Hallo,
will mal sehen, daß ich deine Fragen in aller Kürze beantwortet bekomme
Mohnblume hat geschrieben:
Gibt es irgendwo handfeste Belege, dass diese Trageweisen (also BB, nach vorne etc.) WIRKLICH Hüftschäden hervorrufen? Medizinische Studien etc.? Das wird hier und anderswo nämlich immer so felsenfest behauptet, aber ich als alter Skeptiker würde mir doch mal wünschen, richtige Argumente zu lesen. Diese hier von PapaSchlumpf sind, bei aller guter Absicht, nämlich leider keine:
Nein, die gibt es nicht. Daher sollte niemand so etwas "felsenfest" behaupten und ich denke auch, daß der Mensch recht anapssungsfähig ist und es eine Weile dauert, bis er "kaputt" geht

Dennoch schreibt Dr. Fettweis in seinem Buch "Sinnvolle Hilfen für Babyhüften", daß selbst aus einer gesunden Hüfte bei Fehlbelastung eine Problemhüfte werden kann. Es kann halt keiner sagen, welches Kind nach welcher Zeit wie stark geschädigt wird - oder eben auch gar nicht. Die Argumente contra liegen dennoch ganz klar auf der Hand: ausgehend von den Idealwerten für die kindliche Hüftreifung, die bei ca. 60°-90° Abspreizung und 110° Anhockung liegen, kann eine Haltung, die weder anhockt noch abspreizt nicht physiologisch sein. Dennoch: nach medizinischen Studien wird man hier vergeblich suchen. Zum Einen ist so etwas nicht finanzierbar. Zum anderen würden hierbei bewusst Hüftschäden in Kauf genommen - was ich für sehr bedenklich halten würde.
Mohnblume hat geschrieben:...Wären BabyBjörn und ähnliche Tragehilfen tatsächlich so bedenklich, müssten in unserem Land hunderttausende Kinder mit Hüftschäden herumlaufen...
Haben die von "Eltern" sich schonmal die Teenies angeschaut, wie krumm und schief die sind?
--- also ich hab damals in der Schule von meiner Biolehrerin immer gepredigt bekommen, dass daran die einseitig getragenen Schultaschen schuld sind, und dass man BLOSS einen richtigen Schulranzen tragen solle, sonst wird man garantiert krumm und schepp und bandscheibenvervorfallt...

und wieviel Prozent der heutigen Teenies wurden wohl als Babys im BB getragen?
Ja, ich erinnere mich

"Sitz gerade!" gehörte in die gleiche Kategorie (wovon man heute übrigens vollkommen weggekommen ist!). Es ist immer die Summe der Belastungen, zuzüglich der individuellen Disposition. Der Bandscheibenvorfall mit Mitte 30 wird eher nicht mehr allein auf den KiWa oder auf den BB zurückzuführen sein, auch nicht auf den schweren Schulranzen oder die verkehrte Schulbank. Aber gerade am Anfang des Lebens habe ich ziemlich leicht die Möglichkeit, ein gutes Fundament, einen gesunden Start zu ermöglichen. Nur weils im ersten Moment "nicht schadet" (was nämlich auch nicht bewiesen ist

), heißt das ja noch nicht, daß ich es unbedingt machen muss, wenn es wirklich gute und einfache Alternativen gibt. Hier sehe ich übrigens meine Aufgabe: Alternativen aufzeigen.
Mohnblume hat geschrieben:Aus dem Gespräch mit Frau Höwer haben wir als Redaktion eine wichtige Botschaft mitgenommen: Wir freuen uns für jedes Kind, das getragen wird, und für alle Eltern, die das Tragen genießen. Es ist besser, nicht missionarisch die eine „richtige“ Trageweise zu propagieren, sondern anzuerkennen, dass jede Familie ihren eigenen, für sie richtigen Weg zu Tragen finden muss.
... und das Kind dadurch leider nen Hüftschaden bekommt!
--- Beleg? Beweis?
Siehe oben

