Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

inmediasres
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 291
Registriert: 29.04.2007, 19:23
Wohnort: UK
Kontaktdaten:

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von inmediasres »

Vielen Dank für eure tollen Beiträge! :D

Ich möchte mich ein bißchen gegen die weit verbreitete "die bösen Nazis sind Schuld"-Haltung auflehnen. Zum einen hat nicht nur Deutschland, sondern alle "westlichen" Länder diese Bewegung zu mehr (und übermäßiger) Kontrolle und Strenge durchgemacht. In anderen Ländern haben sich nur früher Gegenstimmen erhoben, was bei uns vermutlich aufgrund der Strukturen einfach nicht (laut genug) möglich war.

Zum andern haben die Leute damals mitnichten Soldaten heranzüchten wollen. Ich denke, dass zu allen Zeiten die überwiegende Mehrheit aller Eltern das beste für ihre Kinder wollte und will. Die Frage ist nur: was ist das beste? Und da gab es damals einfach ganz andere Werte als heute. Da galt das Volk, die Gemeinschaft als das Höchste, im Gegensatz zu heute, wo das Indiviuum viel mehr zählt. Das Ziel jeder Erziehung war schon im 19.Jhdt tüchtige Menschen zu kriegen, die ein Nutzen für die Gemeinschaft sind.

An dieser Stelle höre ich mal auf, sonst schweife ich zu sehr vom Stillen ab. :mrgreen:

@Athene79: Platons Ausführungen zum Tragen würde ich ja auch gerne mal lesen. Vielleicht sollten wir in sämtlichen Unterforen hier bei SuT einen Geschichts-Thread aufmachen. :wink:

Ich such mal ein paar schöne Zitate zusammen und melde mich dann wieder.

LG
Karin
inmediasres
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 291
Registriert: 29.04.2007, 19:23
Wohnort: UK
Kontaktdaten:

Zitate zur Schönheit und Notwendigkeit des Stillens

Beitrag von inmediasres »

Aus Taschenbuch für Mütter über die physische Erziehung der Kinder in den ersten Lebensjahren und über die Verhütung, Erkenntniß und Behandlung der gewöhnlichen Kinderkrankheiten, Adolph Menke, K. Bayer. Hofrath u. Professor der Medicin in Erlangen, 2. Auflage, Friedrich Wilmans Verlagshandlung, Frankfurt am Main, 1832:
"Bei jeder wahren Mutter wird ferner der Gedanke von großem Gewicht seyn, daß durch die eigne Ernährung des Kindes das Band der Liebe und Zuneigung zwischen ihr und dem Kinde auf das innigste geknüpft, die Abwendung der kindlichen Liebe von der Mutter zur Amme vermieden, der oft nachtheilige Einfluß der Amme auf die körperliche und geistige Natur des Kindes, auf die Sitten, Neigungen und Charakter desselben verhindert, und das körperliche Gedeihen und selbst die Erziehung des Kindes unendlich erleichtert wird.

Aus Die ersten Mutterpflichten und die erste Kindespflege, Dr. Friedrich August von Ammon, 6. verbesserte Auflage, Verlag S. Hirzel, Leipzig, 1854:
"Viele Frauen befinden sich nie besser, als wenn sie stillen, sie sehen während dieser Zeit wohler aus, sind lebhafter, heitrer, aufgemunterter, alle Formen ihres Körpers bekommen eine schöne Rundung, und ihre Wangen schmückt das schönste Roth! Und was soll ich nun noch von der wahren Mutterfreude sagen? Wie soll ich die Gefühle einer Mutter schildern, die dem Kind ihres Herzens die eigene Brust, diese Quelle des Lebens, reicht!
Sie fühlt's, es ist ihr Kind! Mit Thränen inniger Lust
Gebadet, drückt die es an Wange, Mund und Brust,
Und kann nicht satt sich an dem Kinde sehen.
Auch scheint das Kind die Mutter zu verstehen.
Laßt ihr zum mindsten den Genuß
Des süßen Wahns! Es schaut aus seinen großen Augen
Sie ja so sprechend an - und scheint nicht jeden Kuß
Sein kleiner Mund dem ihren zu entsaugen?
Sie hört den stillen Ruf - wie leise hört
Ein Mutterherz! - und folgt ihm unbelehrt.
Mit einer Lust, die, wenn sie neiden könnten,
Die Engel, die auf sie heruntersehn,
Die Engel selbst beneidenswürdig nennten,
Legt sie an ihre Brust den holden Säugling an.
Sie leitet der Instinct, und läßt nun an den Freuden
Des zartsten Mitgefühls ihr Herz vollauf sich weiden!"
S.41f

Aus Die Mutter als Erzieherin ihrer Töchter und Söhne zur physischen und sittlichen Gesundheit vom ersten Kindesalter bis zur Reife, Dr. med. Hermann Klencke, zweite, neu durchgearbeitete Auflage, Verlag Eduard Kummer, Leipzig, 1875:
"Welch' ein erhabenes, heiliges Lebensbild ist der Anblick einer ihr Kind stillenden Mutter! Hätte wohl jemals der Gatte, selbst wenn er zu den rohen, gutgearteten Naturmenschen gehören sollte, den sittlich schönen Eindruck nicht empfunden oder aus seiner Erinnerung verloren, der sein Gemüth erhob, als er sein Weib mit dem Säuglinge an der lebendige Nahrung spendenden Brust erblickte? Muß dieses Bild einer glücklichen Mutter in Ausübung ihrer süßesten Naturpflicht nicht harmonisch und liebreich durch das ganze Familienleben strahlen, den Gatten an die Würde der Mutter mahnen, die einst erwachsenen Kinder inniger an das Herz knüpfen, welches sein Leben und seine Liebe in die erste lebenswarme Nahrung ergoß!"

