Liebe Maria,
Dein Thread ließ mich nicht los und ging mir so oft im Kopf herum. Leider habe ich derzeit kaum Zeit, hier regelmäßig ausführlicher zu schreiben

, ich würde Dir aber gern ein paar meiner Gedanken dalassen.
Was mir am meisten nachging:
Wippen auf PezziBall/Federwiege sollen wir sie nicht, da sie laut Physiotherapeutin aufgrund ihrer Frühgeburtlichkeit eine Störung des Gleichgewichtssinns hat und das dauernde Schuckeln nicht verarbeiten kann.
Müsst Ihr Euch an diese Vorgabe nach wie vor halten? Ich stelle mir das unglaublich schwierig vor

, denn ich muss sagen, ich kenne fast kein junges Baby, das bei Verzicht auf "auf und ab bewegen"/rhythmisches Schuckeln/Wippen/... dauerhaft ruhig und zufrieden wäre. Meine beiden Kinder wären ohne zügiges Marschieren im Tragetuch, Auf- und Ab-Wippen auf dem Pezziball (mit Kind auf dem Arm oder im Tuch/TH) und Federwiege auch auf viele Schreistunden am Tag gekommen.
Babys sind Traglinge. Menschen waren über lange Jahrtausende Nomaden oder körperlich arbeitend tätig - es ist nicht verwunderlich, dass Babys also mit der "einprogrammierten" Erwartung, gute Teile des Tages mit Körperkontakt dreidimensionale Bewegungserfahrungen zu machen, auf die Welt kommen. Und die bestehen nicht nur aus supersachtem hin und her Wiegen sondern normalerweise aus durchaus schwungvollem Gehen, wie man es etwa draußen bei einem zügigen Spaziergang tun würde: und das sind rhythmische Auf- und Abbewegungen fürs Kind.
Solche Bewegungen sind Babys ja auch aus Mamas Bauch gewohnt und sind Teil der normalen Entwicklung aller Sinne - auch des Gleichgewichtssinns. Wenn ein Kind aufgrund von Frühgeburtlichkeit tatsächlich eine Störung des Gleichgewichtssinns hat, dann doch deshalb, weil Bewegunsanregungen, die es im Mutterleib erfahren hätte FEHLEN. Dem begegnen zu wollen, indem man dem Baby diese weiterhin VORENTHÄLT scheint mir völlig kontraintuitiv - und kontraproduktiv.
Ich würde mir dazu auf jeden Fall weitere Meinungen einholen (oder den Rat schlichtweg ignorieren, wenn die Babys so weit gesund sind, dass sie sonst normal hantiert werden dürfen zum Wickeln, Tragen, Baden etc.), da
* schwungvolles Spazierengehen oder Herumgehen mit Baby im Tuch oder gut gestützt aufrecht auf dem Arm,
* Tragen + Pezziballhüpfen/wippen
und heute gern auch
* eine Federwiege
zum Grundrepertoire des Babyberuhigens gehören, und mit der Vorgabe Eurer Physiotherapeutin (die worauf fußt? Gibt es da eine Diagnose? Wie stellt man die und welche ärztlichen Empfehlungen habt Ihr diesbezüglich bekommen?) allesamt nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Das fände ich wirklich hart für Euch.
Wir kamen bei unseren Kindern auch manches Mal an unsere Belastungsgrenzen, was das Tragebedürfnis der Babys anbelangte (bei uns hieß das nämlich in Schubphasen oft: singend mit Schwung Dauer-Treppensteigen). Bei Zwillingen wäre eine Federwiege definitiv meine erste Anschaffung gewesen: entweder zwei einzelne (eine neben/über dem Sofa/Bett und eine im Essbereich - ich würde einen Korb und eine Tuchwiege anschaffen - hat beides seine Vorteile) oder eine für beide zusammen (entweder ein großer Korb oder so ein Hängematten-Doppelmodell für Zwillinge).
Mein Mann hilft mir wo er kann, er hat nur leider Rückenprobleme und kann sie nicht besonders lange tragen - vor allem das TT mag er nicht besonders, weil sie dann darin einschläft und er sie nicht mehr ablegen kann ohne dass sie aufwacht, er sie also notgedrungen 2h tragen müsste...
Der Federwiegen-Korb war bei uns bis Ende des ersten LJ der einzige Ort an den man unsere Tochter aus dem Tragetuch so ablegen konnte, dass sie weiterschlief. Dazu reicht übrigens sachtes Wippen.
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Ich habe zur Thematik auch recherchiert, aber nirgendwo Hinweise gefunden, die die Aussage Deiner Physiotherapeutin stützen würden - im Gegenteil:
Federwiegen werden z.B. inzwischen auch auf der Neonatologie der Uniklinik Aachen verwendet und in einem Artikel von Sears habe ich diese Aussagen gefunden:
Das Tragen hat seinen regulierenden Einfluss auf das Baby vornehmlich über das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.
In der Gebärmutter wird das sensible Gleichgewichtsorgan des Babys durch die fetalen Erfahrungen von fast kontinuierlicher Bewegung angeregt. Das Tragen bietet die selbe Art dreidimensionaler Bewegung und ruft dem Baby die Erfahrung der Bewegung und Balance, die es in der Gebärmutter genoss, ins Gedächtnis zurück. Der mütterliche Gangrhythmus, an den sich das Baby in der Gebärmutter gewöhnt hat, wird durch das Tragen in der "externen Gebärmutter" erneut erlebt.
Aktivitäten wie Schaukeln und Tragen regen das Gleichgewichtsorgan des Babys an. Diese Stimulation ist das einfachste Mittel um Babys Atmung und Wachstum zu unterstützen, speziell für frühgeborene Kinder - jene mit dem höchsten Risiko für SIDS. Manche Studien zeigten, dass frühgeborene, professionell überwachte Babys in wogenden Wasserbetten besser wachsen und weniger Apnoephasen hatten, als andere Frühgeborene.
Neugeborenenstationen begannen eine Gleichgewichtsstimulationsmethode zu nutzen, die Känguruh-Betreuung genannt wird; dabei werden Frühgeborene Haut an Haut an Mutters oder Vaters Brustkorb gewickelt. Die Eltern schaukeln und bewegen sich vorsichtig mit dem Baby. Die Schaukelbewegung, der Hautkontakt und die rhythmische Bewegung des elterlichen Brustkorbs durch die Atmung erzeugen die folgenden vorteilhaften Einflüsse: [...]
Quelle
Meine Kleine braucht mich, ich schick erstmal ab.
Maria29 hat geschrieben:Wenn nicht, werde ich wohl mal ne Weile für sie abpumpen, ihr Gezerre ist einfach zu anstrengend.
Achso: bitte unbedingt erstmal STILLFREUNDLICH Füttern (siehe Linksammlung), wenn Du das erwägst, nicht per Flasche.
Später mehr. LG, blueberry