Seite 24 von 36

Re: AW: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 19:28
von lillemie
greenie bird hat geschrieben:
lillemie hat geschrieben:
Ich würde übrigens auch nicht bei einer Familienfeier am Tisch stillen. Weil ich es nicht will. Für mich ist Stillen etwas Intimes und Privates und ich möchte nicht, dass mir da so viele dabei zuschauen (und vielleicht noch das halbe Restaurant).
Aber das ist es ja, es guckt doch keiner - entweder aus Scham, Rücksicht oder eben Ekel- außer Kinder, die sind da ganz unbelastet.

Ta ta ta... mit dem Handy da
Da ist meine Erfahrung leider eine andere. Als ich beispielsweise mit der Tochter (sie war knapp 3 Monate alt) beim Augenarzt im übervollen Wartezimmer saß und sie Hunger hatte, fühlte sich eine andere Frau aus dem Wartezimmer bemüßigt mir ihren Schal vorzuhalten. Oder als ich im Krankenhaus lag (Tochter 6 Wochen alt), gab es einen Krankenpfleger, der sich ständig an unser Bett gestellt hat und gesagt hat - och wie schön sie aus dem Busen trinkt, ja die xxx, die macht das ja sooooo toll *glotz glotz*. Weiteres Beispiel? Auf einer Geburtstagsfeier saß ich zum Stillen (Tochter knapp 4 Monate alt) in einem Nebenraum, durch den man zu den Toiletten kam. Eine ältere Dame kam aus den Toiletten, ihr Mann wartete vor dem Nebenraum. Sie blieb stehen, hat mich angeglotzt und ging schließlich zu ihrem Mann. "Du glaubst nicht, was ich da gerade gesehen habe, ich glaube ich träume, wie eklig! Da stillt eine Frau ihr Baby!"
Die Leute schauen, ganz sicher. Und ja, ich hab durchaus auch sehr positive Erfahrungen gemacht mit vielen netten Kommentaren :)

Selbst wenn die Leute nicht schauen würden, ich bevorzuge einen Rückzugsort zum Stillen ;)

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 20:08
von Captainsparrow
Ich nehm das große Kind natürlich mit, wenn ich rausgehe. Ich geh davon aus dass das Kind in dem Alter ja auch noch andere Beruhigungsstrategien kennt als Stillen, z.B. ruhige Ansprechen oder einfach ein Knuddeln, und nicht dass das Kind jetzt unter unabwendbarem Extremstress steht weil es nicht Stillen kann. Weil ein Säugling aber erstmal hauptsächlich diese eine Strategie kennt sehe ich die Situation bei diesem anders, auch wenn ich selbst einen Säugling aus sehr vielen Gründen nicht im Schwimmbecken stillen würde.


Sent from my iPad using Tapatalk

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 21:01
von liamadita
hm,irgendwie hab ich beim lesen das erste mal darüber nachgedacht,dass es andere leute stören könnte wie oder wo ich stille..
ich stille eigentlich immer im restaurant/cafe (und wir gehen sehr oft essen)und fands immer so passend irgendwie-alle essen..
wenn jemand geguckt hat,dachte ich immer der findet mein baby so niedlich oder so..vermutlich fandens doch viele merkwürdig :(
hab auch bei meinem dr.vater während einer besprechung und beim zahnarzt gestillt,kam mir irgendwie auch nicht unpassend vor.und im bus /ubahn stille ich eigentlich immer,weil man da mal in ruhe ne zeit sitzt..und ehrlich gesagt sieht man manchmal auch meine ganze brust,weil ich halt nicht immer stillshirts oder tops drunter tragen will..mir ist das irgendwie egal..
@lillemie:fand die frau es ekelig,dass du da bei den toiletten stillst oder dass du einfach nur stillst?

