Waldorfkindergarten-Frust

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Beccy
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von Beccy »

@Tigerlein:

Es tut mir leid, wenn meine Aussage so falsch bei Dir angekommen ist. Ich habe nie geschrieben, dass ich Waldorfpädagogik abwerte, blöd finde oder sonst etwas negatives. Ich habe geschrieben, dass ich mit dem Konzept nicht warm werde . Womit werte ich das Konzept ab? Das ist eine nur für mich gültige Aussage und beruht nicht nur auf den negativen Beiträgen. Auch was Du geschrieben hast unterstützt bei mir das Gefühl, dass ich meine Kinder nicht nach Waldorfart erzogen haben möchte.
Ich kenne auch ein paar Kinder, die ganz klar Waldorfkinder sind und sich in den Abläufen und dem pädagogischen Konzept zuhause fühlen, für mich fühlt es sich aber trotzdem nicht gut an und ich könnte es mir für meine Kinder nicht vorstellen.

Wenn Du dazu einen Austausch machen möchtest, in einem neutralen Thread am runden Tisch bin ich sehr gerne dabei und lege Dir sehr gerne dar, warum.
Liebe Grüße von Beccy mit dem Mariekäferchen 01/09 und dem Küken 08/10

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Kathi
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von Kathi »

Ich denke, dass es ein Problem ist, wenn Eltern falsche Erwartungen haben. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass die Kinder einen vogegebenen Rahmen haben, dass die Struktur sehr fest ist und auch, dass bewertet wird. So Dinge wie "eckelig gegessen" kenne ich auch in anderen Formen "das hast du aber häßlich gemalt". Auch kann ich bestätigen, dass wohl die Waldorferzieher der alten Schule z.T. echt heftig sind. :roll:
Liebe Grüsse,
Kathi mit C. J. 03.03 + N. M. 09.08 + L. F. (07/11) + M. F. (6/15)


“Die Jugend von heute liebt den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor Älteren und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Sie widerspricht ihren Eltern, verschlingt das Essen, legt die Beine übereinander und tyrannisiert ihre Lehrer.“ Socrates (Griechischer Philosoph, 470 – 399 v. Chr.)
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Muschelsucherin
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von Muschelsucherin »

@Tigerlein:
Ja, dort ist alles sehr nach der alten Stuttgarter Schule. Da sind sie auch stolz drauf.
Eine der Erzieherinnen kam neu dazu, sie hat ihre Ausbildung in Manheim gemacht, ist recht progressiv, eröffnet jetzt z.B. die Krippe. Sie wird/wurde übelst gemobbt und unterdrückt.
Dort gibt es ganz klare Hierarchien, Machtspielchen, Mobbing usw. im Kollegium.
Drahtzieherin ist mMn die Babygruppenleiterin, die ganz schlimm intrigiert.

Dort wird sie niemals was ändern. Wenn man als Eltern was sagt, heißt es, man passt wohl nicht rein und suche sich lieber einen anderen Kindergarten.

Ich hoffe, ich darf das erwähnen, aber manche haben vielleicht Lalemis Geschichte mitbekommen.
Das war in unserem Kindergarten.
Als ich meinen Unmut über dieses Verhalten äußerte, durfte ich meine Stillgruppe dort nicht mehr anbieten.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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ClauWi-Trageberaterin GK
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love123
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von love123 »

meine sehr viel jüngeren brüder besuchten beide einen waldorfkiga und danach die schule. ihre mutter besuchte selbst diese schulen, hat das umfeld nie verlassen und ist mittlerweile lehrerin in einer waldorf schule.
ich habe ganz ganz viel außenstehend und trotzdem involviert mitbekommen und muss sagen, auch wenn es sicher regionale und persönlich-/ individuelle unterschiede gibt - und einige wirklich coole dinge, die in allen kigas/schulen umgesetzt werden könnten - unterm strich ist diese ganze ideologie/ dieses erziehungssystem für mich :shock: :?

die starren regeln, die ihr hier teilweise beschrieben habt, kenne ich auch. sie beruhen meiner info nach unter anderem auf der überzeugung, dass alle kinder je nach alter gewisse sachen für ihre entwicklung brauchen und genau die werden gemacht - andere dinge dürfen sie nicht machen, weil es die entwicklung neg. beeinflussen würde (z.b. wann darf/ muss mit was gespielt werden,...)
diese phasen- sache habe ich bei meinen brüdern dann auch u.a. so miterlebt: ein alter, wo sie ein instrument spielen müssen - und das immer weiter, weil jede klasse ein "orchester" macht (bin musikerin und sehr pro instrument - aber gegen diesen zwang. meine brüder spielen jetzt, wo sie mit 18(!) endlich selbst entscheiden durften gar nix mehr. wundert mich gar nicht.)
ein alter, ab dem sie die haare färben dürfen und über ihre frisur entscheiden (bei ausgefalleneren wünschen), 15 oder 16 soweit ich noch weiß. ein alter, ab dem nietengürtel bzw schwarze kleidung erlaubt waren (auch um so 16rum). fand ich alles total befremdlich. mir hätte man das schon mit 13/14 nicht mehr verbieten können/ dürfen...
ich habe dort viel kreatives gesehen, aber alles war eingebettet in so starre regeln und vorschriften, dass ich es dort nicht ausgehalten hätte. (bin aber auch sehr frei aufgewachen und durfte bei allem mitreden, was ich wollte).
meine brüder fanden das alles immer normal und haben sich dem gebeugt, sie kannten es aber auch von daheim nicht anders.
ihre mutter hat ihre überzeugung ja dort auch weiter durchgezogen. das beinhaltete immer schemen, wie etwas zu sein hatte, die immer über persönliche vorlieben oder bedürfnisse gestellt wurden. lief es nicht nach plan, wurde gestraft und gezwungen.
(ihr könnt euch vorstellen, dass ich damit das ein oder andere mal massiv angeeckt bin...)

