Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
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jente
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Danke für die Anmerkungen. Zumindest für mich hat 2) leider gar nicht funktioniert, da ist tatsächlich nur Nazikeule angekommen und nichts von Härte gegen Mütter. Und auch mit der Erklärung der Intention fehlt mir die nachvollziehbare Erklärung, warum es zB zwischendurch mal anders war (oder war Flaschengeben in den 70ern auch eine Härte gegen Mütter? Warum geht der Artikel dann anscheinend gegen Stillbefürworter und nicht gegen alle, die Müttern etwas aufdrücken wollen?).
Aber ein Artikel muss ja auch nicht für jeden funktionieren.
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jente mit K1 (2013) und K2 (2016)
"There are times in life when people must know when not to let go. Balloons are designed to teach small children this."
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Maja
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Wie weit geht denn die freie Entscheidung der Frau über ihren Körper in der Schwangerschaft? Alkohol, Zigaretten, Drogen, Kampfsport, schwere Mangelernährung (gewollt, aus Glaubensgründen oder so...), etc. - und ab wann hat das neue Leben das eigene "Recht" auf körperliche Unversehrtheit? Noch im Bauch, während der Geburt (impliziert: muss die Mutter ihre Geburtsvorstellungen auch danach auswählen, was das fürs Kind bedeutet, oder nicht?), nach der Geburt, erst nach einigen Tagen-Wochen-Monaten?
Ich denke, es gibt auf diese Frage kein klares falsch oder richtig. Jeder muss das wohl für sich selbst bewerten.
Die Mutter-Kind-Beziehung in der Schwangerschaft und die Eltern-Kind-Beziehung der allerfrühesten Kindheit ist so symbiotisch, dass es immer wieder nur ein Trade-Off zwischen dem Optimum der Akteure sein kann. Hunderte Kompromisse, und dafür ist die menschliche Rasse zum Glück genetisch auch gut vorbereitet.
Dennoch: je mehr dieser Kompromisse zu Lasten des Babys (bzw. einseitig zugunsten der Interessen der Erwachsenen) ausgehen, desto mehr summieren sich die teils auch in Studien belegen Nachteile für das Kind auf. Irgendwann mag die Summe der Risikofaktoren/Nachteile/Einschränkungen so hoch sein, dass sie auch nicht mehr durch die Vorteile tiefenentspannt glücklich selbstbestimmt lebender Eltern ausgewogen wird.
Oder auch nicht. Man weiß halt nicht wann es kippt. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt vielleicht lieber einen Sicherheitspuffer
Ich denke, es gibt auf diese Frage kein klares falsch oder richtig. Jeder muss das wohl für sich selbst bewerten.
Die Mutter-Kind-Beziehung in der Schwangerschaft und die Eltern-Kind-Beziehung der allerfrühesten Kindheit ist so symbiotisch, dass es immer wieder nur ein Trade-Off zwischen dem Optimum der Akteure sein kann. Hunderte Kompromisse, und dafür ist die menschliche Rasse zum Glück genetisch auch gut vorbereitet.
Dennoch: je mehr dieser Kompromisse zu Lasten des Babys (bzw. einseitig zugunsten der Interessen der Erwachsenen) ausgehen, desto mehr summieren sich die teils auch in Studien belegen Nachteile für das Kind auf. Irgendwann mag die Summe der Risikofaktoren/Nachteile/Einschränkungen so hoch sein, dass sie auch nicht mehr durch die Vorteile tiefenentspannt glücklich selbstbestimmt lebender Eltern ausgewogen wird.
Oder auch nicht. Man weiß halt nicht wann es kippt. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt vielleicht lieber einen Sicherheitspuffer
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seelenkind
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Oh, jetzt hab ich den Kasten auch gefunden. Am Handy sieht man den leider nicht sofort.
Was mir an der Diskussion über einen angeblichen Stillzwang so sonderbar vorkommt, ist folgendes: Ich bin Zahlenmensch. Schau ich mir die Zahlen an, dann wollen 90% aller Mütter stillen. Nach 6 Monaten stillen aber nur noch 40 bis 50%- was im internationalen Vergleich immerhin nicht miserabel ist, aber was ist mit den anderen 40% passiert? Die Zahl der Mütter, die von vornherein nicht stillen wollen, ist mit 10% ja sehr gering. Sind die anderen alle innerhalb dieser 6 Monate zu Rebellen geworden, die sich dem unglaublichen Druck des Systems, das sie zum Stillen zwingen will, widersetzen, indem sie dann doch zur Flasche greifen? Oder mangelt es nicht viel mehr an der Infrastruktur, die all die Frauen unterstützt, die stillen WOLLEN? Das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber für mich geben die Zahlen nichts her, was auf einen riesengroßen Stilldruck schließen ließe. Wenn Müttern, die eigentlich stillen wollten, aber wegen der fehlenden Infrastruktur nicht konnten, die Schuld für ihr "Versagen" zugeschoben wird, ist das natürlich grundfalsch und hochgradig unfair.
