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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 06.04.2012, 09:20
von Lea97
Tina1977 hat geschrieben:
Ich glaube nicht, dass er nicht auf euch steht. Das liest sich echt traurig, wie du das schreibst. Er kämpft bestimmt nicht gegen euch. Ich glaube, er kämpft mit sich. Vielleicht fällt es ihm gerade noch schwer, die ganze Liebe und Fürsorge von euch anzunehmen. Vielleicht testet er auch unbewusst, ob ihr ihn immer noch liebt, wenn er sich wehrt.
Das denke ich auch. Es erinnert mich sehr stak an die Jugendlichen mit denen ich gearbeitet habe und die nicht nur oftmals misshandelt/missbraucht wurde, sondern auch nie wirklich Liebe erfahren haben und ständige Beziehungsabbrüche.
Ich denke, er schützt sich selber, weil er Angst davor hat, dass er all das wieder verlieren wird. Sicherlich nicht bewusst, aber eben intuitiv.
Sieh diesen Kampf positiv, denn im Grunde ist er das. Das ist der Anfang von Beziehungsaufbau und Nähe, dazu gehören auch all diese negativen Gefühle und Kämpfe. Das macht man nicht mit Fremden, die sind einem egal. Und ganz sicher testet er auch ein bisschen wie weit er wohl gehen kann bis auch ihr auf die ein oder andere Weise aufgebt.
Ich finde es total super was du machst und ich kann in etwa nachvollziehen, was man da durchmacht. Ich hatte auch schon einige Pflegekinder, allerdings schon viel älter.
Nur Mut, das wird!
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 06.04.2012, 09:27
von Lösche Benutzer 9567
Ich wünsch euch viel Kraft für die kommende Zeit.Es ist ganz wunderbar wie du das machst.
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 06.04.2012, 09:44
von tagesmama-sarah
von mir auch den größten RESPEKT, ich arbeite als tagespflegeperson und habe bisher nur "normale" kinder an meiner seite, kenne aber eine unmenge an U3 kindern und ich merke immer schnell die unterschiede wie sie in den familien behandelt werden und welche viel nähe und körperkontakt bekamen und welche nicht.
ich finde es super schön was du diesem kind gibst und geben möchtest!
ich habe auch vor irgendwann eine pflegekind in meine familie zu nehmen, aber noch bin ich nicht dazu bereit genau wegen dem standpunkt das meine arbeit die ich am kind verrichte, die liebe und nähe die ich dem kind gebe das irgendwan nder tag kommt wo das alles wieder zerstört wird durch falsche entscheidung des jugendamtes was auch immer. ich werde deinen berichten weiter folgen!!
liebe grüße sarah
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 06.04.2012, 22:08
von Nuala
Wow das klingt heftig... Das fordert euch allen sicher viel Kraft ab - dir, aber sicher auch dem Rest deiner Familie.
Meinen tiefsten Respekt und viel Kraft! Bitte berichte weiter...
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 07.04.2012, 11:13
von Julez
Ich bewundere dich auch für dein Vorhaben!
Und möchte dich mit lobenden Worten bestärken:
Ich finde es Klasse!
Einem Kind das schon viel durch gemacht hat so eine tolle Möglichkeit zu bieten ist echt eine große Leistung.
Informierst du uns weiterhin ?!
Das hat bei mir großes Interesse geweckt!
Drücke ganz fest die Daumen das alles klappt und das du nicht nochmal auf so eine abweisende Person wie deine Frauenärztin triffst!
Liebe Grüße
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 21.04.2012, 22:26
von cornucopia
Ihr Lieben,
es wird Zeit, euch mal wieder ein Update zu geben.
Der Kleine ist nun einen Monat bei uns. Heute hat er meinen Mann so „misshandelt“, dass seine Lippe aufgeplatzt ist. Nein, ein pflegeleichtes Schmusekind ist er wirklich nicht. Nach wie vor schreit und windet er sich und tritt auf uns ein, wenn wir normale Verrichtungen wie waschen, wickeln, füttern machen wollen. Auf den Schoß will er auch nicht, immer noch nicht. Dabei habe ich die Regel eingeführt, dass es das Fläschchen mit der Muttermilch nur auf dem Schoß gibt. So Leid es mir tut, wenn er sich vom Schoß windet, nehme ich das Fläschchen weg.
