Seite 26 von 36
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 10:27
von Kinsale
LaLeMi hat geschrieben:Auch offene Menschen im Rentenalter können ja bisweilen noch Umdenken, wohingegen ich manchmal den Eindruck habe, dass manche Altersgenossen von mir da festgefahrener sind :/
Naja. Und wer eben nicht offen ist, da ist es halt eben Pech. Grund für übertriebene Rücksicht sehe ich da nicht .
Klar können sie das. Ich wollte wie gesagt einfach ein Beispiel für eine Person haben, die ich mit öffentlichem Stillen mehr abschrecke als zum Umdenken bringe.
Übertriebene Rücksicht nehmen? Nein, finde ich auch nicht.
Ich hatte so um den ersten Geburtstag meiner Großen herum die größte Scheu "öffentlich" zu stillen. Ich kannte niemanden mit gleichaltrigem Kind, dass noch nicht aß. Da meine Alternative zu Hause bleiben gewesen wäre, musste ich halt überwinden. Das fiel mir zunehmend leichter, mit 2 war's mir dann egal.
Im Schwimmbecken wäre ich aber irgendwie nie auf die Idee gekommen, ich kann garnicht recht erklären warum. Für mich ist Stillen irgendwie intim, persönlich. Das mag ich nicht auf dem Präsentierteller tun. Mein *hüstel* eher gespaltenes Verhältnis zu meinem Busen mag dabei ein übriges tun.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 12:14
von ehUrt2
Dickkopf-Mama hat geschrieben:
- Man darf also generell schon stillen, aber es darf keiner sehen, denn stillen und vor allem lzs ist soll ja niemanden der es nicht gewohnt ich stören und sobald es jemand sieht ist es automatisch provokant, egal wie die Mutter nun gestillt hat. Die Tatsache, dass es jemand gesehen hat ist Beleg dafür, dass es provokant war.
Das hab ich hier wirklich von niemandem gelesen.
Einige schrieben, dass sie ungern sehr öffentlich stillen, weil es ihnen persönlich nicht so angenehm ist. Da war nie die Rede von anderen.
Ich habe schon klar gemacht, dass provokant für mich damit verbunden ist absichtlich schockieren zu wollen. Das hat für mich nichts damit zu tun wie viel Brust ich sehe oder wo gestillt wird. Wenn ich stille, um mein Kind zu stillen, weil da gerade ein Bedürfnis besteht, ist es für mich nicht provokant. Wenn ich zum Still-Flashmop aufrufe, um vorm Altersheim zu stillen und mein Kind eigentlich gar nicht das Bedürfnis hat zu stillen, ist es für mich provokant. Mir persönlich ist das auch egal, weil ich einfach weggucken kann, wenn mich was stört, aber zu mehr Verständnis führt das meiner Meinung nach nicht.
Ich stille mein Baby auch immer und überall, wenn es Hunger hat und ich bin mit meinen großen Brüsten immer etwas überfordert das ganze unauffällig zu tun. Ich lege zum Stillen aber nicht vorher meine Brust komplett frei, fange an sehr laut über meine Brüste zu sprechen, lege die Stilleinlage auf den Essenstisch und lasse mir erst dann mein Baby anreichen...selbst erlebt und als provokant empfunden.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 12:20
von 08u11
Dickkopf-Mama, Du hast völlig Recht, dazu darf es nicht führen (ich weiß, dass das hier keiner so behauptet hat und auch nicht gemeint). Es geht bei provokant oder nicht, würde ich sagen, nicht um die äußere Handlung, sondern um die dahinterstehende Haltung. Und die kann ich nur bei mir selbst richtig beurteilen. Bei jeder anderen Person rein vom Sehen her gar nicht, im Gespräch vielleicht erahnen (aber eben auch nur, wenn das Gespräch gut läuft).
