Liebe Alessia!
Puh, da hattet Ihr keinen guten Tag. ((()))
Er nimmt gar nicht mehr zu.
Das sehe ich nicht so. Gucken wir uns die Daten an:
Geburt???
18.08. 3140 g, KH
16.09. 4000 g, KiA
15.10. 4600 g, Hebamme
24.10. 4690 g, eigene Waage
Die Werte vom 15. und 24. Oktober zeigen alleine schon eine Zunahme von 90g in 9 Tagen. Und wenn man den Hebammenwert herausnimmt - der könnte ja auch falsch hoch sein - ergibt sich eine Zunahme von 172g durchschnittlich pro Woche. Das liegt im Normalbereich.
Dabei kommt er seit eine Woche alle 1,5-2 Stunden tagsüber und alle 1-1,5 Stunden nachts. Er stillt etwa 1 Stunde pro Mahlzeit , weil er permanent dabei einschlägt und ich ihn wecken muss, Windel wechseln, Seite wechseln etc. so dass es nachts fast Dauerstillen ist. Es macht mich kirre.
Das kann ich absolut nachvollziehen. Sein Stillverhalten ist nicht ungewöhnlich für Babys in seinem Alter. Insbesondere abends und nachts tritt Dauerstillen vermehrt auf. Das hat sogar einen eigen Namen: Clusterfeeding. Das ist sehr weit verbreitet. Aber wenn Ihr beide nicht zufrieden seid mit den kurzen Stillabständen tagsüber, dann sollten wir daran arbeiten, dass es für Euch passt. Die Abstände ändern sich damit zwar nicht unbedingt, aber die Dauer der einzelnen Stillmahlzeiten lässt sich verkürzen und die Stillpausen verlängern (s.u.).
Wichtig ist, dass Du es Dir beim Clustern so bequem wie möglich machst. Abends z.B. auf dem Sofa mit Kissen gestützt und mit einem (Hör-)Buch, Musik oder einem schönen Film.
Wo schläft Dein Sohn denn? In welcher Position stillt Ihr nachts?
Ich lag also mit meinem Gefühl und Personenwaage richtig, dass er hungert.
Wenn Du mit einer auf 10g genauen Babywaage wiegst und Dein Baby tatsächlich 4000 g wiegt, dann zeigt die Waage einen Wert zwischen 3990 g und 4010 g. Die Personenwaage, die meist auf 100 g genau ist, zeigt aber eine Zahl zwischen 3900 g und 4100 g. Die Personenwaagen-Ergebnisse können wir deshalb wirklich nicht einbeziehen.
Die Ergebnisse der Babywaagen des Krankenhauses, des Kindearztes und Deiner eigenen zeigt eine Zunahme im Normalbereich. Von Hungern kann bei einer Zunahme ab durchschnittlich 170g/Woche nicht ausgegangen werden. Diese Sorge kann ich Dir nehmen.
Dein Bauchgefühl sagt aber: "Da stimmt trotzdem etwas nicht." Und das nehme ich sehr ernst. Deshalb begleite ich Dich gerne und wir gucken gemeinsam wie Dein Sohn ein zufriedenes Baby und Du eine entspannte Mama sein könnt. Dabei beobachten wir das Gewicht, die Stillfrequenz und die Ausscheidungen. Ich bin mir sicher, dass Dein Sohn auch ohne PRE gut versorgt und zufrieden sein kann.
3 Percentile laut WHO, dabei ist er mit normalem Gewicht zur Welt gekommen.
Ja, er folgt nicht einer Perzentile. Aber es ist ein Missverständnis, dass das so sein muss. Die Perzentilen sollen eine Orientierung geben und basieren auf den Werten tausender Babys weltweit. Sie sagen aber nichts darüber aus, ob ein spezielles Baby gut gedeiht. Das zeigt sich in einer Zunahme über durchschnittlich mindestens 170g/Woche, guten Ausscheidungen und einer altersgemäße Entwicklung.
Selbst, wenn die Reduktionsmaßnahmen "zu gut" gegriffen haben, so hast Du nicht zu wenig Milch. Du stillst ja weiterhin nach Bedarf. Allerdings fließt die Milch durch Blockstillen & co. manchmal langsamer und das führt dann zu Babys, die an der Brust unzufrieden sind und nicht so ausgiebig stillen. Wenn Du jetzt keine Maßnahmen gegen zu viel Milch mehr machst, wird sich das schnell wieder normalisieren.
