Im KH lief es immer so: Brust jede Seite 10-20 Min. dann BES und dann das nötige restliche per Sonde. Das BES war meiner Tochter und mir von Anfang an unangenehm
Ok, das klingt übel. Für mich ergibt dieses Vorgehen überhaupt keinen Sinn - der Witz am BES ist ja gerade, dass es DIREKT zu Beginn der Stillmahlzeit zum Einsatz kommt, damit das Baby motiviert an der Brust bleibt und in einer normalen Zeitspanne bequem sein Bäuchlein fülllen kann.
Sie hat sich gegen das Einführen des Schlauches gewehrt.
Der Schlauch wird genauso wenig "eingeführt" wie die Brustwarze. Babys nehmen die Schlauch während des Stillens normalerweise nicht wahr - es sollte genau eine solche Schlauchposition gewählt werden, dass das Kind den Schlauch wenig bis gar nicht fühlt.
und den Mund nicht geöffnet
Da gibt es viele stillberaterische Möglichkeiten, ein Baby bei der korrekten Mundposition zu unterstützen. Ein "Nichtöffnen" des Mundes bei einem Neugeborenen darf vom Fachpersonal keinesfalls akzeptiert werden. Konnte sie denn "orthopädisch gesehen" den Mund öffnen? Also gähnen z.B.? Manche Kinder haben entsprechend med. Auffälligkeiten, so dass deren Kiefergelenke sozusagen gar nicht weit genug aufgehen beispielsweise. Das ist aber superselten, und wenn eine solche Auffälligkeit bei Deinem Baby nicht vorlag, hätte man Euch sehr leicht helfen können.
Ich fand das Anlegen und auf den Schlauch achten extrem stressig und habe mich sehr unwohl dabei gefühlt.
Kann ich gut verstehen. Deine Beschreibung klingt für mich danach, als wärt Ihr leider nicht fachkundig dabei begleitet worden - das ist unglaublich schade, denn es gibt nunmal keine zweite Chance für einen ersten Eindruck...
Wenn es eine Chance ohne das BES gibt, wäre das super.
Ich sehe nur sehr geringe Erfolgsschancen ohne den erfolgreichen Einsatz des BES, das muss ich leider ehrlich sagen. Der kritische Punkt ist, Dein Baby dazuzubringen, während einer ganzen Mahlzeit mit korrekter Saugtechnik dauerhaft entspannt und kräftig zu saugen. Angenommen, Dein Baby würde dies tun: kräftig 20 Minuten lang saugen (dies wäre extrem unwahrscheinlich - warum sollte es das tun, wenn praktisch keine Milch kommt?..). Dies würde ziemlich sicher sehr schmerzende, wunde Brustwarzen verursachen! Saug mal spaßeshalber eine Viertelstunde lang kräftig an einer beliebigen Hautstelle am Arm, berücksichtige, dass die BW-Haut noch mal um einiges empfindlicher ist, und stelle Dir dann vor, diese Tortur 8 mal täglich zu wiederholen...
Angenommen, Dein Baby verhält sich normal und saugt nur ein paar Sekunden (2 Minuten wären da schon echt lang!..): das reicht nicht, um die Milchbildung nennenswert anzukurbeln. Und wenige Sekunden oder Minuten reichen auch nicht, um eine korrekte Stilltechnik (die sich technisch erheblich von Flaschen-Trinktechnik unterscheidet, siehe Stichwort "Saugverwirrung" in unserer Linksammlung Stillwissen) zu lernen - Dein Baby braucht dazu mehr und länger Gelegenheit.
Das BES leistet genau dies: es motiviert das Baby, zufrieden und mit Erfolgserlebnissen lange an der Brust zu bleiben und dabei satt zu werden. In dieser Zeit regt sein Saugen die Milchbildung an. Und die Warzen werden geschont, da das Saugvakuum durch die Milchabgabe rhythmisch verändert wird, und Dein Baby zunehmend mit korrekter Technik trinkt. Das hängt als Regelkreislauf alles zusammen.
Vielleicht lag es an der Betreuung, aber ich krieg jetzt schon Bauchweh, wenn ich daran denke und dann kann es für uns nicht der richtige Weg sein oder?
Hm, schwierig. Ich muss leider sagen, andere Möglichkeiten halte ich nicht für realistisch. Wäre Dein Baby deutlich jünger, dann kämen andere Sondierungmöglichkeiten an der Brust in Frage (etwa per Spritze und Schlauch), aber mit 5 Monaten dürfte Dein Baby sich daran massiv stören und ablenken lassen; das ist einfach unrealistisch, zumal auch die Trinkmengen für eine Spritze viel zu groß sind. Es ist nicht komplett ausgeschlossen, dass es ohne jegliche Hilfsmittel, also nur durch "einfach so ab und zu anlegen", klappt. Für eine wesentliche Voraussetzung halte ich hierbei allerdings eine praktisch auf VOLLstillniveau etablierte Laktation. Diese müsstest Du dann allein mit Pumpe aufbauen, ohne Baby-Hilfe sozusagen, EHE Du die ersten ernstgemeinten Stillangebote an Dein Baby machst. Das gelingt den meisten Frauen mit vergleichbarer Vorgeschichte nur durchs Pumpen leider nicht. Aber diesen Versuch könntest Du natürlich machen, warum nicht.
Wenn das BES für Dich partout nicht mehr in Frage kommt, dann könntest Du Dich anstatt aufs Stillen auch direkt darauf konzentrieren, NUR Deine Milchoproduktion hochzufahren und auf ernsthafte Stillversuche verzichten (falls diese Dich oder Dein Baby eher belasten als bereichern). Dies wäre eine Möglichkeit, falls Dir wichtig ist, dass Dein Baby MÖGLICHST VIEL Muttermilch bekommt.
Klar ist auch: FALLS Du Dich doch für einen Versuch mit dem BES entscheidest, also für den klassischen Umgewöhnungs-Weg sozusagen, dann wird bei Euch wegen Deiner negativen Vorerfahrungen vermutlich besondere Betreuung und Begleitung notwendig sein, und Du musst bereit sein, diese Erlebnisse zu verarbeiten und hinter Dir zu lassen, damit Du aufgeschlossen und bereit für Neues bist. Das ist nicht leicht. Ob Dein Stillwunsch und Deine Kräfte und Ressourcen dafür groß genug sind, kannst nur Du beurteilen. Egal wie und wofür Du Dich entscheidest, wir begleiten Dich gerne dabei.
LG
Julia