Tragen in der DDR?

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nkruemel
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Tragen in der DDR?

Beitrag von nkruemel »

Jetzt les ich hier so unbedarft und stelle fest: ich hab ja auch so ein Ding hier! *shock* Das kam aus der Stoffrestekiste meiner Mutter und ich dachte mir schon immer, dass das aussieht wie n Sling.


________
Entschuldigt die evtl. eigenwillige Rechtschreibung oder Grammatik - Smartphoneritis!
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minamarie
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von minamarie »

Lerche hat geschrieben:@minamarie
Deine Mutter schaut sehr hübsch aus und du auch.
Danke :D ja sie sah so wunderschön aus mit ihren Löckchen und ist auch Heute noch eine ewige Blume :heart:
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Lerche

Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von Lerche »

Aus was für nem Stoff ist die Dyade? Die glänzt so, ist das Mischgewebe?
Wie funktioniert das überhaupt mit der Kordel?
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annikki
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von annikki »

netteanne hat geschrieben:J

Aber genau deswegen interessiert mich das ja, ob diese Tücher in der DDR erlaubt waren, denn dort wurde doch fast alles getan, damit diese enge Bindung (an die Eltern, nicht an den Staat!) ja eben NICHT entsteht.
wo haste denn das gehört? na, wenn ich sowas les....... :evil:

ich bin auch in einem mantel und dann in einem dyade getragen worden. allerdings besaßen meine eltern auch einen kiwa, also alles da je nach bedarf.
Liebe Grüße Anni

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minamarie
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von minamarie »

Ich seh das aber auch wie netteanne wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftigt- Bindung an den Staat war für den Staat unterstützenswürdiger als Bindungen an Religionen oder Familie! Man "musste" ja schließlich die Kinder auf das neue Weltbild prägen damit Alle zusammenfunktionieren. Kinder kamen nicht NUR recht früh in die Krippe oder ähnliches damit die Muttis weiter arbeiten können (dann auch in den Ferien und neben der Schule und überall immer die Partei die die Kinder übernimmt usw). Klar wurde nicht verboten seine Familie zu lieben und es gab halt doch mehr Möglichkeiten als Viele denken ;) das impliziert jedoch nicht das netteanne total daneben liegt.
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antje143
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von antje143 »

Lerche hat geschrieben:Aus was für nem Stoff ist die Dyade? Die glänzt so, ist das Mischgewebe?
Wie funktioniert das überhaupt mit der Kordel?
das fühlt sich sehr synthetisch an---typisch für de DDR... :roll:
dort wo heute slings den ring haben,wurde beim dyade die kordel geschlossen...und dann der rest durchgezogen...
am besten mal die bilder der anleitung anschauen... :)
ein lieber Gruß von Bild mit
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annikki
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von annikki »

minamarie hat geschrieben:Ich seh das aber auch wie netteanne wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftigt- Bindung an den Staat war für den Staat unterstützenswürdiger als Bindungen an Religionen oder Familie! Man "musste" ja schließlich die Kinder auf das neue Weltbild prägen damit Alle zusammenfunktionieren. Kinder kamen nicht NUR recht früh in die Krippe oder ähnliches damit die Muttis weiter arbeiten können (dann auch in den Ferien und neben der Schule und überall immer die Partei die die Kinder übernimmt usw). Klar wurde nicht verboten seine Familie zu lieben und es gab halt doch mehr Möglichkeiten als Viele denken ;) das impliziert jedoch nicht das netteanne total daneben liegt.
ich bin 38 und bin in der ddr aufgewachsen. wahrscheinlich bin ich da auf irgendeinem außerordentlich nicht ddr-stern großgeworden. selbst als studierte historikerin sind mir solche beschreibungen etwas fremd. es sei denn man greift tief in die agitationskiste.
aber egal hier soll es ums tragen gehen.

