Ob das dann wirklich immer bedürfnisgerecht ist?
Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, dass es das nicht sei. Auch für die Kinder, die immer sofort "die Brust in den Mund geschoben bekommen haben", ist kein höheres Risiko für spätere Esstörungen/Ersatzhandlungen bekannt. (Auch diese Kinder werden im natürlichen Abstillprozess irgendwann deutlich machen, dass das Stillen nun NICHT mehr die angemessen Reaktion auf die Signale des Kindes ist. Da wachsen Mutter und Kind doch einfach hinein.)
Letztlich kommen bei der Entwicklung von Essstörungen sicherlich mehrere Faktoren zusammen, das Nichtbeachten von Hunger/Sattsein, wie Petra so einleuchtend schrieb, PLUS eine Instrumentalisierung des Essens, sprich: Essen/Füttern als sozialer Impuls (Belohnen, Drohen, Bestrafen, Ruhigstellen, Ablenken,... aber auch kulturelle Impulse wie Gemeinsamkeit/Einheit schaffen, Zugehörigkeit zu einer Gruppe zeigen, Rituale und Traditionen pflegen,.... da ist jede Kultur voll davon.).
Letzeres ist übrigens EXTREM verbreitet. Wer von uns hat einem quengeligen Kind im Buggy, dass keinen Bock hat zu warten, bis Mama mit Quatschen fertig ist, noch keine Reiswaffel in die Hand gedrückt??...
Klar, dies allein wird wohl noch keine Essstörung auslösen, aber dennoch ist dies bereits eine Instrumentalisierung von Essen.
LG;
Julia