"Das neugeborene Kind ist von der Natur an die Mutterbrust hingewiesen, an einen lebenswarmen Nahrungsstoff, welcher unmittelbar aus demselben Blute und Leben gebildet wurde, aus welchem das Kind Leib, Blut und Leben empfing. - Aus der Mutterbrust quillt die einzig normale Ernährungsquelle des neugeborenen Kindes und zugleich die erste natürliche Arznei, welche das Kind fähig macht, zu verdauuen und die Wege der Verdauung frei und für die mütterliche Milch empfänglich zu machen." S.44

Aus Das Buch der Mütter - Eine Anleitung zu naturgemäßer und geistiger Erziehung der Kinder und zur allgemeinen Krankenpflege, Marie Susanne Kübler (Frau Scherr), dritte, umgearbeitete und ergänzte Auflage, Leipzig, Verlag von Abel & Müller, 1891:
"Auf der andern Seite zeigt die Erfahrung, daß die Frauen nie gesunder sind, als in der Periode des Stillens, und daß mit Ausnahme der Schwangerschaftszeit die Sterblichkeit der Mutter in keiner andern Periode geringer ist." S.51

"Bei der stillenden Mutter zeigen sich Mutterliebe und Glück in ihrer höchsten Vollendung. Es darf nicht geleugnet werden, daß das Stillungsgeschäft, bis es einmal im Gang ist, von seiten der Mutter Geduld und Mut, und so lange es andauert, Aufopferung und Selbstverleugnung verlangt. Aber die Natur spendet ihr für diese Pflichterfüllung süßen Lohn, indem sie dabei ihr Herz die reinste Liebe und das höchste Glück der Erde kosten läßt." S.51f

Aus Der Säugling - seine Ernährung und seine Pflege, Dr. Walther Kaupe, Spezialarzt für Kinderkrankheiten in Bonn, B. G. Teubner, Leipzig, 1907:
"Als wirklich gesundes Kind kann nur das Brustkind gelten! Alle anderen sind, wenn sie noch so gut auf künstliche Weise ernährt werden, zwar nicht gerade krank, aber doch nicht normal."

Aus A-B-C für junge Mütter - mit Anleitung zur Ernährung und Pflege des Kindes bis zur Schulzeit, Nach Dr. Lahmann's Grundsätzen, bearbeitet von Dr. Ziegelroth, Besitzer und Leiter von Dr. Ziegelroth's Sanatorium Krummhübel im Riesengebirge (früher Zehlendorf), Verlag Max Richter, Leipzig, 1914:
"Zorn überkommt mich, wenn ich immer wieder höre: 'die Mutter wollte, aber konnte beim besten Willen nicht stillen.' Kann sie es nicht, dann /lerne/ sie es, lerne es mit Hilfe des Arztes, mit Hilfe der Hebamme. Aber Unwissenheit und Faulheit - wer kämpft mit Erfolg gegen sie? Vielleicht gelingt es dir, mein kleines Büchlein, hierin etwas zu bessern. Jedenfalls erlahme nicht immer und immer wieder die Urweisheit, den Ursatz aller Säuglingshygiene zu predigen: Mütter, stillt Eure Kinder!"

Aus Die Pflege des gesunden und des kranken Kindes - zugleich ein Lehrbuch der Ausbildung zur Säuglings- und Kinderkrankenschwester , Werner Catel, 8.neubearbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1964:
"Die natürliche Ernährung des Säuglings an der Brust seiner eigenen Mutter kann bezüglich der Sicherheit des Ernährungserfolges durch keine andere Form er Ernährung ersetzt werden. Von größter Bedeutung ist weiterhin, daß durch das Nähren an der Brust bei der Mutter das Gefühl unlösbarer Zusammengehörigkeit mir ihrem Kind gefördert wird."
08u11
Profi-SuTler
Beiträge: 3348
Registriert: 17.09.2012, 16:14

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von 08u11 »

Wow, sehr interessant. Genau diese Fragen habe ich mir schon einige Male beim Lesen hier gestellt. Im Augenblick habe ich leider nur Zeit zum Überfliegen, deshalb hier auch nichts inhaltliches, außer: Danke für die Idee und die Infos.
Nina mit A. (11/2008), J. (03/2011), Minimaus (28/01/15), Babyzwerg (15/02/2019) und Weihnachtsengel im Herzen (Januar 2018, 10. Woche)
inmediasres
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 291
Registriert: 29.04.2007, 19:23
Wohnort: UK
Kontaktdaten:

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von inmediasres »

Was für alte/veraltete Behandlungen bei Stillproblemen kennt ihr denn so?