Was mir an der Diskussion über einen angeblichen Stillzwang so sonderbar vorkommt, ist folgendes: Ich bin Zahlenmensch. Schau ich mir die Zahlen an, dann wollen 90% aller Mütter stillen. Nach 6 Monaten stillen aber nur noch 40 bis 50%- was im internationalen Vergleich immerhin nicht miserabel ist, aber was ist mit den anderen 40% passiert? Die Zahl der Mütter, die von vornherein nicht stillen wollen, ist mit 10% ja sehr gering. Sind die anderen alle innerhalb dieser 6 Monate zu Rebellen geworden, die sich dem unglaublichen Druck des Systems, das sie zum Stillen zwingen will, widersetzen, indem sie dann doch zur Flasche greifen? Oder mangelt es nicht viel mehr an der Infrastruktur, die all die Frauen unterstützt, die stillen WOLLEN? Das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber für mich geben die Zahlen nichts her, was auf einen riesengroßen Stilldruck schließen ließe. Wenn Müttern, die eigentlich stillen wollten, aber wegen der fehlenden Infrastruktur nicht konnten, die Schuld für ihr "Versagen" zugeschoben wird, ist das natürlich grundfalsch und hochgradig unfair.
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luna24
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ich finde den Artikel in dem Zusammenhang ja sehr lesenswert (englisch):
http://www.developmentalscience.com/blo ... -you-there
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miss_undercover
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ich habe das doch geschrieben: in den 60er und 70er Jahren wurde der eine Druck durch den nächsten ersetzt: Flaschenzwang statt Stillzwang. Heute schwingt das Pendel mit aller Macht wieder zurück, zumindest erleben das Frauen so, die nicht stillen wollen.
Und dass trotz Stilldruck so viele Frauen vorzeitig abstillen, zeigt, dass Druck die Stillraten nicht nach oben treibt. Es fehlt an Unterstützung für die, die stillen wollen. Auch das steht im Artikel, wie auch die Forderung, dass zur echten Stillförderung jede stillende Mutter Anrecht auf Unterstützung durch eine von der Krankenkasse bezahlte Stillberaterin haben sollte.
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Und dass trotz Stilldruck so viele Frauen vorzeitig abstillen, zeigt, dass Druck die Stillraten nicht nach oben treibt. Es fehlt an Unterstützung für die, die stillen wollen. Auch das steht im Artikel, wie auch die Forderung, dass zur echten Stillförderung jede stillende Mutter Anrecht auf Unterstützung durch eine von der Krankenkasse bezahlte Stillberaterin haben sollte.
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miss_undercover
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Mein Eindruck nach hunderten Leserbriefen und Kommentaren zu dem Artikel ist: das Thema ist so emotional, dass viele gar nicht lesen, was da steht. Stattdessen entstehen ganz schnell eigene Verbindungen und Assoziationsketten. So habe ich bewusst etwa mit keinem Wort gesagt, dass Pulvermilch und Muttermilch gleichwertig wären oder dass es egal ist, ob Mütter stillen. Ich sage nur: das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist unverbrüchlich. Und ja, das gilt auch für (werdende) Mütter uneingeschränkt. Sie allein haben das Recht zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper tun oder nicht tun wollen.
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miss_undercover
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
jente, der Artikel geht tatsächlich null gegen Stillbefürworter (ich bin doch selbst eine, die sich öffentlich ganz klar für das Stillen stark macht) sondern gegen jeden Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Das steht auch klar so im Text. Spannend, dass Du ihn so anders liest.
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miss_undercover
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Den Artikel kenne ich, luna24, und ich finde ihn auch gut. Als ausgemachter AP-Fan [emoji16]
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luna24
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ja, das sehe ich auch so. Und ich denke, das ist ein entscheidender Punkt, der sehr viel tiefer geht. Wie kann man Mütter so unterstützen, dass sie eben nicht auf solche Aussagen hochemotional reagieren und das Gefühl haben, ihren Standpunkt verteidigen zu müssen. Da steckt ja eine unheimliche Unsicherheit dahinter, die sich auch auf die Kinder überträgt - unabhängig von Stillen oder Flasche.miss_undercover hat geschrieben:Mein Eindruck nach hunderten Leserbriefen und Kommentaren zu dem Artikel ist: das Thema ist so emotional, dass viele gar nicht lesen, was da steht. Stattdessen entstehen ganz schnell eigene Verbindungen und Assoziationsketten. So habe ich bewusst etwa mit keinem Wort gesagt, dass Pulvermilch und Muttermilch gleichwertig wären oder dass es egal ist, ob Mütter stillen. Ich sage nur: das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist unverbrüchlich. Und ja, das gilt auch für (werdende) Mütter uneingeschränkt. Sie allein haben das Recht zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper tun oder nicht tun wollen.
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen
Ich bin auch AP-Fan und praktizierend, und empfehle trotzdem gerne diesen Artikel...miss_undercover hat geschrieben:Den Artikel kenne ich, luna24, und ich finde ihn auch gut. Als ausgemachter AP-Fan [emoji16]
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