Re: Barfußschuhe
Verfasst: 13.07.2016, 10:15
Interessant, dass Du das so erklärst. Ich denke inzwischen, dass wir Erwachsene trotzdem viel mehr beeinflussen, als uns bewusst ist. Mein Großer ist bisher nur wenig gerannt, geht sowieso nicht besonders viel und gerne (fährt aber auch erst seit kurzem Laufrad und das auch nur sehr langsam). Bis auf einen "Fehlkauf" an Winterschuhen Gehninjo für den ersten Winter und seinen Wanderwinterstiefeln, auf die der Papa bestanden hat (haben sich im tiefen Schneematsch wirklich bewährt und waren nie länger als zwei Stunden am Kind), kennt er gar keine festen Schuhe. Ich werde oft schräg angeschaut, dass ich ihn mit "Hausschuhen", also seinen Lederpuschen draußen rum laufen lasse und dass er drinnen keine "Hausschuhe" tragen muss. Worauf ich hinaus will: Wir haben seine beiden ersten Lebensjahre bei den überaus vorsichtigen Großeltern im Haus gelebt. Ihr permanentes "Vorsicht, mach langsam, pass auf, du fällst", hat mich schier wahnsinnig und aus dem Jungen ein vorsichtiges, langsam schlurfendes, wenig rennendes und ängstliches Kind gemacht. Davon bin ich überzeugt. Seit bald zwei Jahren leben wir nun im eigenen Haushalt und es ist sehr mühsam, aus ihm ein aktives, mutiges Kind "zu machen". Natürlich zwinge ich ihn zu nichts, aber ich er ermutige ihn, Dinge auszuprobieren und nicht dazu zu sagen, dass er aber aufpassen muss, weil es gefährlich sein könnte. Die Art der Großeltern hat ihn und auch seine Gangart mehr beeinflusst als die Schuhe.Ballengänger hat geschrieben:Wenn Kinder gehen lernen im Alter von ungefähr 1 Jahr haben sie gar nicht genug Kraft zum Fersengehen wie z.B. ältere Kinder oder Erwachsene. Sie können gar nicht fehlerhaft mit dem Fuß voran gehen. Sie machen sich daher groß (Arme anheben) um eine instable Position anzunehemen, lehnen sich leicht nach vorne (Körper zuerst, nicht der Fuß) und landen dann mit dem Vorfuß unter dem Körper und nicht vor dem Körper. Mit festen Schuhen und Absatz wird das im Laufe der Jahre schwieriger. Bei eingeengten Zehen wird es zudem unangenehm wenn die Zehen sich auffächern wollen. Auch haben es die Mütter beim Einkaufen immer so eilig. Solange die Kinder nicht über die Ferse gehen wollen oder können, müssen sie somit neben den Eltern rennen. Also Vorfußlaufen. Irgendwann geben die Kinder auf und erkennen, dass man bei größeren Schritten (Aufkommen mit der Ferse vor dem Körper) die Frequenz senken kann. In der Übergangszeit schlurfen dann die Kinder. Interessant ist, dass die Kinder meist ein paar weitere Jahre barfuß und in Socken noch im Ballengang gehen.
Umgekehrt ist das alles vielleicht ein Beweis dafür warum Kleinkinder vielleicht bis zum Alter von 3 Jahren so viel rennen und wenig wirklich normal gehen. Sie kommen einfach im Ballengang nicht schnell genug voran.
Ich freue mich übrigens, wenn mal jemand von außen kommt und hier noch weitergehende Infos rein bringt. Und ja, ich finde die Themen hier im SuT alle sehr in einander greifend: Wenn man die Oberbegriffe Artgerecht und Bedürfnisorientiert weiterspinnt, steigt man von Stillen und Tragen automatisch weiter ein in alles mögliche wie Geburtsart, BLW, Stoffwindeln/Windelfrei, unerzogen und co., die das Kind direkt betreffen und dann die "Luxusthemen" wie alles mögliche Öko/bio, Plastikfrei, Barfuß, Schuhe, Kleidung, Ernährung, medizinische Versorgung... Eine "anders" eingestellte Freundin von mir meinte dazu: kennste ein Thema, kennste alle.
@Ballengänger: ist zwar für vielleicht kitschig, aber manchmal hift's echt, um den "Tonfall" abzumildern, einfach ein paar Emoticons einzustreuen.