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Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 01.06.2012, 14:02
von Punilein
Minchen hat geschrieben:Auch wenn ich mich jetzt hier unbeliebt mache: Kinderschokolade mit 15 Monaten? Ich bin sicher kein kompletter Zuckergegner, auch wenns hier zu Hause kaum welchen gibt. Aber Kinderschokolade ist so ziemlich die mieseste Schokolade überhaupt - und in DEM Alter und als Bestechung für's Nichtstillen? :?

Aber ich schleich mich dann auch mal lieber raus... :|
Ich unterschreib bei Dir Minchen...
DAS finde ich auch wirklich völlig daneben !

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 01.06.2012, 14:03
von Lösche Benutzer 1828
Körperliche AUswirkungen hat so ein bisschen Schokolade ganz sicher nicht - ich bin da eher locker. Muss nicht sein, aber schadet ab und an nicht. Es ginge ja auch nicht um packungsweise Süßkram.

Aber mir käme es komisch vor, mein Kind, das Stillen möchte dann mit Süßigkeiten "abzufertigen". Das fühlt sich für mich komisch an.
Sie ist ja auch noch sehr jung, da kann sie das vielleicht so noch gar nicht verstehen.

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 01.06.2012, 14:07
von Sagittaria
Also ich stille Mika mit zwei Jahren noch nahezu überall, wenn er das möchte - und es hat in 90% der Fälle überhaupt nichts mit Hunger oder Durst zu tun, sondern mit Abschotten, Kuscheln, Anlehnen, Nähe spüren, sich Mama sicher sein usw.

Wenn Du das nicht möchtest, dann fände ich es nur fair, wenn Du Deinem Kind vor der Busfahrt die Möglichkeit gibst, seine Bedürfnisse zu stillen. Oder eben aussteigst, wenn es ein Bedürfnis anmeldet, das Du in dieser Situation nicht erfüllen willst. Ansonsten aushalten und das Kind in seiner Wut annehmen.

Ich halte Ablenkung für ungeeignet, da es dem Kind signalisiert dass sein Verhalten nicht o.k. ist und dass es so, wie es ist, mit all seinen Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen nicht in Ordnung ist. Mit Essen abzulenken und dann noch Süßigkeiten ist für mich ein "NoGo". Die Gefahr, dass Frau das häufig anwendet, weil es einfach ist und funktioniert und dass dann Essstörungen dabei heraus kommen wäre mir viel zu groß.

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 01.06.2012, 14:23
von Lösche Benutzer 1828
Naja, ein Essstörung wird kein Kind entwickeln, dass ab und an mal mit Essen abgelenkt wird - wenn seine Bedürfnisse ansonsten gesehen und wahrgenommen werden.

Wenn Du nicht in der Öffentlichkeit stillen willst, dann zeig Deiner Tochter, dass ihre GEfühle in Ordnung sind, dass Du aber eben nicht stillen magst. Sie darf dann traurig und enttäuscht sein, damit wirst Du sicherlich eine WEile leben müssen. Sag ihr, dass Du weisst, dass sie traurig ist, aber sie gerade nicht stillen magst. Ich weiß, kein gutes Thema für einen vollen Bus ;-).......

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 01.06.2012, 22:37
von Sibi
Sagittaria hat geschrieben: Ich halte Ablenkung für ungeeignet, da es dem Kind signalisiert dass sein Verhalten nicht o.k. ist und dass es so, wie es ist, mit all seinen Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen nicht in Ordnung ist. Mit Essen abzulenken und dann noch Süßigkeiten ist für mich ein "NoGo". Die Gefahr, dass Frau das häufig anwendet, weil es einfach ist und funktioniert und dass dann Essstörungen dabei heraus kommen wäre mir viel zu groß.
Nochmal - es ist eine Ausnahmesituation, die bisher einmal statt gefunden hat. Glaubst Du ernsthaft, dass man mit Ablenkung in einer Ausnahmesituation eine Essstörung fabriziert? Ich sehe da ehrlich gesagt tausend größere Gefahren. Allein schon, welche Sonderstellung Süßigkeiten oder auch nur Nachtisch in vielen Familien haben - ich kann mir nicht vorstellen, dass auf die Weise ein natürlicher Umgang gelernt werden kann. Ich kenne so viele schlanke, gesunde Menschen, die bei jedem Stück Schokolade erzählen, wie ungesund das ist ist oder Schuldgefühle haben. Häufig aus Familien, die auf "gesunde Ernährung" Wert legten. Das ist nicht mein Ziel.

