Sandküste hat geschrieben:Die Veganer, die ich so -meist auf FB- lese, stellen Tiere und Menschen sehr wohl auf eine Stufe.
Ich sehe kein Argument, warum man dies in den Bereichen, in denen wir mit (anderen) Tieren gleich sind, nicht tun sollte. Nämlich in dem Bereich der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden und zu leiden. Wie ich schon mal fragte, WAS sollte denn die trennende Grenze sein, die unterschiedliche Stufen rechtfertigt? Wir teilen das Bedürfnis und das Interesse, frei von Schmerzen und Angst zu leben.
Ich finde überhaupt nicht, dass Tiere hier "vermenschlicht" werden, sondern eher bestimmte Fähigkeiten und Empfindungen, von denen der Mensch meint, er hätte sie für sich allein gepachtet.
Yvi19 hat geschrieben:Für mich ist der wesentliche Unterschied die fehlende Vorstellung von Zukunft und Vergangenheit und die Fähigkeit sich Dinge vorzustellen.
Folgt man dem Vergleich mit den außerirdischen, die uns nutzen, so wäre die Angst, jederzeit getötet werden zu können, nicht zu wissen was passiert, das gruselige. Nicht der Tod an sich.
Natürlich können Tiere über die Vergangenheit nachdenken, sonst wären sie ja nicht lernfähig. Sie können sich an gemachte Erfahrungen erinnern, positive wie negative und ihr Verhalten demnach ausrichten und ändern. Sie erinnern sich selbst nach vielen Jahren an Schlimmes in ihrem Leben, es gibt für sie ebenso "Trigger" an zurückliegende traumatische Erlebnisse.
Sie ziehen auch Schlüsse und planen für die Zukunft. Ganz einfach gesehen ist bereits der Nestbau einer Tiermutter eine in die Zukunft gerichtete, geplante Aktion. Aber Tiere sind noch zu wesentlich komplexeren Denk- und Handlungsprozessen fähig. Und sie können ebenso wie wir Empathie für andere empfinden!
Nicht jede Tierart ist zu allem in der Lage, aber zu sagen, nur der Mensch könne grundsätzlich dieses oder jenes, ist schlichtweg falsch.
Und natürlich haben Tiere Angst vor dem Tod und können Todesangst empfinden! In einem Tierversuchslabor, auf der Fahrt zum Schlachthof etc. etc. sind Tiere ständig in einer Situation, in der sie nicht wissen, was passiert. Und ja, dieses Empfinden ist gruselig und sie teilen es mit uns.
LottiBerlin hat geschrieben:Ich würde den Gedanken "anders" denken. Gerade weil wir Menschen eben nicht über den Tieren stehen, können wir nicht gegen unsere Natur, genauso wenig wie ein Tier das kann. Das bedeutet, und da gibt es keinen ernsthaften Zweifel dran, dass wir zum Omnivor geboren sind und nicht zum Vegetarier oder gar Veganer.
Wie gesagt, bedeutet es als Omnivor geboren zu sein, eben nicht zwingend, alles essen zu MÜSSEN, sondern alle notwendigen Nährstoffe aufzunehmen und das ist mit einer veganen Lebensweise möglich. Lediglich das bereits diskutierte B12 bildet die Ausnahme, doch da finde ich es genauso wenig widernatürlich, es zu supplementieren wie Vitamin D.
Mit "der Natur" zu argumentieren und dass der Mensch ja nicht gegen seine Natur könne bzw. auch besser nicht handeln sollte, finde ich im moralischen Bereich sehr schwierig.
So traurig es ist, aber es liegt in der Natur des Menschen, grausam zu sein. Und damit meine ich, zu anderen Menschen. In seiner kompletten Entwicklung, in jeder historischen Epoche war der Mensch an sich ein brutales, grausames Wesen. Er hat gemordet, gefoltert und vergewaltigt. Das ist leider bis heute so. Selbst in unserer moralisch eher weit entwickelten Welt, in der es Gesetze gibt, dass alle Menschen, egal ob Mann oder Frau, schwarz oder weiß, gleichberechtigt sind, gibt es noch zig Individuen, die das anders sehen und teilweise auch anders handeln.
Doch komischerweise akzeptieren wir hierbei nicht "die Natur" des Menschen. Wir akzeptieren weder Vergewaltigung noch Mord, obwohl es in seiner Evolution ein Teil des Menschen war, sich so zu verhalten und es gesamtgesellschaftlich nicht schon immer als Verbrechen galt. Doch wir setzen Grenzen, um die Opfer zu schützen.
Wir akzeptieren auch nicht, dass es in anderen Kulturen noch heute grausame Rituale gibt. Niemandem, der sich für Menschenrechte einsetzt, wie z. B. gegen Folter, wird vorgeworfen, er würde den dortigen Menschen seine moralische Gesinnung überstülpen und sie bekehren und er sollte doch besser die Menschen machen lassen, was in ihrer Natur liege.
Nur, wenn es um Tiere geht, dann hat jeder seine persönliche Moral, die doch bitte von anderen zu akzeptieren ist. Da könnte man nicht "gegen seine Natur" handeln. Das kann ich ebenso wenig akzeptieren, wie Menschenrechtler bei Folter wegsehen können, weil es mir ebenfalls um den Schutz der Opfer geht.