Für mich selbst kann ich das im Hinterkopf behalten: Weshalb möchte ich hier und jetzt stillen? Und wenn die ehrliche Antwort dann wäre: Weil die verklemmte Zicke neben mir eh schon so blöd schaut und ich die jetzt mal so richtig schockierne will! - Dann ist das vielleicht doch - sagen wir mal - eher unschön von mir und ich sollte es eher lassen. Es kann aber durchaus sein, dass auf der anderen Seite der vermeintlichen Zicke eine andere Mama mit Kleinkind ist, die für sich entscheidet, dass sie jetzt stillen möchten, weil es für sie gut/wichtig/stimmig/... ist. Das wäre dann moralisch völlig anders zu beurteilen. Es gibt eigentlich nur wenige Dinge im Leben die wirklich um ihrer selbst willen gut oder schlecht sind, die meisten unserer alltäglichen Handlungen sind gut für ... und gleichzeitig schlecht für ... .
raebertochter, Du hast natürlich auch Recht. Und ich verstehe, dass Du das als provokant empfunden hast. Allerdings weißt Du nicht, was tatsächlich der Grund für diese Aktion war.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 13:21
von Captainsparrow
Ich hab hier NIRGENDS gesagt dass sich eine LZS Mutter irgendwo VERSTECKEN soll wo sie garantiert niemand sieht. Das ist definitiv der falsche Weg. Trotzdem ist es für mich ein Unterschied ob in einer gewissen Ruhe gestillt wird mit einer Schutzmöglichkeit für sowohl Mutter/ Kind als auch für die anderen Leute die der Situation aus dem Weg gehen möchten (womit ich NICHT Unsichtbarkeit meine, sondern nur ein Zurückziehen aus dem Zentrum des Geschehens), oder on man in einem engen Freibad quasi eingepfercht zusammensteht und die Leute mit ihren Köpfen direkt auf Brusthöhe im Wasser rumdümpeln. Wobei das ja das Ursprungsthema ist, und hier gar nicht bekannt ist ob da irgendeine Provokation dahintersteckt. Wie wir ja schon oft bemerkt haben befinden wir uns jetzt in einem OT Bereich indem es u.A. darum geht, wie provokativ man stillt/ ob man mit Provokation beim Stillen ein Umdenken erreichen kann. Auslöser zumindest für mich darauf weiter einzugehen war der Vorschlag, gegen die Einstellung der Menschen in diesem Schwimmbad einen Still-Flashmob zu veranstalten. Und ich finde das nicht gut, und ich finde Provokation was sensible Themen angeht nicht gut. Ich konnte damit Leben wenn mich Leute doof angeschaut haben weil ich lila Haare hatte oder schräg angezogen war , weil es sich dabei rein um eine Geschmacksfrage handelt, ob jemandem z.B. mein Aussehen gefällt. Und es betrift nur mich alleine. Im Falle des provokanten LZS trifft es nunmal mehr Menschen: die Mutter( die ungerechtfertigterweise als Überglucke und pervers angesehen wird) die Person die es schockiert es jetzt so nah und unvorbereitet in direkter körperlicher Nähe zu erleben (die LZS und die Folgen für das Kind nur aus dämlichen TV Beiträgen kennt und in dem Moment tatsächlich befürchtet die Mutter täte dem Kind etwas Schlimmes an ) und das Kind (welches bemitleidet wird weil man denkt, es ende irgendwie psychisch geschädigt und das vielleicht sogar schon versteht, was die Leute zu seiner Mama sagen). Das ist keine Frage von Recht und Unrecht. Natürlich hat die Person die die Mutter eingreift kein RECHT dazu sich irgendwie zu äussern. Aber sie handelt in ihrem (falschen) guten Glauben. Genauso wie es hier genügend Menschen gibt die in gutem Glauben (der hier halt als der Richtige bekannt ist) , ungefragt (rat)schläge an andere Personen verteilen wenn es um die Ernährung, Fortbewegung und Schlafgewohnheiten ihrer Kinder geht. Diesbezüglich ungebildete Menschen denken (dank RTL und Stammtischweisheten), eine Mutter die ihren 3 Jährigen stillt , schadet ihrem Kind ENORM. Sie wissen es nicht besser. Jetzt damit so unmittelbar und unausweichlich konfrontiert zu werden, schockiert sie und durch das "Überrumpeln" mit der Situation reagieren sie wohl unangebrachter als sie würden, wenn sie die Möglichkeit zur Einschätzung der Situation mit etwas Abstand hätten. Natürlich kann man sich nun Fragen " Ist es der Mutter ihr Problem