Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

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Serafin
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Serafin »

LilyGreen hat geschrieben: 13.01.2024, 14:24 Mir ist noch eine Argumentationslinie eingefallen.

Offensichtlich ist es schwer, Daten zu finden die auf dem Niveau einer klinischen Studie „beweisen“ dass Normalzeitstillen (ja, das schreib ich jetzt so provokant) als Alleinstellungsmerkmal Mutter und/oder Kind einen „Benefit“ bringen.
Warum es schwierig ist solche Daten zu erheben habe ich oben angerissen - und unterschlagen, dass auf der anderen, nicht-stillen-Seite massive wirtschaftliche Interessen stehen. Sowohl industrielle als auch volkswirtschaftliche.
Kulturhistorisch und entwicklungsbiologisch ist das Stillen von Kleinkindern aber tatsächlich normal. Diese Norm hat sich erst in den letzten 2-3 Jahrhunderten verändert - und zwar bedingt durch gesellschaftliche (!) Faktoren, nicht wissenschaftliche Erkenntnisse.
Das bringt uns zu dem Punkt: zum jetzigen Zeitpunkt ist die Ernährung von Kindern ohne Muttermilch eine Abweichung von der entwicklungsbiologischen Normalität, deren (größer) Nutzen sich nicht beweisen lässt. Angesichts der Privilegien des Lebens im Westen kann man natürlich der Ansicht sein, dass der Unterschied derart gering ist, dass sich stillen nicht „lohnt“. Für mich sind die statistischen Hinweise jedoch ausschlaggebend genug, einen Benefit zu sehen (und für die WHO auch).
Wo es jedoch kritisch wird und was mMn der eigentliche Grund eures Disputs ist: dein Kumpel verlässt die Ebene der gesundheitlichen Faktoren und nutzt stillen um ideologische Stereotype zu bedienen. Er bewegt sich argumentativ auf der Ebene, die wir (normalzeit)stillenden alle kennen und die wir alle hassen: Die Schuld am Verhalten des Kindes liegt bei der Mutter - und dort explizit im „abnormen“ Stillen. Das geht halt einfach gar nicht und ich kann verstehen dass dich das triggert. Ich finde aber auch, dass das der Punkt ist über den du diskutieren solltest.
Vokswirtschaftlich schadet uns doch das wenige Stillen massiv. Die Kinder sind häufiger und schwerer krank, da gibts auch Berechnungen dazu. Und ab 12 Monaten kann Frau wirklich wieder arbeiten, da ist Stillen echt nicht mehr der Hinderungsgrund wenns nicht geht.


Und zum Verhalten. Solchen Eltern wünsche ich dann immer ein zweites Kind. Hier zwei Langzeitstillkinder mit völlig unterschiedlichem Verhalten!
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blueberry
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von blueberry »

Mäusebaby hat geschrieben: 13.01.2024, 16:50 Vielleicht hilft der Artikel über eine brasilianische Studie auch: https://www.spiegel.de/gesundheit/schwa ... 24066.html#

"Gleichwohl wiesen die brasilianischen Forscher den Zusammenhang zwischen Stillen und der Intelligenz in allen sozialen Schichten nach. Dabei berücksichtigten sie zehn soziale Faktoren, die den IQ beeinflussen, und rechneten deren Effekte heraus - darunter das Familieneinkommen, den Bildungsgrad der Eltern, Rauchen in der Schwangerschaft, das Alter der Mutter bei der Geburt des Kindes, die Art der Geburt sowie die genetische Herkunft."

Na, das klingt doch schonmal hilfreich. (Wobei hier halt auf Vollstillen geschaut wurde. Und nur bis 12 Monate). Trotzdem.
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Die Studie ist echt spannend, danke dafür! Und auch noch aus Brasilien, das ist doch meiner Erinnerung nach ein Land mit einer super hohen Kaiserschnittquote und eines, wo man, wenn man es sich materiell leisten kann, auch gern Flasche gibt anstatt zu stillen.
Ist aber nur ein "glaube ich mal irgendwo gehört zu haben", ich hab keine Statistik.
Und in diesem Thread geht's ja um harte Fakten. ☝🏻☝🏻😬
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Norrsken »

Hi,
ich würde dem Vater noch diesen Artikel (mit vielen seriösen, peer-reviewten Quellen!) von Herbert Renz -Polster ans Herz legen:

https://www.kinder-verstehen.de/mein-we ... s-problem/
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Danke euch allen für die vielen Hinweise und Tipps zur Argumentation.
Stand jetzt hab ich vom Langzeit-Still-kritischen Vater nix mehr gehört. Also geh ich mal davon aus, dass ich "gewonnen" und ihn überzeugt habe (oder zumindest mit Infos so erschlagen, dass er keinen Bock mehr hat 😜).

