Hallo liebe Julia und Mitleser,
vielen Dank der Nachfrage und für alles. Ich hoffe, dass wir überhaupt noch hier sein dürfen. Wir haben uns nämlich doch fürs Zufüttern entschieden gestern Abend - und bisher erscheint es uns, dass es die richtige Entscheidung war. Denn die Stillmahlzeiten laufen plötzlich wieder super. Ich bin ganz verliebt

. Aber der Reihe nach. Erstmal die neue Tabelle:
29.8. 9x gestillt, 150 ml Mumi, 10x Stuhl, 12x Pipi
30.8. 8x gestillt, 190 ml Mumi, 205 ml Pre, 7x Stuhl, 10x Pipi
Wir hatten gestern noch mitten in der Nacht Besuch von einer neuen Geburtshaus-Hebamme, die sich sehr viel Zeit genommen hat und alles mit uns genau durchgegangen ist. Sie war erst sehr entspannt und bestärkte uns darin, nicht zuzufüttern. Nach 3 Stunden und zahlreichen Beobachtungen von mir und ihm hat sie uns aber doch auch empfohlen zuzufüttern. Die Gründe dafür waren v.a. seine Schwäche, die sich auch daran äußert, dass er eigentlich gestern immer nur kurz andocken konnte und kaum mehr saugen. Sie meinte, er ist eigentlich runtergefahren auf die Überlebensfunktionen und würde kaum mehr reagieren. Das wollten wir natürlich nicht sehen, aber als sie uns die Signale zeigte, konnten wir nicht mehr wegschauen. Außerdem scheine ich eine sogenannte intermittierende Brust zu haben, d.h. es kommt immer nur kurz was (dafür aber reichlich) und dann ist Schluss für eine ganze Weile. Das ist natürlich sehr frustrierend. Damit muss er umgehen lernen, aber er kann halt wirklich nicht mehr weiter abnehmen und wenn er zu schwach zum trinken ist.. Außerdem haben wir leider lernen müssen, dass er doch deutliche Hungersignale sendet nach den Mahlzeiten - und nicht mehr an der Brust trinken kann vor Erschöpfung. Wir haben dann zwar an Julias Ratschläge gedacht und an alles, was ich hier im Forum gelernt habe, aber es hat eben nie jemand unser Baby gesehen und die Hebammen aus dem Geburtshaus sind stillfreundlich und sehr sensibel. Es war keine leichtfertige Entscheidung von keiner Seite aus, aber sie schien alternativlos, wenn wir nicht im Krankenhaus landen wollten.
Hinzu kam, dass ich fast zusammengebrochen bin mit den 2-Stunden-Intervallen. Ich hatte nur noch Erschöpfungsdurchfälle, konnte kaum mehr essen und auch das trinken musste der Weltenbummler-Papa in mich schon fast reinpressen. Wir wollten aber nicht auf 3 Stunden erhöhen, weil wir panische Angst hatten.
Im Moment (seit gestern 23:30 Uhr) sieht es so aus, dass er erst mindestens 30 Minuten an die Brust kommt, ohne Pardon. Vorher habe ich ihn zugegebenermaßen irgendwann in Ruhe gelassen, wenn er nur noch geschrien hat und sichtlich nicht mehr konnte und abgepummt. Dann füttert der Papa erst die Muttermilch der letzten Abpump-Aktion zu und ich pumpe ab - ebenfalls 15 Minuten pro Brust, ebenfalls ohne Pardon. Die Brüste scheinen gut darauf anzusprechen.. manchmal bekomme ich sogar 40 ml raus, meistens aber doch nur 20 - 28. Das ist aber auch schon mehr als die 5 - 10, die ich gestern Nacht über mehrere Pumpversuche nur noch hatte. Danach haben wir dann immer noch 1 - 2 Stunden Zeit um zu schlafen und zur Ruhe zu kommen, wodurch ich deutlich entspannter bin. Ich bin zwar noch immer am Rande meiner Kräfte, erhole mich aber langsam.
