lala hat geschrieben:
Ich frage mich, wer diese Menschen in der Vergangenheit daran gehindert hat mehr Geld für bessere Lebensmittel auszugeben

Hmmm, ich kenne soooo viele solcher Menschen und möcht diese fast ein bißchen in Schutz nehmen. Ich glaube, man muß das von klein auf mitbekommen, also diese Wertschätzung für das Essen. Ich schreib das gerade, weil komischerweise die Wertschätzung für gutes Essen laut meiner Meinung absolut nichts mit dem Geldbeutel zu tun hat. Oft ist es sogar so, daß die Familien, die ich so kenne, die besonders viel Geld haben, also denen es so richtig gut geht, daß die noch nie in ihrem Leben in einem Biosupermarkt waren...

Ich find das äußerst befremdlich, aber hier ist es fast die Regel. Man lebt auf hohem Niveau, hat dementsprechend gesellschaftliche Anerkennung (hier liegt nämlich die Crux, die Gesellschaft hat's noch nicht kapiert), man wohnt auf höchstem Standard, umgibt sich mit entsprechenden Leuten und allem was dazu gehört. Aber fährt einmal die Woche zum Discounter (noch dazu weil's dann dort die 10 oder 20-fachen Punkte auf irgendner Sammelkarte gibt...

) und macht sich keinerlei Gedanken was man denn so verzehrt. Also diese Leute kaufen dann auch keine Fertigsaucen oder Fertigprodukte, nein, dies dann doch nicht, aber so was wie Pestizide im Gemüse tangiert sie einfach nicht.
Ich bin sowieso die Letzte, die die Leute dann belehren möchte, aber letztendlich hab ich gar keine Chance, denn es ist in der Tat nicht nachgewiesen, daß man länger lebt wenn man sein Zeug im Bioladen einkauft...
Mich befremden ja schon Menschen, die sich im Leben nie Gedanken um ihr Essen gemacht haben und nur weil sie plötzlich schwanger sind oder ein Kind bekommen haben anfangen im Bioladen einzukaufen. Da bin ich dann vollkommen perplex, denn ich denke dann, waren die es sich selber nie wert "gutes" Essen zu kaufen? Aber die Kinder sind'*s dann plötzlich wert?

Also schon da hab ich ein großes Verständnisproblem, weil ich es einfach nicht nachvollziehen kann.
Andersrum verstehen mich selbst viele nicht, denn sobald ich irgendwie Geld habe (meine Lage ohne Geld ist ja bekannt) geb ich dieses als allererstes im Bioladen aus. Allerdings dann auch für eher gesundes Essen (Obst, Gemüse, Getreide) als für ungesundes (Biopizza, Biofertiggerichte, Biohackfleisch etc.).
Ich glaub wirklich, daß man wie oben geschrieben diese Wertschätzung für das Essen von Kindesbeinen an mitbekommen haben muß, um so ein Selbstverständnis für gutes Essen zu entwickeln. Ich fühlte mich tatsächlich als Kind eher als Außenseiter, da meine Familie nie außerhalb essen gegangen ist, noch dazu war ich, glaub ich, eine der wenigen in der Klasse deren Eltern in einer Mietwohnung wohnten. Aber ich hab immerhin schon früh festgestellt, daß in den meisten Familien wo ich eingeladen war das Essen nicht schmeckt obwohl zum Teil 3 schicke Autos vor dem Haus standen...
