Ich finde auch, Vergleiche verbieten sich schon allein deshalb, weil es so subjektiv ist, was als anstrengend empfunden wird und wie die individuelle Situation der anderen Familien dann tatsächlich 24/7 ist.
Ich habe mein Baby z.B. als überhaupt nicht anstrengend empfunden, im Gegenteil, ich hatte mich auf viiiiel mehr Anstrengung eingestellt. Aber wenn ich so mit anderen erzähle, dann finden manche unsere Nächte schon vom Erzählen her total anstrengend (unser Sohn stillt natürlich noch nachts, mal mehr, mal weniger, wir schlafen dabei immer weiter, aber ich muss dann natürlich für eine bestimmte Zeit auf der Seite schlafen), weil sie sich z.B. im Schlaf viel mehr bewegen müssen, um gut schlafen zu können etc. pp. Auch dass unser Sohn neben dem Essen bestimmt noch 6 - 7 x stillt am Tag finden viele unvorstellbar anstrengend - aber ich trag ihn auch schon mal stillend aus dem Zoo und schiebe das Stillen auch sonst so ein, dass es für uns gar keinen Aufwand bedeutet. Und - du liebe Zeit - ein 10 kg Baby tragen? Ist doch total anstrengend

. Ohne Muskelaufbau seit Geburt würde ich das vielleicht ebenso sehen

. Andere stresst die Brei-Gabe, welchen Sauger sie doch bloß nehmen sollen (für ein 8 Monate altes Kind), das Kind will keinen annehmen, nehmen die Mikrowelle mit in den Urlaub für die Gläschen und paniken bei der Vorstellung, ihr Kind könnte schon Brot in die Hand bekommen...da kann ich manchmal nur staunen, was sich andere für einen Stress machen, den sie wiederum als normal ansehen. Und daraus wird dann ein "anstrengendes erstes Jahr, weil Kinder anstrengend sind".
Die Bewertung der Situation anderer ist so dermaßen von Eigenerfahrung geprägt, dass jeder Vergleich eigentlich nur schief gehen kann. Ich bezeichne mein Baby als sehr entspannt, weil es unkompliziert isst, schläft, spielt, lebt...andere sehen das vielleicht gar nicht so, weil mein Sohn nachts durchaus aufwachen und schreien würde, wenn die Brust nicht innerhalb von einer Minute in Reichweite wäre. Oder weil er anfangs natürlich viel auf mir/uns geschlafen hat - was wir wiederum sehr gerne wollten (inklusive Großeltern) und genossen haben, ergo nicht anstrengend fanden.
Und schließlich entwickeln sich die Kinder total unterschiedlich (also bloß nicht Gleichaltrige vergleichen!) und sind natürlich auch von der Persönlichkeit her total verschieden. Ich habe eine Freundin von der Geburtsvorbereitung her, die auch sehr sutig erzieht, ihre Tochter ist drei Wochen älter als mein Sohn und sie ist quasi die Einzige bislang, mit der ich mich völlig unbefangen austauschen kann. Wir machen vieles ähnlich - unsere Kinder haben vollkommen verschiedene Rhythmen gefunden, sich unterschiedlich schnell in vielen Teilbereichen entwickelt und vor allem: jedes hat seine ureigene Persönlichkeit schon sehr früh gezeigt. Mein Sohn ist - und das hat mir mein Gefühl von Anfang an gesagt - eine richtige Mischung aus mir und meinem Mann, ich bin mir in vielen Bereichen sicher, dass ich jetzt schon weiß, wie er in etwa ticken wird. Die Tochter meiner Freundin kommt total nach ihr! Schon beim Minibaby entdecke ich so viele Wesenszüge meiner Freundin, die ihr nicht mal bewusst sind.
Ich bin mir sicher, dass es Zeichen einer sehr guten Bindung ist, wenn ein Kind seine Bedürfnisse gegenüber seinen Eltern ungebremst zum Ausdruck bringt, egal, wie groß oder klein sie sein mögen. Ich war von vorneherein sutig und mein Sohn von Anfang an entspannt. Ich glaube, er ist einfach so, aber er hätte seine Entspannung vielleicht nicht wahren können, wenn ich nicht ebenfalls entspannt hätte bleiben können, aus welchen Gründen auch immer. Also ich glaube schon an eine Wechselwirkung, aber in dem Sinne, dass ein Kind, dessen Bedürfnisse gestillt werden, beim Hineinwachsen in diese Welt, ob es ihm nun schwerer oder leichter fällt, nicht auch noch Energie darauf verwenden muss, Rückhalt von seinen Eltern zu bekommen. DESHALB finde ich den Gedanken, dass möglicherweise Bedürfnisse wachsen könnten, je eher man sie befriedigt, so abstrus.