Re: AW: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 21:05
von greenie bird
lillemie hat geschrieben:
greenie bird hat geschrieben:
lillemie hat geschrieben:
Ich würde übrigens auch nicht bei einer Familienfeier am Tisch stillen. Weil ich es nicht will. Für mich ist Stillen etwas Intimes und Privates und ich möchte nicht, dass mir da so viele dabei zuschauen (und vielleicht noch das halbe Restaurant).
Aber das ist es ja, es guckt doch keiner - entweder aus Scham, Rücksicht oder eben Ekel- außer Kinder, die sind da ganz unbelastet.

Ta ta ta... mit dem Handy da
Da ist meine Erfahrung leider eine andere. Als ich beispielsweise mit der Tochter (sie war knapp 3 Monate alt) beim Augenarzt im übervollen Wartezimmer saß und sie Hunger hatte, fühlte sich eine andere Frau aus dem Wartezimmer bemüßigt mir ihren Schal vorzuhalten. Oder als ich im Krankenhaus lag (Tochter 6 Wochen alt), gab es einen Krankenpfleger, der sich ständig an unser Bett gestellt hat und gesagt hat - och wie schön sie aus dem Busen trinkt, ja die xxx, die macht das ja sooooo toll *glotz glotz*. Weiteres Beispiel? Auf einer Geburtstagsfeier saß ich zum Stillen (Tochter knapp 4 Monate alt) in einem Nebenraum, durch den man zu den Toiletten kam. Eine ältere Dame kam aus den Toiletten, ihr Mann wartete vor dem Nebenraum. Sie blieb stehen, hat mich angeglotzt und ging schließlich zu ihrem Mann. "Du glaubst nicht, was ich da gerade gesehen habe, ich glaube ich träume, wie eklig! Da stillt eine Frau ihr Baby!"
Die Leute schauen, ganz sicher. Und ja, ich hab durchaus auch sehr positive Erfahrungen gemacht mit vielen netten Kommentaren :)

Selbst wenn die Leute nicht schauen würden, ich bevorzuge einen Rückzugsort zum Stillen ;)
Tut mir leid, dass Dir das passiert ist, ich hab das bisher nicht erlebt. Auch wenn Gutes und Schlechtes dabei war...

Tablet getippt

Re: AW: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 22:04
von honigtopf2010
Nun mittlerweile ja total OT. :grin:

Also chrissi, bei der Frau, die sich in einem Bus provokativ auf einen bestimmten Platz setzte, ging es um eine Schwarze, die auf diese Weise gegen die Rassentrennung (und nicht für Frauenrechte) demonstrierte. Diese Provokation war tatsächlich einer der direkten Auslöser zu einer Protestbewegung, die letztlich zur Aufhebung der Rassentrennung führte. Denn die erreichte man eben nicht durch wissenschaftliche Aufklärung. Etwas amüsiert hat mich deine Erläuterung, dass Homosexualität ja so alt wie die Menschheit sei, es für das Langzeitstillen jedoch der genannten Aufklärung bedarf. :?: Nun, das Stillen von Kindern in diesem alter ist nachgewiesenermaßen ebenso alt. Ich kann da ehrlich nichts für die Wissenslücken der Bevölkerung. :lol:

Ich gebe dir völlig Recht, noch vor ungefähr vier Jahren hätte ich das auch exotisch gefunden... aber ganz sicher nicht eklig oder verwerflich.

Kommen wir zurück zum Ausgangspunkt: Da stillt eine Frau ihr Kind - ein völlig natürlicher Vorgang. Und es fühlen sich Leute dadurch gestört. Wie naiv bitte ist der Gedanke, dass da auch nur einer hingegangen ist und gesagt hat: Essen und Trinken darf man doch nicht im Becken! Oder: Entschuldigung, ich fühle mich durch eventuell auslaufende Muttermilch belästigt!
Das glaubt doch nicht wirklich jemand hier?
Als mal eine stillende Frau, wohlgemerkt mit Baby, nicht Kleinkind, aus dem Café geworfen wurde, gab es hier einen Aufschrei. Nicht einer kam mit dem Argument, dass man ja dort keine mitgebrachten Speisen verzehren dürfte. Ihr verlangt, dass sich diese Frau oder auch ich mich euren Maßstäben von Verhalten anpassen soll. Mit welchem Recht? Was dieser Frau passiert ist , hätte mit dem gleichen Ergebnis in einem Café oder einem Einkaufcenter passieren können und anstatt das Normale und sich 'auf einen anderen Platz zu setzen', stillen auch hier viele ihre Kleinkinder lieber heimlich zu Hause 'weil sich das so gehört'. Wie schade! !!!