wie viel Wissen die Leute über das LZS haben? Ist doch nicht deren Schuld, sondern die der Gesellschaft?" Das ist auch total richtig. Trotzdem gibt es nunmal plötzlich 3 Parteien die davon betroffen sind, welches Verhältnis zwischen ihnen herrscht. Wenn ich eine Situation beobachte in der ich das Gefühl habe eine Mutter schadet ihrem Kind gerade massiv, dann schalte ich mich da ein, wenn ich wirklich schlimme Folgen für das Kind befürchte. Das "Zurechtweisen" einer LZS Mutter ist im Endeffekt eine total fehlgeleitete Form der Zivilcourage aus mangelndem Wissen der Leute. Von daher finde ich es viel viel wichtiger die Menschen über die Vorteile davon aufzuklären, als eine Akzeptanz durch Provokation zu erreichen. Generell sollte Stillen als natürliche Form der Ernährung nicht akzeptiert werden, sondern weitläufig gefördert und GERNE gesehen sein , mit positiven Assoziationen besetzt. Sowas wird durch Provokation nicht erreicht. Dazu braucht es Einfühlungsvermögen und den Wunsch zur Annäherung von beiden Seiten. Eine Akzeptanz der Homosexualität (um das Thema wieder aufzugreifen) kommt garantiert AUCH nicht durch Provokation zustande. Ich denke ein Politiker oder Sportler, der sich zur Homosexualität bekennt ohne es ungefragt jedem Zweifler optisch unter die Nase zu reiben tut wesentlich mehr für die Akzeptanz als Leute, die sich provokant vor anderen Menschen die Zunge in den Hals stecken. Ich bin nicht prüde, aber ich denke es gibt für alle Bedürfnisse einen Weg sie auszuleben , ohne anderen Menschen damit allzu Nahe zu treten. Auch der "Zuschauer" muss sich fragen: "Hat der Andere mich mit der Situation WIRKLICH überrumpelt, oder suche ich die Konfrontation, obwohl ich eigentlich genügend Abstand hätte, ihr aus dem Weg zu gehen ?". Genauso wie die Mutter sich die Frage stellen kann, ob die Situation in dem Moment bestmöglich für alle Beteiligten gelöst ist, oder ob ihr Verhalten eher aus dem Kontext " Jetzt erst recht!" entsteht.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 13:33
von marykate
Chrissi, ich war aber auch schon öfter in einer Situation, die ich hier schon mal beschrieben habe:
marykate hat geschrieben:
Mein Kind ist zwar erst zwei, aber ich war durchaus schon in Situationen, in denen es MIR ganz persönlich eben NICHT möglich war mein Kind zu vertrösten, bis das Stillen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden kann. Bzw. die Alternative wäre fürchterliches und langes Gebrüll gewesen, was ich in der Situation (späterer Abend, Zugfahrt, proppevolles Abteil, ich hundemüde weil anstrengender Tag und alleine mit Kind unterwegs) als das wesentlich größere Übel für alle Beteiligten gesehen habe als der Anblick eines gestillten Kleinkindes inkl. der Möglichkeit, einen kurzen Blick auf meine entblößte Brust zu erhaschen. Ich habe mich selbstverständlich trotzdem um Diskretion bemüht und bin sehr sicher, dass 90% der Anwesenden nicht mitbekommen haben, was vor sich geht.
Und aus der ich wie gesagt mit meinen Möglichkeiten die ich in dem Moment hatte NICHT heraus konnte. Da war einfach nix mit lauschigem Plätzchen suchen und intimer Zweisamkeit beim Stillen. Ich ergänze vielleicht noch vorsichtshalber, dass ich auch Gepäck dabei hatte. Und ich finde es nach wie vor nicht fair darüber zu urteilen, ob die Mutter des dreijährigen Kindes nach ihren Möglichkeiten und bestem Wissen aus der Situation heraus gekonnt hätte um abseits zu stillen oder nicht. Und noch weniger fair finde ich es, ihr absichtliche Provokation vorzuwerfen.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 13:38
von Millefiori
chrissi, magst du vielleicht mal ein paar absätze in deinem text machen?
ich lese das, was du schreibst echt gern, aber es ist soooo anstrengend.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 13:43
von ehUrt2
08u11 hat geschrieben:
raebertochter, Du hast natürlich auch Recht. Und ich verstehe, dass Du das als provokant empfunden hast. Allerdings weißt Du nicht, was tatsächlich der Grund für diese Aktion war.