LG
Karin
inmediasres
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 291
Registriert: 29.04.2007, 19:23
Wohnort: UK
Kontaktdaten:

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von inmediasres »

Probleme, Probleme, Probleme

"Oft können auch Frauen, die erst zwischen 36 bis 45 Jahren Mutter werden, nicht stillen, da viele Kinder die Brust einer älteren Frau nicht nehmen."
"Das Buch der Mütter", Marie Susanne Kübler, 1891, S.50


"Ein dritter häufiger Grund für das Nichtstillen ist die Ansicht vieler Mütter, daß sie keine oder zu wenig Nahrung hätten, eine Anschauung, die von der Umgebung und von den ärztlichen Beratern in der Regel geteilt wird. Man ist sogar so weit gegangen, eine Lehre aufzustellen, nach welcher infolge Entartung der Rasse das heutige Weib immer mehr die Fähigkeit der Milcherzeugung verliere, und diese Lehre wird auch heute noch aufgetischt, trotzdem schon längst und überall, wo man nüchterne Erfahrungen sammelte, ihre Unrichtigkeit bewiesen worden ist. Wenn die Mütter wirklich wollen, wenn ihnen die richtige Anleitung gegeben wird, so bleiben nur ganz wenige Ausnahmen, bei denen die Milchdrüse gänzlich versagt. 80-90 vom Hundert aller Frauen kommen so weit, daß sie ihr Kind vollkommen sättigen können, bei einer kleinen Anzahl reicht die Nahrung wenigstens für einen Teil des Bedarfes und nur vielleicht 5 vom Hundert erweisen sich als ganz ungeeignet."
aus "Die Ernährung des Säuglings" von Prof. Dr. Heinrich Finkelstein, in "Das Buch vom Kinde", Band 1, Adele Schreiber Hrsg., 1907


"191. Welches sind Stillhindernisse von seiten der Mutter?
Offene Tuberkulose, hochgradige Schwächezustände, schwere Infektionskrankheiten, absoluter Milchmangel, Hohlwarzen. Die Entscheidung, ob ein Stillhindernis vorliegt, hat der Arzt!"
"Säuglings und Kleinkinderpflege in Frage und Antwort", Dr. med. Erich Krasemann, 1929


"209. Aus welchen Gründen saugt ein Kind schlecht?
Mangelnde Saugkraft (Lebensschwäche). Verstopfte Nase (Schnupfen). Unrichtiges Anlegen. Appetitlosigkeit infolge Erkrankungen, Idiotie (mangelnder Saugreflex)."
"Säuglings und Kleinkinderpflege in Frage und Antwort", Dr. med. Erich Krasemann, 1929



"212. Worauf sind die Rückenschmerzen, über die viele stillende Frauen klagen, meist zurückzuführen?
Auf unrichtige unbequeme Haltung während des Stillens."
"Säuglings und Kleinkinderpflege in Frage und Antwort", Dr. med. Erich Krasemann, 1929



"234. Was macht man bei überreichlicher Milchabsonderung?
Will die Mutter kein anderes Kind mit anlegen oder die überschüssige Milch abdrücken, soll sie weniger Flüssigkeit zu sich nehmen und die Trinkzeit des Kindes verkürzen. (Es muß aber die Trinkmenge durch die Wage kontrolliert werden.)"
"Säuglings und Kleinkinderpflege in Frage und Antwort", Dr. med. Erich Krasemann, 1929


"(...) es sind mir auch Beispiele bekannt, wo das Stillen erst den dritten, vierten oder fünften Tag und noch später in den erwünschten Gang gebracht worden ist. Bei den Versuchen, das Kind zum Ziehen zu nöthigen, ist es gewöhnlich von Nutzen, wenn eine erwachsene Person unmittelbar vorher an den Warzen saugt oder wenn ein größeres Kind daran gelegt wird, theils um dieselben zu verlängern, theils aber auch um die Milch zum Fließen zu bringen. Ferner gewährt es öfters auch Vortheil, wenn man die Warzen mit irgend einer unschädlichen Süßigkeit, mit Zuckerwasser, Milch u. dergl. bestreicht, um den Geschmack des Neugebornen zu reizen und es dadurch zum Saugen mehr zu ermuntern."
"Belehrungen über die von Schwangern Gebährenden und Wöchnerinnen zu befolgenden Lebensregeln", Dr. Johann Christian Gottfried Jörg, vierte Auflage, 1842, S.182f