Du würdest also prinzipiell nicht ablenken? Auch nicht mit Hirsestangen oder dem Versuch, aus dem Fenster gucken oder mit dem Handy spielen (so weit, so etwas noch funktioniert)? Ist das alles Nichtwahrnehmen der Bedürfnisse bzw. kommuniziert das alles, dass sein Bedürfnis nicht ok ist? Es gibt also nur die Möglichkeit, dem Bedürfnis des Kindes nachzugehen oder, wenn man das eigene Bedürfnis gerade für wichtiger hält, keine alternative, keinen Kompromiss anzubieten, weil das dem Kind signalisiert, dass sein Bedürfnis "falsch" ist?

Ich gebe zu, ich bin erstaunt, wieviele von Euch (fast alle?) selbstverständlich überall noch stillen, wenn das Kind über ein Jahr alt ist. Kennt Ihr das Gefühl persönlicher physischer Unsicherheit nicht? Beim Stillen bin ich angreifbar, nicht so schnell beweglich - ich finde öffentliche Verkehrsmittel teilweise eh schon grenzwertig. Da zu stillen - vielleicht noch mit einer Gruppe Halbstarker oder biertrinkender Männer mir gegenüber... :shock:

Sandküste
Ja, sie ist jung und versteht nicht sooo viel. Ganz sicher ist kein Verhandeln mit ihr möglich, dass sie dann und dann stillen darf. Genau das ist ja das Problem. Entweder jetzt oder die Welt geht unter.

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 01.06.2012, 23:02
von Lösche Benutzer 7681
Ich stille auch in der Öffentlichkeit, wenn es grade sehr dringend sein muß :)

Allerdings versuche ich schon auch, das ganze nach Hause zu vertagen, was ja im Prinzip nix anderes ist, wie ablenken. Mein Kind darf fast immer und überall stillen, aber wenn ihr das bei Deichmann oder im Baumarkt einfällt, dann nehme ich mir das Recht heraus, sie abzulenken.
Am besten funktioniert singen, was zeigen, oder sie mit dem Handy spielen lassen.

Find ich jetzt ehrlich gesagt auch nicht schlimm, das kommt ja nicht oft vor, da ich ja, wie gesagt, eigentlich kein Problem damit hab, in der Öffentlichkeit (Spielplatz, Park, etc) zu stillen.

AW: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 02.06.2012, 22:19
von honigtopf2010
Sibi hat geschrieben:
Sagittaria hat geschrieben: Ich halte Ablenkung für ungeeignet, da es dem Kind signalisiert dass sein Verhalten nicht o.k. ist und dass es so, wie es ist, mit all seinen Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen nicht in Ordnung ist. Mit Essen abzulenken und dann noch Süßigkeiten ist für mich ein "NoGo". Die Gefahr, dass Frau das häufig anwendet, weil es einfach ist und funktioniert und dass dann Essstörungen dabei heraus kommen wäre mir viel zu groß.
Nochmal - es ist eine Ausnahmesituation, die bisher einmal statt gefunden hat. Glaubst Du ernsthaft, dass man mit Ablenkung in einer Ausnahmesituation eine Essstörung fabriziert? Ich sehe da ehrlich gesagt tausend größere Gefahren. Allein schon, welche Sonderstellung Süßigkeiten oder auch nur Nachtisch in vielen Familien haben - ich kann mir nicht vorstellen, dass auf die Weise ein natürlicher Umgang gelernt werden kann. Ich kenne so viele schlanke, gesunde Menschen, die bei jedem Stück Schokolade erzählen, wie ungesund das ist ist oder Schuldgefühle haben. Häufig aus Familien, die auf "gesunde Ernährung" Wert legten. Das ist nicht mein Ziel.