Das Gute daran ist, dass ich das nur tue, weil er inzwischen mehr trinkt. Es ist als ob der Besuch bei der Logopädin an sich schon geholfen hätte. Sie riet uns, dann eben mehr Milch zugeben, wenn es das ist, was er trinkt. Nun trinkt er morgens uns abends Pulvermilch, angereichert durch das, was ich so abpumpe. Außerdem gibt es zwischendurch, wenn er danach giert, eben auch mal ein kleines Fläschchen mit abgepumpter Milch in Reinform. Jetzt sind die Windeln nass und laufen sogar schon mal über. Von daher bin ich beruhigt, selbst wenn er dadurch zunimmt. Wasser trinkt er leider immer noch nicht in nennenswerter Menge.
Derzeit machen wir uns also eher einen Kopf um sein Verhalten. Hoffentlich kriegen wir das irgendwann in den Griff. Natürlich verstehen wir, dass er viel zu verarbeiten hat. Aber irgendwie müssen wir ja miteinander klar kommen. Das kann nicht alles einfach zu Lasten der Familie gehen. Unsere große Tochter macht uns zwischendurch auch immer mal wieder Sorgen. Plötzlich sagt sie Dinge wie „Ich wünschte ich wäre tot“. Oder sie zieht sich heimlich Windeln an, an einem Nachmittag ein halbes Dutzend, und benutzt sie auch für den vorgesehenen Zweck. Klar, kann alles vorkommen, kommt jetzt aber gehäuft und kannten wir früher gar nicht.
Es ist also eine schwere Zeit für alle, und niemand kann sagen, ob es jemals besser wird. Es wäre erträglicher, wenn ich einen zeitlichen Rahmen wüsste und darauf hin arbeiten könnte. Wenn ich wüsste, dass ich z.B. Weihnachten keine Treppengitter mehr brauche und wieder Sachen auf dem Tisch liegen lassen könnte. Oder wenn ich wüsste, ob das mit dem Abpumpen überhaupt Sinn macht. Es ist schon eine Qual. Ich habe heute tagsüber 12 Std. nicht pumpen können, war unterwegs. Die ganze Zeit mit schlechtem Gewissen.
Wenn er doch nur direkt von der Brust trinken würde, das würde es erleichtern. Aber die Logopädin sagte, das könne ich vergessen. Er hat nicht die erforderliche Muskulatur dafür. Und bis auf die letzten Backenzähne sind ja alle Beißerchen da. Da er das Stillen nicht gewohnt ist und bei der Nahrungsaufnahme immer einen ganz vollen Mund braucht, um überhaupt zu spüren, dass da etwas ist, wären wundgebissene Brustwarzen zu erwarten. So weit geht meine Opferbereitschaft dann doch nicht.
Nach wie vor also viele Baustellen. Ich weiß nicht, ob wir das durchhalten. Wir möchten es so gerne, aber unsere Kräfte sind begrenzt. Dabei haben wir den Kleinen durchaus lieb gewonnen.
Viele Grüße
cornucopia
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 21.04.2012, 22:32
von AnnaH
Danke für deinen Bericht
Auch wenn es für euch im Moment eine sehr schwierige Zeit ist durch die ihr alle geht. Jeder Einzelne von Euch leistet da im Moment echt wunderbares.
FÜhl dich gedrückt.
Anna
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 21.04.2012, 22:38
von rueckenwind
Ich hab hier immer mal mitgelesen und muss sagen, dass ich es teilweise ganz schön bedrückend finde.
Bei dem, was du schreibst, habe ich ein bisschen den Eindruck, als hättet ihr gerade so viele Baustellen, dass das Abpumpen vielleicht nicht das Zentralste ist und du dir deswegen wohl kaum Vorwürfe machen musst...
Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen und hoffe, dass der Kleine bald merkt, dass er bei euch einen sicheren Hafen gefunden hat!
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 22.04.2012, 00:14
von Nuala
Unglaublich! Ich bewundere eure Kraft! Es ist ein Geschenk dass es Menschen wie euch gibt!
Weiterhin ganz ganz viel Kraft!!!!
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 22.04.2012, 13:40
von Dickkopf-Mama
Ich lese hier schon eine Weile still mit aber ganz ehrlich finde ich deine Berichte immer bedrückender
cornucopia hat geschrieben:
Der Kleine ist nun einen Monat bei uns. Heute hat er meinen Mann so „misshandelt“, dass seine Lippe aufgeplatzt ist. Nein, ein pflegeleichtes Schmusekind ist er wirklich nicht. Nach wie vor schreit und windet er sich und tritt auf uns ein, wenn wir normale Verrichtungen wie waschen, wickeln, füttern machen wollen. Auf den Schoß will er auch nicht, immer noch nicht. Dabei habe ich die Regel eingeführt, dass es das Fläschchen mit der Muttermilch nur auf dem Schoß gibt. So Leid es mir tut, wenn er sich vom Schoß windet, nehme ich das Fläschchen weg.