"Manche Kinder saugen, wenn sie zum ersten Mal angelegt werden, sofort, ohne auch nur einen Augenblick Schwierigkeiten zu machen. Andere dagegen sind nicht zu bewegen die Warze zu fassen, schreien mit voller Lungenkraft und müssen schließlich - unverrichteter Sache - wieder ins Bett gelegt werden. Auch beim 2. und 3. Mal gelingt es oft nicht, sie zum Saugen zu bringen, - zur größten Besorgnis der Mutter, die nicht anders denkt, als daß das Kind verhungern müsse. Je größer die Schwierigkeiten sind, die das Kind macht, um so bestimmter muß die Pflegerin darauf dringen, daß keine andere Nahrung zugeführt wird; denn wenn man die Flasche gibt, gelingt es erfahrungsgemäß erst recht nicht, das Kind zum Saugen an der Brust zu bringen. Nur etwas Tee kann man ihm von Zeit zu Zeit im Löffel geben."
Dr.med. Arthur Keller, Dr. med. Walter Birk, "Kinderpflege-Lehrbuch", 1914, S.80f

"Saugschwache Kinder werden bei Frauen mit sehr leicht gehenden Brüsten angelegt bis sie stark genug sind, bei ihrer Mutter zu saugen. Diese hält ihre Brust durch Abpumpen in Gang."
"Brustscheu nennt man Kinder, die an der Brust nur schreien und nicht zum Trinken zu bewegen sind, wobei keine äußerlichen Gründe erkennbar sind. Diese Kinder trinken aber gut aus der Flasche"
Dr.med. Arthur Keller, Dr. med. Walter Birk, "Kinderpflege-Lehrbuch", 1914, S.118


"§. 504.
Die Störungen des Säugegeschäfts sind für die Hebamme von ganz besonderer Wichtigkeit, weil gerade sie durch Umsicht und ausdauernde Sorgfalt bei denselben sehr viel Nutzen stiften, sehr viel Unheil abwenden kann.
Eine der ersten Schwierigkeiten, die sich dem Säugen entgegenstellen, ist die, daß das Kind, wenn es mit dem ersten Nahrungsbedürfnis erwacht, an der Mutterbrust noch keine Milch findet. In diesem Fall ist es am besten, wenn eine andere säugende Mutter da ist, daß das Kind zuerst dieser an die Brust gelegt wird; ist eine andere Mutter nicht da, so muß dem Kinde a u s e i n e m S a u g f l ä s ch ch e n frische Kuhmilch mit gleichen Theilen heißen Wassers und mit Zusatz von wenig Zucker, genau von der Wärme der Mutter, also 30 Grad warm, gereicht werden; jedesmal aber, bevor dem Kinde an fremder Brust oder mit dem Saugfläschchen Nahrung gereicht wird, muß dasselbe an die Mutterbrust gelget und mit Ausdauer zum Saugen bewogen werden, erstens, weil es sich sonst später zum Saugen nicht leicht bequemt, zweitens weil gerade durch das Saugen die Milchabsonderung in der Mutterbrust hervorgelockt wird. Sollte das Kind zum Saugen, weil es noch gar keine Nahrung findet, nicht zu bewegen sein, so muß auf andere Weise das Saugen an der Mutterbrust bewerkstelligt werden, damit die Milchabsonderung in Gang kommt, entweder durch ein älteres kräftiges Kind, oder durch ein neugebornes Thier (Hund, Lamm, Ziege), oder durch erwärmte Flaschen (siehe §. 143.); es giebt auch ganz zweckmäßige Sauginstrumente aus Gummi, und weniger zweckmäßige, sogenannte Milchpumpen aus Glas oder Metall."
"Lehrbuch der Hebammenkunst", Dr Bernhard Sigmund Schultze, Professor der Geburtshülfe, Director der Entbindungsanstalt und der Hebammenschule zu Jena, 2. Auflage, Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1864
feuerdrache
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 7793
Registriert: 08.07.2010, 14:11
Wohnort: Österreich

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von feuerdrache »

Aussprüche der alten Apothekerin hier in der Nähe (und damit hat sie sicher vielen jungen Müttern das Stillen unmöglich gemacht)

# Abwiegen des nackten Kindes vor und nach jedem Stillen, man muss ja wissen wieviel das Kind trinkt.
# Es müssen 4 Stunden Abstand sein zwischen den Stillmahlzeiten sonst treffen alte und neue Milch aufeinander und das macht Blähungen
# Nach dem 1 Jahr hat die Milch keinen Wert mehr, da kommt nur noch Wasser
#besser als Stillen ist abpumpen und mit dem Becher geben damit die Zähne nicht geschädigt werden

#ach die WHO Empfehlungen sind doch nur was für Entwicklungsländer. Bei uns ist das alllles anders.
inmediasres
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 291
Registriert: 29.04.2007, 19:23
Wohnort: UK
Kontaktdaten:

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von inmediasres »

Der Thread Abstillen mit neun Monaten bringt mich darauf, ein paar Zitate zu diesem Thema hinzuzufügen. Die Hinweise, 9 Monate zu stillen und nicht während des Zahnens oder im Sommer abzustillen, finden sich immer wieder. Scheinen eine sehr lange Tradition zu haben.