Seit heute haben wir eine neue, dauerhafte Nachsorge-Hebamme. Ich hatte ja große Angst davor, da die Hebammen aus dem Geburtshaus zwar wechselten, ich ihrer Meinung aber zumindest vertrauen konnte und wusste, sie engagieren sich wirklich und nehmen sich Zeit und machen zumindest eine Übergabe. Die neue scheint aber sehr kompetent zu sein. Sie war von Anfang an begeistert, dass wir nicht aufgeben wollen und meinte, wir bekommen das hin. Sie hat schon mehrere Familien auf dem Weg über das Zufüttern zurück zum Vollstillen begleitet und ist zuversichtlich, dass wir das schaffen. Ich bin noch skeptisch, werde aber kämpfen bis zum letzten Tropfen Muttermilch (der hoffentlich erst in vielen, vielen Monaten fließt!)
Ich bekomme jetzt zusätzlich Globuli und Bockshornkleesamen. Am Dienstag will ich in die Stillambulanz nach Bensberg und erörtern, ob die Akupunktur/Low-Level-Lasertherapie Sinn macht für uns. Im Moment scheine ich den Bedarf nicht decken zu können, aber ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Er wird mit jeder Mahlzeit deutlich kräftiger und im Moment scheint es weder eine Saugverwirrung noch eine Ablehnung der Muttermilch zu geben - im Gegenteil. Die PreNahrung scheint er zwar jetzt auch zu vertragen, aber Muttermilch scheint ihm deutlich lieber zu sein.
Probleme haben wir trotzdem. Sehr unsicher bin ich mir noch bei der Zufütter-Methode. Im Moment sind wir noch beim Löffel, die Hebamme rät jedoch zum Fläschchen zumindest für die abgepumpte Muttermilch, weil dann nichts verloren gehen kann. Wir denken über ein BES nach, aber dafür brauchen wir dann wohl auch die Anleitung, die wir wohl nur in Bensberg bekommen können. Bensberg ist 50 km weg und ich denke, dass wir den Weg am Dienstag mit dem ÖPNV schaffen können. Heute waren wir das erste Mal mit dem Tragetuch um den Block - eine halbe Weltreise.
Ich habe heute auch mit meiner eigenen Mama in Peru gesprochen. Sie hat ja schnell aufgeben müssen mit dem Stillen, wohl auch weil die Milch zu wenig und zu kurz floss. Ich denke nicht, dass das unser Schicksal zementiert, aber wir brauchen halt besonders viel Hilfe und Geduld. Gleichzeitig kann ich den Weltenbummler aber auch nicht leiden lassen und dabei zuschauen, wie er immer weniger Kraft hat.
Was das Wiegen anbelangt, so haben wir die Apotheken-Waage wieder zurückgetragen. Sie hat mich fast wahnsinnig gemacht. Immer wenn ich sie ansah - und sie stand im Wohnzimmer auf dem Tisch, dachte ich daran, dass ich mein Kind fast verhungern habe lassen. Eine Hebamme sagte ja (leider etwas unsensibel), früher wären Kinder von Müttern wie mir eben gestorben. Sie hat das nicht so gemeint und wollte mich trösten, aber es hallte immer nach in mir. Wir haben aber herausgefunden, dass die Geburtshebamme, die Hebamme, die das Tiefstgewicht festgestellt hatte und die neue Hebamme zumindest das gleiche Wiegesystem vom gleichen Hersteller benutzen, weshalb wir daraus jetzt eine neue Tabelle machen und das Wiegen komplett abgegeben haben. Die neue Hebamme will auch nur alle 2 Tage wiegen, wenn morgen feststeht, dass er tatsächlich zunimmt. Das alles entspannt uns deutlich und fühlt sich richtig an. Die neue Wiegetabelle sieht deshalb wie folgt aus (jeweils nackt):
24.8.2013 3440 g
29.8.2013 3030 g
31.8.2013 3100 g
Damit sind wir wieder im 10%-Rahmen, knapp aber da.
Wir wollen auf jeden Fall so schnell wie möglich wieder weg vom Zufüttern, aber wir wollen auch nicht mehr ein Kind, das zu schwach ist zum Trinken. (Und eine Mama, die zusammenbricht ist ja auch nicht produktiv..)
Wir hoffen, dass wir trotzdem noch hier sein dürfen. Es tut mir ja schon leid, dass wir evtl. beratungsresistent erscheinen, aber ich hoffe, dass unsere Entscheidung zumindest transparent und nachvollziehbar ist. Wir haben sie uns wirklich nicht leicht gemacht.
Vielen vielen Dank für all die Mühe, Julia!