Dennoch würde ich mich der Aussage von Frau Höwer so, wie sie im oben verlinkten Thread zu lesen ist, nur ganz bedingt anschließen. Sicherlich ist es richtig, daß jede Familie ihren eigenen Weg gehen soll und muss. Die Entscheidung liegt immer bei den Eltern! Dennoch denke ich, daß unter Kenntnis von Alternativen eine Gesicht-nach-vorn-Trageweise vollkommen überflüssig ist, auch dann, wenn nur 30 Minuten am Tag getragen wird. Entscheiden die Eltern trotz dieser Kenntnis für eine Trageweise mit Gesicht nach vorn, so ist es selbstverständlich, daß ich mich nicht einmische.
Mohnblume hat geschrieben:Ich würde der Redaktion der "Eltern" empfehlen sich auch mal jeden Tag ne halbe Stunde so herumtragen zu lassen. Da bin ich mal gespannt, wer von denen als Erster vorm Amt steht mit dem Antrag auf 50% Schwerbehinderung in der Hand *ARGH*

--- das ist natürlich polemisch zugespitzt und daher vollkommen unrealistisch, schon klar.
Interessant finde ich auch folgende Passage aus der ELTERN-Antwort, die PapaSchlumpf NICHT zitiert hat:
Was nicht stimmt: Dass ein Baby stets in optimaler Hock-Spreiz-Haltung getragen werden muss, damit es keine Hüftschäden davonträgt. Diese optimale Haltung mag geboten sein, wenn man – wie in einigen Naturvölkern – sein Baby die meiste Zeit des Tages bei sich trägt und es dadurch relativ immobil hält. Bei uns, wo die überwiegende Mehrheit der Mütter und Väter das Baby durchschnittlich für eine halbe Stunde oder Stunde am Tag trägt, und wo es in der Regel viel Freiheit zum Rollen, Robben und Krabbeln hat, besteht die Gefahr von Hüftproblemen dagegen nicht.
Das klingt für mich eigentlich recht überzeugend... oder?
Für mich nicht

Selbst Naturvölker die ausschließlich tragen, halten ihre Kinder nicht immobil. Im Gegenteil: das Bewegtwerden am menschlichen Körper ist für ein Kind im ersten Lebensjahr die natürlichste aller Körpererfahrungen. Ich muss mal Altraia fragen, sie hatte letztens einen interessanten Artikel entdeckt, in dem berichtet wurde, daß Kinder aus solchen Völkern keinesfalls später oder gar unsicherer laufen, als Kinder aus Industrieländern - im Gegenteil. Habe das leider nicht griffbereit. Also: der Wert des Krabbelns, Robbens und Drehens scheint dort, wo dem Kind die wichtige Erfahrung des überwiegend Getragenwerdens fehlt, enorm hoch zu sein. Wird ein Kind aber ständig getragen, scheint sich die WIchtigkeit dieser bei uns so hoch gehaltenen Bewegungsmuster ein wenig nach hinten zu verschieben. Aber Achtung: da mir hier gerade die Quellen fehlen, sage ich jetzt mal, das ist eine Theorie, die mir sehr schlüssig klingt, die ich aber wiederum nicht mit Studien beweisen kann
Mohnblume hat geschrieben:
So, und jetzt steinigt... ach nee das darf man ja nicht schreiben

Nein, deine Fragen sind absolut sinnvoll und wichtig, danke dafür!
Liebe Grüße Alex
PS. Im Manduca nehmen die Kinder übrigens eine sehr stark überspreizte Haltung ein, was sicherlich auch nicht optimal ist. Das ist der Grund, warum ClauWi den Einsatz solcher Tragehilfen frühestens ab dem Sitzalter empfiehlt und auch dann nur bedingt. Schreibe ich, obwohl ich den Manduca selbst leidenschaftlich gern nutze: super praktisch, schnell angelegt und keine Enden/Bändel schleifen im Dreck. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wieso eine Überspreizung mit Gesicht nach vorn schlimmer sein sollte, als eine Überspreizung mit dem Gesicht zum Träger - rein auf die Überspreizung bezogen