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 22:16
von Lösche Benutzer 1828
Eben, Honigtopf!

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 22:21
von sternenweib
ein mir sehr nahestehender mensch hat vor noch nicht mal anderthalb jahren das stillen meines neugeborenen babys als eklig, "muß das beim essen sein" (ich wäre zu der zeit sonst verhungert) und peinlich empfunden - in ganz kleinem kreis. mitterweile wird das in keinster weise mehr thematisiert und wenn, dann positiv (oh, wie niedlich) und völlig egal in welchem rahmen.
der mensch ist meine pubertierende tochter, der gerade alles peinlich ist, was ich mache. vorgestern beim klassenfest hab ich vorher auflagen gekriegt wie "nicht laut lachen", "nicht mich in den arm nehmen" - stillen gehörte nicht dazu, obwohl ich das in dem kontext sogar sehr verstanden hätte. für sie ist das mittlerweile das normalste auf der welt, sie guckt genau so blöd wie ich, wenn ein abgestilltes kind seine pre-flasche kriegt und hat mehr schnall als so manche hebamme.
und wenn das der einzige mensch ist, den ich durch mein "provokantes" stillverhalten das stillen als normale tätigkeit nahe gebracht habe - dann ist es mir das schon wert gewesen.
es geht mir nicht darum, irgendwelche verbohrten ansichten erwachsener zu ändern, es geht mir darum, dass irgendwelche jungen muttis in 20 jahren irgendwo in ihrem hinterkopf das bild von mir mit kleinkind an der brust auf dem spielplatz haben. und dafür nehme ich auch in kauf, dass sich irgendwer gestört fühlt.

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 22:40
von honigtopf2010
Witzig, dass du das grad schreibst.Ich habe mein Baby heute auf einer Wiese vor einer Schule gestillt und genau das gedacht. Vielleicht behalten die Mädchen, die dort standen, das im Hinterkopf. Und vielleicht haben sie ob meines brüllenden, spuckenden Kindes auch gedacht: Ich wart' noch ein Weilchen ;-)

