Hallo Animay,
gut möglich, dass sich einfach Zähnchen ankündigen. Da haben meine viel auf den Fingern rumgekaut. Ich hab dann angefangen, Beißringe etc. anzubieten
Animay hat geschrieben:Aber hach... Mir sagen so viele, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Kleine nochmal eine Saugverwirrung entwickelt, einfach weil sie jetzt schon so viel älter ist.
"Saugverwirrung" kann ja viele Gesichter haben. Gerade im zweiten Lebenshalbjahr wird von künstlichen Saugern (dazu gehören auch sogenannte "Trinklernaufsätze" für Babytassen etc., nicht nur klassische Saugerfläschchen und Schnuller) das Beißen beim Stillen begünstigt:
Viele Babys werden, wenn die Zähnchen schieben, mal mehr oder weniger stark "zuschnappen" beim Stillen, weil das die Kieferchen entspannt. Mama findet das natürlich nicht lustig und reagiert im Normalfall mit Schreck, "Aua!"-Ruf und Unterbrechung der Stillmahlzeit. Die meisten Babys lernen dadurch sehr schnell, dass man beim Saugen nicht beißen sollte. Problem gelöst - im Idealfall noch bevor das erste Zähnchen überhaupt zu sehen ist.
Wenn neben Mama aber noch Schnuller oder Fläschchen etc. zum Saugen infrage kommen, kann an diesen wunderbar gelernt werden, dass man Saugen (entspannend) und Kiefermalmen/Zubeißen (ebenfalls entspannend, wenn Zähnchen kommen) wunderbar kombinieren kann! Selbst wenn Mama zehnmal täglich deutlichst Aua sagt und das Baby von der Brust nimmt - Flasche, Trinklernschnabel und Schnuller werden sich nie beschweren - selbst wenn man stundenlang draufrumbeißt. Im Gegenteil kommt aus manchen sogar ein extra-Schwall Getränk, wenn man die Kiefer schwungvoll zuklappt. Das macht es dem Baby ausgesprochen schwer, sich das Beißen ab- statt anzugewöhnen - und dürfte mit einer der Hauptgründe sein, warum hierzulande "aber spätestens, wenn das Baby Zähne hat!" abgestillt wird. "Ich lass mich doch nicht ständig beißen!" ist ein wirklich nachvollziehbarer Grund, zügig abzustillen... - und meist für beide Seiten wirklich kein schönes Ende der Stillzeit

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(Daumenlutschen ist diesbezüglich übrigens kein Problem - sich mit Zähnchen kräftig in den eigenen Daumen zu beißen, tut ja weh.)
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Hallo warmbäuchlein,
warmbäuchlein hat geschrieben:Also ich bin total für den Schnuller, wenn - oder weil - er der Mutter gut tut.
Ich verstehe ehrlich nicht, warum der Schnuller teilweise so verteufelt wird.
Also "verteufelt" wird der Schnuller hier zumindest nicht (siehe mein letztes Posting

