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Re: AW: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 17:46
von greenie bird
Da schrieb doch vorhin noch jemand man würde es ja nicht besser machen, wenn man es öffentlich macht, aber vom Nichtstun ist noch nie etwas besser geworden.
Wenn man da so einfach stillt oder kuschelt, dann reißt ja die Disziplin ein - ich denke daher kommt das noch - es/man muss ja immer alles und jeden unter Kontrolle haben. Anstand, nich wahr?! :P

Ta ta ta... mit dem Handy da

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 17:53
von Katha
Ein Teil der Argumentation erinnert mich an:
"Ich habe nichts gegen Homosexuelle, aber sie müssen das doch Nichtsozialist provokant machen. Wie mit der Parade. Ich sag ja auch niemanden, mit wem ich ins Bett gegen. Höhö"
Muss man auch nicht, weil ja von "Normalität" ausgegangen wird...

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 17:55
von Katha
Wie Greenie Bird schreibt, das Nichtstun zementiert den StatusQuo

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 17:57
von Captainsparrow
Also zu der Frage ein paar Seiten davor : einfach "ausgelaufen" wie in der Anfangszeit bin ich schon nach ein paar Wochen nicht mehr. Allerdings wurde bis zum Schluss (ich glaub 17 oder 18 Monate) der MSR immer beidseitig ausgelöst, wenn nur an einer Brust getrunken wurde. Im Übrigen geht es glaub ich nicht um ein Stillen am Beckenrand, sondern im Becken selbst, also im Wasser, zumindest was die TS im ersten Beitrag geschrieben hat.
Und mich würde es weniger stören durch eine Wolke Pre-Milch zu schwimmen als durch eine Wolke Muttermilch, wobei ich da wie gesagt mittlerweile ja abgehärtet bin. Da ist einfach eine Hemmung bei mir, das ist ein "Produkt" eines anderen Menschen. Ich hab auch die Muttermilch die übrig war verworfen statt sie mir, meinem Mann oder meiner Freundin aufgeschäumt als Latte Macchiato zu servieren, obwohl sie vielleicht gar nicht so schlecht geschmeckt hätte. Ich hab sie auch selbst nicht probiert. Oder irgendwohin geschmiert. Ich gehör einfach nicht zu den Menschen die sich gerne mit Körpersäften, seien sie noch so wertvoll oder gesund, auseinandersetzen. Ich fand abpumpen und das Hantieren mit meiner eigenen Milch auch nicht toll, deshalb hab ich lieber gestillt da kam sie halt direkt ins Kind und fertig. Es gibt halt Menschen die mögen das nicht. Jetzt kann mir natürlich jemand vorwerfen ich sei dann halt nicht normal, wenn es denjenigen freut bn ich meinetwegen abnormal. Aber gibt Menschen die haben eine niedrige Ekelgrenze. Meine ist quasi nicht-existent, ich geb's ja zu. Bei der Frage nach der Zurückhaltung....ich frage mich immer, MUSS man provozieren? Man kann ja eine Einstellung haben. Meine ist, dass Stillen etwas natürliches ist, gut für das Kind und die Mutter, und auch über die Säuglingszeit hinweg. Ich finde das Diskriminieren von Stillenden Müttern schlimm, wenn sie es zurückhaltend tun aber trotzdem wegen des reinen Stillvorgangs belästigt werden. Aber provokatives Stillen an Orten, an denen man weiss dass es bestimmte Schamgrenzen verletzt, finde ich nicht gut. Wem wäre nun geholfen, wenn man dem Vorschlag nachkäme und einen Still-Flashmob in diesem Freibad veranstalten würde?? Denkt ihr nicht, dass solch eine aggressive Art mit dem Recht-zum-Stillen vor der Nase der Menschen herumzuwedeln, eher negative Gefühle gegenüber dem Stillen hervorruft? MUSS man alles durchsetzen wozu man ein Recht hat, wenn man auch die Möglichkeit hat es für alle Seiten annehmbar zu gestalten? Ich bin z.b. sehr für die Gleichstellung homosexueller Ehen, allerdings fände ich es unangebracht, wenn man nun einen Homo-Knutsch-Flashmob vor einer katholischen Kirche veranstalten würde, die sich negativ dazu geäussert hat. Ich finde man sollte auch auf die Grenzen anderer Menschen achten. Es ist allgemein bekannt dass das Stillen älterer Kinder bei manchen Menschen sehr negative Assoziationen auslöst. KEINER von denen wird von diesen Assoziationen "kuriert" , indem