sorry für das ot. ende des ot.
Liebe Grüße Anni

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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von minamarie »

annikki hat geschrieben:
minamarie hat geschrieben:Ich seh das aber auch wie netteanne wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftigt- Bindung an den Staat war für den Staat unterstützenswürdiger als Bindungen an Religionen oder Familie! Man "musste" ja schließlich die Kinder auf das neue Weltbild prägen damit Alle zusammenfunktionieren. Kinder kamen nicht NUR recht früh in die Krippe oder ähnliches damit die Muttis weiter arbeiten können (dann auch in den Ferien und neben der Schule und überall immer die Partei die die Kinder übernimmt usw). Klar wurde nicht verboten seine Familie zu lieben und es gab halt doch mehr Möglichkeiten als Viele denken ;) das impliziert jedoch nicht das netteanne total daneben liegt.
ich bin 38 und bin in der ddr aufgewachsen. wahrscheinlich bin ich da auf irgendeinem außerordentlich nicht ddr-stern großgeworden. selbst als studierte historikerin sind mir solche beschreibungen etwas fremd. es sei denn man greift tief in die agitationskiste.
aber egal hier soll es ums tragen gehen.

sorry für das ot. ende des ot.
ich sage ja auch das man es nicht ganz so krass sehen soll, aber netteanne eben auch nicht vollkommen unrecht hat das eine staatliche Bindung stärker angestrebt wurde als zb Heute! Habe schon versucht es vorsichtiger auszudrücken aber gelang mir wohl nicht ganz :wink:
Genug des OT da hast du Recht
Ist Dyade vllt Dederon? Wär zu lustig. In jedem Fall fand ich über die Firma das sie angab "wärmende Plastikfolien für Babys" herzustellen?
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antje143
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von antje143 »

hallo anni,

ich bin dann wohl dein "alter"... ;) und das der DDR...

meine mutter ging wohl ca. 6 monate nach meiner geburt wieder arbeiten,ich ab dem 9. monat in eine wochenkrippe...mit 11 monaten zur "krönung" noch 2 wochen KH ohne eltern...
ganz ehrlich: aus heutiger sicht habe ich keine bindung an meine eltern...ich weiß,sie haben das beste gewollt und gegeben,was sie hatten und konnten...sie wußten es nicht anders...ich bin mit einer mischung aus angst und gewalt irgendwie groß geworden...damals glaubte ich,das es allen kindern so geht-ich kannte es nicht anders und es war "normal"...

ich habe über 1 jahr lang mich damit auseinander gesetzt,indem ich das buch: "der lilith-komplex" gelesen habe...es kam so viel hoch dabei,deswegen waren oft nur 2-3 seiten lesen möglich...und es tut sehr weh...

ich weiß,das meine eltern nur da machten,was sie glaubten,was sie machen sollten...sie kannten es auch nicht anders...sie sind mit so viel gewalt groß geworden und auch mit lieblosigkeit...es gibt eben menschen,die auch bis heute glauben,das essen und /oder schläge = liebe sind... :? :cry:

erst mit meinen kindern kamen andere sichtweisen ins bewußtsein und ich glaube,das wird nicht aufhören...denn je älter sie werden,desto mehr kommen die sachen in mir ins bewußtsein,die eben zu dem jeweiligen alter passen...früher war ich nur tochter und heute habe ich die perspektive als tochter und mutter...und ganz ehrlich-das sind 2 soooooooooooooooo krasse welten...

ich kann nur für mich schreiben,doch durch diese art umgang mit mir wurde ich zu einer super "arbeitsmaschine" ...gefühle waren mir fremd-tränen gab es kaum und arbeit war alles,was zählte...
mein sternensohn hat einen sehr großen anteil daran,das ich eine andere sichtweise bekam...