ich sage nicht, dass alle so sind. aber ich konnte diese tendenzen vielfach bemerken.
wir haben uns für die maus (neben hunderten anderen) auch einen waldorfkiga hier angesehen, der praktischerweise ums eck gewesen wäre. der war dann leider auch so und käme nicht in frage.
alternativ ist halt leider nicht unbedingt immer freier/ offener, sondern halt manchmal einfach nur anders.
große piratin mit großer-kleiner piratin (12/10), kleinem pirat (6/13) und baby piratin (5/17)
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love123
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von love123 »

und der standardsatz, den ich gar nicht packe: "das ist so, weil es eben so ist. die erwachsenen wissen es besser und das kind muss sich dem unterordnen." (klarerweise ist das wort der erwachsenen ja auch "mehr wert")

:klokotz:
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Minchen
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von Minchen »

Also, ich bin immer wieder total entsetzt, wie es in anderen Waldorfeinrichungen abgeht. :shock:

Hier ist sicher auch nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber das ist es ja nirgends. Aber ich bin nach wie vor sehr begeistert - und bei uns war es eher gegenteilig: mein Sohn fragte in den Ferien, wann er denn wieder in den KiGa gehen darf. :shock: :D

Unser KiGa beruht auf einer Eltern-Ini und der Vorstand redet sehr viel mit bzw bestimmt eigentlich nahezu alles. Wir haben zwei Erzieherinnen, die ich "sehr waldorf" einordnen würde und daneben einige "jüngere" (nicht altersmäßig, aber von der Ausbildung her). Das mischt sich ganz gut, noch dazu mit den FSJlerinnen. Unsere Probleme sind eher mäßig - letztes Jahr (und wohl auch die Jahre davor) gab es dauernd Probleme mit einem bestimmten Jungen, die aber sehr nachvollziehbar waren (ich kannte ihn gut, da mein Sohn ihn als besten Freund wählte). Aber auch da haben sich alle (Vorstand UND Erzieher) sehr bemüht, nur leider vergebens.

Machtspielchen habe ich noch nie mitbekommen, Teller umdrehen noch nie gehört. Hier gab es eher das Problem, dass die Kinder (vor allem als besagter Junge noch da war) zu frei waren und in dieser Freiheit ne Menge Mist gemacht haben. Wir haben einen Berg auf dem Grundstück und die Kinder dürfen sich da recht frei bewegen und waren halt teilweise nicht alle beaufsichtigt, wenn sie hinter diesem Berg waren. Das war so gewollt, hat aber nicht gut funktioniert und wurde nun gelöst.

Mh, ich finde es sehr schade, dass durch solche Erfahrungen immer wieder das gesamte Konzept in Frage gestellt wird und dann alle, die noch nichtmal Erfahrungen haben, mit ins ((Vorurteils-)Horn blasen... :(

Achja, 26 Kinder finde ich ja auch :shock: :shock: :shock: . Bei uns sind es in einer Gruppe 20 und das finde ich schon sehr viel...
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)
asujakin
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von asujakin »

Ich finde auch man muss es einfach "erlebt" haben, oder sich wirklich eingehend informieren...nicht nur lesen sondern sich auch mit betroffenen Familien (im positiven wie negativen) austauschen.

Das habe ich die letzten Jahre gemacht und ich für meinen Teil kann wirklich (mit Überzeugung) sagen, dass die wirklich GUTEN Einrichtungen eher die Ausnahme sind. Aber es gibt sie, NATÜRLICH. Ich kenne 2 Waldorferzieherinnen persönlich (also mal unabhängig von denen aus unserem alten KiGa), mit einer bin ich sehr eng befreundet und ich weiß wie liebevoll sie ist und im Grunde ALLE meine Ansichten über das Miteinander mit kleinen Menschen teilt. Die Einrichtung, in der sie arbeitet/arbeiten wird klingt auch sehr sehr liebevoll und ich höre von SuTlern, die ihre Kinder dort haben auch hauptsächlich Positives.

