge zB sind denen der Stadt angepasst. In Ludwigsburg zB war's glaub so, dass es einen MINDESTbeitrag von (sofern ich mich richtig erinnere) 179.- gab, ansonsten wurde gestaffelt nach Einkommen. In der Schule wird das ähnlich sein aber wie ich oben schrieb weiß ich zumindest von der Waldorfschule Franfurt, dass da auch selbst H4-ler hinkönnen. Sofern man gewillt ist sich einzuschränken. Also...bei uns zahlen dann halt alle ein Stück mit, auch die Oma die selbst kaum was hat aber das findet sie unterstützenswert.

Und nein du musst kein Christ sein um dein Kind hinzuschicken. Ich bin es selbst ja nicht und wie ich oben schon schrieb passt es dennoch (oder gerade deshalb?) so perfekt zu uns. Der Vater meiner Freundin, von der ich weiter vorn schreibe, ist aus dem Iran und auch kein Christ. Alle 3 Kinder gingen auf die Waldorfschule.

Und Öko/Bio MUSS doch keiner leben :wink: Ich zB finde es umweltbewusster anstatt Ökokleidung NEU zu kaufen, lieber Second Hand einzukaufen und die Sachen, die bereits da sind zu nutzen...also vorhandene Recourcen zu nutzen. Ich denke das Stichwort ist einfach "Umweltbewusstsein". Dh. das was einem möglich ist auch zu tun. Wobei ich das jetzt nicht nur auf Waldorf münzen würde *grübel*.

Ich seh kein Problem mit "Paralellgesellschaften" weil mein Sohn ja alles mitbekommt. So wie eure Tochter auch. Sie bekommt die Kultur des Papas mit, sie wird evtl. in einen normalen Sportverein gehen, oder Musikverein, wo es eben nicht waldörflich zugeht usw. Auch hier...liegt es nicht an waldorf sondern an den Eltern zu entscheiden wie weit sie sich und die Kinder aus der Gesellschaft rausnehmen.

Zu den Medien...auch das wird individuell entschieden. Ob IHR nun TV schaut ist was anderes als ob euer Kleinkind das mitbekommt zB. Es ist halt nunmal so, dass Medien die Kinder beeinflussen. Actioncomicserien sie "aufputschen", das Radiogedudel auch auf ihre Stimmung wirkt usw. Dh. damit "belastet" man die Kinder und sie sind nicht mehr frei, die Energie ist nicht ihre eigene sondern alles wirkt auf die Kinder. Und dennoch schaut mein Sohn ausgewählte Sachen. Dennoch finde ich es wichtig, dass er lernt mit dem PC umzugehen weil das heutzutage unheimlich wichtig ist. Dennoch finde ich es ok wenn ein krankes Kind eingekuschelt auf dem Sofa mit Mama einen Film schauen kann. Solang ich das noch steuern kann WAS er da schaut is alles ok. Später ist das eh nicht mehr möglich.

Meine Freundin von damals übrigens...war so GAR NICHT Waldorf. Sie ging zwar in den KiGa und später in die Schule aber war eine richtige Diva, schaute gern ihre Soaps und ging zu McDoof :lol: Sie rauchte, feierte das ganze Wochenende, trank, hatte ihre Männergeschichten, ihr Bruder wurde mit 16 Vater...und das obwohl sie aus sehr gutem Hause kamen und dort waren. Schützt halt alles nix denn das Leben hält halt doch zuviel bereit ausserhalb dieser "Waldorfwelt" und genau das finde ich wichtig da beides in Einklang zu bringen und sinnvoll zu verbinden.

ICH persönlich würde das mit dem Leistungsdruck andersrum sehen. Ist ein 10-jähriges Kind schon in der Lage einen solch gesellschaftlichen Leistungsdruck standzuhalten? Wann machen Kinder zu, wie lange soll ein Kind noch KIND sein dürfen und ist es sinnvoll in so jungen Jahren in Noten bewertet zu werden, Konkurrenzdenken zu fördern usw. Dazu fand ich neulich diesen Artikel in der "Zeit" so toll wo der Vater an seine Tochter schrieb die nie Zeit hat weil sie nur noch am lernen ist um ihr Pensum zu schaffen, keine Zeit hat sich mal zu langweilen usw. DAS finde ich krank ganz ehrlich.

Und Waldorf heißt nicht, dass Kinder nicht lernen müssen ;) Das wäre der Unterschied zur freien Schule wo die Kinder das tun was sie interessiert und nach ihrem eigenen Tempo gehen (was auch seine Vorteile hat, vor allem wenn ich das aus der "unerzogen-Sicht" betrachte). Der Schulabschluss fliegt den Waldorfschülern ja nicht zu :wink: Dh. für's Abitur pauken sie genauso wie andere Abiturienten, müssen den gleichen Stoff erfüllen. Sie haben einfach nur andere Lernmethoden, sie haben mehr Zeit sich an diese Umstellung zu gewöhnen als auf der Regelschule. Es ist eben alles irgendwie den natürlichen Entwicklungsstadien besser angepasst *find*.