er in einer Situation in der er gar nicht damit rechnet( weil er nur gemütlich im Freibad seine Bahnen schwimmen möchte) in einer Menschenmenge urplötzlich damit kontrontiert wird. Eine Mutter welche dagegen etwas zurückgezogen auf der Decke stillt, signalisiert damit eine Situation die nunmal nicht komplett öffentlich ist, und bei der sich die Personen aussenrum selbst aussuchen können, wie viel sie damit zu tun haben möchten. Und gerade bei dem noch unkonventionellen Stillen älterer Kinder brauchen die Menschen diese Wahl, und die Möglichkeit der vorbereiteten und langsamen Annäherung an das Thema. Ich kenne viele Frauen die mit mehreren Kindern ins Schwimmbad gehen, und ich kenne selbst den Stress, den das verursacht. Aber die schaffen es irgendwie alle die Situation so zu händeln, dass die Kinder erst auf der Decke essen und trinken. Und zwar ohne ihre Kleinkinder zu vernachlässigen oder zu quälen oder sonstwas. Insofern gehe ich jetzt davon aus dass die Situation für diese Mutter auch lösbar gewesen wäre. Vielleicht hat sie auch einfach nicht daran gedacht dass der Gedanke evtl. mit MuMi in Berührung zu kommen, andere Menschen ekeln könnte, weil es für sie so etwas natürliches ist? Definitiv hätte der Bademeister einfach besser gesagt , dass Essen und Trinken im Wasser verboten ist und sich manche Leute dadurch gestört fühlen, statt dummerweise diese Perversions-und Jugendamtsgeschichte anzufangen. Vielleicht hätte sie dann geantwortet dass sie gar nicht auf die Idee gekommen ist dass es als störend empfunden wird, und wäre auf ihre Decke gegangen. Jetzt ist es auf jeden Fall ausgeufert, und keiner weiss eigentlich was genau passiert ist.
Im Übrigen finde ich solche Aussagen wie "Hier hätte ich SOWAS gar nicht erwartet" wenn jemand sagt er findet Stillen eines Kleinkindes im Schwimmbecken nicht so toll auch krass unpassend. Das ist ein Forum für Mütter die Stillen und Tragen, aber es ist kein Forum für "Ich-bestehe-darauf-mein-Kleinkind-jederzeit-überall-zu-Stillen". Auch unter stillenden Müttern gibt es sehr persönliche Unterschiede darin, wie lange man Stillen möchte und wie man für sich selbst das Stillen eines Kindes wahrnimmt, das nunmal schon sehr deutlich dem Kleinkindalter entwachsen ist. Und das, obwohl wir hier alle wissen dass dieses ganze "obszön/kindesmissbrauchs/klammernde-Mutter-Geschwafel Blödsinn ist, sondern das natürliche Abstillalter viel höher ist, als es in unserer Kultur vermittelt wird, und dass das lange Stillen von Kindern für diese nur Vorteile und keine Nachteile hat. Kann man nicht informiert sein, aufgeklärt und TROTZDEM seine eigenen Grenzen haben? Ich finde dass gerade eine solche Diskussion mal interessant ist für beide Seiten, wie ein bestimmtes Auftreten in der Öffentlichkeit gesehen wird AUCH von Pro-Stillen-Müttern. Ich bin immer überrascht wenn ich eine Mutter sehe, die ein großes Kind stillt. Und zwar ERSTMAL überrascht und DANN ERST positiv überrascht, und zwar immer wenn ich mir dann die Posts der langzeitstillenden Mütter in den Kopf rufe, die die liebevolle Stillbeziehung mit ihrem sprechenden Stillkind beschreiben. In den Gedanken des Langzeitstillens muss man hineinwachsen. Ich denke viele der LZStillerinnen hier haben sich vor der Schwangerschaft auch nicht vorstellen können, ein vierjähriges Kind zu stillen. Das war auch für diese Frauen ein Prozess, sie sind jeden Tag dort hineingewachsen weil sie täglich damit zu tun hatten. Die Mutter die ihren 3 Jährigen stillt, hat 3 Jahre Vorsprung darin sich mit dem LZS zu beschäftigen vor dem Opa, der da gemütlich seine Bahnen dreht und dann seinen Augen nicht traut.

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 18:00
von Captainsparrow
Wegen oben: Die Loveparade ist ein öffentliches Ereignis. Jeder weiss um was es geht, und man kann sich frei entscheiden ob man hingeht oder sie sich im Fernsehen anschaut. Ein provokantes Rumknutschen direkt vor der Nase, nur um einen Menschen zu schocken oder in Bedrängnis zu bringen, fände ich dagegen nicht gut.