Warum muss er denn unter solchen Methoden unbedingt auf den Schoß? Natürlich kann und will ich mir kein Urteil erlauben, aber in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Kinder die sehr wenig körperliche Nähe möchten und wenn sie von den Eltern über Nahrungsentzug dazu erpresst würden fände ich das sehr bedenklich.
cornucopia hat geschrieben: Derzeit machen wir uns also eher einen Kopf um sein Verhalten. Hoffentlich kriegen wir das irgendwann in den Griff. Natürlich verstehen wir, dass er viel zu verarbeiten hat. Aber irgendwie müssen wir ja miteinander klar kommen. Das kann nicht alles einfach zu Lasten der Familie gehen. Unsere große Tochter macht uns zwischendurch auch immer mal wieder Sorgen. Plötzlich sagt sie Dinge wie „Ich wünschte ich wäre tot“. Oder sie zieht sich heimlich Windeln an, an einem Nachmittag ein halbes Dutzend, und benutzt sie auch für den vorgesehenen Zweck. Klar, kann alles vorkommen, kommt jetzt aber gehäuft und kannten wir früher gar nicht.
Welche Unterstützungen gibt es für eure Kinder denn um mit der Situation klar zu kommen? Ist da überhaupt (offiziell was vorgesehen?) Ich frage weil wir im Bekanntenkreis auch eine Familie hatten wo die leiblichen Kinder sehr unter der Situation mit den Pflegekindern gelitten haben. Muss man das alles als Pflegeeltern auffangen können oder bekommt man da Unterstützung
cornucopia hat geschrieben: Wenn er doch nur direkt von der Brust trinken würde, das würde es erleichtern. Aber die Logopädin sagte, das könne ich vergessen. Er hat nicht die erforderliche Muskulatur dafür. Und bis auf die letzten Backenzähne sind ja alle Beißerchen da. Da er das Stillen nicht gewohnt ist und bei der Nahrungsaufnahme immer einen ganz vollen Mund braucht, um überhaupt zu spüren, dass da etwas ist, wären wundgebissene Brustwarzen zu erwarten. So weit geht meine Opferbereitschaft dann doch nicht.
Deinen Erzählungen nach dürfte doch seine Mangelnde Fähigkeit Nähe zu ertragen das weit größere Problem darstellen, oder?
cornucopia hat geschrieben: Nach wie vor also viele Baustellen. Ich weiß nicht, ob wir das durchhalten. Wir möchten es so gerne, aber unsere Kräfte sind begrenzt. Dabei haben wir den Kleinen durchaus lieb gewonnen.[.
Viele Grüße
cornucopia
Ich weiß, dass das hier überhaupt nicht zum Tenor passt aber ich habe den Eindruck, dass du eurem Pflegekind die für dich absolut optimalste "Pflege", "Zuwendung" etc... angedeien lassen wolltest in der Hoffnung, dass so viele Defizite behoben werden könnten, aber passt diese idealvorstellung zu eurem Pflegesohn? Vielleicht wäre es nicht so frustrierend, wenn du eine Herangehensweise nimmst die nicht vom normalen Optimum für ein Kind ausgeht sondern von dem was für dieses spezielle Kind am besten ist. Ich musste so ein bisschen an unsere Katze denken, die wir arg misshandelt aus dem TH übernommen haben. Ich glaube wenn wir ihr gegen ihren Willen gezeigt hätten, wie schon doch schmusen sein kann hätte ihr das den Rest gegeben, so kam sie nach 5 Jahren freiwillig, nach ihrem Bedarf.
Ich möchte dich mit meinen Worten auf keinen Fall angreifen, denn ich bin sicher, dass ihr sehr engagiert und mit sehr viel Liebe versucht diesem Kind alles zu geben was es bisher entbehrt hat, aber wenn es darauf hinaus läuft, dass ihr euch dabei kaputt macht und ihn dann ggf. wieder abgeben müsst ist es evtl.nötig zu gucken ob euer Weg der passende ist.
Ich wünsche euch alles gute!