Prilblume hat geschrieben:
Aber mal ehrlich: Wenn mir bei meinem Frauenarzt zu viel Pillenwerbung rumliegt, dann suche ich mir eine Praxis, in der das nicht so ist. Wenn meine Tierärztin mir rät, mein Haustier mit Ekelfutter zu füttern, dann gehe ich da nicht mehr hin. Wenn es mir wichtig ist, zu stillen, dann suche ich mir doch eine Anlaufstelle, die das ebenso befürwortet, wie ich und dazu über fachliche Kompetenz verfügt.
Ich möchte dir nicht zu nahetreten, aber genau diese leicht überhebliche Ansicht hatte ich vor meinem ersten Kind auch.
In unserem Freundeskreis waren wir die ersten, die ein Baby bekamen. Ich hatte also niemanden, den ich um Rat fragen konnte. Auch die Familie fiel komplett weg. Die einzige, die überhaupt gestillt hatte, ist meine Schwiegermutter: 3 Monate lang.
Meine FÄ war dann auch vom Typ "Lieber einen Kaiserschnitt, Geburt tut so weh". Aber wie du so schön schriebst, man ist ja mündig, also war für mich klar: Da geh ich nicht mehr hin. Und da ich in einer Grün-links-öko-Stadt lebe, habe ich mir das Geburtshaus angeguckt. Super, natürliche Geburt und Stillen natürlich oberste Priorität.
Das Geburtshaus IST auch super, finde ich noch immer.
Nur hatte meine Nachsorgehebamme keine Ahnung vom Stillen. Aber wie hätte ich das erkennen sollen? Ich habe von Anfang an voll gestillt, alles super. Nach 2,5 Monaten jedoch fing meine Tochter an, das Stillen zu verweigern. Sie schrie, bog sich durch und war mit viel Glück zumindest im Halbschlaf an die Brust zu bekommen. Das ging einige Tage so. Als ich morgens alleine zum Rückbildungskurs war, schrie sie alles zusammen vor Hunger. Meine Stillbemühungen waren nämlich seit dem vorigen Abend erfolglos gewesen. Also macht der Papa ihr eine Flasche. Milchpulver hatten wir besorgt, weil die Hebamme uns das vorher riet "Falls plötzlich die Milch ausbleibt". Schien mir damals sehr vernünftig. Flasche hatten wir auch - die gab es von ihr geschenkt. Gesponsored von der bekannten Firma.
Unsere Tochter nahm die Flasche anstandslos. Was für uns der Beweise war, dass sie meine Milch nicht verträgt. Wir riefen die Hebamme an, die nicht mal vorbeikam, sondern nur sagte, ja, das kann schon sein. dann sollen wir halt Flasche geben, ist genau so gut.
Natürlich habe ich mich aber nicht nur auf eine Ansicht verlassen. In meinem damaligen Stammforum, wo eine selbsternannte "Ernährungsberaterin" mit eigener Homepage Tipps gab (und gibt), fragte ich natürlich auch nach. Viele Mütter schrieben mir von Babys, die ja auch mit Flasche groß werden. Und von der "Fachfrau" dann das Totschlagargument: "Dein Kind wird von deiner Milch nicht satt, es HUNGERT und verweigert die Brust daher ganz instinktiv!"
Puh, also als (Erst-) Mutter gesagt zu bekommen, dass man sein Kind HUNGERN lässt ... nur weil man so unbedingt stillen will ...das war hart und natürlich wollte ich NICHT, dass sie hungern muss und habe sofort auf Flasche umgestellt. Auch der KiA war der Meinung, dass es schon sein kann, dass sie meine Milch nicht verträgt und deshalb so weint. EINE Mutter aus diesem anderen Forum verwies mich übrigens hierhin, sogar mit der richtigen Verdachtsdiagnose (KiSS). Aber ich war so beeinflusst von der Aussage, dass Still-Übermütter ja ihre Kinder lieber hungern lassen als Flasche zu geben, dass ich nicht mal in Erwägung gezogen habe, mich hier beraten zu lassen.
Schade, dass meine Nachsorgehebamme keine Ahnung vom Stillen hatte. Natürlich auch schade, dass ICH dachte, Hebammen hätten automatisch Ahnung davon.