NATÜRLICH geht es auch anders, keine Frage. Und ein solcher Kompromiss wäre für mich persönlich als Mutter das non-plus-ultra gewesen, absolut. Aber die Realität schaut leider anders aus.

Bei uns war es auch eine Elternini und unsere Kritik verlief sich im Sand, weil eingefleischte Waldorfeltern da auch noch total dahinter standen :shock: bzw selbst mit ihren Kindern so umgehen, bzw das Konzept so verinnerlicht haben dass sie nicht sehen wie entwürdigend es da teilweise abgelaufen ist.

Und ja es gab soviel positives in dem Kindergarten...sie waren IMMER (bei jedem Wetter) mehrere Std täglich draussen in der Natur (Berg, Wiesen, Hütten bauen, Spielplätze), die Ernährung war gut, Schnuller und Windel waren NIE ein Thema (anders als im neuen Kindergarten, in dem mein Sohn deshalb quasi ein "bunter Hund" ist :roll: :mrgreen: )

Anfänglich war es so, dass man uns sagte die Eingewöhnung läuft gaaaaaaaanz langsam ab, wir haben alle Zeit der Welt usw. Und ich war wirklich OFT und LANGE dabei aber ich kann ganz ehrlich sagen...sobald es "kritisch" wurde haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt und plötzlich wurde der SChein nicht mehr gewahrt. Plötzlich durfte ich nicht mehr mit reinsitzen obwohl mein Sohn es brauchte, wenn er schwere Phasen hatte... Wenn ich mal früher dran war und im Flur saß konnte ich Dinge hören, da wurde mir ganz anders. Einmal saß mein Sohn heulend bei Tisch weil er mich vermisste, wurde noch aufgefordert seine Kartoffeln fertig zu essen usw. Keiner hat ihm beschmust oder getröstet, er saß allein...dann - bevor die Tür zum Flur aufgemacht wurde - hat man ihn erstmal getröstet, damit er nicht weinend raus kommt und man denken könnte es wäre alles in Ordnung usw.

Sowas passiert NATÜRLICH auch bei anderen Einrichtungen das ist mir schon klar aber diese...mhhh Konformität gibt es da weniger. Jedes Kind hat zB seine eigene Laterne anstatt alle die gleichen, wenn ein Kind mit 3 schon Nähen will kann es das tun usw.

Ich dachte Anfangs meinem Sohn würden die Strukturen total gut tun. Im Grunde finde ich daran immernoch nichts schlechtes! Ich kann auch das Konzept an sich nicht verteufeln und irgendwo in mir ist immernoch etwas, das es total schade findet, dass es für uns so kommen musste (obwohl unser neuer Kindergarten einfach bombastisch ist) aber für meinen Sohn war das nichts und vor allem nicht in DER Umsetzung.

Ich hoffe sehr, dass die Waldorfgemeinschaft aufwacht...dass sich da was tut. Ich weiß, dass es viele gute Leute gibt, die daran arbeiten und sich für ihre Überzeugungen einsetzen und den WAndel voran treiben. Aber leider ist da noch SEHR viel zu tun und das ist der GRund eweshalb ich persönlich dem Konzept noch sehr kritisch gegenüber stehe. Momentan gibt es nur einen Waldorfkindergarten in den ich meinen Sohn schicken würde, aber der ist zu weit weg *hihi* :wink:
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Minchen
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von Minchen »

DAs mit der Eingewöhnung ist immer so ne Sache. In unserem ersten Kindergarten gab es GAR KEINE :shock: , ich habs dann einfach gemacht und nach dem Berliner Modell durchgezogen. Das hat wunderbar geklappt, seitdem bin ich davon sehr überzeugt. Im Waldorf-KiGa waren sie auch für sehr langsam und behutsam, aber ich halte davon nach meinen Erfahrungen und Informationen nichts mehr. Das Berliner Modell scheint mir sehr praktikabel und ich denke, wenn man als Eltern ewig dabei ist, wird das irgendwann nichts mehr. Aber auch das sollte nicht Problem der Eltern sein, sondern der Kindergarten muss für eine ordentliche Eingewöhnung sorgen und dabei auch die unerfahrenen Eltern mit an die Hand nehmen, für die das ja auch nicht einfach ist.

Sorry für OT... :oops:
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asujakin
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von asujakin »

OT: und wer nimmt das Kind an die Hand? Für mich war bei der 2. Eingewöhnung sofort klar. Für uns gibt's nur ein Modell...nämlich das NOAH-MODELL :mrgreen:
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Minchen
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Re: Waldorfkindergarten-Frust

Beitrag von Minchen »

OT: kennst Du das berliner Modell? Das Kind nimmst DU an die Hand und übergibst es dann an die neue Bezugsperson, wenn das Kind sie angenommen hat. Das ganze geht recht schnell (insgesamt 2-maximal 3 Wochen) und funktioniert wirklich gut. Ich empfehle die Lektüre "Die ersten Tage", das hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet, weil ich beim ersten Kind auch so gar keinen Plan und natürlich Angst hatte.
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