Das Abstillen

1905:
"Am längsten haben damit die alten Juden, nach einer Stelle in den Makkabäern II, 7, V.28 (45) gewartet, nämlich 3 Jahre, wenn man nicht fabelhaft klingenden Berichten über 4-5-10-14jähriges Säugen bei Chinesen, Indianern und Eskimos (Ploss 181 b, S.279/80) glauben will; auch die griechischen Schriftsteller und nach ihnen die arabischen und mittelalterlichen rieten noch, die völlige Entwöhnung nicht vor 1 1/2-2 Jahren vorzunehmen (6 und 7). Unverständiges Volk hingegen fängt jetzt die teilweise Entwöhnung schon sehr früh nach der Geburt an und scheint es auch damals getan zu haben; denn Soranos tadelt: 'Unrecht haben die Eiligen, die schon nach dem 40. Tage Mehlspeisen zu geben wagen, weil sie fürchten, ihre Milch gehe zu Ende.'"
Die Kinderernährung im Säuglingsalter und die Pflege von Mutter und Kind, Philipp Biedert, Enke Verlag, Stuttgart, 1905

1883:
"Was nun das Entwöhnen im Allgemeinen betrifft, so gilt es als alte Regel, daß keine Frau länger als 9 Monate stillen soll. Meist verbietet sich dies, wenigstens in den Städten, von selbst, da die wenigsten unserer Frauen für so lange Zeit ausreichenden Milchvorrath haben."
Das Buch von der gesunden und kranken Frau in den ersten Stadien des ehelichen Lebens nebst Anleitung zur Pflege des Neugeborenen und des Säuglings und zur Erziehung des Kindes bis zum Ende seines ersten Lebensjahres und einem Anhange über Säuglingskrankheiten, Sanitätsrath Dr. med. Ernst Kormann, Spezialarzt für Geburtshilfe, Frauen- und Kinderkrankheiten zu Coburg, Mitglied der Gesellschaft für Heilkunde zu Berlin, zweite Auflage, Erlangen, Verlag von Eduard Besold, 1883

1921:
"Die Muttermilch ist arm an Eisen und Kalk. Ihr Gehalt an diesen Stoffen genügt für das Gedeihen des Kindes spätestens vom 7. bis 8. Monat an nicht mehr, weil der Eisenvorrat, den das Kind von der Geburt her in seiner Leber vorrätig hatte, in dieser Zeit aufgebraucht ist. Erfahrungsgemäß gedeiht also ein Kind von 7. bis 8. Monat an - wenn es lediglich mit Muttermilch ernährt wird - nicht mehr in vollem Maße. Es wird allmählich blaß, schlapp und verliert seine natürliche Lebhaftigkeit. Um dies zu vermeiden, beginnt man ungefähr im 7. Monat mit der Zufütterung. Die Entwöhnung des Kindes von der Mutterbrust wird auf diese Weise langsam in die Wege geleitet. Man füttert nach Beendigung des ersten Lebenshalbjahres dem Kinde mittags Brühgrieß (Herstellung s. S. 46) mit dem Löffel. Da die Gewöhnung an die neue Kost meist zunächst Schwierigkeiten bereitet, beginnt man mit kleinen Mengen, die vor der Brustmahlzeit gegeben werden. Sobald sich das Kind an die Breikost gewöhnt hat, fällt die Brustmahlzeit mittags ganz fort und wird durch 200 g Brühgrieß ersetzt. Als zweiten Gang bei der Mittagsmahlzeit gibt man jetzt bereits einige Teelöffel Gemüse (Zubereitung s. S. 46). Als weitere künstliche Mahlzeit bekommt das Kind nach