heute kann ich sagen,das ich bis zu ihm im grunde eine "perfekte hülle" war,die existiert hat und alles tat,um "gesellschaftlich" anerkannt zu sein... er hat sein leben gegeben,damit ich meines beginnen konnte...mein leben begann mit einem sehr großen tal von trauer und sehr viel schmerz...und dahingehend bin ich erst ca. 8 jahre und ca. 4 monate jung...und jedes weitere kind hat diesen prozess voran gebracht...ich lerne weiter mit und von meinen kindern...

die DDR hatte ihre sichtweisen...die BRD ihre...in dem oben beschriebenen buch ist das sehr ehrlich geschrieben...das buch hat viel aufgewühlt und mir geholfen,neu zu sortieren in mir...

ich bin auf jeden fall genaus wenig wie meine schwester getragen wurden...ich wäre schon froh gewesen,mal mit meiner mutter gewaltfreie nähe gehabt zu haben... :?
ein lieber Gruß von Bild mit
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von annikki »

liebe antje,
das du deine kindheit so verbringen musstest, tut mir leid. ich bin anders aufgewachsen. wurde langzeit gestillt und getragen. meine oma hat mich betreut, während meine ma wieder arbeitete, ich war nie in einer kinderkrippe. zum stillen wurde ich zu meiner mutter gebracht, oder sie kam nach hause. dafür gab es stillpausen. mein älterer bruder war auch nicht in der krippe. er konnte im kindergarten nicht schlafen. da wurde die regelung getroffen, dass er bei einer frau aus dem haus mittags schläft und dann wieder in den kindergarten geht für den nachmittag. dort war er einer der letzten die nach hause wollten. meine eltern waren lehrer und mussten auch samstags arbeiten. ich war bei oma und als diese starb, war ich bei meiner ersatzomi. ich bin mit meiner familie groß geworden, obwohl zu dieser zeit ich immer noch dutzende andere "(schul)geschwister" hatte. meine eltern hatten die liebe für viele kinder, auch solche, die eben aus gewaltbelasteten familien kamen. ich habe das also ganz anders erlebt. vielleicht ist das das kleinstadtmilieu (ich komme aus ursprünglich aus crimmitschau, das ist ja ganz bei dir in der nähe. :) doch ich sträube mich dagegen, dass das alles von oben übergestülpt worden wäre. es gab die anderen möglichkeiten und es ist ebenso, wie im hier und jetzt eine persönliche entscheidung gewesen. egal, ob stillen tragen, kinderunterbringung. die vielfalt war groß. sicher mussten viele frauen schnell wieder arbeiten gehen, aber das ist doch heute nicht anders. ich kenne einige mamis, deren kinder sind gerade mal 6 und 9 monate alt und gehen in die krippe. persönliche entscheidung.
ich kann sagen, mir fehlt der feste zusammenhalt und das füreinander dasein, das ich als kind erleben durfte.
ich versuche meinen kindern meine erlernten und erlebten werte mitzugeben. das es vielleicht wieder ein wenig besser wird.

was klein leo angeht haben wir auch das gemeinsam. mein mondenmädchen lilly habe ich auch verloren in der 14. woche. sie wäre heute 6 jahre, eine wunderbare große schwester. ich liebe sie, wie meine beiden "kleinen". nur ist sie nicht da, soweit weg und ich weiß nicht wo. ich weiß nicht, wo man sie hingebracht hat, es gibt keinen platz zu trauern, außer in meinem herzen. auf anfragen, wo sie bestattet wurde, wurde nicht reagiert. ich solle mir das nicht antun. das ist herzlos und kalt. ich stehe gerade wieder ein wenig neben mir, nachdem was mit luna und jonna passierte. es kommt alles wieder hoch, macht mich traurig. sie haben einen platz zu trauern, ich nicht. ich habe nur mein herz und das schmerzt.

so hat jeder seine erlebnisse.
ich ärgere mich nur über diese pauschalisierungen, die es über das muttersein in der ddr gibt.
Liebe Grüße Anni

mit Sternentochter Lilly 10/05, mit Bärchen 04/07 und Fröschlein 03/11 und Knöpfchen 06/14
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