Du würdest also prinzipiell nicht ablenken? Auch nicht mit Hirsestangen oder dem Versuch, aus dem Fenster gucken oder mit dem Handy spielen (so weit, so etwas noch funktioniert)? Ist das alles Nichtwahrnehmen der Bedürfnisse bzw. kommuniziert das alles, dass sein Bedürfnis nicht ok ist? Es gibt also nur die Möglichkeit, dem Bedürfnis des Kindes nachzugehen oder, wenn man das eigene Bedürfnis gerade für wichtiger hält, keine alternative, keinen Kompromiss anzubieten, weil das dem Kind signalisiert, dass sein Bedürfnis "falsch" ist?

Ich gebe zu, ich bin erstaunt, wieviele von Euch (fast alle?) selbstverständlich überall noch stillen, wenn das Kind über ein Jahr alt ist. Kennt Ihr das Gefühl persönlicher physischer Unsicherheit nicht? Beim Stillen bin ich angreifbar, nicht so schnell beweglich - ich finde öffentliche Verkehrsmittel teilweise eh schon grenzwertig. Da zu stillen - vielleicht noch mit einer Gruppe Halbstarker oder biertrinkender Männer mir gegenüber... :shock:

Sandküste
Ja, sie ist jung und versteht nicht sooo viel. Ganz sicher ist kein Verhandeln mit ihr möglich, dass sie dann und dann stillen darf. Genau das ist ja das Problem. Entweder jetzt oder die Welt geht unter.

Ja, diese Diskussionen hatte ich befürchtet. Danke für deine Betrachtungsweise. Ich empfinde ein natürliches Verhalten zu allen Lebensmitteln als sinnvoll. Soviel OT

Gummibären sind da aus Sicht vieler sicher nicht besser geeignet als Schokolade. Aber ich habe in dem Alter gar keinen Zusammenhang zu der aktuellen Situation hergestellt, sondern losgelöst. Das funktioniert jetzt mit über zwei nicht mehr. Und auch bei uns gibt es nichts Süßes zur Belohnung. Aber es ging um einen konkreten Tipp für so eine Situation. Und ich finde das dann total i.O.

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 03.06.2012, 22:42
von Sibi
So, wir hatten am Wochenende noch ein paar Fahrten.
Beim 1) mal wurde Kind kurz vorm Losfahren gestillt und wollte in der Bahn dann doch. Ich habe sofort eine Hirsestange angeboten und Kind war froh. Stillen wurde dann 4 h später wieder eingefordert.
Beim 2) mal wurde Kind ebenfalls kurz vorher gestillt und wollte dann doch gleich wieder in der Bahn. Alternativ wollte sie durch die Bahn tigern - das durfte sie und hatte kein weiteres Verlangen bis wir zu Hause waren.
Beim 3) mal war der Bus so leer und ich hatte eine günstige Position, so dass ich kurz gestillt habe - nach 10 sek. unmotiviertem Stilen war aber das Bedürfnis schon wieder vorbei und Kind dockte ab. :shock:

Ich bin ja durchaus ins Grübeln gekommen, hinsichtlich der Frage, ob ich meinem Kind vermittle, dass seine Bedürfnisse nicht richtig sind, wenn ich es ablenke. Danach habe ich in Situation 1) und 2) eher ungünstig reagiert. Andererseits war mein Kind zufrieden damit und Situation 3) zeigt mir, dass es offenbar durchaus auch mal so ein "Annuckeln" ist, ohne wirklich echtes Stillbedürfnis zu sein. (Denn das wäre nach 10 sek. halbherzigem Nuckeln nicht befriedigt.)

Ich tue mich nach wie vor schwer mit der Einsicht, dass ich meinem Kind seine Bedürfnisse nicht zugestehe, nur weil ich in ungünstigen Situation schaue, ob wir nicht einen anderen Weg finden. Sie war in Situation 1) und 2) viel mehr bei der Sache (also Hirsestangen kauen und Bahn erkundschaften) als 3) beim Stillen. Das kann natürlich auch mal anders sein (und das war es offenbar an dem Tag, als ich dieses Thread eröffnete), aber offenbar ist nicht jedes Anmelden von Stillbedürfnis so wichtig für sie. Ich hatte bei 3) das Gefühl, dass es am ehesten Langeweile ist. Gut, da wäre Hirsestange wohl auch nicht das Richtige. (Essen gegen Langeweile) Aber Stillen gegen Langeweile im Bus muss doch nun auch nicht sein, oder?

