Also, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Es wurde hier so viel gesagt, zu dem ich mich gerne äußern würde, aber ich habe gerade auch nicht ganz so viel Zeit

, Möppi erwacht nämlich ständig, daher fasse ich mich kurz:
1. Das Thema scheint ja hohe Wellen zu schlagen. Und tatsächlich dachte ich eigentlich eher daran, hier vielleicht auf andere eher wohlwollend Interessierte zu stoßen. Ich will ganz bestimmt niemanden dazu zwingen, sein Kind aus der Regelschule zu nehmen. Absolut nicht. Ich habe ja selbst als Lehrerin an einer Regelgrundschule gearbeitet und hatte mit meinen Kindern dort auch sehr viel Spaß. In meiner letzen Regelschul-Klasse gab es übrigens einige sehr engagierte Lerner, die sich gegenseitig motivierten, was z.T. sehr schön zu beobachten war. Nicht schön war allerdings der enorme Druck, der von den Noten ausging und regelmäßig zu Tränen und Streitigkeiten führte. Ich bin dafür, Kindern zu einer Selbsteinschätzung zu helfen, damit sie vom Urteil anderer unabhägiger werden.
2. Ich engagiere mich aktiv für ein besseres Schulsystem für alle Kinder und zwar in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auch in meiner praktischen Arbeit war mir der Umgang mit den Kindern und die Umsetzung alternativer Konzepte immer wichtig. Meine Zulassungsarbeit habe ich zum Thema "Demokratieerziehung" geschrieben und darin auch neue Theorieschemata entwickelt.
Leider muss ich meinen Vorrednerinnen recht geben, auch ich schätze die Möglichkeiten, eine breite Masse für diese Themen zu gewinnen, eher gering ein. Selbst als Lehrerin treffe ich auf Elternabenden oder in Elterngesprächen oft auf Unverständnis in diesen Fragen, obwohl ich ja in den Fällen ganz konkret das Wohl ihrer Kinder im Sinn habe. Zu viele Menschen halten sehr stark fest an dem was sie kennen und als sicher einschätzen. Methoden, die Zeit brauchen und deren Ergebnisse von außen auch nicht immer sichtbar sind, sind schwer zu vermitteln. Sehr gut hat mir gefallen, was Herbert Gudjons mal dazu sagte: "(Als Lehrer) sähen wir, aber wir sind nicht immer dabei, wenn geerntet wird." Aber genau das wird in unserem Schulsystem oft verlangt: Wissen nach Plan. Heute kommt es rein, nächste Woche wird es abgerufen. Ich wünsche mir eine Schule, in der Kinder Dinge in ihrem Tempo und auf ihre Weise verarbeiten können.
3. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Schulen. Ich bin sogar sehr gerne Lehrerin. Weil ich weiß, dass es Themen gibt und Methoden, die Kindern (und Lehrern) großen Spaß machen. Aber die meisten Schulen bieten zu wenige Möglichkeiten dazu. Zuletzt habe ich sogar an einer freien Schule gearbeitet, aber ich war davon sehr enttäuscht, weil vieles auf dem Papier toll klang, aber letztendlich schon allein an der Klassenstärke scheiterte...
3. Unschooling interessiert mich sehr, weil ich mit meinem Baby gerade hautnah erlebe, wie es sich die Welt erschließt und alle Lerntherorien vom selbstbestimmten Lernen und der intrinsischen Motivation kriegen einen völlig neuen Sinn. Warum sollte ein Kind mit dem Erreichen eines bestimmten Alters plötzlich eine Institution zum Lernen brauchen?
4. Sozialisation hat viele Gesichter. Heißt ja eigentlich eine Eingliederung in die Gemeinschaft. Schule hat auch die Aufgabe einer Reproduktion der Gesellschaft. Das ist aber nur zum Teil erstrebenswert, finde ich. Es ist ein Spannungsfeld von Erhalt einer Gemeinschaft und Innovation. Nur wer offen denkt, kann die Gesellschaft auch verändern.Tatsächlich finde ich es aber auch manchmal bereichernd in der Gruppe zu sein, zu spielen, zu arbeiten. Die Frage ist nur, ob das wirklich jeden Tag und in dieser Form stattfinden muss.
5. Mein "Schulkonzept" ist ja so was, wie eine Mischung von schooling und unschooling. Da ja Unschooling in Deutschland ja auch nicht möglich ist, geht es ja auch gar nicht anders. Grob gesagt, stellte ich mir eine Art Schulgründung vor, allerdings eher temporär und in sehr kleinem Rahmen. Z.B. ca. 10 Familien, die sich zusammenschließen und eine Wohnung anmieten mit z.B. drei Räumen, die unterschiedlich eingerichtet werden, als anregende Lernumgebung, aber unaufdringlich und wohnlich. Die Kinder unterschiedlichen Alters kommen hier zusammen und können frei lernen, quasi Unschooling nur in der Schule und ich biete immer wieder so "Unterrichtsinseln" an, zu bestimmten Themen, an denen die Kinder neben ihren eigenen Projekten teilnehmen KÖNNEN. Nebenbei gibt es Zeit für Gemeinschaft, immer zwei Kinder kochen für den Rest Mittagessen, etc. Natürlich habe ich mir dazu noch viel mehr überlegt, aber das würde meiner "kurzen" Nachricht nun wirklich den Boden ausschlagen...
Ein schöner Film, nicht direkt zum Thema Unschooling, eher Lernen, besonders auch im Alter vor der Schule, aber auch freies Lernen anschließend, ist der Film "Kinder!" von Reinhard Karl. Den empfehle ich euch sehr!
(Die PN habe ich übrigens nicht gekriegt

)