Meine eine Bekannte von der ich hier schreibe ist mittlerweile ausstudiert und hat einen genialen Job in London gefunden, schult dort Manager und reist durch ganz Europa, verdient gut und ist happy. Sie hatte anfangs Schwierigkeiten sich zu entscheiden, was sie studieren will aber das geht ja anderen genauso. Ihr Bruder hat soweit ich weiß auch studiert und ihre beste Freundin ist nun bei Ärzte ohne Grenzen wie ich kürzlich erfahren habe.

Ich glaube auch hier ist es ganz stark davon abhängig was man selbst für sich erreichen will, welche Unterstützung man von Zuhause bekommt usw. Ich empfand den Druck in der Oberstufe der Waldorfschule nämlich schon als ziemlich stark. Sie müssen ja auf ihr Pensum kommen und wenn ich mich recht erinnere haben sie zudem viele Sachen nochmal ganz neu aufgefrischt was wir auf dem normalen Gymi nicht gemacht haben. Ich denke also man kann nicht sagen, dass es die Waldorfkinder generell schwerer haben sich anzupassen in der Gesellschaft...sondern dass es einfach individuell ist. Das ist halt so ein Thema was man sich gerne raussucht und sich an den "Versagern" dann aufhängt und die als Beispiel nimmt. Schaut man genau, so findet man die aber in allen Schularten :wink:
asujakin
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von asujakin »

Achja und dann noch ein Denkanstoss den wir bei "unerzogen" auch schon hatten:

In wie weit muss/soll man sich "der Gesellschaft" denn anpassen? Und sind wir nicht auch ein Teil dieser Gesellschaft die einen anderen Weg gehen? Gehört das nicht genauso mit dazu? Sonst gäbe es diese Schulen ja gar nicht, wenn sie nicht ein Teil davon wären? MACHEN wir denn nicht die Gesellschaft? Legen wir nicht den Grundstein dafür wo die Gesellschaft sich hinbewegen soll? Wo ist der Fortschritt wenn niemand es anders macht sondern man sich ständig unterordnet und "folgt" um es einfacher im Leben zu haben? :wink:
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von hennnamae »

Also ich sehe das mit der Religion schon differenzierter :oops: Als gläubige katholikin KANN ich mich zwar mit (sehr) vielen Punkten Steiners Christologie und überhaupt religiösen Ansicht nicht anfreunden, nichtsdestotrotz basiert die Anthroposophie im Grunde auf einer christlichen Weltanschauung. Das ist nicht "och, Christentum ein bissel blingeling im Weltzusammenhang und den Vorgängen der Natur gedacht". Klar bezieht Steiner christliche "Ereignisse" auf kosmische Zusammenhänge. Nichtsdestotrotz ist es eher christuszentriert als naturzentriert!!!
Dennoch weiß ich das Bewusstsein um die "kosmischen" Vorgänge, die natürlichen Rhythmen in Parallelität zum katholischen Rhythmus zu schätzen und lasse es auch mit in unsere Jahresfeste einfließen, auch wenn mir Steiners Christologie.... naja... ziemlich abgeht :oops:
Und Asu, bitte, wenn du glaubst, Ostern hängt sich an Ostara auf, dann BITTE bitte lies nocheinmal die Ostergeschichte in der Bibel nach. Zwar wurde viel Brauchtum aus der vorchristlichen Zeit mit ins Osterbrauchtum getragen, doch wenn es ein christliches Fest gibt, dass terminlich nicht auf ein vorchristliches Fest bezogen ist, dann Ostern :wink:

Wir leben "relativ" waldörflich. Waldorf ist NICHT = bio/öko. Waldorf ist bewusst, aber nicht gleichzusetzen. Wenn man sich im "richtigen" Leben waldörflich orientieren möchte, sollte man auf das demeter-Zeichen achten. Nichtsdestotrotz gehört ein umweltbewusstes (und das betrifft für mich nicht nur die Natur, sondern vor allem die menschliche Umwelt in der wir uns bewegen) Umgehen mit Ressourcen in dem Rahmen dazu, in dem ich es leisten kann.

Unser Zuhause, insbesondere unser Kinderzimmer ist schon sehr waldorf. Ich sehe es nicht ein, für Plastik Geld zu bezahlen, wo ich Dinge selbst aus nicht-Plastik machen kann. Spielzeug muss für mich natürlich, einfach, vielseitig, "echt" sein. Wir haben zwar viel zu viel "konkretes" Spielzeug, aber das ist hochwertig, aus Holz bzw. Naturmaterialien, und trotz allem Zuviel noch weniger als der Durchschnitt im Kinderzimmer hat.
Das "echt" und "angemessen" an Spielzeug ist mir sehr wichtig. Grad im ersten Jahrsiebt finde ich es ganz ganz wichtig, dass ich die Welt den Kindern auf die Weise versuche zugänglich zu machen, wie sie ist. Deshalb gibt es hier z. B. kein lackiertes Holz - denn der Bauklotz soll mit allen Sinnen als das Begriffen werden, was er ist. Haptisch, optisch, vom Gewicht, Geruch, usw. Deshalb haben die Kinder auch Puppengeschirr aus Keramik und nicht aus Plastik. Unser Geschirr in der Küche ist nämlich auch aus Porzellan/Keramik, schwer, kalt, zerbrechlich! Jedem Kind ist genau ein Teil kaputt gegangen. Wir haben es gemeinsam geklebt (ok, der kleine hat die Reparatur bei seinem zerstörten noch nicht begriffen, aber er hat das Kaput-gehen begriffen). Danach ist keines mehr zerbrochen.
Lego und Co. lehne ich nicht grundsätzlich ab - doch noch ist es nicht "angemessen". Diese Art zu Konstruieren komm. Später.