Das reicht mir fürs Erste. 😊👍🏻
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von blueberry »

Jana208 hat geschrieben: 15.01.2024, 14:18 (oder zumindest mit Infos so erschlagen, dass er keinen Bock mehr hat 😜).
:mrgreen:
Jana208 hat geschrieben: 15.01.2024, 14:18 Das reicht mir fürs Erste. 😊👍🏻
Darauf kommt es ja an. 8)
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von ShinyCheetah »

Da wir ja alle dem Confirmation Bias unterliegen, vermute ich eher, dass er einfach merkt, dass ihr nicht weiterkommt - er beharrt auf seiner Sichtweise und findet deine Argumente nicht ausreichend und umgekehrt ;)

Tapfer, dass du so fleißig diskutiert hast :D Ich war gestern mal wieder in der Situation und habe gemerkt, dass ich einfach keine Lust habe. Ich habe dann nur zum "die offizielle Empfehlung ist 1 Jahr zu stillen" gesagt "nein, die WHO empfiehlt 6 Monate voll und dann bis zu zwei Jahre und darüber hinaus, so lange Mutter und Kind möchten, neben der Beikost" und habe dann noch die Stilldauer meiner Kinder ergänzt. Danach Thema gewechselt ;)
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Furlica »

Mein Dreh- und Angelpunkt ist das Lactoferrin in der Muttermilch. Durch dieses wird u.a. E.coli daran gehindert sich rasant zu vermehren. Die Prophylaxe vor Magen-Darm-Gschichten ist für mich einfach das non-plus-ultra, vorallem im Baby- und Kleinkindalter wo Durchfall ratzfatz fatal werden kann.

Falls du noch Quellen brauchst oder zu bestimmten Punkten was: Ich hab 'Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession' daheim. Das ist von medizinischem Fachpersonal eben für selbiges. Das sollte den Herrn Biologen wohl ansprechen ;)
(Unter meinen Physiker und Chemiker-freunden waren Biologen sehr verpönt, weil die keine richtigen Naturwissenschaftler seien. Vl muss der Herr kompensieren ;))
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Norrsken »

Furlica hat geschrieben: 17.01.2024, 12:47 Mein Dreh- und Angelpunkt ist das Lactoferrin in der Muttermilch. Durch dieses wird u.a. E.coli daran gehindert sich rasant zu vermehren. Die Prophylaxe vor Magen-Darm-Gschichten ist für mich einfach das non-plus-ultra, vorallem im Baby- und Kleinkindalter wo Durchfall ratzfatz fatal werden kann.

Falls du noch Quellen brauchst oder zu bestimmten Punkten was: Ich hab 'Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession' daheim. Das ist von medizinischem Fachpersonal eben für selbiges. Das sollte den Herrn Biologen wohl ansprechen ;)
Steht dort evtl. drin, wie sich der Lactoferrin Gehalt bei langer Stilldauer entwickelt bzw. ob er konstant bleibt, unabhängig von der Stilldauer?
Der Schutz vor (schwerem Verlauf von) Durchfallerkrankungen scheint ja bisher nur für Kinder bis 1 Jahr wissenschaftlich belegt zu sein, aber mir erscheint es nur plausibel, dass er auch darüber hinaus wirkt…es wird ja kein Schalter umgelegt nur weil das Kind 1 Jahr alt wird.
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von ShinyCheetah »

Es gibt halt viel weniger Daten/Studien für Kinder Ü1 und so extrem viele Einflussfaktoren... Aber allein schon, dass man mit Stillen sein Kind so hydriert hält, dass man bei MD selten ins Kkh muss, ist ein unschlagbarer Vorteil. Soweit ich weiß gibt es quasi kein Getränk /Lebensmittel, aus dem Wasser so gut resorbiert wird wie aus Mumi.

Aber ich mag gerade nicht auf Quellensuche gehen, die Kinder kommen jeden Moment zu Hause an...
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