).
Es gibt - z.B. in den Händen einer erfahrenen IBCLC angewandt - sogar therapeutische Einsatzgebiete für Schnuller. Mit
warmbäuchlein hat geschrieben:"Schnuller rein und Ruhe"
haben die allerdings nichts zu tun, das stimmt.
Dass Still-Fachleute den massenhaften, unreflektierten Einsatz von Schnullern, wie er in Deutschland und anderen Industrienationen (oft von Geburt an!) üblich ist, so kategorisch ablehnen, kommt aber eben gerade daher, dass der Schnuller vielen Müttern auf lange Sicht NICHT gut tut. Ich erkläre gern, wie ich das meine:
Stilltechnikprobleme, die durch die Verwendung von Schnullern begünstigt (oder deren Behebung unter weitergehendem Schnullereinsatz erschwert bis unmöglich gemacht werden) sind z.B. eine zu geringe Mundöffnung beim Saugen (beim Stillen ist der Mund normalerweise weit offen, beim Schnullern hingegen nahezu geschlossen) oder Probleme, die Brustwarze beim Andocken richtig zu erfassen (anderes Mundgefühl, Schnuller machen einen stärkeren Reiz am Gaumen, müssen nicht aktiv eingesaugt werden, sondern werden dem passiven Baby in den Mund gesteckt, ...). Es gibt noch weitere.
Nun gehen solche Technikprobleme schnell mit wunden BW bei der Mutter und/oder Milchmengenproblemen einher. Wenn künstliche Sauger die Ursache sind, aber nicht weggelassen werden, helfen auch die besten Bemühungen um korrektes Anlegen meist nicht. Daraufhin werden Stillzeiten begrenzt, noch häufiger der Nuckel angeboten, die Stilltechnik kann sich nicht erholen sondern leidet im schlimmsten Falle immer mehr - ein Teufelskreis.
Die meisten Babys entwickeln zudem nach einigen Wochen bis Monaten eine Präferenz für eine der beiden Mundgefühle/Techniken: manche lehnen irgendwann den Schnuller und Fläschchen ab - andere irgendwann die Brust. Kann man nicht vorhersagen.
Selbst wenn die Technik NICHT sofort leidet: besonders in den ersten Wochen nach der Geburt besteht auch schlicht die Gefahr, dass zu wenig Milch im Kind landet. Wie jusl schon ausführte, passen Saugbedürfnis und Bedarf an Milch bei Babys normalerweise recht fein abgestimmt genau zusammen. Ein junges Baby merkt nicht differenziert: "jetzt hab ich Hunger" und "jetzt will ich Trost/Beruhigung/..." - es hat einfach ein Saugbedürfnis, das dafür sorgt, dass es ausreichend Milch bekommt. Ausgedehntes Schnullern löst irgenwann aber auch ein "ich bin satt"-Gefühl aus, so dass das Baby zu wenig Milch trinkt UND die Mama entsprechend auch zu wenig Milch bildet. Wenn dies zu einer Zufütterindikation führt und dann (üblicherweise) nicht stillfreundlich zugefüttert wird, sondern zum Schnuller auch noch das Fläschchen kommt, ist der Weg zum Abstillen im ersten Lebenshalbjahr nicht mehr weit.
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Nun kann man das alles nicht allen Müttern ausführlich nahebringen. "Kein Schnuller und keine Fläschchen, wenn die Mutter stillen möchte", wie es etwa in babyfreundlichen Krankenhäusern und auf anderen modernden Wochenbett-Stationen gehandhabt wird, ist da deutlich prägnanter und leichter zu vermitteln.
Nun gibt es Fälle, in denen Schnuller auch langfristig unproblematisch für die Stillbeziehung waren. Es mag auch Situationen geben, in denen sie Müttern ausschließlich gute Dienste tun (etwa, wenn aus einer gut laufenden Stillbeziehung heraus die bewusste Entscheidung für das Abstillen zu Flasche und Schnuller hin getroffen wird, weil die Mutter nicht mehr stillen mag, und mit dieser Entscheidung im Reinen ist).
In vielen vielen Fällen sind Schnuller aber nicht Teil einer Lösung, sondern Teil von Problemen wie "ich hatte von Anfang an nicht genug Milch", "ich konnte das Stillen vor Schmerzen nicht mehr ertragen", "mein Baby wollte mit acht Monaten plötzlich partout nicht mehr an die Brust, dabei wollte ich doch bis zum ersten Geburtstag stillen", "sie hat selbst nach Wochen nicht aufgehört, mich mit den neuen Zähnchen in die Brust zu beißen, ... ". Den allermeisten beteiligten Müttern tun diese Erlebnisse und das damit verbundene Abstillen NICHT gut, sondern gehen mit Trauer, Enttäuschung, Gefühlen des Scheiterns, ... einher

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(Dass saugerbedingte Stillprobleme und vorzeitiges Abstillen nicht im Sinne des Babys sind, ist klar. Dass Schnullereinsatz einen distanzierteren Betreuungsstil begünstigen kann [nicht muss!], ebenfalls.)
Aus all diesen Gründen lehnen die meisten Still-Experten Schnuller im Rahmen einer Stillbeziehung im Normalfall ab. Mit "verteufeln" hat das aber nichts zu tun.
LG, blueberry