Ich habe Panik bekommen und habe ihm 90 ml Pre-Nahrung gegeben.
Ich kann Deine Reaktion gut verstehen. Es ist eine furchtbare Vorstellung, dass das eigene Baby hungert. ((())) Die Zahlen zeigen aber keinen akuten Zufütterbedarf. Wahrscheinlich reichen schon wenige Veränderungen am Stillmanagement, damit Du entspannter und nicht mehr Dauerstillen musst. Mehr braucht Ihr höchst wahrscheinlich nicht machen. Denn die Zunahme ist normal.
Das Kind war wie ausgewechselt. Nach dem Essen schlief 2 Stunden am Stück ganz tief und fest.
PRE ist schwerer verdaulich als Muttermilch. Deshalb hält sie länger satt. Viele Babys trinken auch keine 90 ml Muttermilch auf einmal. Dein Sohn lag wahrscheinlich im sog. Fresskoma, so wie wir Erwachsenen nach einer großen Portion Schweinsbraten mit Knödeln. [emoji38]
Danach ohne Schrei wach geworden. Ich konnte noch eine Stunde mit ihm spielen, Babymassage machen, rumalbern, er hat viel gelacht. Es war so schön, ihn seit Wochen so zufrieden zu sehen.
Das verstehe ich gut. Aber dieses Resultat könntest Du auch stillend haben. Das ist kein Erfolg, den nur PRE bringen kann.
Er schlief 2,5 Stunden am Stück. Und dann hat er schwallartig erbrochen. Es spuckt normal überhaupt nicht. Diesmal war es eine Menge, die immer wieder aus ihm kam und es roch sauer.
Wahrscheinlich war sein Bauch zu voll und er musste den Druck in seinem Bauch loswerden. Das ist nicht schlimm.
Ich bin jetzt wieder seit etwa 7 Stunden ohne Schlaf, weil er jede Stunde kommt und fast eine Stunde stillt.
Das ist wirklich super anstrengend. Wenn ich weiß wie Ihr schlaft und stillt, dann finden wir bestimmt eine Lösung, so dass das nächtliche Stillen und Dein Schlaf kein Widerspruch mehr sind.
Was soll ich jetzt tun? Ich schaffe es nicht noch 2,5 Wochen auf den U4 zu warten, ohne einzugreifen.
Erst einmal Ruhe bewahren. Gerne begleite ich Dich beim Beobachten und unterstütze Dich bei den kleinen Veränderungen, die Dich entlasten können.
Du hast die Waage ja schon da. Bitte lies Dir die
Grundinfo Gewichtsentwicklung - Gedeihen - Gewichtskontrolle durch und wiege täglich unter gleichen Bedingungen.
Bitte poste täglich die Liste mit allen Gewichtsdaten (Du kannst Die von weiter oben nehmen) und ergänze sie so:
15.07. 3800 g, 11x gestillt, 150 ml PRE, 5x Urin, 0x Stuhl
Meine Frage kann es sein, dass er erbrochen hat, weil er erst Pre-Mich und danach Brust und nicht umgekehrt rum bekommen hat?
Bei der Flasche kann er die Trinkmenge nicht kontrollieren. Die Stimulation durch den Sauger und die Fließgeschwindigkeit führen nicht selten zu Überfütterung. Vielleicht war das Stillen danach der Grund zum Überlaufen oder es wäre auch ohne Stillen dazu gekommen.
Kann ich weiter mit Fläschchen probieren, oder ist das Erbrechen ernst zu nehmen und ich lieber zum Arzt?
Da kein akuter Zufütterbedarf besteht, lass die PRE weg. Ihr braucht sie nicht. Und wenn er ohne PRE nicht wieder spuckt und auch ansonsten keinen kranken Eindruck macht, dann müsst Ihr auch nicht zum Arzt.
Um das Dauerstillen einzudämmen, ist es hilfreich die einzelnen Stillmahlzeiten effektiver zu gestalten. Du hast das Wechselstillen oben schon selbst angedeutet. Dabei wechselt man immer die Brust, wenn das Baby nur noch trocken nuckelt oder einschläft. Wie oft man dabei wechselt ist egal, manchmal nach ein paar Minuten, manchmal nach wenigen Sekunden. Das hält das Baby am Ball und nach 20-30 min wechselstillen kann man davon ausgehen, dass der Bauch gut gefüllt ist. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass das auch die Milchbildung anregt. Dadurch fließt die Milch auch wieder schneller. Magst Du das ausprobieren?
Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)