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 18:05
von ehUrt2
Katha hat geschrieben:Ein Teil der Argumentation erinnert mich an:
"Ich habe nichts gegen Homosexuelle, aber sie müssen das doch Nichtsozialist provokant machen. Wie mit der Parade. Ich sag ja auch niemanden, mit wem ich ins Bett gegen. Höhö"
Muss man auch nicht, weil ja von "Normalität" ausgegangen wird...
Vielleicht wird der Begriff provokant hier einfach unterschiedlich verstanden.
Ich verstehe darunter, dass ich andere mit meinem Verhalten schockieren möchte und mein Verhalten eben nicht als "normal" oder "natürlich" ansehe, sondern absichtlich das tue, was nicht der "Norm" entspricht. Das trifft für mich nicht auf homosexuelle Menschen oder Frauen, die einfach so, ohne groß Tamtam stillen zu.

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 18:06
von Katha
Es geht nicht darum jemanden in Bedrängnis zu bringen.
Es geht darum, die Norm zu verändern. Eben nicht mehr als pervers angesehen zu werden, sondern als Mensch, der der Norm eben auch entspricht. Die Norm zu verändern.
Geht übrigens um den CSD und nicht die LoveParade
Und manchmal stimmt der Satz halt: Das Private ist politisch.

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 18:08
von LaLeMi
Ja, aber ich gehe nach wie vor nicht davon aus, daß die Stillmama da nun provozieren WOLLTE.
Wäre ich es gewesen, hätte ich mir vermutlich überlegt, hm, Kind will stillen, hat sich vielleicht gerade wehgetan, fängt vielleicht an zu kreischen, wenn das jetzt nicht schnell geht, da sind auch noch die beiden anderen, für die ich ja auch noch die Aufsichtspflicht habe (!); ich stille jetzt schon seit Jahren und bin erfahren genug, dies einigermaßen dezent zu tun. Tja, und dann sieht mich trotzdem einer von der Seite oder ein Kerl starrt mir auf die Möpse und sieht, holla, was macht die denn da ? Pech gehabt, Tumult im Schwimmbad; und dann noch ein Bademeister, der, statt mich dezent von der Seite anzusprechen und auf das Dilemma hinzuweisen, so daß ich mich möglichst leise verziehen kann; nein, er will ggf. noch ein Exempel statuieren, wie sehr er durchgreift und winkt mir gleich empört mit dem Jugendamt vor der Nase. Derart angedisst, bin ich dann auch nicht nur freundlich still und leise zu ihm. So.
Da WILL doch keiner provozieren? Da ist der Stillmama doch ihre Umgebung nicht wurst (wie gesagt, scheint ja nicht gerade Ramona Drews gewesen zu sein ;-)), sondern sie versucht verschiedene Bedürfnisse oder Wünsche unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht nicht so, wie sich das manche, viele oder wenige Menschen im Schwimmbad vorstellen, aber das ist nunmal auch das Risiko im allgemeinen Leben.

(Der Raucher neben mir auf der Liegewiese oder der Erwachsene, der ins Becken pinkelt - ob ich das nun sehe oder nicht - sind im Gegensatz dazu vielmehr erwachsene Menschen und ALLEIN für das, was sie tun, verantwortlich)

(Im Übrigen, ich bin NIE ausgelaufen, ich hatte gleich am Anfang ein oft-aber-kurz-direkt-Abforder-Kind, ich habe in jetzt über 6 Jahren Stillzeit noch keine einzige Stilleinlage gebraucht. Ich habe kein Speikind gehabt. Vielleicht denke ich drum nicht primär an die Möglichkeit, daß irgendwie Flüssigkeit ins Wasser geraten könnte)

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 18:10
von Katha
raeubertochter2010 hat geschrieben:
Katha hat geschrieben:Ein Teil der Argumentation erinnert mich an:
"Ich habe nichts gegen Homosexuelle, aber sie müssen das doch Nichtsozialist provokant machen. Wie mit der Parade. Ich sag ja auch niemanden, mit wem ich ins Bett gegen. Höhö"
Muss man auch nicht, weil ja von "Normalität" ausgegangen wird...
Vielleicht wird der Begriff provokant hier einfach unterschiedlich verstanden.
Ich verstehe darunter, dass ich andere mit meinem Verhalten schockieren möchte und mein Verhalten eben nicht als "normal" oder "natürlich" ansehe, sondern absichtlich das tue, was nicht der "Norm" entspricht. Das trifft für mich nicht auf homosexuelle Menschen oder Frauen, die einfach so, ohne groß Tamtam stillen zu.
Genau zum letzten Satz.
Aber wie es scheint, wird letzteres nicht akzeptiert, wenn nicht auch absichtlich provoziert wird.
Sonst ändert sich meist leider nichts (und das fing in der Geschichte schon damit an, auf welchen Platz im Bus frau sich setzt)

Re: Stillende Mutter des Freibads verwiesen

Verfasst: 10.06.2013, 18:10
von Captainsparrow
Meinte doch CSD, ich denke das war aber doch klar, oder?