cheshirefitz hat geschrieben:Ich bewundere ja schon lange still eure Werke und möchte euch großes Lob aussprechen. Besonders die Authentizität ist beeindruckend, die Recherche ist sicher spannend und aufwändig.
Ich recherchiere gerade ein bisschen über die Geschichte des nähens und wollte fragen, welche Art von Nadeln verwendet wurden. Hat jemand von den Expertinnen Ahnung oder einen Link?
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Meine Nadeln sind wie Louets aus Messingdraht. Eine konkrete Quelle habe ich leider gerade auch nicht, da müsste ich noch mal nachforschen. Meine erste "mittelalterliche Nadel" war aus Kupfer und im Museum gekauft, weil ich sonst vor Ort nicht hätte nähen können. Sie war schlecht, was ich zuerst einmal auf das Material schob, nicht besonders spitz und zu weich. Dann hat mir eine Goldschmiedin, die auch gotischen Schmuck herstellt eine Nadel aus Messing geschenkt und mir gezeigt, wie ich Nadeln härte, durch Kaltschmieden. Die Nadel war super, ist mir aber leider irgendwann verlohren gegangen. Dann hat mein Mann mir mal welche im Internet bestellt gehabt, ein ganzes Set. Die sind gut glatt und gehärtet, aus Messing, aber leider ist das Öhr sehr klein gearbeitet, so dass ich es bei manchen noch vergrößert habe. Auch Spitzen nachschliefen und Nadeln nachhärten konnte ich ja mittlerweile. Und seit etwas über einem Jahr stelle ich mit meinem Mann hin und wieder auch selbst Nadeln aus Messingdraht her. Das Öhr ist dabei das schwierigste. Am besten geht es, wenn man das Messing kurz weichglüht (Kerzenflamme reicht bei dünnem Draht), dann platt haut, neu weich glüht und mit einem Minnimeißel ein Loch hinenschlägt, dass dan aufgeweitet wird. Am besten wird das Öhr gut entgratet, vor allem nach hinten hin, da dort der Faden immer durchläuft. Die Spitze wird geschliffen, möglichst allmählich zulaufend und erst am Ende richtig Spitz. Der Feinschliff folgt nach einer gründlichen Härtung durch Kaltschmieden. Diese Nadeln sind bei sorgfältiger Benutzung genauso gut zum Nähen geeignet wie moderne. Ich merke da kaum noch einen Unterschied. Im Zweifel wird die Nadel nachgerärtet und polliert. Sogar die Kupfernadel wurde so brauchbar.
Aus einem Museum habe ich auch eine sehr feine Beinnadel, da bricht aber schneller mal die Spitze ab.
Zum Nadelbinden habe ich auch schon selbst Nadeln aus Knochen, Horn und Holz geschnitzt. Das ist nicht weiter kompliziert. Ich bevorzuge auch hierbei runde Nadeln gegenüber flachen, da sich angenehmer damit arbeiten lässt. Da Nadeln Werkzeug sind ist mir eine ausgefeilte Form sehr wichtig. Das Verhältnis von Länge, Dicke, Spitze und Öhr muss einfach stimmen, damit das Arbeiten angenehm wird.
Carraluma hat geschrieben:Möhrchens Kleid ist so hübsch!
Wie ist denn Borte und Gürtel gemacht? Das ist kein Brettchenwebband, oder? Der Gürtel ist aufgenäht auf irgendwas, oder?
Trägt sie dann normalerweise auch noch ein Unterkleid darunter?
Ja, normalerweise trägt sie dazu ein Unterkleid. Auf dem Bild ist es ein Langarmshirt, also nicht ganz unähnlich. Das wird passen.
Bei der Borte muss ich gestehen, dass ich eine unauthentische und dafür kostengünstige Variante gewählt habe. Mit meiner Schwigermama habe ich mal einen schönen Stoff mit allerhand solcher Webmusterstreifen erstanden, der leider aus Polytierchen besteht. Die Musterzeilen sehen aber jeweils historischen Borten recht ähnlich und sind ja auch gewebt, so dass ich sie auseinanderschneide, die Ränder einklappe und dann aufnähe. Bisher hat noch keiner von sich aus erkannt, dass ich da geschummelt habe. Und sie wird das Kleid wahrscheinlich nicht im Museum tragen. Entsprechend habe ich den Gürtel auch unbedingt hinterlegen müssen. Dafür habe ich weißes Leinen genommen.
Leider reicht unser Buget bisher nicht, um auch noch ab und zu in schöne Borten zu investieren. Und bei den Kindern nehme ich es manchmal nicht ganz so genau. Dafür lege ich auf das Grundmaterial umso größeren Wert. Das bestimmt schließlich Trageeigenschaften und Faltenwurf viel stärker. Da muss sicherlich jeder seine eigenen Grenzen finden....
Ich bewundere Louet, die noch viel mehr Wert auf Authentizität legt.