Sagittaria, Sandküste, was meint ihr?

Minchen, meine Frage zu den negativen Folgen meinte ich ernst!

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 05.06.2012, 14:00
von Minchen
Entschuldige, ich komme derzeit kaum zum Schreiben, hatte nur am Handy gelesen und da schreibt es sich immer so schlecht. Mal sehen, wie lange meine Kleine mich jetzt lässt... :wink:

Also, erstmal finde ich nicht, dass Du in den Situationen so falsch reagiert hast. Ich sehe es grundsätzlich so: wenn mein Kind stillen will, schau ich genau hin (meistens weiß man ja, as los ist). Ist es müde, hat es sich weh getan, gab es eine anstrengende Situation, hat es Hunger/Durst. Habe ich das Gefühl, das Kind hat Hunger oder Durst, biete ich beides an. Wir hatten hier auch schon die Situation, dass sie dann sichtlich froh darüber war, etwas zum Essen oder Trinken zu bekommen. Die erste Wahl war bei meinen Kindern lange immer die Brust, auch bei Hunger und Durst.

Die negativen Folgen hat Saggitaria ja eigentlich schon beschrieben: Dein Kind hat ein Bedürfnis nach Nähe, nach Geborgenheit, Ruhe = MAMA. Die Gründe sind ja eigentlich vollkommen egal - wenn ein Kind keinen Hunger und Durst hat, stillt es aus einem anderen Grund, der eben eigentlich nur durch das Stillen befriedigt werden kann. Wenn ich in dieser Situation meinem Kind etwas Süßes anbiete, ist doch der Lerneffekt klar: ich suche Trost/Nähe/Geborgenheit und bekomme anstelle dessen etwas Süßes. Ich denke, der Weg dahin, auch später in solche Situationen so zu reagieren ist nicht unwahrscheinlich. Ich kenne so viele Freundinnen (meistens nicht normalgewichtig), die genau das tun: bei Liebeskummer, bei Frust, bei Stress - immer wird das Gefühl mit Essen betäubt. Ich bin keine Psychologin, aber ich halte das deswegen für einen komplett falschen Ansatz.

Zur Kinderschokolade: ich weiß, dass das viele hier und auch im RL entspannt sehen. Ich kann das nicht mehr, seit ich "Die Essenfälscher" von Thilo Bode gelesen habe. Insbesondere die Kinderprodukte hat er ziemlich genau beleuchtet und ich kann sie seither nicht mehr essen. WIrklich nicht. Und ich war früher ein absoluter "Kinder-Fan". Da ist einfach so viel ekeliges Fett drin - daneben die Vermarktung, die uns suggerieren soll, was wir unseren Kindern Gutes tun... :roll:
Meine Kinder bekommen ab und an Süßes, allerdings zu Hause so gut wie gar nicht. Sie vermissen nichts, wenn sie es nicht ständig zur Verfügung haben. Sicher wird das irgendwann schwieriger werden, wenn sie älter sind, aber mit nur einem kleinen Kind kann man das wirklich noch sehr gut steuern. Und auch wenn immer die Argumentation kommt, es würde ja schon nicht schaden, wenn sie MAL was bekommen (weiß man's?): es schadet ihnen noch viel weniger, wenn sie nichts bekommen (das ist sicher). :wink:

Re: Wutanfälle in der Öffentlichkeit - tagsüber abstillen?

Verfasst: 05.06.2012, 15:51
von Sagittaria
Ich sehe die dritte Lösung als die beste an. Sie hat Bestätigung bekommen, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden und Du wahr nimmst, was sie möchte und damit war das schon erledigt und sie konnte die Brust direkt wieder los lassen.

Hirsestange ist natürlich viel besser als Kinderriegel und wenn sie echt Hunger hat als Alternativangebot natürlich vollkommen o.k.

Ich würde halt auch immer nach meiner Verfassung und nach der des Kindes schauen und halt eher nachgeben, wenn ich gut drauf bin, mein Kind aber nicht und eher ablenken, wenn ich ganz mies drauf bin, nicht stillen möchte und auch keine Nerven für einen "Zwergenaufstand" hätte :wink: