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Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 15.12.2012, 21:09
von blueberry
4tiere hat geschrieben:Meine Schwägerin meinte gestern zu mir, die Empfehlung heute sei doch sowieso nur noch 4 Monate zu stillen und dann mit Fläschchen zuzufüttern, weil das irgendwie besser wäre von wegen Abwehrstoffe bilden... stimmt das? Wie ist denn der normale Weg: Voll stillen und dann Beikost dazu - oder gibt man grundsätzlich irgendwann auch Fläschchen? Vielleicht eine blöde Frage, aber ist mein erstes Kind und ich hab mich ehrlich gesagt noch nicht so wahnsinnig damit auseinander gesetzt, war froh, dass ich mit der Muttermilch erstmal nichts falsch machen konnte

Die Empfehlung - mit vier Monaten mit Beikost anzufangen - gibt es schon, aber sie hat einen anderen Hintergrund, der für euch nicht zutrifft.
Es ist nämlich so, dass Beikost besser vertragen wird und Toleranzen gegen "kritische" Lebensmittel besser gebildet werden, wenn neben der Beikosteinführung auch gestillt wird. Und da viele Frauen "nur" sechs Monate überhaupt stillen, wird empfohlen, schon mit vier Monaten mit der Beikost anzufangen, damit dieser Effekt genutzt werden kann.
Viel besser ist es natürlich, mit der Beikost anzufangen, wenn das Baby
beikostreif und sonst solange stillen, wie es für Mutter und Kind ok ist. daher machst du alles richtig und musst nicht auf deine Schwägerin hören.
.
Da mag ich mich anschließen. Vor allem die verlinkten Infos zur Beikosteinführung sind toll!
Nur als ein Beispiel, damit es vorstellbarer wird, wie das aussehen kann: mein Sohn ist jetzt reichlich zweieinhalb Jahre alt, ich habe ihn die ersten 6 Monate voll gestillt (also nur Muttermilch, kein Wasser, kein Tee, keine sonstige Beikost o.ä.). Dann gab es verschiedenes Essen für ihn zum Probieren

- das hat er viele Monate so gemacht: am Essen geknabbert, es auch mal durchgekaut - und meist zu 95% wieder ausgespuckt. Es hat ihm viel Freude gemacht, mit beim Essen zu sitzen und alles zu probieren (und auch damit zu matschen

) - Hauptnahrungsmittel im ersten Lebensjahr war aber deutlich Muttermilch, sonst gab es Familienkost und Wasser als Getränk (aus kleinen Becherchen). Zu Beginn des zweiten Lebensjahres fing er an, mehr zu essen und Wasser zu trinken und weniger zu Stillen. Mit zweieinviertel habe ich ihn nachts abgestillt und mit zweieinhalb hat er sich sehr leicht überzeugen lassen, die letzte übrige Stillmahlzeit aufzugeben. Wäre ich nicht schwanger gewesen, hätte er auch gern noch weiter stillen können

.
Was ich aber vor allem sagen möchte: wir haben in der gesamten Zeit von Voll- über Teilstillen zu ausschließlicher Familientisch-Kost nie ein einziges Fläschchen besessen, auch keinen Schnuller, Trinklerntasse o.ä. und hatten auch nie "für alle Fälle" eine Packung Pulvermilch da. Ich will damit nicht sagen, dass es jeder so machen soll, nur, dass man ein Kind auch wunderbar groß bekommen kann, ohne all diese Dinge, die in Deutschland bei den meisten Kindern dazuzugehören scheinen

Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 15.12.2012, 21:17
von blueberry
Achso, vergessen: für die Fälle, in denen ich mal länger weg war (Arzttermin, Rückbildung, ...), hatte ich entweder Mann und Kind mit, habe im Wartezimmer nochmal gestillt und dann ist mein Mann mit Kind im Bondolino spazieren gegangen (bei der Rückbildung war er auch zwischendrin mal zum "Babyreinreichen" da und ich hab nach der Stillpause weitergeturnt), oder mein Mann hatte das frisch gestillte Baby zuhause, hat es meist getragen (im Tuch oder Bondolino) und hatte für den Fall der Fälle abgepumpte Muttermilch und ein kleines Becherchen da. Allerdings hat mein Sohn es vorgezogen, auch mal zwei, drei Stunden auf Mama zu warten, und die Milch "originalverpackt" zu trinken. Mein Mann hat sich aber wohler gefühlt, Milch dazuhaben und hätte dann eben gebechert. Auch für solche Fälle braucht man also kein Fläschchen

Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 17.12.2012, 23:01
von Selda222
Das ist keineswegs eine blöde Frage - denn für viele Menschen gilt ja tatsächlich die Gleichung "Baby = Flasche = Schnuller = Kinderwagen = Babybettchen = ..."
Die Antwort ist auch hier eindeutig: Der NORMALE Weg (im Sinne von "biologisch normal", nicht im Sinne von "was die meisten Leute zur Zeit für modern halten") sieht vor, dass ein Baby so lange ausschließlich gestillt wird, bis es beikostreif ist, und ab dann darf es einfach am Familientisch mitessen. Während dieser Zeit wird es weitergestillt bis das Stillbedürfnis des Kindes von selbst verschwindet. Dafür braucht man keinerlei Fläschchen, Breichen, Gläschen, Pulverchen, oder sonstige "Babyartikel".
interessant! Aber warum geben so viele Leute ihren Kindern Fläschchen? Einfach, weil es bequem ist und auch mal der Papa oder eine andere Person ran kann? Oder dauert es einfach sehr lange, bis die Beikost kalorienmäßig ausreicht, und da die meisten Mütter eben früher abstillen wollen, muss dann zusätzlich Fläschchen gegeben werden?
Ich habe irgendwie eine totale Abneigung gegen diese industriell aufbereiteten Pülverchen...
1x wöchentlich wiegen reicht. 2x wöchentlich ginge auch noch, aber noch häufigeres Wiegen ergibt in dem Alter definitiv keinen Sinn und sollte deshalb definitiv vermieden werden (also auch nicht "aus Spaß" jeden Tag gucken oder so!.. - denn zu häufige Kontrollen haben nachweislich negative Auswirkungen auf das Erleben der Mutter-Kind-Beziehung und des Stillverhaltens.) Voraussichtlich kann man dann in 3-6 Wochen sehr gut abschätzen, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht.
Ok, also die Waage ist inzwischen schon ein paar Tage da und ich werde das Gewicht beobachten und mich dann wieder melden.
jusl hat geschrieben:
* Bleib beim Stillen nach Bedarf, also so häufig wie Dein Baby mag. Achte dabei darauf, dass Du keine Pausen länger als 3-4 Stunden hast.
* Biete bei jedem Stillen BEIDE Seiten an. Wenn Dein Baby nicht mag, kein Problem, dann nicht. Aber vielleicht mag es ja.

* Biete nach zwei Seiten ruhig noch mal die ERSTE Seite an. Das ist die einfachere, effektivere Maßnahme im Vergleich zum Pumpen.
Ich habe auch schon das Gefühl, dass die Milch wieder mehr geworden ist, und dass sie oft gar nicht "leer" trinkt, sondern aufhört, weil sie wirklich satt ist. Insofern bin ich jetzt wirklich gespannt auf die Gewichtsentwicklung und hoffe, dass das nur eine Episode war...!
Liebe Grüße
Selda
Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 17.12.2012, 23:04
von Selda222
blueberry hat geschrieben:Nur als ein Beispiel, damit es vorstellbarer wird, wie das aussehen kann: mein Sohn ist jetzt reichlich zweieinhalb Jahre alt, ich habe ihn die ersten 6 Monate voll gestillt (also nur Muttermilch, kein Wasser, kein Tee, keine sonstige Beikost o.ä.). Dann gab es verschiedenes Essen für ihn zum Probieren

- das hat er viele Monate so gemacht: am Essen geknabbert, es auch mal durchgekaut - und meist zu 95% wieder ausgespuckt. Es hat ihm viel Freude gemacht, mit beim Essen zu sitzen und alles zu probieren (und auch damit zu matschen

) - Hauptnahrungsmittel im ersten Lebensjahr war aber deutlich Muttermilch, sonst gab es Familienkost und Wasser als Getränk (aus kleinen Becherchen). Zu Beginn des zweiten Lebensjahres fing er an, mehr zu essen und Wasser zu trinken und weniger zu Stillen. Mit zweieinviertel habe ich ihn nachts abgestillt und mit zweieinhalb hat er sich sehr leicht überzeugen lassen, die letzte übrige Stillmahlzeit aufzugeben. Wäre ich nicht schwanger gewesen, hätte er auch gern noch weiter stillen können

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Was ich aber vor allem sagen möchte: wir haben in der gesamten Zeit von Voll- über Teilstillen zu ausschließlicher Familientisch-Kost nie ein einziges Fläschchen besessen, auch keinen Schnuller, Trinklerntasse o.ä. und hatten auch nie "für alle Fälle" eine Packung Pulvermilch da. Ich will damit nicht sagen, dass es jeder so machen soll, nur, dass man ein Kind auch wunderbar groß bekommen kann, ohne all diese Dinge, die in Deutschland bei den meisten Kindern dazuzugehören scheinen

Ah, das beantwortet ja schon quasi meine Fragen

Sorry, hab deinen Beitrag erst jetzt gesehen! Toll, dass es so auch geht, da hab ich ja mal ein gutes Ziel vor Augen!

Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 06.01.2013, 23:40
von Selda222
Hallo Julia,
jetzt kommen ein paar Messergebnisse, ich bin gespannt, was du dazu sagst. Gewogen wurde immer morgens nackig nach dem Aufstehen und vor dem Stillen (da wir jedoch auch nachts etwa alle 2-3 h stillen, kann es schon vorkommen, dass an einem Tag das letzte Stillen eher 1 und an einem anderen eher 3 h her ist):
15.12.: 5,41 kg
18.12.: 5,58 kg
21.12.: 5,62 kg
27.12.: 5,8 kg
6.1.: 5,94 kg
Die ersten Messungen waren ja ganz vielversprechend. Da hatte ich auch das Gefühl, dass sie wieder gut trinkt (sogar beide Seiten!) und dass die Milch wieder mehr geworden ist. Über die Feiertage waren wir dann ziemlich am Rumfahren, d.h. viele neue Leute und neue Betten. Da hatte ich das Gefühl, dass sich das auf's Trinken ausgewirkt hat und sie wieder schlechter getrunken hat. Sylvester hatte ich dann prompt einen Milchstau.
Im Moment ist es so, dass ich das Gefühl habe, auf jeden Fall wieder mehr Milch zu haben (sie sprudelt wieder nach dem MSR, das war vor einigen Wochen nicht mehr so). Die Kleine trinkt nun auch wieder nur noch eine Seite und da auch nur extrem kurz. Ich habe das Gefühl, dass sie nicht hinterherkommt mit Schlucken, weil so viel kommt und das dann nicht mag. Dann trinkt sie nur bis zum ersten Sättigungsgefühl, kann das sein?
Was sagst du zur Gewichtsentwicklung? Die letzte Woche nicht so toll, oder?
Liebe Grüße
Selda
P.S.: und ich habe parallel auch immer "meine" Waage zum Vergleich benutzt - bis auf einmal hat sie nur 2g Unterschied angezeigt. Das eine Mal jedoch 500g daneben. Nach nochmaligem Tarieren mit Kind drauf war es dann jedoch das gleiche Ergebnis (im Minus) wie die Waage der Apotheke. Insofern werden einige der zuvor aufgeschriebenen Messungen wohl doch nicht falsch sein.
Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 07.01.2013, 08:10
von jusl
Hallo Selda,
500 g Gewichtszunahme in 3 Wochen (entspricht rund 170 g durchschnittlich pro Woche) sind für ein Baby über 4 Monaten sehr sehr viel. Wirklich sehr viel.
(Quelle) Da ist es vollkommen wurscht, ob in der letzten Woche eine etwas niedrigere Gewichtszunahme gemessen wurde als in den Wochen zuvor - auch der Wert der letzten Woche ist sehr sehr hoch.
Daraus kann nur geschlossen werden, dass es mit dem Stillen bei Euch allerbestens läuft und eindeutig keine Gedeihproblematik vorliegt. Für weitere häufige Gewichtsmessungen gibt es keinen Grund.
LG und alles Gute weiterhin,
Julia
Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 07.01.2013, 10:59
von Gast
jusl hat geschrieben:500 g Gewichtszunahme in 3 Wochen (entspricht rund 170 g durchschnittlich pro Woche) sind für ein Baby über 4 Monaten sehr sehr viel. Wirklich sehr viel.
(Quelle) Da ist es vollkommen wurscht, ob in der letzten Woche eine etwas niedrigere Gewichtszunahme gemessen wurde als in den Wochen zuvor - auch der Wert der letzten Woche ist sehr sehr hoch.
da hatte sie wohl was nachzuholen!
Ich hatte mich von der Aussage des Kinderarztes etwas ins Bockshorn jagen lassen, der meinte "150g pro Woche sollten es schon mindestens sein" (woraus ich geschlossen hatte, dass das eher die untere Grenze ist).
Aber dann bin ich jetzt beruhigt, vielen Dank!
LG
Selda
Re: Zu geringe Zunahme
Verfasst: 07.01.2013, 14:33
von jusl
150g pro Woche sollten es schon mindestens sein
Nein, das ist definitiv Quatsch.
Babys zwischen 4 und 6 Monaten nehmen laut WHO durchschnittlich 70-140 g pro Woche zu, Babys zwischen 6 und 12 Monaten durchschnittlich 40-110 g pro Woche. Dies sind auch keine "Grenzen" für irgendwas, sondern einfach nur beschreibende Durchschnittswerte. Selbstverständlich gibt es auch unzählige gesunde, gut ernährte Kinder, die noch weniger als die hier angegebenen unteren Werte zunehmen. Kann ja nicht jeder im Durchschnitt liegen.
LG
Julia