Da hast du natürlich Recht und heute würde ich wahrscheinlich nur in mich rein grinsen, aber als Jugendliche hat mich das einfach nur abgeschreckt. Ich hatte sonst leider niemanden in meinem Umfeld bei dem ich Stillen einfach nur als natürliche Säuglingsernährung kennenlernen konnte. Ich beneide sternenweibs Tochter richtig um ihre Erfahrung. Ich habe erst in der Schwangerschaft und Stillzeit diese Entwicklung meines Körpergefühls durchgemacht und so richtig locker (bei mir) bin ich erst jetzt bei meiner 2. Tochter.
Ich möchte einfach nochmal sagen, dass
ich eine Stillsituation, egal wo, in der das Kind sein Bedürfnis äußert und dann halt gestillt wird
nie provokant finde. Ich kann es nur nicht verstehen, wenn man sich und das Stillen in der Situation so in den Mittelpunkt rückt, dass es sehr schwer fällt sich als Aussenstehender der Situation zu entziehen.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 13:58
von Dickkopf-Mama
Warum um alles in der Welt sollen Menschen denn im Nichtschwimmerbecken (und wo sind da die Rentner die ihre Bahnen ziehen und somit ungewollt mit einer für sie ungewohnten Situation konfrontiert werden) schlechter weggucken wenn sie etwas stört als auf einer Decke? In unserem Freibad ist es bei den Decken übrigens genauso eng wie im Becken wenn nicht enger.
Ich habe bisher immer angenommen, dass es Kind abhängig ist, ob eine gewisse Ruhe zum stillen benötigt wird. Zum Einschlafstillen hat mein dreijähriger die auch gebraucht aber wenn er tagsüber gestillt hat eben nicht, warum soll ich dann also einen ruhigen Ort suchen und wo siehst du an der Decke eine Schutzmöglichkeit? Das verstehe ich nicht so ganz.
Woher sollte denn bei der Mutter die Haltung "Jetzt erst recht" herkommen, wenn sie nichts anderes getan hat als das Bedürfnis ihres Kindes zu erfüllen? Ich finde nicht, dass sie eine derartige Reaktion hätte erwarten müssen.
Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 13:58
von Purzel1975
LaLeMi hat geschrieben:Auch offene Menschen im Rentenalter können ja bisweilen noch Umdenken, wohingegen ich manchmal den Eindruck habe, dass manche Altersgenossen von mir da festgefahrener sind :/
Naja. Und wer eben nicht offen ist, da ist es halt eben Pech. Grund für übertriebene Rücksicht sehe ich da nicht .
Ich erlebe ganz oft, wie ich gerade von älteren Menschen die Rückmeldung bekomme, wie toll sie stillen und tragen finden. Gerade neulich wieder.... Da sagte ein ältere Frau, dass sie es so schade findet, dass sie so selten Frauen sieht, die ihre Kinder stillen und tragen. Im Krieg sei es üblich gewesen, die Kinder bei sich zu haben und lange zu stillen, weil es schwierig war, ein Kind ordentlich zu ernähren. Deshalb hätten die frauen lange gestillt. Sie meinte, wenn sie heut nochmal kleine Kinder hätte, würde sie auch lange stillen. Genauso hat mir eine sehr nahestehende Frau Ende 50 als ich zum ersten mal ein Kind über einem Jahr gestillt habe, gesagt, das sei eklig. Mittlerweile, 5 Jahre später verteidigt sie LZS sogar in der Öffentlichkeit

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen
Verfasst: 11.06.2013, 14:02
von 08u11
Bin ganz Deiner Meinung, räubertochter 2010. Wollte nur klar stellen, dass man von außen so was eben nie wirklich beurteilen kann. Und Du hattest das 'Pech' unmittelbar vor mir ein halbwegs passendes Beispiel zu liefern.

Ich hätte in der von Dir beschriebenen Situation wohl genauso geurteilt wie Du. Das klingt ja nun auch schon sehr krass. Trotzdem, selbst in solch vermeintich eindeutigen Situationen kann man eben nicht wirklich wissen, was die Mutter dazu bewogen hat. Sorry, hoffe, es ist verständlich, was ich meine. Muss jetzt den Zwerg abholen (und wahrscheinlich stillen), kann nicht weiter über Formulierungen nachdenken.