einigen Wochen nachmittags 200 g Gemüse mit etwas Salz und zerlassener Butter. Reifes frisches oder gekochtes Obst, das an Stelle des Gemüses gegeben werden kann, erhält das Kind erst, wenn es sich an das Gemüse gewöhnt hat. Über das Aussehen der Entleerungen nach Darreichung von Gemüse s. S. 53. Ist der neunte Monat erreicht, so kann man mit Pausen von je einer Woche, um nicht bei plötzlichem Vorgehen eine stärkere Milchstauung zu verursachen, die weiteren drei Brustmahlzeiten durch künstliche Ernährung ersetzen. Zuletzt wird jedenfalls immer die Morgenmahlzeit abgesetzt, denn nach der Nachtruhe ist die Brust der Mutter noch am längsten verhältnismäßig ausreichend mit Milch gefüllt. Ihre Entleerung bringt der Mutter Erleichterung. Die dem Säugling an Stelle der letzten drei Brustmahlzeiten gereichte Nahrung kann aus je 200 g unverdünnter und ungesüßter Kuhmilch bestehen, die teils mit aufgeweichtem Zwieback oder als Milchgrieß, teils als Getränk aus dem Becher verfüttert wird. Ein regelrecht abgestilltes Brustkind an die Flasche zu gewöhnen, ist durchaus nicht nötig und wird deshalb von vornherein am besten vermieden.
Das Abstillen in der beschriebenen Art bringt Vorteile sowohl für den Säugling, als auch für die Mutter. Das Kind wird schonend an die künstliche Ernährung gewöhnt, für die Mutter wird eine allzustarke Milchstauung, die ihr erhebliche Schmerzen bringen kann, vermieden, und die gute Form der sich zurückbildenden Brust wird besser gewahrt als bei plötzlichem Abstillen. Geringe Beschwerden muß allerdings manche Frau auch bei dieser allmählichen Entwöhnung mit in Kauf nehmen. Bei stärkerem Spannungsgefühl darf gegelegentlich das Kind einmal wieder angelegt werden. Abführmittel, wie Karlsbader Salz, leiten die Flüssigkeit auf den Darm ab und tragen so zur Verringerung der Stauung in der Brust bei.
Das Abstillen soll nicht in den heißen Sommermonaten stattfinden. In diesen Monaten ist durch die schwerer zu verhütende Zersetzung der künstlichen Nährgemische, deren Hauptbestandteil Tiermilch ist, das zu entwöhnende Kind in stärkerer Weise gefährdet, als in kühlerer Jahreszeit. Falls also der 9. Monat gerade in die heiße Jahreszeit fällt, würde man mit dem völligen Entwöhnen noch bis zum Herbst warten und einstweilen nur eine Grießsuppe und eine Gemüsemahlzeit neben 3 Brustmahlzeiten verabreichen. Die Ernährung eines entwöhnten Kindes soll abwechslungsreich sein. Verschiedene Gemüse, wie Mohrrüben, Spinat, Blumenkohl, gelegentlich Kartoffelbrei, gekochtes Obst, reifes, frisches Obst, Gebäck wie Zwieback, Keks, Weißbrot, ferner Brühgrieß, Milchgrieß, verschiedene Puddinge und Vollmilch stellen den Speisezettel dar. Soll ein Kind plötzlich abgesetzt werden, so ist ein Arzt zu Rate zu ziehen. "
Der Säugling - Seine Entwicklung, Pflege und Ernährung, Dr. Otto Köhler, Zweite unveränderte Auflage, Leipzig, Verlag von S. Hirzel, 1921

