jusl hat geschrieben:"Das Beste fürs Kind" ist gerade genau KEIN Grund, es zu tun!
Fährst Du das BESTE Auto? Atmest die BESTE Luft? Hast den BESTBEZAHLTEN Job? Lässt Deinem Kind die BESTE Ausbildung angedeihen?
Wahrscheinlich nicht. Den allerallermeisten Leuten reicht eine NORMALE Ausbildung, HALBWEGS saubere Luft, eind DURCHSCHNITTLICHER Job und ein MITTEL-TOLLES Auto. Jeder Mensch weiß, dass NORMAL-GUT reicht (für alles im Leben!), man kommt auch super ohne DAS BESTE klar. Ständig danach zu streben, kann in fiesen Dis-Stress ausarten, und insb. junge Mütter sind für diese Art von Perfektionismus besonders anfällig. GENAU DAS ist auch den Marketing-Strategen klar, die hauen genau in diese Kerbe ("Für Mütter die das Beste geben", "Das Beste aus der Apt*mil-Forschung" usw).
Das ist der Grund, warum sich die Stillverbände seit Jahren dafür einsetzen, das Stillen als das zu bezeichnen, was es ist: Das NORMALE nämlich. Künstliche Säuglingsnahrung muss sich also mit dem NORMALEN messen. Und im Vergleich dazu hat künstliche Säuglingsernährung eine laaaange Liste an Nachteilen.
LG
Julia
Das fühlt sich schön an! Danke dafür!
Was bei den Durchschlaf-Diskussionen vergessen wurde:
Ein frühes Durchschlafen ist zwar das "beste" für die Mutter - aber nicht unbedingt für den Säugling! Dieses oft angestrebte Ziel, den Säugling so früh wie nur irgend möglich zum Durchschlafen abzurichten, ist meiner Meinung (und Erfahrung) nach totaler Mumpitz. Ein früh durchschlafender Säugling ist nicht der "Beweis" dafür, dass man alles "richtig" gemacht hat oder alles super gut läuft. Das ist nicht das, was die Natur anstrebt - denn sonst hätte sie es so eingerichtet, dass die Kinder sofort durchschlafen. Hat sie aber nicht. Sie hat in den Babys programmiert "ich muss bei Mama sein und ganz ganz oft nach Nahrung brüllen, damit ich überlebe". Das ist zwar anstrengend, aber gut und wichtig!
Meine (gestillte) Tochter hat mit 6
Wochen durchgeschlafen. Zuerst dachte ich "hej super!" - irgendwann stellte ich fest, dass das eher suboptimal war. Ich hatte beim Stillen anfangs massive Anlegeprobleme, schlechte Hebammen, wirklich schlechte Hebammen und noch nicht die Weitsicht, eine Stillberaterin persönlich zu kontaktieren. Bei der U mit 3 Monaten stellte sich dann heraus, dass das Kind seit Geburt keine 900g zugenommen hatte

Denn es bekam nichts aus meiner Brust raus! Trotz allabendlichen Clusterfeedings, etc. Die Tatsache, dass die kleine nachts durchschlief, lag also nicht daran, dass ich besonders toll pädagogisch agiert hätte oder ihr abends das richtige zu Essen gab, sondern daran, dass sie zu viel Kraft tanken musste... Nicht ganz so witzig, wie ich finde. Dummerweise haben wir dann den Rat des Kinderarztes befolgt, ihr nach 20 Minuten stillen (eine Stillmahlzeit dauerte gern mal ne Stunde, weil sie sich müde nuckelte ohne Erfolg zu haben) die Flasche anzubieten - nach noch nicht einmal einer Woche hatten wir abgestillt. Logisch.
Ich bin deshalb SEHR froh drum, dass der kleine Mann nachts immer noch nicht durchschläft - so weiß ich wenigstens, dass er sich alles holt, was er braucht und die Kraft hat, seine Bedürfnisse einzufordern.
Am Stillen und der Muttermilch selbst lagen die Probleme beim Stillen meiner Tochter übrigens nicht. Das hier ist nicht nur ein Plädoyer für durchwachte Nächte, sondern auch für das rechtzeitige Kontaktieren von Stillberaterinnen. Unsere Probleme wären sowohl vermeidbar als auch behebbar gewesen! Beim zweiten hatte ich eine gute Hebamme mit besseren Ratschlägen, mehr angelesene "Erfahrung" und die Gewissheit, dass ich mir Hilfe besorgen kann. Der kleine nahm in den ersten 3 Wochen so viel zu, wie die große in den 3 Monaten