Wir haben auch ne Glotze :lol: Ich finde es wichtig, zu kontrollieren. Ganz verwehren sehe ich kritisch. Wir leben in einer medialen Welt und müssen unser Kind helfen, damit umgehen zu lernen. Leide :roll:
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von asujakin »

Nein ich sage nicht, dass Ostern von Ostara "abgeschaut" ist. Ich sage nur, dass vieles miteinander zusammenhängt und mir ist die Ostergeschichte sehr gut bekannt, ich bin konfirmiert und wie gesagt christlich aufgewachsen. Wahrscheinlich sehe ich GENAU deshalb nicht so eine dolle Differenzierung zwischen Religionen, sondern sehe viele viele Gemeinsamkeiten im Glauben und den Werten die vertreten werden. Eben weil ich beide Seiten sehr gut kenne. Ich wollte nur klar machen, dass man nicht Christ sein muss um die Waldorfpädagogik zu leben, zu verstehen und/oder umzusetzen, sondern dass da einfach noch MEHR ist. :wink: UND das Waldorf natürlich christlich ist aber eben auch uuunheimlich esotherisch :lol:
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Muschelsucherin
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Muschelsucherin »

Bei uns zahlt jeder denselben Beitrag, es sei denn man kann das wirklich nicht tragen.
Dann darf man das dem Beitragsermittlungsausschuss vortragen und es wird eine Regelung gefunden. Z.B. dass man länger zahlt als andere oder sowas.

Die wenigsten bei uns im Kindergarten sind total öko. Ich sehe da eigentlich wenige Kinder in Bioklamotten.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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asujakin
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von asujakin »

Ja, bei uns gibt es auch nur wenige Kinder, die wirklich ausschließlich Ökokleidung anziehen. Von 15 Kindern fallen mir da nur 2 ein.
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von turbomary »

Hier zahlen auch alle das gleiche. Fast 200,- unheimlich viel für uns. Aber das ist es mir wert. Die Fahrerei kommmt ja auch noch dazu... :roll:
Ich war 2 Wochen lang in der Eingewöhnungszeit live dabei und habe erlebt, was für eine grossartige Arbeit die Erzieherinnen dort machen und das muss einfach auch vergütet werden.

In der Schule sieht es anders aus. Dort sind 200,- erwünscht aber keine Pflicht.
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Muschelsucherin
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Muschelsucherin »

Hm, das fände ich hier schon günstig. Echt krass, wie stark die Beiträge varieren. Wir zahlen zurzeit 260€. Das wird aber wohl demnächst auf 280 angehoben.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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turbomary

Re: Der Waldorfthread

Beitrag von turbomary »

Wie sieht eure Betreuungszeit aus? Mit Mittagessen? Frühstück ist bei uns mit drin.

Der Kiga im Dorf kostet knapp die Hälfte.

Musst Du immer fahren oder wie kommt ihr zur Einrichtung?
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Mamika
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Mamika »

So viel zahlt Ihr für den KiGa? :shock:
Bei uns sind es etwa 65 Euro / Monat, dazu kommt dann noch der Betrag für die Stadt und das Mittagessengeld, falls gewünscht (2 Euro / Mahlzeit - kann aber nur vierteljährlich geändert werden, also keine spontane Buchung). Der Betrag ist erstmal für alle gleich, es kann aber bei Bedarf etwas reduziert werden. Die Betreuungszeit ist von 7:00 bis 13:00 bzw. 14:00. Die Kinder meiner Freundinnen sind in einem anderen Waldorf-KiGa in der Stadt und dort ist der Betrag einkommensabhängig, was in unserem Fall dann wahrscheinlich sogar preiswerter wäre.
Die Stadt möchte glücklicherweise kein Geld mehr von uns, weil M. im 3. KiGa-Jahr ist, aber mit dem KiGa-Beitrag, der Monatskarte für den Bus (die ich brauche, damit ich M. zum KiGa bringen kann) und dem Essensgeld kommt schon ein nettes Sümmchen zusammen... :oops:
Nächstes Jahr steht bei uns die Schule an und das wird dann noch mal ne ganz andere Nummer... Ich schätze, dass wir monatlich etwa bei 220 Euro liegen werden. Mal schauen, was bei den Finanzgesprächen rauskommt. Wenn man einen Partner hat, dem die Waldorfpädagogik kein Herzensanliegen ist, muss man da schon sehr gut argumentieren. :oops:
Mamika mit großer Tochter (* September 2006) und kleiner Tochter (* April 2010)
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