1832:
"Die Natur hat wohl im Allgemeinen den Zeitpunkt angedeutet, wo das Kind zu entwöhnen ist. Das Erscheinen der ersten Zähne beweist nämlich, daß von diesem Zeitraum an, dem Kinde eine festere Nahrung ein Bedürfniß sey.
Nach diesem Winke der Natur würde es also am besten seyn, die Kinder zwischen der zwanzigsten und sechs und dreißigsten Woche zu entwöhnen; allein Abweichungen von dieser allgemeinen Regel werden sowohl durch den Gesundheitszustand und Befinden der Mutter, als auch vorzügloch durch die Stärke und Körperbeschaffenheit, das Wachsthum, die mehr oder minder fort schreitende Entwicklung des Kindes, und dessen Gesundheit, nöthig gemacht.
Die Bestimmung des Zeitpunktes wo das Kind entwöhnt werden soll, ist aber gar nicht gleichgültig, und es ist unrecht, wenn viele Mütter ganz eigenwillig, oder nach alter Gewohnheit, den Termin dazu auswählen und festsetzen.
Ist das Kind gesund, stark, von kräftiger Körperbeschaffenheit und entwickelt sich schnell, so tritt das Bedürfniß einer gehaltreichern und festern Nahrung früher ein. Die Mutter ist dann genöthigt, auch wenn sie reichlich Milch hat, nach den ersten acht bis zehn Wochen, ausser der Brust, noch eine passende Nahrung zu geben, und es wird dann rathsam seyn, das Kind, wie oben angegeben wurde, zwischen der zwanzigsten und sechs und dreißigsten Woche, ganz von der Brust zu entwöhnen.
Kinder von zarter schwächlicher Constitution, die sich langsam entwickeln, häufig kränkeln, dürfen, ohne Noth, weder so früh eine andere Nahrung ausser der Muttermilch bekommen, noch in der Regel so früh entwöhnt werden. Hat die Mutter oder Amme keinen Mangel an Milch, und treten die in den frühern Abschnitten genannten Veränderungen nicht ein, welche das Entwöhnen von Seiten der Säugenden rathsam machen, so mag ein schwächliches Kind immerhin neun Monate hindurch, oder bis gegen das Ende des ersten Jahres gestillt werden.
Gut ist es, während der Periode des Zahndurchbruches, das Kind nicht zu entwöhnen, da in diesem Zustande der erhöhten Reizbarkeit, in welchen alle Kinder sich während des Zahnens befinden und mehr oder minder kränkeln, die Entziehung der gewohnten Nahrung von nachtheiligen Folgen seyn könnte. Diese Regel ist um so mehr zu beachten, wenn das Kind, was in jedem Falle unrathsam bleibt, auf einmal, und ohne allmälig schon an andere Nahrung gewöhnt zu seyn, von der Brust entwöhnt werden soll; oder wenn, wie so häufig geschieht, das Kind während des Zahndurchbruches an gestörter Verdauung, Blähungen, Leibweh und Durchfall leidet. Bei gesunden, kräftigen Kindern darf nur der Ausbruch der ersten Schneidezähne abgewartet werden, und das Entwöhnen kann während des Zwischenraumes bis zum zweiten Zahndurchbruch geschehen. Ist das Kind überhaupt schwächlich, so ist es besser, etwas länger zu warten.
Der in einigen Gegenden von Deutschland herrschende Glaube, ein Kind dürfe nicht während der Blüthenzeit der Bäume entwöhnt werden, ist ohne allen Grund.
Die wichtichste Regel, damit das Entwöhnen von der Brust ohne nachtheilige Folgen, sowohl für das Kind als für die Mutter vorübergehe, ist die: das Kind nur nach und nach, und nicht plötzlich zu entwöhnen.
Wichtig für das Kind ist es, daß es auf die schon früher angegebene Weise allmälig andere Nahrungsmittel neben der Mutterbrust erhalte. In dem Verhältniß, wie es von diesen öfter und mehr erhält, muß ihm die Brust seltener gereicht werden, so daß es in den letzten Tagen vor der völligen Entziehung der Brust, schon an seine künftige Kost größtentheils gewöhnt sey. Auf solche Weise geht die Veränderung, die plötzlich unternommen, Unruhe und Kränklichkeit des Kindes veranlaßt, ohne unangenehme Empfindung, und ohne allen Nachtheil für die Verdauungswerkzeuge des Kindes, vorüber.
Auch die Mutter erspart sich durch dieses allmälige Entwöhnen mancherlei unangenehme Zufälle, Verhärtungen und Knoten der Brüste, welche die plötzliche Beendigung des Stillens, besonders bei milchreichen Frauen, gar häufig und leicht veranlaßt. Die Milchabsonderung nimmt nämlich nach und nach ab, so wie der Reiz dazu durch das Saugen des Kindes seltner gegeben wird, und eine sparsame wenig nährende Diät und gelinde Abführungsmittel, verbunden mit der passenden äusserlichen Behandlung der Brüste, sind alsdann in den meisten Fällen hinreichend, den Zufluß der Milch zu hemmen, und das Entstehen krankhafter Zufälle an den Brüsten zu verhindern.
Die gewöhnliche Bedeckung der Brüste nach dem Entwöhnen mit Baumwolle, und das Heraufbinden derselben mit Tüchern ist allerdings von Nutzen, indem dabei die Wärme, der Reiz von dem Reiben der Baumwolle, und der mechanische Druck zur Verhütung von Anschwellungen, und zur Zertheilung von Stockungen der Milch zusammenwirkt.
Wo aber diese Mittel, nebst der Ausleerung der zuströmenden Milch durch Milchpumpen, Milchgläser, oder das Aussaugen, die Entstehung von beseutenden Anschwellungen und Verhärtungen dennoch nicht verhüten sollten, da ist der Rath und die Hülfe des Arztes nöthig. Viele Mütter ziehen sich langwierige und schmerzhafte Brustschäden dadurch zu, daß sie den Arzte nicht bei Zeiten zu Hülfe rufen, und die Zeit mit Hausmitteln und Quacksalbereien verlieren."
Taschenbuch für Mütter über die physische Erziehung der Kinder in den ersten Lebensjahren und über die Verhütung, Erkenntniß und Behandlung der gewöhnlichen Kinderkrankheiten, Adolph Menke, K. Bayer. Hofrath u. Professor der Medicin in Erlangen, 2. Auflage, Friedrich Wilmans Verlagshandlung, Frankfurt am Main, 1832