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 22:42
von Captainsparrow
Das wissen um Homosexualität war aber nie verloren, das Thema war immer präsent, auf die eine oder andere Weise. Man wusste immer es gibt sie, ob man es nun gut findet oder nicht, das meinte ich damit. Das Stillen und vor allem Langzeitstillen war nun LEIDER in den letzten Jahrzehnten so wenig präsent, dass es quasi neu eingeführt werden muss, da viele Menschen dieses Bild einfach nicht klarbekommen und überhaupt keine Information darüber haben. Mir ist durchaus klar dass das keine neumodische Alternativbewegungserfindung ist, ich denke davon kann man in dem Forum ausgehen. Eine oder gar mehrere Generationen wurden so aufgezogen dass das Kind möglicht bald " was gescheites " bekommen soll, und dass langes Stillen nicht gut für Kinder ist oder gar sexuell belegt. Ich weiss dass das nicht wahr ist, aber tatsächlich hab ich einen Großteil dieses Wissens und auch meiner Meinung dazu hier im Forum bekommen. Sonst würde ich mit Sicherheit den Anblick eines Kindergartenkindes an der Brust immernoch höchst irritierend finden. Provokation gab es sowohl in der feministischen Bewegung als auch in der Anti- Apartsheitbewegung, mit vielen Opfern. Da in der Beschreibung nur von einer Frau die Rede war und nicht von einer schwarzen Frau, bin ich davon ausgegangen dass es noch eine ähnliche Geschichte mit feministischen Hintergrund gibt. Vergleichbar mit einer Provokation in Stillfragen finde ich es immer noch nicht, aus den Gründen die ich oben genannt habe. Für mich macht es einen großen Unterschied ob Empfindungen von Menschen ausser Acht gelassen werden, wenn es um eine unterdrückte und misshandelte Minderheit geht die körperlich und seelisch ausgebeutet wurde und wo es um eine rechtliche Veränderung geht,oder ob jemand der etwas sowieso rechtlich darf es provokant macht, einfach nur weil er sagen will : "schau her, ich darf das, ich find das gut was ich mache und alle sollen es sehen und ich versteck mich nicht". Ich hoffe es kommt auch klar rüber dass ich definitiv kein Problem damit habe wenn ein Kind langzeitgestillt wird, um Gottes Willen, wir haben irgendwann abgestillt weil wir/ ich einfach vom Gefühl nicht mehr wollten, aber nicht weil ich keine LZS Mama sein wollte und das abstossend finde. Ich hab auch kein Problem damit wenn ich im Restaurant sitze und bei mir am Tisch ne Frau ihr Kleinkind stillt, ich würde es schön finden und versuchen mit ihr ein Gespräch anzufangen. Aber ich möchte halt nur zu bedenken geben, dass es wenig fachliches Wissen um LZS in der breiten Öffentlichkeit gibt, und in den Köpfen der Menschen dazu ( leider) ein negatives Bild dazu herrscht. Der Mensch der damit uninformiert und überraschend konfrontiert wird lernt NICHTS über das LZS und die Vorteile für das Kind, er wird auch ne erfahren dass das Kind natürlich nicht bindungsgestört/ muttersöhnchen/ sexuell gestört wird, weil er das Kind wahrscheinlich ja nie wieder sieht. Es wird sich durch die direkte Konfrontation überrumpelt fühlen und weitere negative Assoziationen draufpacken. Stillt man dezenter und etwas zurückgezogen ohne sich dafür zu verstecken, gibt man den Menschen die Möglichkeit sich dem Thema selbstbestimmt zu nähern. Diese Mutter im Schwimmbad hat niemandem geschadet, genau wie keine Mutter die provokant stillt irgendjemandem schadet. Schlimmstenfalls bekommt man ne Brust zu Gesicht, das wird ja jeder problemlos wegstecken. Die Frage ist nur, ob man tatsächlich " der Sache", nämlich das Stillen und auch das LZS positiv zu bewerben , einen Gefallen tut wenn man provoziert. Und ICH vermute, man schadet eher.


Sent from my iPad using Tapatalk

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 22:46
von ehUrt2
sternenweib hat geschrieben:ein mir sehr nahestehender mensch hat vor noch nicht mal anderthalb jahren das stillen meines neugeborenen babys als eklig, "muß das beim essen sein" (ich wäre zu der zeit sonst verhungert) und peinlich empfunden - in ganz kleinem kreis. mitterweile wird das in keinster weise mehr thematisiert und wenn, dann positiv (oh, wie niedlich) und völlig egal in welchem rahmen.
der mensch ist meine pubertierende tochter, der gerade alles peinlich ist, was ich mache. vorgestern beim klassenfest hab ich vorher auflagen gekriegt wie "nicht laut lachen", "nicht mich in den arm nehmen" - stillen gehörte nicht dazu, obwohl ich das in dem kontext sogar sehr verstanden hätte. für sie ist das mittlerweile das normalste auf der welt, sie guckt genau so blöd wie ich, wenn ein abgestilltes kind seine pre-flasche kriegt und hat mehr schnall als so manche hebamme.
und wenn das der einzige mensch ist, den ich durch mein "provokantes" stillverhalten das stillen als normale tätigkeit nahe gebracht habe - dann ist es mir das schon wert gewesen.
es geht mir nicht darum, irgendwelche verbohrten ansichten erwachsener zu ändern, es geht mir darum, dass irgendwelche jungen muttis in 20 jahren irgendwo in ihrem hinterkopf das bild von mir mit kleinkind an der brust auf dem spielplatz haben. und dafür nehme ich auch in kauf, dass sich irgendwer gestört fühlt.
Ich weiss nicht, ob du das jetzt auf mich beziehst, aber für mich ist das kein bisschen provokant.