Zu guter letzt noch ein Erfahrungsbericht. Nicht unbedingt eine Lektüre für Zartbesaitete. Um 1900.

"Entwöhnung. Die Natur hat dir selbst die Zeit bestimmt, während der dein Kind an der Mutterbrust Nahrung finden soll. Neun Monate lang hast du es mit deinem Herzblut ernährt, und die gleiche Zeit sollst du es an deiner Brust nähren.
Der Zeitpunkt der Entwöhnung tritt früher ein, wenn ein Mangel an Nahrung vorliegt. Nimmt das Gedeihen des Kindes ab und hat der Arzt Grund, dies auf die bisherige Art der Ernährung zu schieben, so ist man gezwungen, vor der normalen Zeit zu entwöhnen. Krankheit der Stillenden oder Eintritt neuer Schwangerschaft ist ebenfalls ein Grund vorzeitiger Entwöhnung.
Keinesfalls darf die normale Entwöhnung plötzlich vor sich gehen. Alle schroffen Uebergänge sind gefährlich. Sie muß lange vorbereitet und allmählich vorgenommen werden. Nur so wird sie ohne Störung verlaufen. Das Kind ist nach und nach an breiige Uebergangsmahlzeiten, an Griessüppchen, Milchsuppe mit Zwieback, Fleischbrühe mit Ei gewöhnt worden. Die Brust wird ihm spärlicher gereicht, etwa nur zwei oder drei Mal am Tage. Man giebt ihm Kuhmilch in der Flasche oder im Schnabeltäßchen. Wird diese neue Nahrung willig genommen und gut vertragen, so höre man mit dem Darreichen der Brust auf. Das Kind macht der Stillenden diese Entsagung doppelt schwer, da es lächelnd und bittend die Händchen nach ihr ausstreckt, aber sie muß fest bleiben. Am besten zeigt sie sich während der nächsten Tage möglichst wenig. Der Wechsel ist so weniger aufregend für beide Teile. Die Stillende schützt die Brust durch warmes Bedecken und Heraufbinden. Auch für sie ist die geschilderte langsame Entwöhnung das Beste, der Nahrungsquell versiegt allmählich und ohne Beschwerden.
Aber nicht alle Kinder sind willig zu anderer Nahrung. Mein ältester Junge wollte nicht das geringste anrühren; die Milchflasche wehrte er mit Händen und Füßen ab. Als ihn schließlich der Papa in höchst eigener Person zwischen die Kniee nahm und ihm gewaltsam den Saugpfropfen in den Mund steckte, zerbiß er den Gummi, so daß die Milch in weitem Strahl über die Familiengruppe spritzte. Da half kein Zureden, keine Gewalt. Er schrie, strampelte und sah dazwischen immer nach der Thür der Kinderstube, ob seine Lena nicht käme. Da es ein sehr kräftiges Kind war, sagte uns der Arzt, wir sollten ihn ruhig schreien lassen, er werde schon aus Hunger kapitulieren. Natürlich war es mir schrecklich schwer, den lieben Kerl so jammern zu lassen, und mein Mann mußte mir mehr wie einmal sagen, es sei des Kindes eigenes Beste, wenn man ihm nicht wieder die Brust gäbe. Sechsunddreißig Stunden dauerte der Kampf. Der tapfere kleine Bursche gab während dieser Zeit nicht nach, was ihm ein stilles Lob für Konsequenz des Charakters von seiten der Eltern eintrug. Schließlich bezwang ihn der Hunger, und als wir ihm, auf schlimmste Abwehr gefaßt, die Flasche reichten, sog er zufrieden und gierig an dem verhaßten Pfropfen.
Natürlich kann man mit zarten Kindern dies Experiment nicht nachmachen. Da muß man diejenige Nahrung geben, die es bereits gewohnt ist, also z.B. Nestlé's Kindermehl. Man verdünnt es allmählich immer mehr mit Milch, bis das Kind fast reine Milch aus der Flasche oder aus der Tasse trinkt.
Verweigert das Kind die neue Kost, stellt sich Erbrechen ein, so muß man unbedingt wieder die Brust reichen, da sonst leicht Kräfteverfall eintritt. Hat man allmählich entwöhnt, so läßt sich die Milchabsonderung auch wieder durch entsprechende Kost anregen.
Die ungewohnte Nahrung ruft oft leichte Verstopfung hervor, und es werden Klystiere nach und während der Entwöhnung nicht selten notwendig."
Mutter und Kind - Ein Lexikon der Kinderstube - Ratschläge zur Behandlung des Kindes in körperlicher und geistiger Beziehung, J. von Wedell, Stuttgart, Verlag von Levy & Müller, um 1900
Benutzeravatar
enerella
ist gern hier dabei
Beiträge: 72
Registriert: 01.12.2012, 22:07
Wohnort: Wagner-Stadt Bayreuth

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von enerella »

feuerdrache hat geschrieben:Mal abo setzen und später in Ruhe lesen-
Dito!

Das ist ja soooo interessant...
Eni (3/87) mit Julius (2/12) und 🤰🏼 (04/21) ... Natural motherhood
inmediasres
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 291
Registriert: 29.04.2007, 19:23
Wohnort: UK
Kontaktdaten:

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von inmediasres »

Manche Frauen sind imstande, nachdem sie ein Kind neun Monate lang gestillt haben, noch ein zweites ebenso lange zu ernähren. Dies sind namentlich solche, die schon ein oder mehrere Kinder gehabt und ernährt haben. Beim ersten Kind pflegt die Milch früher knapp zu werden.
"Wie behütet man Leben und Gesundheit seiner Kinder?", Dr. Ernst Brücke, 1892

Vermutlich, weil Frauen auch damals schon sich bei folgenden Kindern weniger rein reden liessen als beim ersten. Oder was meint ihr?

LG
Karin
Benutzeravatar
7erendipity
Profi-SuTler
Beiträge: 3313
Registriert: 19.12.2012, 19:21
Wohnort: am Rhein

Re: Eine kurze Geschichte des Stillens - Sammelstrang

Beitrag von 7erendipity »

ABO! Toll recherchiert!

Ich lese gerade:

http://www.amazon.de/The-Politics-of-Br ... astfeeding

Sehr interessantes Buch, sehr gut recherchiert, passend zum Thema.
LG 7erendipity
mit Groß 08/12 und Klein 04/16 und nicht mehr ganz so Winzig 06/19 und *04/15
Oft mit dem Handy unterwegs - das hat seine eigenen Rechtschreibregeln...

Meine KK-Threads
Antworten

Zurück zu „Stillforum“